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Donnerstag, 31. März 2011

Veteranentreffen

Zum Treffen zweier Veteranen der Bundesliga kommt es am Samstag in München. Die akut abstiegsgefährdete Borussia aus Mönchengladbach muss zu den Bayern, die noch um die Teilnahme an der Champions League bangen. Da findet quasi ein Krisengipfel der Saison statt, wenngleich das Jammern der Bayern eines auf hohem Niveau ist. 

Ob die Länderspielpause kontraproduktiv war oder nicht, wird davon abhängen ob Daniel van Buyten wieder rechtzeitig fit wird. Die Blessuren von Pranjic und Gomez sind soweit auskuriert. 
Ein Sieg gegen Gladbach ist natürlich Pflicht, will man die Chance wahren Hannover vom dritten Tabellenplatz zu verdrängen. Dies ginge allerdings nur, wenn die Dortmunder Borussia die Niedersachsen schlägt oder zumindest Unentschieden spielt.   

So wie ich die Gladbacher in den letzten Wochen beobachtet habe, hat die Mannschaft dem Abstieg nichts mehr entgegenzusetzen. Das Hammerprogramm zum Ende der Saison wird da vermutlich auch nicht mehr viel ändern. Grundsätzlich bin ich eher dafür, dass der VfL der ersten Liga erhalten bleibt - aber gegen Bayern müssen sie jetzt nun wirklich nicht mit dem Punkten anfangen. 

Mein Tipp: Bayern 3, Gladbach 0

Mittwoch, 30. März 2011

Unheilig

Fangen wir etwas humorvoll an, mit einem Text von mir aus dem November 2006:

Der heilige Christoph

Die Stadt Köln pflegte schon seit jeher eine ausgeprägte Beziehung zur heiligen katholischen Kirche. Diese wahrlich segensreiche Allianz mit dem Vatikan, mehrte über die Jahrhunderte den Reichtum dieser Stadt und stellte ihren Schutz sicher. Die Aufbewahrung der Gebeine der Heiligen Drei Könige im Hohen Dom zu Köln, tat ihr übriges. Die Heiligen-Verehrung in Köln hat also Tradition, und so ist es wenig verwunderlich, dass schon seit Jahren in der rheinischen Metropole einem weiteren Heiligen gehuldigt wird: dem heiligen Christoph.

Der Sage nach, kam ein junger Mann namens Christoph Daum eines Tages durch die Kölner Stadttore und schickte sich an, den Kölnern das Fußballspiel zu lehren. Dass ihm das beinahe gelang, kam den Kölnern wie ein Wunder vor, und so verehrten sie ihn noch lange nachdem er die Stadt längst wieder verlassen hatte. Die Kölner erinnerten sich an den heiligen Christophorus, einem Riesen mit schrecklichem Aussehen, dessen Anblick vor dem unvorbereiteten Tod bewahren sollte, und der zu den vierzehn Nothelfern gehörte. Nothelfer Daum hingegen hatte die Stadt längst verlassen, und so kam der unvorbereitete Tod des 1. FC Köln in Form des Abstiegs in die zweite Fußballliga. Seitdem beten die Kölner Fußballanhänger für seine Rückkehr.
Daum, der sich durch den übermäßigen Konsum von Engelsstaub versündigt hatte, wurde jedoch verstoßen, und war fortan der Schutzpatron der Türkei-Reisenden.

Doch Köln wäre nicht Köln, wenn es nicht für ein Wunder gut wäre, und so tauchte der verehrte Retter ausgerechnet am 11.11.2006 wieder auf. In der christlichen Mythologie steht die Zahl 11 übrigens für die Grenzüberschreitung. Denn die 11 liegt als erste Zahl jenseits der zehn Gebote. Und so ist im Karneval, der am 11.11. um 11.11. Uhr beginnt, für eine bestimmte Zeit die übliche Ordnung aufgehoben. Man darf dann jemand anderes werden, seine verrückten Seiten ausleben und muss sich nicht immer an die guten Sitten halten.
Einen besseren Zeitpunkt für sein Auftauchen gab es nicht, und so sprach der heilige Christoph zu den Vertretern der schreibenden Zunft über sein Krankheitsbild, und bewies wieder mal sein Genie in der Kunst der Selbstdarstellung. Doch den Kölner Fußball zu retten, versprach er indes nicht.
Egal wie die Sache für die Kölner nun ausgehen wird, eines dürfte Gewiss sein: Irgendwann werden die Kölner Bürger zu Ehren des heiligen Christoph eine Monstranz in der Domschatzkammer aufstellen, Inhalt: Daums Gebeine und vielleicht sogar ein Haar.


