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Montag, 28. November 2011

Das war zu erwarten

Wenn sich meine Befürchtungen bewahrheiten ist das nicht gut. Und irgendwie ahnte ich am Wochenende, dass der Spieltag nicht gut enden würde. Dennoch spüre ich eine gewisse Genugtuung, da ich nach dem Dortmund-Spiel mit meiner Kritik und dem Aufruf zu einer Kopfwäsche für unsere Mannschaft auf allerlei Unverständnis stieß. Zudem hatte ich beim Lesen zahlreicher Kommentare anderer Bayern-Fans und -blogger, und auch aufgrund der Reaktionen von Mannschaft und Bayern-Führung nicht den Eindruck, als hätte auch nur einer begriffen, auf welch' dünnem Eis unser Team hier balanciert. Zu viel Harmonie tut uns dann doch nicht gut. 

Dass Alaba die Schweinsteiger-Lücke nicht ausfüllen kann, sah man schon in Augsburg - Heynckes probierte es erneut und scheiterte. Die Kombination Gustavo/Alaba funktionierte nicht - zumal beide einen rabenschwarzen Sonntagabend erwischten. Was war denn bitte mit Luiz Gustavo los? Der strafende Blick des Trainers bei Gustavos Auswechslung sprach Bände.
Nach dem Ausfall Schweinsteigers schrieb ich "Wenn Uli Hoeness die Aufregung um Schweinsteigers Ausfall nicht versteht, dann spielt er die Situation herunter. Denn klar ist: Die Zwangspause des "heimlichen Kapitäns" trifft den FCB bis ins Mark." - und so ist es, wie man gestern wieder eindrucksvoll sehen konnte. 

Ich bin weiß Gott niemand, der schnell die Fehler beim Trainer sucht - aber weder gegen Dortmund, noch gegen Mainz habe ich verstanden, was Jupp Heynckes mit seinen Personalentscheidungen bezweckt. Jetzt lässt er plötzlich Arjen Robben auf der Bank, obwohl er vorher noch davon sprach, dass der Niederländer nun Spielpraxis bräuchte. Aber nach drei Monaten Spielpause bringt er Robben von Beginn an gegen einen Gegner wie Dortmund? Begreife ich nicht. 
Dann wechselt er Olic, der seiner Form bei jedem seiner Kurzeinsätze weit hinterherlief, ein - lässt Robben weiterhin draußen. Sicher liegt es nicht nur an Heynckes' Positionsgeschiebe - wie ich schon sagte, gibt es für Schweinsteiger keine adäquate Alternative -, auch die Einstellung der gesamten Mannschaft lässt doch arg zu wünschen übrig. Keine Giftigkeit, kein mia san mia, keine Bereitschaft sich auf dem Platz zu bewegen. So kann man einen verletzten Stützpfeiler dann auch nicht kompensieren. Die Ausreden unserer Spieler von gestern lasse ich mal besser unkommentiert. 

Unser Restprogramm für die Hinrunde ist bedrohlich - aber das schrieb ich ja auch schon vor Wochen. Gegen Bremen ist unsere Bilanz mau, dann gehts noch gegen den VfB und am Ende versaut uns der FC aus Köln wieder mal die Stimmung in der Arena. 
Die Sieges- und "zu Null"serie hat darüber hinweg getäuscht, dass der FCB kein Konzept hat gegen kompakt und aggressiv arbeitende (!) Mannschaften - alle Niederlagen haben das gleiche Muster. Hier sind zwei Dinge gefragt: Der Trainer muss darauf eine passende Antwort finden; die Mannschaft muss arbeiten, kämpfen und sich bewegen. 
Wir haben es erneut nicht geschafft, einen Rückstand zu drehen - das ist auch eine Frage des Charakters. Doch etwas Gutes hat die Niederlage in Mainz für uns: Jetzt hat wohl endlich jeder begriffen, dass etwas nicht stimmt - und wir können aus Standardsituationen tatsächlich Tore machen.

