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Samstag, 30. April 2011

Stunksitzung

"Aber was die da mit dem Manuel Neuer aufgeführt haben – ich würd’ die alle rausschmeißen, die Ultras. Diese 200, 300 Leute machen doch seit 25 Jahren nur Stunk."
(Sepp Maier im Interview mit dem Tagesspiegel online, 28.4.2011)

Freitag, 29. April 2011

"Chefchen!" - "Arschloch, Pisser!"

Hui, das ging ja hoch her in der Pressekonferenz - und Bastian Schweinsteiger zeigt Nerven. Im Grunde mag ich so etwas ja, hat es doch meist eine produktive Reaktion zur Folge. Aber so falsch ist die Kritik an Schweinsteiger dann doch nicht. 
Sieht man sich die letzten Wochen an, muss man feststellen, dass der Mann, der mühelos Weltklasse-Niveau erreichen kann, im Mannschaftsgefüge des FCB abgetaucht ist - und bei Beschwerden beim Schiedsrichter und im Disput mit Gegenspielern noch seine auffälligsten Szenen hat. Dabei kann er soviel mehr, aber er kann es eben auch nicht dauerhaft abrufen. Nun, auch ein Lionel Messi hat nicht immer einen gelungenen Abend, aber bei Bastian Schweinsteiger fällt schon auf, dass wenn er sich eine schöpferische Auszeit nimmt, diese länger als nur zwei oder drei Spiele andauert. Jetzt befinden wir uns also wieder im Ab nach all dem Auf des Fast-Rekordnationalspielers. 

Auch Flip Lahm hat im Laufe dieser Woche einstecken müssen: nämlich die Wahrheit. Zwar hat der FCB Kapitäne (Mhrz.), aber es gibt keinen richtigen Leader mehr. Schweinsteiger sehe ich in der Rolle noch am ehesten - Lahm aber, die Nummer Eins als Kapitän, ist es definitiv nicht. Genau das war auch die Aussage von Arjen Robben, als er sagte wie sehr er Mark van Bommel bei den Bayern vermisse. Philipp Lahm sieht das naturgemäß anders, das Kapitänsamt ist ihm wichtig - bei Bayern wie in der Nationalmannschaft. Doch ausfüllen kann er diesen Job, der über Interviews und Öffentlichkeitsarbeit hinaus geht, nicht. Was ihm fehlt ist Charisma, was ihm fehlt ist mehr Bissigkeit.  
Die Wahrheit des Arjen Robben mag weh tun, aber sie ist nun einmal die Wahrheit - und mir gefällt das am Niederländer. Robben brachte auch kein Treuebekenntnis zum FC Bayern zustande, weil er die Mechanismen des Profigeschäfts genau kennt. Morgen kann schon alles anders sein. Wer wüsste das besser als Robben? Ebenso zog Arjen Robben aber auch die Möglichkeit in Betracht, dass er vielleicht seine Karriere bei Bayern beenden könnte. Alles kann, nichts muss - so ist es im Profifußball. 

Natürlich fehlt den Bayern - wie Schweinsteiger es gestern verdeutlichte - die Kompaktheit auf dem Platz. Und natürlich könnten die Herren Kreativspieler à la Ribéry & Robben mehr nach hinten tun, wie das bei Klubs wie Barcelona Standard ist,  aber den Bayern fehlt auch ein echter Charakter auf der Platz mit Kapitänsbinde und Charisma. Schweinsteiger kann das, aber er muss es auch dauerhaft können. Auch ein van Bommel hatte schwache Spiele, aber als Chef auf dem Platz war er immer zu erkennen.

Donnerstag, 28. April 2011

Ganz nebenbei gehts am Samstag auch um Fußball

Am Samstagabend vor Spielbeginn wissen wir bereits, ob wir überhaupt den dritten Tabellenplatz zurückerobern können. Gewinnt Hannover 96 - wie zu erwarten wäre - gegen Gladbach, wirds nix - auch bei einem Sieg gegen den Gast aus Schalke. Doch für Borussia Mönchengladbach gehts um alles - den letzten Strohhalm in Sachen Relegationsplatz - und von daher ist die Fohlentruppe vielleicht für eine weitere Überraschung gut. Ich hoffe es. Schlimm genug, dass wir uns auf andere verlassen müssen, nichtdestotrotz muss eine ordentliche Leistungssteigerung der Bayern-Elf her. Wiedergutmachung für den beschämenden Auftritt gegen Frankfurt ist gefordert (wobei ich eine solche Forderung seitens der Bayern-Führung unter der Woche vermisst habe).

Jetzt kommen also die Schalker, welche unter der Woche in der Champions League fast böse unter die Räder gekommen wären. So richtig erschöpft dürften sie dennoch nicht sein, nicht bei der Leistung von Dienstag. Wir können also weder auf kaputte Schalker hoffen, noch damit rechnen dass S04 nur noch Manchester im Kopf hat - auch in Gelsenkirchen dürfte man begriffen haben, dass in Manchester nix zu holen sein wird.
Die Personalie Neuer wird uns natürlich am Samstag aus den Ohren herauskommen. Es werden Millionenbeträge ins Off gefaselt, es werden vermeindliche Nickligkeiten verbreitet, es wird der Fokus auf die kleine Gruppe Fans gerichtet, die ohnehin nur ihre eigenen Interessen veranschaulichen will. Kurz: Es wird furchtbar ätzend werden.
Ganz nebenbei wird aber noch Fußball gespielt. Und hier zählt am Samstag nur ein Heimsieg, drei Punkte, Kampf und Biss - mit oder ohne Mario Gomez, auch wenn da ein Manuel Neuer im Tor steht.  

 Mein Tipp: Bayern 2, Schalke 0
 

Dienstag, 26. April 2011

Die Ausreden sind alle

Arg gebeutelte Bayern! Erst die WM-Nachwirkungen, dann unglaubliches Verletzungspech, das stete Fehlen eines Teils der Flügelzange Robbery, dann auch noch die Dreifachbelastung der Wettbewerbe, in denen der FCB noch vertreten war - und zum guten Schluss noch dieses van Gaalsche Taktik-Korsett, was die Herren auf dem Platz so unzumutbar einschnürte und jeglicher Kreativität und allen Spaßes beraubte. Tja, dumm nur, dass keiner dieser Gründe am Samstag in Frankfurt griff - trotzdem spielte man wieder mal unterdurchschnittlich und schnitt entsprechend ab. Damit dürfte der Kampf um Platz Drei so gut wie gelaufen sein. Aber halt! Was war da noch? Die Bayern wollen ja gar keinen Trostpflasterwettbewerb à la Europa League. Dann lieber nix. Okay! Von mir aus kann man die Teilnahme an der EuropaLeague auch einer Mannschaft überlassen, die dort hin möchte. Wäre nur gerecht. Dann soll doch Nürnberg oder der HSV international spielen - unsere Herren fühlen sich dort Fehl am Platz. 