So, Schluss mit lustig - denn keineswegs lustig war das, was die Familie Hoeness während der so genannten "Daum-Affäre" erleben musste: Morddrohungen gegen Uli Hoeness, Anfeindungen gegen alle Familienmitglieder in einer Art und Weise, wie sie sich selbst der polarisierende Uli Hoeness nicht hat vorstellen können. Deutschland hatte einen Feind und ließ es ihn spüren - der Feind hieß Uli Hoeness. 
Hoeness' Ehefrau Susi bezeichnet diese Phase als die schwerste Zeit der Familie - und wie man sich denken kann, sind die Eheleute Hoeness mit Christoph Daum, dem Verursacher des Ganzen, nicht mehr versöhnbar. 

Dies hätte vielleicht anders laufen können - wenn, ja wenn, Christoph Daum die Zeit nach der Kokain-Affäre zu irgendeinem Zeitpunkt genützt hätte, um sich für sein Lügen und Schweigen zu entschuldigen. Daum tat das nicht. Und Christoph Daum hat das auch bis heute nicht getan. 10 Jahre hatte er bislang die Zeit dazu.  
Kleine Brötchen backen ist nicht die Sache des Christoph Daum - zu eingenommen von sich selbst, zu sehr damit beschäftigt im Kameralicht den Fußballweisen zu spielen. Jemand wie er hat es nicht mit der Selbstkritik. Dass jemand wie Christoph Daum dann auch noch die Chuzpe hatte, jemals  wieder in der Bundesliga einen Trainerjob auszuüben, war (2006) und ist (2011) der Gipfel. Uli Hoeness anno 2011 hat das nicht vergessen - und wird sicher mit einigem Argwohn die typischen Daumschen Philosophieorgien ertragen müssen - wie wir alle. Wer nun davon spricht, dass Herr Hoeness nun doch endlich die Vergangenheit ruhen lassen sollte, dem unterstelle ich mangelnde Empathie. Christoph Daum hätte seine unrühmliche Vergangenheit wie ein Mann mit Rückgrat abschließen können, hat er jedoch nicht. Bis heute nicht. Wie könnte man das verzeihen oder vergessen, wenn man Uli Hoeness heißt?

Freitag, 25. März 2011

Ist doch nur Fußball

Hin und wieder erwischt es mich auch - der scheinheilige Mantel der Political correctness wird mir unbemerkt übergestülpt. Und dann schäme ich mich, weil ich mich habe einlullen lassen und ebenfalls in die Falle getappt bin. Weil man ja dies und jenes nicht sagt, tut oder gutheißt, hat diese penetrante Form der Gleichmacherei gute Chancen in harmloser Verkleidung nach und nach alles zu reglementieren. Man will ja schließlich alles richtig machen - kein Arschloch sein - nicht im Gestern hocken bleiben. The trend is your friend. Doch im Stadion kann man den gesellschaftlichen Verhaltensnormen für ein kleines Zeitfenster entkommen. Man kann mal Dampf ablassen, sich ordentlich aufregen und mal ein bisschen unfair sein. Is doch nur Fußball. Pikierte Blicke, weil ich rauche - rauchen muss, wenn meine Bayern spielen - und ich bekomme ein schlechtes Gewissen - zumindest für einen Moment. Hey, verdammt - wir sitzen hier unter freiem Himmel, in einem Fußballstadion - ja, verflucht, dann rauche ich. Weil ich muss. Ich reg' mich auch nicht über den pupsenden Vordermann auf, den Bierdunst in meiner Nachbarschaft oder den Qualm einer Rauchbombe.  Und dann schrei ich "Arschloch!", vor mir ein Junge von vielleicht zehn Jahren. Sagt man nicht, tut man nicht, schlechtes Vorbild für die Kleinen. Doch! Gehört dazu - ist Fußball. So habe ich es auch als Zehnjähriger erlebt und es hat mir nicht nachhaltig geschadet. 
   