Dienstag, 22. November 2011

Kein Regen in Sicht

Der Rhein hat Niedrigwasser, weil es schon seit Wochen nicht regnet - ungewöhnlich für diese Zeit. Ungewöhnlich ist auch das ausbleibende Sturmtief "Uli" nach der Niederlage gegen den BvB. Die merkwürdige Ruhe beim FCB nach einer völlig unnötigen Heimniederlage, die das nahezu gesamte Verfolgerfeld wieder in Reichweite des Tabellenführers rückt, stimmt mich skeptisch. Das wäre jetzt der ideale Zeitpunkt für Christian Nerlinger mehr an Profil zu gewinnen, in dem er mal auf den Tisch haut. Doch die Aussagen der Bayern nach dem Spiel spiegeln keine Aufgeregtheit wider. Überhaupt war es merkwürdig lustig auf der Tribüne zwischen Hoeneß, Rummenigge und Hopfner - obwohl die Bayern zu diesem Zeitpunkt schon zurücklagen. Und auch die Aussagen einiger Spieler vor und nach der Partie halte für ich befremdlich, bedenkt man, dass man noch im Vorjahr vorgeführt wurde und dies nun schon die dritte Niederlage gegen die Dortmunder in Folge war. 
Das ist mir alles zu brav, zu nett, zu devot und harmonisch. Das ist nicht Bayern-like. Ich will ja nicht unken und es muss auch nicht unbedingt wieder Sturm sein, der über die Säbener Straße hinwegzieht - aber so ein bißchen Regen, der tut dann und wann mal ganz gut. An zu viel Sonnenschein hat sich der ein- oder andere auch schon mal verbrannt.  Schau'n  wir mal, wie die Wetterlage nach dem heutigen Champions League-Spiel gegen Villarreal aussieht. 

FernglasFCB tippt:
Bayern München vs FC Villarreal 2:1

Montag, 21. November 2011

"Die Lehrzeit ist vorbei!"

Liebe Fußballfans, lasst Euch nicht beirren - es sind die üblichen Reflexe im deutschen Sportfernsehen, dass man Euch weismachen will, Ihr hättet ein überragendes Fußballspiel gesehen, weil der Favorit dem Herausforderer unterlag. Dem war aber nicht so. Die Freude über diesen Fußballknaller, dem Topspiel der Hinrunde, verflog bereits nach fünfzehn Minuten Spielzeit, denn man ahnte wie zermürbend und wenig elektrisierend diese Partie werden würde. Was man sich auch immer vorab davon versprochen hatte, es hielt den Erwartungen nicht stand - und das war auch früh zu erahnen. In unglaubliche 200 von 197 Länder wurde die Partie der Bayern in rot gegen den 1. FC Nürnberg in schwarz-gelb übertragen, das war aber auch das einzige Superlativ. 

Ich hatte den Eindruck, dass Gagelmann im Zweifel pro Dortmund gepfiffen hat. Sicher kein spielentscheidender Fehler, aber doch tendenziös. Schmelzer hätte spätestens nach seinem dritten Foul Gelb sehen müssen, vielleicht auch Bender... (diese Einschätzung stammt übrigens nicht von mir, sondern aus neutraler - Frankfurter - Sicht). Die gelbe Karte für Badstuber war ein Witz, Gustavo wurde vom Schiedsrichter verschont und Ribéry sollte solche unschönen Versuche wie die Schwalbe in Zukunft bitte lassen.  
Der BvB beschränkte sich darauf, den Bayern das Leben so schwer wie möglich zu machen, spielte erwartungsgemäß aggressiv "hoch gegen den Ball" und igelte sich bei Bedarf vor dem eigenen Strafraum massiv ein. Dagegen ist ohnehin schon wenig Kraut gewachsen, aber die Bayern von Samstagabend schafften es tatsächlich so schwach aufzutreten, wie zu Beginn der Saison in Spielen wie gegen Gladbach oder bei Wolfsburg. Was für eine Enttäuschung! 
Wo war der Toni Kroos, der uns die letzten Wochen so beeindruckte? Wo der Thomas Müller, der die Niederländer beim letzten Länderspiel reihenweise an der Nase herumführte? Wo waren die dynamischen Offensivaktionen eines Philipp Lahm? Wo im Himmel war Mario Gomez? Und warum hatte man den Eindruck, den Ribéry der Vorsaison auf dem Platz zu sehen, statt den genialen Außenstürmer der letzten Monate? Das alles hatte Gründe - und die lagen auch in der von Jupp Heynckes gewählten Aufstellung. 