Gegen Leverkusen gab es eine Siegprämie von 20.000 Euro?! Eine Siegprämie, damit die Herren im Bayern-Dress motiviert genug sind um gegen den Tabellenzweiten siegen zu wollen, in einer Situation in der man die Punkte unbedingt benötigt. Ist denn das zu fassen? Zahlen die Herren Schweinsteiger und Lahm denn auch die 20 Riesen nach dem Frankfurt-Spiel zurück? 
Was ist eigentlich los in München? Wird da nur noch Zucker in die Hintern der Spieler geblasen? Wenn die Champions League in Gefahr ist, reagieren wir - so Hoeneß noch vor Wochen. Betraf das ausschließlich Louis van Gaal? Gilt das nicht für die Protagonisten auf dem Platz? 
Es ist eine Frechheit, was die Mannschaft da am Samstag abgeliefert hat - und dann hat  Thomas Müller noch die Chuzpe nach dem Spiel von Kampfgeist und toller Moral zu faseln. Wenn das die Moral und der Kampfgeist eines FC Bayern ist, na dann gute Nacht. 
Über Fehlentscheidungen des Schiedsrichter-Gespanns braucht man sich überhaupt nicht zu echauffieren - da gibt es andere Klubs, die deutlich mehr benachteiligt worden sind und sogar dem Abstieg geweiht sind. 

Am Samstag in Frankfurt hat der FC Bayern wieder mal sein unansehnliches Gesicht gezeigt: Verwöhnte, hochgelobte Bubis, die ihre Job nicht richtig erledigen. Der Klub zahlt Jahresgehälter von bis zu 10 Millionen Euro für diverse Spieler - und dann braucht es eine Siegprämie gegen Leverkusen? Ich glaub ich spinne. 
Tretet bitte in der EuroLeague nicht an! Konzentriert Euch ausschließlich auf die nationalen Wettbewerbe! Mehr kriegt Ihr zurzeit sowieso nicht hin.

FernglasFCB tippte 0:2 (Ergebnis: 1:1)

 

FernglasFCB 31. Spieltag - 2010/2011

 Aus der Fernglasperspektive gesehen:

Donnerstag, 21. April 2011

SC Freiburg vs Hannover 96 (1:3)


Samstag, 23. April 2011

SG Eintracht Frankfurt vs FC Bayern München (1:1)

VfL Borussia Mönchengladbach vs Borussia Dortmund (1:0)

Donnerstag, 21. April 2011

Von der Isar an den Untermain

Eine weitere Partie im Endspurt der Saison 2010/2011 steht an - und, ehrlich gesagt, ich bin diesmal außerordentlich froh, wenn diese Spielzeit vorbei ist.
Jetzt geht es also nach Frankfurt an den Main. Die Eintracht musste unter der Woche zwei Hiobsbotschaften verkraften: Maik Franz erlitt einen Mittelfußbruch und fällt damit bis zum Saisonende aus, Mittelfeldspieler Kittel zog sich einen Kreuzbandriss zu - und ist damit sogar noch länger zum Zuschauen verbannt. Die Bayern müssen auf den noch gesperrten Arjen Robben verzichten, zudem ist Danijel Pranjic wegen eines Muskelfaserrisses in Frankfurt nicht einsatzfähig. 

Zwar kann die Eintracht in der Tabelle an diesem Wochenende nicht abrutschen, aber sie kann bei Siegen von Wolfsburg und (oder) St. Pauli punktemäßig weiter an die Abstiegszone heran rutschen. Die Bayern hingegen müssen Platz drei über die Ziellinie retten und benötigen ebenso dringend einen Sieg, will man nicht wieder den begehrten dritten Platz an Hannover 96 abgeben. Sollte Hannover in Freiburg am Donnerstagabend scheitern und sich Leverkusen nicht gegen Hoffenheim durchsetzen, wäre mit einem Sieg sogar Platz zwei und damit die direkte Qualifikation in erreichbarer Nähe.  
Die Bayern unter Jonker haben gegen Leverkusen gezeigt, wie es gehen kann - auch ohne Robben. Sie haben mit Herz gespielt, zudem sehr effektiv - und die Defensive stand sattelfest. 

Wie schnell im Profifußball die Zeit vergeht, sieht man übrigens in der Rück(vor)schau zum Hinspiel beider Klubs: Der Trainer hieß Skibbe und Eintracht war die Positivüberraschung der Saison. Das war im November letzten Jahres. 

 FernglasFCB tippt: Frankfurt 0, Bayern 2

Mittwoch, 20. April 2011

Ein Neuer für den FC Bayern

FernglasFCB schrieb am 3. Januar 2011: "Die Torhüterposition wird  ab 2011/2012 - da bin ich ganz sicher - Manuel Neuer besetzen." ("Und dann und wann ein weißer Elefant.")

Nun ist es also genau so eingetroffen. Manuel Neuer kommt zur neuen Saison an die Säbener Straße. Die Schickeria wetzt die Messer Spruchbänder, auf Schalke pendelt man zwischen Dankbarkeit und verständnislosem Ärger hin und her - und der FC Bayern hat in Bälde endlich wieder einen Nationaltorhüter im Kasten.  
Damit wird der Klub so ungefähr bis zu 20 Millionen Euro an den FC Schalke überweisen müssen, ein Spieljahr bevor Neuer ablösefrei zu haben gewesen wäre. Wir werden einen Top-Torhüter holen, obwohl wir auf der Position des Schlussmanns sowohl mit Hans-Jörg Butt, als auch mit Thomas Kraft in naher Zukunft ganz gut besetzt gewesen wären. Butt hat sich darüber hinaus bereit erklärt, noch eine Saison als Stammkraft dranzuhängen, bis der FC Bayern Manuel Neuer zur Saison 2012/2013 ablösefrei holen könnte. Die Bayern wollen den Deal allerdings jetzt unter Dach und Fach bringen. Sinnvoll? Notwendig? Darüber kann man sicherlich streiten.

Nicht streiten kann man über die Qualität des Manuel Neuer. Der Weltklasse-Torhüter, zu dem sich Neuer rasend schnell entwickelt hat, wird eine zusätzliche Absicherung in der Bayern-Defensive darstellen. Nicht zuletzt weil Neuer nicht nur hervorragende Reflexe hat, sondern auch als "mitspielender Torhüter" ein Spiel exzellent lesen kann und oft als eine Art Ausputzer außerhalb der Torhüterzone fungiert. Zudem kann Neuer ein Spiel eröffnen, wie wenige Torhüter neben ihm (Mordsabschlag, Mordsabwurf). Hans-Jörg Butt sagt: "Neuer ist der beste deutsche Torwart"; Oliver Kahn rät zu Neuer - und auch sonst jeder, der im Fußball Rang und Namen hat, sieht einen Wechsel von Neuer nach München als eine Art Naturgesetz - wenn man so will ist das die nächste Stufe der Evolution.
Neuer ist die sichere Bank bei Schalke 04, ein Punkte- und Erfolgsgarant - aber ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem Lieblingsklub bleibt schon seit Monaten aus. Er weiß, dass eine Profikarriere kurz sein kann - und er entscheidet sich für eine Zukunft beim Branchenführer.Wer will ihm das verdenken, zumal die meisten von uns im Berufsleben wohl ähnlich entscheiden würden?