Der Fußballsport schien noch eine der letzten Bastionen ungezügelter Leidenschaft zu sein, bei der man fluchen, andere beschimpfen und sogar rauchen durfte. Darf man jetzt auch nicht mehr überall. Da lobe ich mir die Politik des Uli Hoeness, der angesprochen auf das nicht vorhandene Rauchverbot in der Münchner Arena entgegnet, dass es ja schon ausreichend Verbote in diesem Land gäbe und es nicht nötig sei, ein weiteres hinzuzufügen. Doch gerade der Fußball, die Oper des kleinen Mannes, muss den  - ganz plakativ ausgedrückt - Mächtigen in seiner herkömmlichen Erscheinung ein Dorn im Auge sein. Hier gibt es eigene Regeln und traditionelle Verhaltensweisen, die abseits der gesellschaftlich geduldeten Spielregeln einen fast rebellischen Charakter haben - und das immer noch, aller Kommerzialisierung zum Trotz. Profifußball ist längst kein Proletariatsvergnügen mehr - heute werden in Logen und auf Tribünen Geschäftstreffen arrangiert. Das Ligaspiel als Rahmenprogramm und Bonbon für den, den es zu becircen gilt. Aber es gibt sie noch, die schimpfenden und tobenden Familienväter, die nervös gerauchten Glimmstengel in der Masse. Es gibt sie noch, die Wut, die sich Platz schaffen will - in einem Spiel, das von all dem Frust über Alltag, Normalität und Alltagssorgen ablenkt - gerade mal neunzig Minuten lang.

Als der Fußball hierzulande noch in den Kinderschuhen steckte, müssen es die da oben schon geahnt haben: diese Entwicklung ist gefährlich. Die gesellschaftliche Anerkennung dieses Sports ließ lange auf sich warten. Fußballspiele im Freien waren zunächst sogar verboten. Dabei war die Ausübung dieses Sports zunächst gar keine Angelegenheit der Arbeiterklasse, sondern wurde von Bürgerlichen betrieben. Seit dem hat sich viel getan. Aber auch heute ist Fußball ein Gleichmacher - hier bist Du für rot oder blau - für grün oder gelb - aber du bist nur Fan. Es zählt nicht, welches Auto du fährst, wo du wohnst und wie du dein Einkommen generierst. Hier bist du Einer unter Vielen.  
Mittlerweile geht die Entwicklung hin zum Wochenend-Spaß für die ganze Familie - fast so langweilig wie beim American Football. Das kulinarische Angebot ist genauso vielfältig wie das Rahmenprogramm - als ob Fußball dem Zuschauer allein nicht reichen würde. Cheerleader und Gewinnspiele, Interviews von Prominenten oder Kindern oder beiden - übermalt von unerträglich lauten Lautsprecheranlagen, durch die ein Stadionsprecher plärrt, als wäre er auf Koks. Mit dem Stadionerlebnis so wie ich es noch aus Anfang der Achtziger Jahre kenne hat das nichts mehr zu tun. Natürlich gibt es mehr Komfortabilität, fast überall Sitzmöglichkeiten, Überdachung und moderne Sicherheitskonzepte - früher war nicht alles besser, aber ich kann mir nicht helfen - irgendwie wirkt heute alles etwas "künstlicher". 

Das gilt auch für die Unterstützung von den Zuschauerrängen: Neunzigminütiger monotoner Singsang von den Tribünen lässt auch dem Fan wenig Raum für Kreativität und Spontaneität. Der ist zwar nicht verordnet, aber letztlich doch von einer Gruppe installiert und per Megaphon vorexerziert. Früher warst du stolz wie Bolle, wenn aufgrund deiner Initiative irgendwann die ganze Kurve grölte. Gibt's kaum mehr. Spruchbänder werden zensiert, Fahnenstangen abgemessen und auf ihre Beschaffenheit überprüft, Verunglimpfungen verbaler Art vom Verein missbilligt. Die "schwarze Sau" hat man den Fans auch schon genommen - Schiedsrichtertrikots sind heute leuchtendgelb, grellrosa, lichtblau oder fluoreszierend grün.
Früher war eine Toransage eine Toransage, kein fünfminütiger gebrüllter Psalm, den das Publikum dann einmütig hinterher betet. Eckstöße, Spielminuten, Freistöße und auch das Torschussverhältnis auf der Anzeigentafel wurde nicht ständig mit kindlichem Geklingel angekündigt, das vom eigentlichen Geschehen auf dem Platz ablenkt.