Die Gäste störten früh, verteidigten massiv und versuchten immer wieder zahlenmäßige Überlegenheit dem Ball führenden Spieler gegenüber zu stellen - offensive Bemühungen gab es kaum. Und die Bayern? In ein taktisches Korsett gezwängt, das ihnen (noch) nicht passte, spielten einfallslos und uninspiriert wieder und wieder durch die Mitte - dort, wo der Dortmunder Verteidigungswall am stärksten war. Die Aktionen über außen liefen ins Leere, da Ribéry und Robben keinerlei Unterstützung bekamen.  Die Gastgeber verhedderten sich in aller Regelmäßigkeit in diesem Geflecht aus Dortmundern  - Klopps Taktik ging also auf. Die taktischen Maßnahmen von Bayern-Trainer Jupp Heynckes hingegen scheiterten auf ganzer Linie. Seine Aufstellung erschwerte ein Spiel, das auch in die Breite hätte verlagert werden und so für Durchlässigkeit in der Mitte hätte sorgen können. Der Grund: Zum einen ließ er einen Spieler auflaufen, der seit drei Monaten nicht mehr gespielt hatte, zum anderen veränderte er das eingespielte System, in dem er Müller zentral einsetzte und die Doppelsechs durch Gustavo und Kroos besetzte. Die so wichtigen Offensivqualitäten eines Toni Kroos kamen damit nicht zum Tragen, Müllers Bewegungsfreiheit wurde auf ein Minimum reduziert - und Arjen Robben war der vermeintliche Trumpf, der nicht stach - was ja nun wirklich niemanden überraschen konnte. Heynckes wollte für ein besonderes Spiel eine besondere Maßnahme treffen, das aber ging leider nach hinten los. 
Die Wechsel am Ende sahen eher nach Verzweiflung aus - zumal Heynckes irritierender Weise die Positionen so beließ. Es wäre vielleicht hilfreicher gewesen Müller nicht auszuwechseln, sondern auf die Robben-Position zu beordern. Ivica Olic beweist leider bei keiner seiner Gelegenheiten in den letzten Wochen, warum er eine Stammposition verdienen würde.  

Doch allein die Schuld beim Trainer zu suchen, wäre nicht fair. Die Mannschaft spielte nicht auf dem Niveau, das man hätte erreichen müssen, um die Absenz eines Bastian Schweinsteigers zu kompensieren. Ribéry blieb ohne Unterstützung von Lahm, Gomez ohne Unterstützung von Kroos oder Müller, Müller ohne Unterstützung von Robben oder Kroos - jeder für sich allein und ohne Esprit und wilder Entschlossenheit, so geht's natürlich nicht. Ein FCB bei 60 Prozent gegen eine Dortmunder Borussia bei 70 Prozent war das, was wir sahen - und somit geht die knappe Niederlage genau so auch in Ordnung - wie oft haben wir schon Spiele so schmutzig gewonnen?! Dortmund wartete auf den "lucky punch" und setzte ihn. Und - um Himmels Willen - man höre doch bitte mit diesem peinlichen Vergleich der Laufleistung auf, der sich seit dieser Saison so penetrant in den Medien ausbreitet. Dortmund ist zehn Kilometer mehr gelaufen? Das ist im Schnitt ein Kilometer pro Feldspieler mehr - was für ein Mumpitz, dies als Ursache anzuführen! Die Bayern hätten nicht mehr laufen müssen, sondern nur anders.  
Verschenkte drei Punkte als Vorweihnachtspräsent für den amtierenden Meister. Großzügig von uns - dumm nur, dass das komplette Verfolgerfeld (abgesehen von Bremen) an diesem Wochenende siegte. Wir sahen ein mäßiges Spitzenspiel, das nur von der (An)Spannung lebte - enttäuschend, wenn man bedenkt, welch' hervorragende Fußballer da auf dem Platz standen. Sollen sich die Dortmunder ruhig als großer Bayern-Jäger und Triumphator fühlen, vergleicht man die Leistung der letzten Saison mit der von Samstag, müssen wir vor dieser Borussia keine Angst haben. Genau so hat der 1. FC Nürnberg vor nicht allzu langer Zeit bei uns auch schon gespielt. Ein FCB bei hundert Prozent hätte Klopps Truppe auseinander genommen. Umso ärgerlicher ist das Auftreten der Roten gewesen - wie kann man so eine Chance ungenutzt lassen?!  Ausgerechnet gegen Borussia Dortmund machen wir eines unserer schlechtesten Spiele. Das verdirbt mir wirklich die Laune.