Die Entscheidung für Bayern wird ihm dennoch nicht leicht gefallen sein. Aber so vehement sich die Münchner Ultras auch gegen ihn positioniert haben, so muss man ihm auch zugute halten dass das größte deutsche Torhütertalent bei Bayern spielen will. Das ist ein Kompliment für den Klub aus München und sollte auch als solches wahrgenommen werden. Es wäre angebracht, dieser Entscheidung Neuers mit Respekt zu begegnen. Ich freue mich auf Manuel Neuer - es gibt derzeit keinen besseren Torhüter. Und in Zukunft darf er ganz offiziell mit Münchner Eckfahnen jubeln. 


Noch ein Neuer?
Es verdichten sich die Anzeichen, dass der FC Bayern mit Gregory van der Wiel einig sein soll. Van der Wiel ist ein sehr junger Spieler (23) und Rechtsverteidiger bei Ajax Amsterdam. 2009 feierte der in Amsterdam geborene Abwehrspieler sein Nationalmannschaftsdebüt. Ob der 23-jährige "bayerntauglich" wäre, ist nicht so ganz unumstritten. Van Gaal wollte ihn jedenfalls nicht, während van der Wiels Nationalmannschaftskollege Arjen Robben von ihm schwärmt. Sicher ist, dass van der Wiel letztendlich nur die zweite Wahl wäre, wenn man Fábio Coentrão von Benfica Lissabon nicht bekommen kann. Gregory van der Wiel soll 10 Millionen Ablöse kosten. Es sieht also danach aus, dass Jupp Heynckes Philipp Lahm in Zukunft wieder auf die linke Abwehrseite beordern wird.

Dienstag, 19. April 2011

FC Bayern-Home Trikot 2011/2012

... mh... weiß nicht. Rot-Gold? Tja, mh... keine Ahnung. Haut mich nicht vom Stuhl.



Zitat der Woche - KW 16. / 2011

"Ich habe klar gesagt, dass Bayern kein Entwicklungsverein ist, sondern dass wir Erfolg haben müssen!“

(Christian Nerlinger im Audi Star Talk, Sport 1 - heute Abend um 22 Uhr)

Montag, 18. April 2011

München wie es war, München wie es ist

5:1 gegen Bayer Leverkusen! Wer hätte das gedacht?! Die Voraussetzungen vor diesem Spiel waren aus Bayern-Sicht alles andere als gut. Ein Blick auf die Statistik der vergangenen Jahrzehnte zeigt aber auch, dass Bayer 04 Leverkusen schon desöfteren derbe Klatschen in München kassierte - und es auch damals schon zur Halbzeit für die Gäste gelaufen war...
Sa     08.08.1981     15:30     FC Bayern München     -     Bayer Leverkusen     6:2 (5:1)

Sa     04.09.1982     15:30     FC Bayern München     -     Bayer Leverkusen     5:0 (3:0)

Tja, so war's dann auch am vergangenen Sonntag - zur Halbzeit führte der FCB bereits 4:0. Nur zwei Mal hat die Werkself in der Liga bislang in München triumphieren können, 1986 (0:3) und 1989 (0:1), ansonsten hagelte es 27 Niederlagen, sechs Mal konnte Leverkusen jeweils einen Punkt entführen. Bayer 04 Leverkusen ist damit seit fast 22 Jahren in München  bei den Bayern sieglos! 

In der Startaufstellung der Bayern standen dann doch Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry - allerdings wusste man nicht so recht, wie fit beide wirklich sind? Die Sorgen waren unbegründet - beide machten eine ordentliche Partie. Übergangs-Trainer Jonker stellte Gustavo und van Buyten in die Innenverteidigung, Tymoshchuk und Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld und Klose als hängende Spitze hinter Gomez - außerdem Butt - wie erwartet - ins Tor. 

Die Bayern gingen hochmotiviert zur Sache und man hatte nicht das Gefühl, hier spielt ein verunsicherter Haufen vorsichtig gegen den Favoriten, der diesmal Bayer Leverkusen hieß, auf. Die Bayern giftig, kämpferisch und vor allem nach vorn - irgendwie befreit. Leverkusen versuchte sich mit seinem Parade-Mannschaftsteil, dem Mittelfeld, zum gegnerischen Strafraum vorzuarbeiten, scheiterte allerdings regelmäßig im Spielaufbau. Die Bayern gedankenschneller und zweikampfstärker. Der Moral der Bayern war allerdings nicht das bemerkenswerte (hatte man doch unter van Gaal zwei leblose Auftritte gegen Gladbach und Nürnberg gesehen), sondern die Tatsache dass man nicht die van Gaalsche Strategie des Ballbesitzes verfolgte (mit nur 41 Prozent war das der niedrigste Wert in der laufenden Saison). Man ließ die Gäste spielen und störte in den Schnittstellen. Die Bayern wandten genau die Taktik an, die ihnen in dieser Saison selbst so oft in die Quere gekommen war. Andries Jonker hatte vor dem Spiel gesagt, dass die Partie im Mittelfeld entschieden würde - und er hatte Recht damit. Anatolji Tymoshshuk, endlich auf seiner Lieblingsposition eingesetzt, degradierte Michael Ballack zum Zuschauer. 

Das Defensivkollektiv der Gäste aus Leverkusen funktionierte nicht - und so nutzten die Bayern bereits nach sieben Minuten die Verwirrung in Bayers Abwehr - Kopfballverlängerung Schweinsteiger, Eigentor Rolfes. In der 28. Minute begann dann Mario Gomez seine Torstatistik aufzuhübschen - Teil eins eines lupenreinen Hattricks: Müller bearbeitete Arturo Vidal, der wollte den Ball mit einem Hackentrick weiterleiten, was misslang und Müller so für Gomez auflegen konnte. Das 2:0 raubte Leverkusen alle Hoffnungen diesmal ihrer ungewohnten Favoritenstellung gerecht zu werden. 44. Minute, Flachpass durch Müller auf Gomez, der netzt ein - 3:0. Kurz vor Pausenpfiff , in der 45. Minute ließen sie Gomez völlig alleine und der schoss scharf zum 4:0 ein. Bayer 04 hatte bis dato nicht eine Torchance gehabt. Vor allem die Umstellungen mit Klose, Tymoshshuk und Müller auf der rechten Seite (Altintop hatte sich verletzt) waren die Schlüssel zum Erfolg. Bayer 04 war im Mittelfeld hoffnungslos unterlegen. 

Nach dem Wechsel überließen die Bayern den Gästen dann die Initiative - und in der 58. Minute hatte dann der neu eingewechselte Stefan Kießling  die erste Chance für Leverkusen durch einen Kopfball. Derdiyok erzielte dann das 1:4 nach Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Schweinsteiger und van Buyten. Den Schlusspunkt setzte dann Franck Ribéry mit einer großartigen Einzelaktion in der 75. Minute. Auch der eingewechselte Ottl hatte noch eine Großchance und köpfte den Ball fünf Minuten vor Schluss an den Pfosten. 