Hinzu kommen immer neue Regeln oder Regelverschärfungen im Spiel, damit der Fußball so sauber wie möglich wird. Härte wird kaum mehr geduldet. Dieses  ständige Antatschen, Umarmen und Händereichen der Spieler wird als Fair Play umschrieben - das jedoch bleibt auf der Strecke, wenn es darum geht Freistöße zu erzwingen oder Elfmeter zu schinden. Verlogen? Ja.
Selbst der Jubel wirkt künstlich, weil einstudiert - man gewinnt den Eindruck, dass einige Profis mehr Zeit darauf verwenden, möglichst spektakuläre Jubelposen zu erfinden statt Schusstraining zu absolvieren.

Fußball ist ein Abbild der Gesellschaft - und dementsprechend unterliegt auch dieser Sport allen gesellschaftlichen Veränderungen. Doch das Interesse am Fußball fokussiert sich gestern wie heute auf das Geschehen auf dem Rasen und wird belebt durch die Unvorhersehbarkeit des Geschehens. Man muss diesen Sport nicht noch anreichern mit allen möglichen Gimmicks. Am Ende ist es doch nur der Fußball, um den es geht - und den gibt es übrigens auch in Stadien abseits des Profi-Zirkusses.

Donnerstag, 24. März 2011

Einer wie Daum

Das Trainer-Karussell in der Bundesliga ist an Aberwitz nicht zu überbieten - zehn Trainer wurden in dieser Saison bereits entlassen  - und nun ist einer wieder da, den wohl in erster Linie die Boulevard-Presse vermisst haben dürfte: Christoph Daum.

Die großen Tage des Christoph Daum liegen schon etwas zurück - 2003 und 2004 waren wohl die erfolgreichsten Jahre des neuen Frankfurter Trainers - zumindest was die gewonnen Titel angeht. Er selbst mag das anders sehen und sich heute noch für  einen europäischen Spitzentrainer halten. Aber ebensowenig wie Fenerbahce oder Besiktas wirkliche europäische Spitzenmannschaften sind, hat Daum den Beweis erbracht dass er in diese Kategorie gehört. Chelsea, Barcelona, Madrid oder den AC Milan hat Daum nie trainiert. Die Champions League oder den/die UEFA-Cup/EuroLeague hat er nie gewonnen. Fünf nationale Meisterschaften hat Daum als Trainer bislang errungen (in Deutschland, Österreich und der Türkei), dazu noch zwei Pokalsiege mit Besiktas und FK Austria Wien. Hierzulande hat vor allem sein Engagement bei Stuttgart, dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen für Furore gesorgt - wenngleich nur ein Titel, die Deutsche Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 1992, wirklich als zählbarer Erfolg in Deutschland gelten darf. Doch ein Christoph Daum läuft selbst bei einem abstiegsbedrohten Klub wie der Eintracht aus Frankfurt auf, als wäre er der Kaiser von Abessinien - fünf schwergewichtige Leibwächter begleiten den Mann, der für den wohl größten Skandal der Bundesligageschichte gesorgt hat - die Kokain-Affäre. Er ist weder ein Mann der leisen Töne, noch jemand der sich im Hintergrund halten kann. Daum braucht die Kameras, und Mikrofone - er doziert gerne öffentlich. 

Die großen Zeiten des "Motivators" Daum sind jedoch vorbei - sein letztes Engagement in der Bundesliga verlief am Ende eher unspektakulär. Dabei begann es mit einem medialen Paukenschlag: Der heilige Christoph zog in die Stadt Köln ein, wurde gefeiert und hofiert als wäre er der Messias - Daum machte selbst aus einem kurzzeitigen Krankenhausaufenthalt vor seiner zweiten Amtszeit als FC-Trainer eine Showveranstaltung für die Presse. Er stieg mit dem Klub wieder auf und dümpelte dann im Grau der Tabelle herum. Sein Abschied aus der Domstadt im Jahre 2009 kam völlig überraschend - er wolle Champions League spielen, sagte der damals nicht mehr unumstrittene FC-Trainer. 
Mit Eintracht Frankfurt dürfte dieser Wunsch jedenfalls schwierig umzusetzen sein, wenngleich Christoph Daum schon bei der ersten Pressekonferenz als Eintracht-Trainer von "internationaler Partizipation" sprach. Hört, hört! Der Abstieg ist noch nicht vermieden, da visioniert schon einer - und die Fans werden es gerne hören. Dass diesen Worten auch Taten folgen müssen, ist für die SGE essenziell - und vermutlich auch für Heribert Bruchhagen, der mit dieser Verpflichtung seine bisherige Linie deutlich verlassen hat. Doch am Ende kann niemand überrascht tun - weder Bruchhagen, noch Daum. Beide müssen wissen, was sie sich da angetan haben. Christoph Daum manövriert sich gerade in einen höchst konservativen Verein, dessen Risikobereitschaft arg begrenzt sein dürfte und der - wenn überhaupt - im Mittelmaß der Tabelle verweilen könnte. Dies allerdings ist einem wie Daum auf Dauer nicht genug - das Scheinwerferlicht leuchtet woanders und nicht  auf das Mittelmaß. Einer wie Christoph Daum braucht die öffentliche Aufmerksamkeit, da kann die hessische Fußballprovinz langfristig sehr eng werden - zu eng für einen "Spitzentrainer" wie Daum. Nur als Retter im Abstiegskampf soll er funktionieren - aber auch das hat Christoph Daum streng genommen noch nie unter Beweis gestellt. Vielleicht war die Verpflichtung von einem wie Christoph Daum der verhängnisvollste aller Trainerwechsel in dieser Saison.