Es hatte nicht nur den Anschein, dass die Bayern nicht zu hundert Prozent mit der nötigen Konzentration ins Spiel gegangen waren, Trainer Heynckes bestätigte diesen Eindruck dann auch nach der Partie bei der Pressekonferenz. Die Länderspielpause hatte uns - wieder mal - nicht gut getan. Drei Punkte kann man verschmerzen, aber dieser Mangel an Konzentration in so einem Spiel ist das, was wirklich ängstigt. So eine Leistung im Pokal - und man ist schnell aus dem Wettbewerb gekickt und niemand fährt nach Berlin. So eine Leistung in der Finalrunde der Champions League - und der Traum vom Finale in München wird auf ewig einer bleiben. Auf diese Art wird es keine Traum- sondern eine Albtraumsaison. Da muss man Herz zeigen, da muss man sich zerreißen - aber nicht so, meine Herren! Kuschelkurs mit Götze & Co bei Länderspielen ist ja okay, aber danach muss auch Schluss damit sein.
Wie sagte Uli Hoeneß noch auf der Jahreshauptversammlung am Freitagabend in Richtung Nerlinger und Jung?: "Die Lehrzeit ist vorbei!" Das gilt auch für die Mannschaft - in diesem Jahr müssen Titel her!


Bayern München vs Borussia Dortmund 0:1 (FernglasFCB tippte: 3:1)



Zum Suizidversuch von Schiedsrichter Rafati schreibe ich hier nichts - das hat mit Sport (hoffentlich) nichts zu tun. Gute Besserung!

Donnerstag, 17. November 2011

The Clash

Samstagabend ist es soweit, der Clash der Hinrunde - Dortmund bei den Bayern - wird uns jeden Termin verschieben, jeden Anruf ignorieren lassen und uns 90 Spielminuten lang in seinem Bann halten: Der Meister gegen den Meisterschaftsfavoriten, der Titelverteidiger gegen den Rekordmeister! 

Personell haben beide zu knabbern, Dortmund fehlt Neven Subotic (Gesichtsbruch) und vermutlich auch Marcel Schmelzer. Bei den Bayern fehlt Bastian Schweinsteiger - und selbst wenn Arjen Robben tatsächlich im Kader stehen sollte, so dürfte sein Einsatz doch eher fraglich und auch fragwürdig sein. Ich vermute, dass Jupp Heynckes die Mittelfeld-Variante Alaba/Gustavo wählen wird, um im defensiven Mittelfeld das Fehlen Schweinsteigers zu kompensieren. Die Alternative Tymoschtschuk ist keine mehr - der Ukrainer ist gesperrt. Neben diesen Schlüsselpositionen werden meines Erachtens die Form von Thomas Müller und die Treffsicherheit von Mario Gomez entscheidend sein. Die Dortmunder IV stand in den letzten Wochen nicht immer sattelfest - und ein Müller in der Form vom gestrigen Länderspiel ist eigentlich nicht zu kontrollieren. 
Allerdings haben die Dortmunder Fahrt aufgenommen in den letzten Wochen - und es ist beeindruckend, dass diese junge und unerfahrene Mannschaft auf Platz Zwei hinter den Bayern herhechelt. Hier wird die Nachhaltigkeit der sportlichen Arbeit beim BvB deutlich, wenngleich man die Meisterschaft in der letzten Saison noch als Überraschung werten konnte. 

Es wird also ein richtiger Showdown am Samstag - die Bayern könnten mit einem Sieg acht Punkte zwischen sich und der Dortmunder Borussia bringen. Der BvB hingegen könnte den Vorsprung der Bayern ein wenig einschmelzen. An der Grundrichtung wird das nichts ändern: die Bayern bleiben in jedem Fall der Meisterschaftsaspirant und Dortmund ein ernstzunehmender Konkurrent. 