Gut gefallen haben mir Gustavo, van Buyten (mit einem unglaublichen Zweikampfwert von 85 Prozent gewonnenen Zweikämpfen), Tymoshshuk und Contento (für Pranjic), der sich zunehmend steigerte. Vorne war Klose sehr eifrig, Gomez überaus effektiv und Müller steter Unruheherd über die rechte Seite. Insgesamt war es eine äußerst zufriedenstellende Mannschaftsleistung der Bayern. Der FCB spielte überdurchschnittlich effizient (Gomez, drei Schüsse, drei Tore).
Leverkusen war früh der Zahn gezogen. Auffallend schlechtes Defensivverhalten der Gäste - und im Mittelfeld - überraschenderweise - hoffnungslos unterlegen.     

Für Leverkusen dürften die Titelambitionen, so es welche gab, nun ad acta gelegt sein - die Bayern jetzt wieder auf Platz drei vor Hannover. Ein schöner Auftakt für Übergangscoach Andries Jonker - weiter so!  

FernglasFCB tippte 1:1 (Ergebnis: 5:1) 


FernglasFCB 30. Spieltag 2010/2011

 Aus der Fernglasperspektive gesehen:

Freitag, 15. April 2011

FSV Mainz 05 vs VfL Borussia Mönchengladbach (1:0)

Sonntag, 17. April 2011

FC Bayern München vs TSV Bayer 04 Leverkusen (5:1)

Borussia Dortmund vs SC Freiburg (3:0)

Donnerstag, 14. April 2011

the trend is not your friend

Die Kritik an Uli Hoeneß kommt mir derzeit wie kochendes Nudelwasser vor - erst nur ein paar Spritzer hier und da, bis dann das siedende Wasser ordentlich überläuft. Es ist Trend geworden, den FC Bayern und Uli Hoeneß für dies und jenes zu kritisieren. Es sieht so aus, als könnte der Präsident (und auch der FC Bayern) derzeit nichts richtig machen. 

Einkaufspolitik
Die Versäumnisse vor und auch während der Saison auf dem Transfermarkt tätig zu werden, wurden in erster Linie der Vereinsführung angelastet. Kopfschüttelnd nahm der Bayern-Fan nach null Einkäufen zum Saisonbeginn die Duldungsstarre in der Winterpause hin. Die Defizite in der Abwehr waren allzu offensichtlich (sie waren bereits in der Vorsaison im Champions League-Wettbewerb zu erkennen). Doch es war der Trainer, der keine Neuzugänge für notwendig hielt. Soviel zur Einmischung der Bayern-Führung in die Verantwortlichkeit des Trainers. Das stete Wechselspiel in der Abwehr war ein Offenbarungseid van Gaals, der bereits vor der Transferperiode im Winter Woche für Woche offensichtlich wurde. 

Abgänge
An dem Weggang von Lucio und Mark van Bommel machte sich überdies Kritik an der Vereinsführung fest: Warum kein klares Bekenntnis zu einer loyalen Größe wie dem Aggressive Leader van Bommel, dessen Traumverein der FCB war? Der Niederländer flüchtete vor seinem Landsmann van Gaal, bevor er auf der Bank zu versauern drohte - wie auch Lucio zuvor. Der Vorstand schritt nicht ein. Auch hier keinerlei Einmischung in die sportliche Leitung.

Der Torhüter
Die Diskussion um den Wunsch Manuel Neuer zu verpflichten, fand ihren Höhepunkt als van Gaal das Nachwuchstalent Thomas Kraft als Nummer Eins im Tor beförderte. Ohne Not, denn Hansjörg Butt war bis zu diesem Zeitpunkt  über jeden Zweifel erhaben. Van Gaal wollte Millionenbeträge für den Neuer-Transfer sparen - aus Prinzip. An sich ist daran nichts zu kritisieren, doch hatte die Bayern-Führung zu diesem Zeitpunkt  schon überdeutlich ihre Interesse an Deutschlands Nummer Eins bekundet. Den sauren Drops, den ihnen van Gaal servierte, haben sie gelutscht - auch hier mischte man sich in die Aufstellung Louis van Gaals nicht ein. 
Dass ein Verein wie der FC Bayern mit seinen Möglichkeiten und seiner Strahlkraft einen Torhüter wie Manuel Neuer verpflichten will, darüber hat sich Jahrzehnte niemand im Bayern-Fanlager aufgeregt. Nach großen Stars wurde geschrieen, die Besten müssen bei Bayern spielen - und der Nationaltorhüter muss ohnehin von den Roten kommen. Bei Neuer ist das nun anders - aber auch nur für die Münchner Ultraszene, der es nicht gefällt, dass Neuer als Fan in der Schalker Kurve stand und mit einer Gelsenkirchner Ultra-Gruppierung sympathisiert. Doch die Meinung der Ultras spiegelt nicht die Meinung der Bayern-Fans wider - zudem entscheidet über Transfers immernoch das hierfür von den Vereinsmitgliedern gewählte Gremium. Die Art und Weise wie unser Nationaltorhüter in München bepöbelt und beschimpft wurde, war peinlich und vereinsschädigend. 

Der Vorwurf, der nun in Blogs und Foren immer wieder zu lesen ist, dass die Führung des Vereins dem Trainer im Hinblick auf Taktik und Personalien in die Parade fuhr, ist absurd. Nichts davon hat Hoeneß & Co. getan. Sie haben ihn machen lassen - auch wenn dadurch die Vereinspolitik in Frage gestellt wurde und sportlich fragwürdige Ergebnisse die Folge waren.


Sechzig
Auf der Jahreshauptversammlung versprach Uli Hoeneß, dass es in Zukunft keine Unterstützung für den Lokalrivalen 1860 München geben wird. Als dann von Hilfe in Form von Darlehnsstundung die Rede war, kochten Teile der Südtribüne über vor Wut. Unwissenheit über die Regularien, denen der Klub und so auch Hoeneß unterworfen ist, sorgten für unangebrachte und auch in ihrer Form unangemessene Parolen im Fanblock. Die Stundung ist allerdings keine Hilfe im eigentlichen Sinne, sondern gesetzliche Verpflichtung einerseits und im wirtschaftlichen Interesse des FC Bayern andererseits. Hoeneß hat also weder sein Wort gebrochen, noch hat er etwas falsch - oder gar Schädigendes für den Klub Bayern München - gemacht. Einzig mangelhafte Kommunikationspolitik im Vorfeld kann man dem Klub vorwerfen. 