Dienstag, 22. März 2011

Sind aller guten Dinge drei?

Josef Heynckes wird sein Traineramt bei Bayer 04 Leverkusen nicht über das Saisonende hinaus fortsetzen, soviel ist nun eindeutig. Damit dürfte auch klar sein, was der Mann in Zukunft machen wird: den Trainerjob - und zwar bei Bayern München. 

Wäre dem nicht so und Heynckes hätte sich in die Fußballrente verabschieden wollen, wäre dies von dem 65-jährigen genauso kommuniziert worden. Hat er aber nicht. Dass die Planungen beim FC Bayern - wer oder was wird geholt, wo spielt Lahm? - schon konkrete Züge annehmen, dürfte ebenfalls darauf hindeuten dass da schon jemand konkrete (Trainer-)Vorstellungen geäußert hat. Es wäre die dritte Amtszeit als Bayern-Trainer für Jupp Heynckes. Wahrscheinlich wird es ein zwei-Jahres-Vertrag - danach ist der Mann mit 67 Lenzen im besten Rentenalter. Für den FC Bayern sind zwei Jahre Trainerdasein der normale Schnitt, darüberhinaus hielt es selten länger einen im Sattel. 

Zwei Fragen drängen sich auf: Die erste, nicht ganz so wichtige Frage ist, warum tut sich einer wie Heynckes das jetzt überhaupt noch an? Der Medienrummel rund um den Klub aus München, der Druck, der Spott wenn etwas nicht funktioniert. Die Antwort: Da der Klub bereits einige Top-Spieler unter Vertrag hat und nach dieser transferlosen Saison mehr als bereit ist viel Geld für Neuverpflichtungen in die Hand zu nehmen, kann sich der gebürtige Mönchengladbacher ein Team nach seinem Gusto zusammenstellen. Bei Leverkusen konnte er dies so nicht. Darin wird der Reiz für Heynckes liegen - und vielleicht steht er ja auch bei Uli Hoeness im Wort. Hoeness' "schwerster Fehler" wäre damit wohl getilgt. Die zweite Frage ist, wird es eine Erfolgsgeschichte oder nicht? Dazu muss man Erfolg à la Bayern München richtig definieren. Wird Heynckes in zwei Jahren Trainerdasein bei den Bayern Meister und/oder Pokalsieger und schafft es ins Champions League-Finale, dann ist das Ganze gelungen. Würde er die Bayern sogar zum Titel in der Königsklasse führen, dann entstünde neben den Denkmälern Beckenbauer, Lattek, Hitzfeld und Hoeness noch ein weiteres. Scheitern kann Jupp Heynckes nur wenn überhaupt nichts herausspringt - so wie bei van Gaal in dieser Spielzeit.

Jupp Heynckes lässt attraktiven Fußball spielen, setzt ebenso wie van Gaal auf junge Talente. Erfahrung - auch internationale - hat er selbstverständlich - und Heynckes passt mit seiner fokussierten und ruhigen Art in die Gemengelage beim FC Bayern. Zwiesprache mit den Bayern-Bossen wird es kaum geben. Damit ist der Mann, der Leverkusen in dieser Saison wohl auf direktem Wege in die Champions League bringt, ein idealer Kandidat für die bayerische Trainerbank. Sein Vorgänger hat ihm ein schweres Erbe hinterlassen: ein Double und die Finalteilnahme in der Champions League. Daran wird auch ein Jupp Heynckes gemessen werden - Männerfreundschaft hin oder her.