FernglasFCB tippt: 
Bayern München vs Borussia Dortmund 3:1
   

Mittwoch, 16. November 2011

Aktion Libero



Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

Montag, 7. November 2011

Alternative Nummer Eins gescheitert

Frei nach Gertrude Stein: Drei Punkte sind drei Punkte, sind drei Punkte, sind drei Punkte - und so führt der FCB die Tabelle mit mittlerweile fünf Zählern vor dem zweiten, dritten und vierten Verfolger an. Das ist ein komfortabler Vorsprung und verspricht, dass selbst bei einer Niederlage im kommenden Clash gegen den Zweiten Borussia Dortmund die Bayern nicht von ihrer Führungsposition verdrängt werden können. Die erste Hälfte in Augsburg verlief so souverän und selbstverständlich, dass dem Fußballabend nach dem dramatischen Spiel zwischen Hannover und Schalke ein eher langweiliger Ausklang drohte. Doch so ganz glatt ging das schwierige Wechselspiel zwischen europäischer Hochglanzbühne und Augsburger Liga-Provinz dann doch nicht. 
Jupp Heynckes hatte die Schweinsteiger-Position dem 19-jährigen David Alaba aufgebürdet - und das sah zunächst einmal ganz ordentlich aus, was der österreichische Nationalspieler daraus machte. Irgendwie indisponiert wirkten Anatolij Tymoschtschuk  und Daniel van Buyten - ansonsten lieferte die Bayern-Elf ein eher ordentliches, wenngleich auch nicht berauschendes, Spiel ab. Folgerichtig ging man dann auch mit zwei Toren in Führung - und irgendwie sah der Drops dann auch bis zur Pause wie gelutscht aus.

Nach der Pause schien der FCB dann die Linie verloren zu haben, Augsburg kam besser ins Spiel und drehte nach dem Anschlusstreffer, der wie schon gegen Neapel aus einer Standardsituation entstand, so richtig auf. Die besseren Torchancen erspielte sich allerdings der FC Bayern - bis zur 83. Minute, in der Manuel Neuer den Dreier mit einem großartigen Reflex rettete. Unschöner Höhepunkt: Tymo kommt mit gestrecktem Bein zu spät und fliegt in der 90. Spielminute vom Platz - schön blöd.
Spieler des Abends war Manuel Neuer - und das nicht nur aufgrund der so wichtigen Torverhinderung. Sein präziser Abstoß auf Gomez leitete auch das 2:0 durch Franck Ribéry ein. Der schlechteste Bayern-Akteur gestern Abend wird wohl die nächsten drei Spiele von der Tribüne aus zusehen.

Was lehrt uns der Auftritt des Tabellenführers in Augsburgs SGL-Arena? Dass es mit Alaba nur eine Halbzeit halbwegs funktionierte - und das gegen einen potenziellen Abstiegskandidaten. Durch Tymos Rotsperre wird sich die Kombination Alaba/Tymoschtchuk als Schweinsteiger-Alternative erübrigt haben. Bleibt für mich nur die Alternative Kroos/Gustavo und Müller zentral für die Partie gegen Dortmund nach der Länderspielpause. Ich bin mir nicht sicher, ob Heynckes dem jungen Österreicher Alaba (nur 22 Prozent gewonnene Zweikämpfe) wirklich einen Gefallen tut, wenn er ihm jetzt schon eine solch verantwortungsvolle Rolle überträgt.
Die Auswechslung Heynckes' zum Ende - Rafinha raus, Tymo stattdessen auf außen - habe ich nicht verstanden. Schlussendlich war die Leistung der Bayern gestern pomadig und mau. Es stimmte nicht im Team - und ich bleibe dabei, unsere Ordnung geht zu oft verloren und Schweinsteiger fehlt an allen Ecken und Enden. Ganz ehrlich: Gegen Dortmund kriegen wir in so einer Form ganz schön auf die Hose!


FC Augsburg vs Bayern München 1:2 (FernglasFCB tippte: 0:2)

Freitag, 4. November 2011

Ich breche drei Lanzen

Weils so schön ist, zum Einstieg hier ein Zitat aus dem Taktik-Artikel bei Spielverlagerung:

[...] So langsam erkennt man die Früchte der Arbeit Louis van Gaals, der diese Abläufe einschliff und vor allem die methodischen Denkweisen bei den Spielern implementierte. Fluidität innerhalb des Raumes, Bestimmung der Passwege durch Laufwege, Schaffen von Räumen innerhalb von Räumen – es dürfte teilweise eine Freude für den Niederländer gewesen sein, der die Grundlage legte und dessen Vision nun im dritten Jahr von Jupp Heynckes großartig weitergeführt wird. [...]
Man muss sich schon lange zurück erinnern, wann der Rekordmeister das letzte Mal eine derartig brillante halbe Stunde ablieferte – neben einigen anderen Spielen in den letzten zwei Jahren kommt ausgerechnet das letztjährige Ausscheiden in diesem Wettbewerb in den Sinn. Es waren jeweils nur 30 oder 35 Minuten, doch es ist zu schwierig ein derartiges Niveau zu halten, selbst auf die herausragendsten Offensivleistungen in der Fußball-Geschichte trifft dies zu und wenn man auch dieses Spiel nicht derart hochjubeln sollte, war es doch eine der besten Bayern-Leistungen seit Jahren.
[...]
Und da sind wir schon bei der ersten Lanze, die ich für Louis van Gaal brechen möchte. Wir brauchen alte Suppe nicht erneut aufkochen - warum van Gaal sein Engagement beim FC Bayern nicht fortsetzen durfte, ist allseits bekannt. Nicht zu vergessen ist aber die Tatsache, dass es vor allem dem Fußballlehrer van Gaal zu verdanken ist, dass vieles was derzeit beim FC Bayern so prima funktioniert auf den Pfeilern seiner Arbeit gestützt ist. Sicher, Jupp Heynckes leistet hervorragende Arbeit und komplettiert die taktische Schule des Niederländers mit dem richtigen Händchen für die Spielerpersönlichkeiten, strahlt Ruhe und Souveränität aus, vermittelt Spaß und Respekt auch den jungen Spielern gegenüber. Vor allem aber steht er auch für taktische Variabilität - das Spielverständnis der Mannschaft und viele Automatismen, sind das Erbe van Gaals - ganz abgesehen von einer Meisterschaft, einem Pokalsieg und einem erreichten Champions League-Finale.

Lanze Nummer Zwei - knickknack - wird für Bastian Schweinsteiger gebrochen. Beim FC Augsburg darf Jupp Heynckes noch probieren - seine Idee wird er bereits haben, wie man Schweinsteigers Rolle bis zur Winterpause ausfüllen kann. Nennen wir es mal ein Testspiel unter scharfen Bedingungen, bei dem herauszufinden ist, wer letztlich Schweinsteigers Part übernehmen könnte. Varianten sind so einige denkbar, wenngleich mir persönlich keine einzige dieser Möglichkeiten wirklich sympathisch ist. Dies verdeutlicht umso mehr, wie wertvoll und wichtig Bastian Schweinsteiger für den FC Bayern ist. Er ist Dreh- und Angelpunkt, Motor und Impulsgeber für dieses Team. Er verschleppt das Tempo, wenn es gilt das Spiel zu beruhigen; er dreht auf, falls Tempo gefordert ist; er ackert, läuft und kämpft - liefert sich Spiel für Spiel eine rekordverdächtige Anzahl an erfolgreichen Zweikämpfen und hat am Ende unglaubliche Werte in punkto erfolgreich gespielter Pässe. Von seinen Ideen lebt das Spiel - und es ist keine Übertreibung, wenn man bei Schweinsteiger 2011 von der Seele des Bayern-Spiels spricht.
Wenn Uli Hoeness die Aufregung um Schweinsteigers Ausfall nicht versteht, dann spielt er die Situation herunter. Denn klar ist: Die Zwangspause des "heimlichen Kapitäns" trifft den FCB bis ins Mark.

Den dritten Lanzenbruch vollziehe ich für Mario Gomez. Chancentod, Stolperer und was sonst noch für unschöne Bezeichnungen ich regelmäßig in Blogs oder Kommentarsammlungen über ihn lesen musste - alles Makulatur. Gomez eindrucksvolle Statistik beweist nunmehr seit Jahren, das wir hier einen absoluten Top-Stürmer auf Weltklasseniveau in unseren Reihen haben. Sein Blick für freie Räume, sein Bewegungstalent im Raum, sein Vollstrecker-Instinkt und auch sein technisches Können bei Ballannahme und Abschluss ist bemerkenswert. Auch die wichtigen Tore schießt Gomez mittlerweile. Der Mann wird selbst unter den eigenen Fans noch chronisch unterschätzt - und ist gerade dabei, ein ganz Großer zu werden.



FernglasFCB tippt:
FC Augsburg vs Bayern München 0:2     

Donnerstag, 3. November 2011