Trainerentlassung
Angesichts der Fehleinschätzungen und Unbelehrbarkeit van Gaals, die zu einer sportlich desaströsen Saison geführt haben, ist der Ärger bei Hoeneß nur allzu verständlich - und es ist auch nicht neu, dass Uli Hoeneß aus der Haut fährt, wenn etwas seinem FC Bayern in die Quere kommt. Bei seinem legendären Interview kurz nach van Gaals Vertragsverlängerung, ließ er seinen Unmut erstmalig aufblitzen. Eine deutliche Warnung an van Gaal, der dieses Zeichen aber nicht zu deuten wußte und die beleidigte Leberwurst spielte. Die Rolle des Opfers nahm Louis van Gaal gerne an, bestätigte aber letztlich bis zum Schluss seine Sturheit. Als ein Spieleraufstand drohte und die Champions League-Qualifikation in Gefahr war, zog der Vorstand die Bremse. Dies war nach der Vereinbarung über das Vertragsende zum Saisonschluss auch so deutlich kommuniziert worden: "wenn die Champions League in Gefahr gerät, reagieren wir."
Hoeneß war uns allen eine Erklärung schuldig - und genau das tat er dann in der Pressekonferenz nach van Gaals Entlassung. "Nachtreten", "mit Schmutz bewerfen" hieß es plötzlich. Dabei hatte Hoeneß in seiner ureigenen deutlichen Art nur gesagt, was letztendlich zu diesem Schritt geführt hat. Dass es in ihm seit Monaten brodelte, benötigte ein Ventil - so isser eben, der Uli Hoeneß - und so war er auch schon immer.

Gazprom
Eine Falschmeldung in den Medien, die darüber spekulierte, dass der FC Bayern einen Sponsoren-Deal mit Gazprom abgeschlossen hätte. Ein Aufschrei bei Twitter! Warum eigentlich? Weil es Gazprom ist? Weil es der Schalker Sponsor ist? Letztendlich hat sich nichts davon bewahrheitet, aber die Kritiker standen schon in den Startlöchern, um ordentlich loszuzetern.

Beitragserhöhung
Last but not least hat der FC Bayern seine Mitgliedsbeiträge erhöht. Vermutlich um die "Hilfe für Sechzig" damit zu finanzieren - Scherz beiseite. Aber obwohl der Klub seit Jahren keine Beitragerhöhungen vorgenommen hat und sich mit den Mitgliedsbeiträgen im unteren Drittel der  Beitragstabelle aller Erstligisten befindet, unken schon Bayern-Fans, dass diese Maßnahme zu einem äußert ungünstigen Zeitpunkt erfolgt. Gibt es einen günstigen Moment für die Erhöhung von Mitgliedsbeiträgen? 
Ganz abgesehen davon bietet der Klub einen personalisierten Trost-Schal an - eine nette Geste wie ich finde. 

Wenn man mal die übertriebene Emotionalität weglässt und Detail für Detail betrachtet, relativieren sich viele Vorwürfe zu Luftblasen. Natürlich darf man den FC Bayern und auch Hoeneß kritisieren - aber bitte nur dann, wenn es auch angebracht ist. Und auch bitte in einer adäquaten Form. Wenn die Kritik dann auch noch aus den eigenen Reihen kommt, sollte man vielleicht noch etwas mehr Sorgfalt walten lassen und die Dinge im Kontext sehen und dann richtig zu deuten. Einfach nur zu plärren weil es andere tun, ist weder hilfreich, noch besonders trendy.
 

The way to Munich 2012

Das Champions League-Finale 2012 findet in der Münchner Allianz-Arena statt, der Heimstätte des FC Bayern. Für den Klub - wie für jeden anderen auch - wäre es natürlich fantastisch in einem Finale, das im eigenen Stadion stattfindet, zu stehen. Noch nie in der Geschichte des Wettbewerbs hat eine Mannschaft in ihrer Heimstätte diesen Pokal erringen können - allzuoft gab es allerdings eine solche Möglichkeit auch nicht. 
Um diesen Traum träumen zu dürfen, muss der FC Bayern zumindest im Wettbewerb vertreten sein und das ist bislang noch nicht gesichert. Allerdings ist für einen Klub wie den FC Bayern München die Teilnahme an der Königsklasse aus sportlicher, wirtschaftlicher Sicht und des Images wegen ohnehin Verpflichtung. Will man Top-Spieler anderer Klubs nach München locken, wird das mit der Aussicht auf die Europa League schwierig. Die letzte Chance dazu bietet der dritte Platz in der Abschlusstabelle, denn der berechtigt zumindest zu den Qualifikationsspielen. Platz Nummer zwei ist realistisch betrachtet schon nicht mehr zu erreichen. Der Weg nach München 2012 beginnt streng genommen am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen, denn spätestens jetzt muss der FCB Siege einfahren - die Saison neigt sich dem Ende zu.

Ausgerechnet jetzt kommt mit Leverkusen ein richtig harter Brocken in die Arena. Ausgerechnet jetzt, da sich der FC Bayern in einer erschreckend schwachen Form präsentiert, hat sich Arjen Robben zu allem Überfluss für die nächsten zwei Spiele disqualifiziert. Es ist das erste Spiel als Übergangstrainer für den bisherigen Co Andries Jonker - sein Pendant auf Gegnerseite ist ein alter und der zukünftige Trainer des FC Bayern, Jupp Heynckes. So wichtig das Spiel für den FC Bayern ist, so wichtig ist es auch für den Gast aus Leverkusen. Rein theoretisch könnte Bayer 04 noch Meister werden, dazu müsste aber mit einem Dreier weiterhin Druck auf den Kontrahenten Dortmund aufgebaut werden - noch sind es fünf Punkte Abstand zum BvB.  

Es ist wahrscheinlich, dass Hans-Jörg Butt wieder im Tor der Münchner stehen wird - grundsätzlich ist ein Torwartwechsel unnötig wie ich meine, denn Thomas Kraft hat bislang durchaus bewiesen, dass er ein guter Rückhalt für die Mannschaft ist. Allerdings plagen Thomas Kraft derzeit Rückenbeschwerden, so dass der Youngster auch nicht am Training teilnehmen konnte.
Der Verlust von Arjen Robben wiegt schwer - und das Abwehrproblem der Bayern kann Andries Jonker ohnehin nicht mehr lösen. Holger Badstuber ist gesperrt - meines Erachtens kein wirklicher Verlust, spielt der Junge doch seit Wochen nicht fehlerfrei und sehr fahrig. Vielleicht ist Daniel van Buyten schon am Sonntag wieder einsatzfähig. Man darf jedenfalls gespannt sein, was sich Jonker in Sachen Defensivformation einfallen lassen wird.
Ganz ohne Nebengeräusche wird es auch am Sonntag nicht abgehen - man hat zu einer Solidaritätsbekundung ganz in rot für den Präsidenten aufgerufen ("Mia san Uli").. nunja, ist das wirklich notwendig? Wenns der Stimmung gut tun, von mir aus. 

Letztendlich spricht alles gegen die Bayern - man glaubt es kaum, aber der FCB ist im eigenen Stadion (ausgerechnet) gegen Leverkusen der Außenseiter. Der Weg nach München 2012 ist mit jeder Menge Stolpersteinen gepflastert - Bayer 04 Leverkusen könnte der erste sein.     

Mein Tipp: Bayern 1, Leverkusen 1


Dienstag, 12. April 2011

Zahlenspielerei

(dpad) Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, hat die Polizei in der abgelaufenen Spielzeit 6.043 Strafverfahren gegen Fans der 36 Profiklubs eingeleitet, was einen neuen Höchststand bedeutet. Das geht aus dem bisher unveröffentlichten Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hervor, der dem Blatt vorliegt.

In etwa jedem vierten Fall ging es um Körperverletzung, auch Verfahren wegen Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs oder Widerstands gegen die Polizei waren häufig. Die Zahl der Verletzten im Zusammenhang mit Spielen beider Bundesligen stieg mit 784 in der Spielzeit 2009/2010 auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren. In der Saison zuvor waren es noch 579 Verletzte gewesen.

Nach Angaben der Polizeibehörden sei der Kreis der "gewaltbereiten, gewaltgeneigten oder gewaltsuchenden Fans" in den beiden Bundesligen ebenfalls deutlich größer geworden. Die Polizei gehe nach den aktuellsten Zahlen von 8.765 sogenannten "Störern" aus, 855 mehr als in der Spielzeit zuvor.

Die Einsatzzeiten der Polizei bei den Spielen beider Bundesligen sind in der abgelaufenen Saison ebenfalls auf den höchsten Wert seit zwölf Jahren gestiegen. 1,76 Millionen Arbeitsstunden bedeuteten ein Plus von rund 15 Prozent. Damit waren rechnerisch 1.354 Polizisten von Bund und Ländern ausschließlich für Fußballspiele eingesetzt. Für den Steuerzahler ist das ein teures Vergnügen: Nach Berechnungen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) kostete die Sicherheit des Spitzenfußballs in der Saison 2009/2010 erstmals mehr als 100 Millionen Euro.

Bei solchen Zahlenspielen ist immer Vorsicht geboten - ein Viertel von sechtausend Strafverfahren sind eintausendfünfhundert Strafverfahren, bei denen es um Körperverletzung ging. Das könnte man schon bei einem hitzigen Derby zusammenbekommen. Allerdings sagt das noch nichts darüber aus, ob diese Strafverfahren letztendlich auch gerechtfertigt waren. Gemessen an der Anzahl der Spiele, die 36 Profiklubs in einer Spielzeit zusammen bekommen, empfinde ich diese Größenordnung dennoch als "hoch". Auch halte ich nahezu 800 Verletzte im Rahmen einer Saison für erschreckend viel, selbst wenn es sich letztlich gemessen an den Zuschauerzahlen um einen winzigen Teil handelt. Fragt sich allerdings auch, wer hat denn diese Leute verletzt? Knapp neuntausend "Störer" wiederum, ist doch eine recht beschauliche Anzahl bei 36 Profi-Vereinen und dem recht hohen Zuschauerschnitt in der Bundesliga.

Was die Kosten von 100 Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen der Polizei angeht, ist diese Zahl in keinem Verhältnis eingeordnet - und somit schlecht zu beurteilen. Wie viel verdienen die betroffenen Kommunen mit dem Profi-Fußball über ein Spieljahr? Sind die Einnahmen der Städte nicht sogar deutlich höher als die Kosten? Und profitiert nicht auch der Steuerzahler von solchen Einnahmen?

Dass letztlich eine deutliche Steigerung von Gewaltdelikten stattgefunden hat - unabhängig davon, wie viele es letztlich sind - ist sicher ein Alarmzeichen. Ansonsten ist das reine Zahlenspielerei.


Zitat der Woche - KW 15 / 2011

"Schade, dass wir jetzt mit dem Flugzeug die Heimreise antreten, ich hätte mich gefreut, wenn meine Spieler im Bus acht, neun Stunden darüber nachdenken müssten, was es heißt, das Trikot des FC Bayern zu tragen."
 (Hermann Gerland, nach der Niederlage der Bayern-Amateure gegen Ahlen)

Das Biest hat ausgefeiert

Louis van Gaal ist nun doch vor Ablauf der Saison seines Amtes enthoben worden - bis zum Saisonende trainiert der bisherige Co-Trainer Andries Jonker die Mannschaft. 
Was zu befürchten war, ist nun eingetreten - und der Vorstand handelte entsprechend der Ankündigung, dann zu reagieren wenn die Champions League-Teilnahme ernsthaft in Gefahr gerät. Nach dem erneut schwachen Auftreten am Samstag (nur war es diesmal die zweite Halbzeit und nicht wie gegen Gladbach, die erste) ist die CL-Teilnahme in Gefahr. Die Chance sich direkt zu qualifizieren ist gleich Null, Hannover steht wieder vor uns auf Platz Drei. Dass der Mannschaft ein Impuls(geber) fehlt, war deutlich zu erkennen - und Hoeneß hat nicht unrecht, wenn er von einem "Korsett" spricht, in dem einige Spieler fest zu stecken scheinen. Wie anders als mit einem Trainerwechsel kann man das - vier Spieltage vor Schluss - noch ändern? Ob Andries Jonker der richtige Mann dafür ist, stellt sich aufgrund mangelnder Alternativen als Frage gar nicht erst.  Er muss es sein.

Was Uli Hoeneß in der Pressekonferenz am Sonntag zum Besten gab, ließ mich erstmal schlucken. Doch man muss wissen wie ein Hoeneß tickt, dann ahnt man, dass mit van Gaal alles viel schlimmer war, als wir vermuteten. Van Gaals Beratungsresistenz hatte Hoeneß ja schon im November kritisiert. Jetzt erklärt sich auch diese frühe Attacke gegen den Niederländer, denn Hoeneß war am Sonntag deutlich - wenngleich er auch nicht in alle Details ging.
Dass die Thematik Thomas Kraft einen solchen Sprengstoff beinhaltet, hatte der Bayern-Vorstand geahnt - und auch hier hat der Bayern-Präsident Recht, wenn er die Unruhe in der Südkurve als ein Resultat des Torhüterwechsels zum Rückrundenstart identifiziert. Ich fand den Tausch Kraft gegen Butt aus sportlicher Sicht im Grunde okay. Vereinspolitisch war er eine Zündschnur.
Über die Art und Weise wie Uli Hoeneß bei der Pressekonferenz am Sonntag die Torwartproblematik ansprach, kann man streiten - ich bin aber sicher, dass er keineswegs Thomas Kraft diskreditieren wollte. Eine frühe Richtigstellung oder besser Verdeutlichung seiner Meinung zu Thomas Kraft, wäre allerdings vonnöten. Karl-Heinz Rummenigge stellte das Ganze gestern in Blickpunkt Sport zumindest klar.  

Am Ende bleibt der unrühmliche Schlusspunkt einer, sportlich wie in der Außendarstellung, katastrophalen Saison. Über gemachte Fehler kann man trefflich streiten - eine Fehleinschätzung der Bayern-Fürhung hingegen ist gewiss: Man hätte ahnen können, dass sich einer wie Louis van Gaal in nichts hineinreden lässt. Die "Bayern-Familie" kann mit sturen Einzelkindern nichts anfangen, das haben schon die Trainer Rehagel und Magath gezeigt. 

FernglasFCB 29. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:

Samstag, 9. April 2011

1. FC Nürnberg vs FC Bayern München 1:1


live im Stadion:

Sonntag, 10.  April 2011

VfL Borussia Mönchengladbach vs 1. FC Köln (5:1)

Donnerstag, 7. April 2011

Clubtreffen

Am Samstag geht es in Nürnberg gegen den "Club". Nicht nur, dass es sich hier um ein Treffen zweier bayerischer Klubs auf sportlicher Ebene dreht (jaja, ich weiß, fränkisch-bayerisch), es wird auch interessant werden, wie die Fan-Clubs des FC Bayern sich in Nürnberg präsentieren. Mit neuerlichen Protestaktionen ist zwar nicht unbedingt zu rechnen, aber die bajuwarische Fan-Landschaft wirkt derzeit gespalten. Es bleibt nur zu hoffen, dass es im Gäste-Fanblock nicht zu irgendwelchen Eskalationen kommt - außer vielleicht vor Freude am Spiel und ein paar Bayern-Treffern.

Verstehen Sie: Das ist Fußball! Die Fans sollten an das Wohl des FC Bayern denken, nicht an irgendwelche Feindschaften. Gerade wenn ein neuer Spieler kommt, braucht er die 100-prozentige Unterstützung der Fans.
(Franck Ribéry im Interview mit der tz)

Unser Konkurrent Hannover spielt zuhause gegen Mainz - da ist ein Dreier in Nürnberg wichtig, will man den dritten Platz halten. Nach der Leistung gegen Gladbach müsste ich da eher pessimistisch sein, aber ich weiß auch dass der FCB ganz anders auftreten kann. Unsere Defensivschwäche werden wir bis zum Ende der Saison mit uns rumschleppen müssen, aber vielleicht trifft auch ein Mario Gomez, der sich ja im Fernduell mit Freiburgs Cissé um die Torjägerkanone balgt, mal wieder.
Nürnbergs Auftritt in Köln war nicht auf dem Niveau, das den Club über weite Strecken der Saison ausgezeichnet hat. Nichtsdestotrotz haben die Nürnberger ob ihrer Leistungen in dieser Saison eine breite Brust und wollen sich als Gegner auf Augenhöhe präsentieren. Club-Torjäger Schieber dürfte pünktlich zum 182. bayerischen Derby wieder einsatzfähig sein, wird aber erst im Laufe der Partie eingewechselt werden - Julian Schieber war immerhin sechs Wochen lang verletzt. Besonderheit am Rande:  Nach der Partie will man sich mit Mehmet Ekici, der beim FC Bayern München noch einen Vertrag bis 2012 hat, zusammensetzen. Gut möglich, dass er erst den Vertrag in München verlängert, dann aber doch noch ein Jahr in Nürnberg verbringt.
Ich bin hoffnungsvoll, dass wir am Samstag beim Südduell endlich wieder einen FC Bayern sehen, den es anzusehen lohnt.


Mein Tipp: Nürnberg 1, Bayern 2
 

Dienstag, 5. April 2011

Zitat der Woche - KW 14/2011

"[... ] In der Kritik der Fans würde man sich etwas Humor wünschen. Diese momentanen Aussagen der martialischen Quäker entstammen der Sahelzone des sportlichen Fanintellekts. Diese Plakate sind nicht angemessen, peinlich und primitiv, [...]“

(Till Hofmann, Chef der renommierten Münchner Bühnen Lach- und Schießgesellschaft und  Lustspielhaus)

Montag, 4. April 2011

Ich bin Nummer 12

Meine Liebe zum FC Bayern geht jetzt ins vierunddreißigste Jahr - viereinhalb Jahrzehnte Freude, Leid, Tragik und Triumphe. Ich habe die Wut und den Hass anderer Menschen auf meinen Lieblingsverein abbekommen, jede Menge Unverständnis geerntet, aber ich habe auch großartige Gleichgesinnte kennengelernt und erfreue mich daran, dass es weltweit verstreut Menschen gibt, die an mich denken sobald ihnen etwas über den FC Bayern zu Ohren kommt. 
Ich selbst sehe mich als Teil des Ganzen, stand ich doch über Jahrzehnte mit in diesem Pulk aus rot-weiß gekleideten Irren, die tagelange Busfahrten in Kauf nahmen, für einen neunzigminütigen Auftritt ihres Teams in feindlicher Umgebung. Kein Weg war zu weit, keine Eintrittskarte zu teuer. Ich bin nun in einem Alter, in dem Fußball nicht mehr das Wichtigste ist. Auch bequemer bin ich geworden und ziehe meist den komfortablen Wohnzimmer-Sitzplatz dem Stadionbesuch vor (und gehe nächste Saison nur zu einem Dutzend Spiele in diversen Stadien) - nichtsdestotrotz ist meine Liebe und Leidenschaft für diesen Klub heute so stark und intensiv wie in all den Jahren, in denen ich mit einer Aufnäher übersäten Kutte,  einer Bomberjacke, rot-weißem Schal oder im Trikot meinen Verein unterstützt habe. Mitglied des FC Bayern bin ich nunmehr seit fast 24 Jahren - und so verstehe ich meine Rolle: Teil des Vereins zu sein. Ich bin die Nummer 12. 

Ich maße mir an, diesen Klub kritisch zu hinterfragen - sei es in personellen Entscheidungen oder in seiner Außendarstellung. Auch die Strategie, sportlich wie wirtschaftlich, kann mir nicht egal sein - beeinflussen kann ich sie nur im Rahmen meiner mir als Mitglied zugestandenen Rechte. Mit diesen Rechten gehen auch Pflichten einher, denn ich vertrete mit meinem Verhalten auch öffentlich den Verein. Allerdings ist mir bewusst, dass ich weder ein ausgebildeter Trainer, ein praktizierender Fußballprofi, noch ein Sport- oder Unternehmensmanager bin - zudem fehlt mir in vielen Dingen der direkte Einblick in das Vereinsgeschehen oder in rechtliche wie politische Rahmenbedingungen in diesem Kontext. In vielerlei Hinsicht kann ich also entweder nur meinem Instinkt folgen oder mir eine erste, unreflektierte Meinung bilden. Natürlich habe ich auch das Recht auf Protest, schließlich leben wir in einem Land in dem Freie Meinungsäußerung gelten sollte. 
Das Dilemma, welches wir am Samstag in der Arena beobachten mussten ist, wann ist Protest gerechtfertigt und in welcher Form ist er adäquat? - und vor allem: welche Motive stehen hinter diesen "Fan"-Protesten? 
Ich selbst bin Fördermitglied des "Club Nr. 12", da ich die Arbeit und die logistische Leistung hinsichtlich der Stadionchoreographien und Reiseorganisation unterstützen wollte. Der Offene Brief des Club Nr. 12 an Uli Hoeneß im Hinblick auf die Unterstützung des TSV 1860 München bei dessen drohender Insolvenz , ist ohne mein Wissen (und vermutlich nicht nur ohne meines) veröffentlicht worden. Eine Mitgliederabstimmung hinsichtlich der Veröffentlichung des Offenen Briefes vom 28. März kann somit nicht stattgefunden haben. Hier geschieht also etwas auch in meinem Namen, ohne das ich dazu mein Einverständnis gegeben habe. Dies mag aus nachvollziehbaren Gründen geschehen sein - ohne großen Bürokratismus zu bemühen, ist aber letztlich doch auch nichts anderes, als das was man dem FC Bayern von dieser Seite vorwirft. Nicht jede vereinspolitische Entscheidung kann zuvor durch die Mitglieder durchgewunken oder diskutiert werden.  
In der Thematik selbst bin ich zwiegespalten, einerseits darf die finanzielle Hilfe für den Stadtrivalen nicht ins Endlose münden, andererseits ist der Verlust für die Stadt und den Fußball dieser Stadt es sicher wert, eine Insolvenz zu vereiteln. Unterm Strich gibt es aber sicher dramatischere Entscheidungen als diese, von daher kann ich mich über die Vehemenz des Protests nur wundern. 

Schon die Proteste gegen eine Verpflichtung von Manuel Neuer waren in ihrer Beschaffenheit für meinen Geschmack etwas zu emotional. Ich halte es außerdem für unschön, wenn dem Nationaltorhüter unseres Landes so viel Feindlichkeit in einem deutschen Stadion begegnet. Nicht jeder Transfer findet meine Zustimmung, aber das ist auch nicht meine Baustelle - dafür trägt die Vereinsführung in Kombination mit dem jeweiligen Trainer die Verantwortung. Wohin führt es einen Fußballverein, wenn er demnächst jede Personalie mit den Fans diskutieren müsste? 
Natürlich ist mir nicht verborgen geblieben, warum "Koan Neuer" so hitzig gefordert wurde. Damit ist aber auch klar, von wem dieser Protest ins Leben gerufen wurde. Somit stellt sich nicht automatisch die Mehrheit der Bayern-Anhänger gegen Neuer, auch wenn die Münchner Ultra-Szene es gerne so verkauft. Die Fans des FC Bayern sind mehr als nur die "Schickeria" oder der "Club Nr. 12". Die Mehrheit der Bayern-Fans wird nicht bestimmt durch die Südkurve oder große Teile von ihr. Und ich bezweifle arg, dass man sich die Mühe gemacht hat und die Bayern-Fanclubs um Zustimmung zu dieser Anti-Neuer-Aktion gebeten hat. In die Medien hat man es allerdings geschafft, als "die Bayern-Fans". Aber es sind eben auch diese Medien, von denen man sich jetzt nach den Protesten von Samstag verunglimpft fühlt. 

Für meinen Geschmack ist das alles ein bisschen zuviel Einmischung in die Vereinspolitik von einer überschaubar kleinen Gruppe - zumindest gemessen an der Masse aller Bayern-Fans (und davon gibt es auch außerhalb des Stadions eine Menge). Die Art und Weise wie der eigenen Präsident und der Macher des Klubs, Uli Hoeneß, am Samstag betitelt und verunglimpft wurde, ist unwürdig und schlicht vereinsschädigend. Man hat hier nicht die Vereinsfarben geändert oder den Klub an US-amerikanische Investoren verkauft, warum also dieser Aufschrei? 
Die Antwort ist so einfach wie beängstigend: hier findet ein Machtkampf statt. Die Ultra-Gruppierung, besteht sie nun aus Schickeria oder/und Teilen des Clubs Nr. 12, will ihren Einfluss und ihre Politik in die Vorstandsetage hieven. Doch Mitglieder des FC Bayern haben ein Stimmrecht - und sie dürfen auf der Jahreshauptversammlung das Wort ergreifen. Damit bewegen sie sich im Rahmen ihrer Rechte und Möglichkeiten. Alles was darüber hinaus geht, sehe ich durch die Themen "Neuer", "Sechzig" oder "Kartentausch für die Südkurve" nicht gerechtfertigt. Diese Form von Protest führt nur zu einem: Es beschädigt unseren Verein.


So macht das keinen Spaß

Die Luft ist raus aus der Saison 2010/2011 - und das merkt man der Mannschaft deutlich an. Dummerweise ist es aber gerade jetzt enorm wichtig die letzten Spiele möglichst erfolgreich zu gestalten, will man im nächsten Jahr in der Champions League vertreten sein. 
Der Auftritt am Samstag war schal wie abgestandenes Bier, aber am Ende waren drei Punkte und Platz Drei uns - drei Siege in Folge, zum ersten Mal in diesem Spieljahr. Wenn es nicht ganz so furchtbar zum Anschauen gewesen wäre, könnte man sich darüber richtig freuen. Aber was bleibt, sind Magenschmerzen. Mit einer solchen Leistung wie gegen den Tabellenletzten, haben wir weder in Nürnberg, noch im nächsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen etwas zu bestellen. Auf eine Einzelkritik möchte ich aus Pietätsgründen verzichten.
Da darf man sich angesichts eines so leblosen Auftritts schon fragen, ob die Maßnahme Trainer van Gaal vor Saisonende zum Saisonende zu entlassen wirklich clever war?

Man muss sich das mal vorstellen, meine Freundin (Gladbach-Fan) und ich sitzen zusammen vor dem Fernsehgerät - und was passiert? Nichts. Ich langweile mich, sie schläft ein. Am Ende ärgern wir uns beide, dass wir die 90 Minuten nicht besser draußen unter der Aprilsonne verbracht haben. Kein böses Wort, keine Stichelei, müdes Achselzucken. So macht das keinen Spaß.

FernglasFCB tippte 3:0 (Ergebnis: 1:0)


Anm.: Zu den Vorkommnissen in der Südkurve folgt noch ein gesondertes Statement.


FernglasFCB 28. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:

Freitag; 1. April 2011:

FC St. Pauli vs FC Schalke 04  -:- (abgebr.)


Samstag, 2. April 2011:

FC Bayern München vs VfL Borussia Mönchengladbach 1:0


Sonntag, 3. April 2011:

VfL Wolfsburg vs SG Eintracht Frankfurt 1:1

Freitag, 1. April 2011

Termine April 2011

2. April 2011 - Bundesliga
FCB vs VfL Borussia Mönchengladbach
15.30 Uhr

9. April 2011 - Bundesliga
1. FC Nürnberg  vs FCB
15.30 Uhr


17. April 2011 - Bundesliga
FCB vs TSV Bayer 04 Leverkusen
15.30 Uhr

23. April 2011 - Bundesliga
Eintracht Frankfurt vs FCB
15.30 Uhr



30. April 2011 - Bundesliga
FCB vs FC Schalke 04
18.30 Uhr