Montag, 21. März 2011

Entsetzlich glücklich

Drei wichtige Punkte, 45-minütiger Kampf bis zum Ende und ein Revival der "last minute-Bayern", da muss man als FCB-Anhänger dieser Tage schon froh und dankbar sein. Immerhin hätte es richtig übel werden können, wenn man es in Freiburg nicht zu einem Dreier geschafft hätte (Leverkusen und Hannover gewannen ihre Spiele ebenfalls). Aber so zufrieden ich mit dem Ergebnis bin, so unfassbar entsetzt bin ich über die erste Halbzeit  der Bayern im Breisgau. 

Außer Gomez, Ribéry und van Buyten - Torhüter Kraft lassen wir mal außen vor -, die wenigstens mittelmäßige Leistungen boten, spielten die anderen Herren einfach nur schlecht (Schweinsteiger, Müller, Lahm, Kroos, Pranjic) bis katastrophal (Gustavo). Arjen Robben lief von Beginn an unrund und musste dann auch wegen einer Adduktorenverletzung durch Altintop ersetzt werden. 
Schon nach neun Minuten gehen die Bayern in Führung - aus dem Nichts! Flanke Ribéry, Kopfball Gomez - und eigentlich hätte hier so etwas wie frühe Beruhigung mehr Souveränität ins Bayern-Spiel bringen können. Doch was an diesem Nachmittag in Luiz Gustavo gefahren war, lässt sich nicht nachvollziehen. Ein dicker Bock folgte dem anderen - und sein Tiefschlaf sorgte dann auch für einen Elfmeter für den SCF. Luiz Gustavos Patzer zwang Thomas Kraft zum Foul, den folgerichtigen Elfer kann er allerdings parieren. Drei Minuten später schläft Gustavo immernoch, lässt Cissé einfach mal machen und Freiburg kann ausgleichen. 

Was sich eine Halbzeit lang in Freiburg abspielte, kann man eigentlich gar nicht beschreiben: hilflos, planlos, gedankenlos - und so will der FC Bayern in die Champions League?! Es war unvorstellbar dilettantisch was die Mannschaft da ablieferte. Man kann nicht mal von Verunsicherung durch das zurückliegende Inter-Spiel sprechen - die Mannschaft hatte alle Grundregeln des Fußballs verlernt. Es war höchst glücklich, dass die Gastgeber nicht schon mit ein oder zwei Toren Unterschied zur Halbzeit führten. 
Nach der Pause sah man dann endlich einen anderen FC Bayern - immernoch nicht richtig geschmeidig, aber immerhin  rückte man weiter vor, gewann ein Übergewicht im Mittelfeld und machte es so den Freiburgern schwer. Altintop hatte dann noch zwei gute Möglichkeiten, bis in der 88. Minute ein Geniestreich von Ribéry den Siegtreffer brachte. 

Eine entsetzliche erste Halbzeit, ein glücklicher Sieg - beim FC Bayern 2011 muss man sich mit wenig zufrieden geben können. Jetzt ist erstmal Länderspielpause, bevor dann die akut abstiegsbedrohte Borussia aus Mönchengladbach nach München kommt - eine Pause, die die Mannschaft gut gebrauchen kann.

FernglasFCB tippte 1:3 (Ergebnis: 1:2)

FernglasFCB 27. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:


Freitag, 18.03.2011:
VfL Borussia Mönchengladbach vs 1. FC Kaiserslautern (0:1)


Samstag, 19.03.2011:
SC Freiburg vs FC Bayern München (1:2)

BV Borussia Dortmund vs FSV Mainz 05 (1:1), 1. Halbzeit

Freitag, 18. März 2011

Unwirklich

Der Zirkus in der Bundesliga wirkt irgendwie unwirklich. Heynckes zurück nach München, Turban-Dieter raus - Magath rein bei Wolfsburg, undundund. Völlig irre, diese Saison. Aber das Unwirklichste findet momentan in Japan statt und nimmt mir irgendwie die Luft mich voll und ganz auf Fußball einlassen zu können.

Nichtsdestotrotz gehts für meine Bayern am Samstag um alles - ein Sieg ist zwingend. Es wird interessant sein zu beobachten wie der FCB die Enttäuschung vom Achtelfinalrückspiel verarbeitet hat. Jetzt ist Charakter gefragt. Und trotz aller sportlichen Bedeutung, trotz aller Gefahr das Minimalziel auch noch zu verpassen - es will mir nicht gelingen, den nötigen Spannungsbogen aufzubauen. Irgendwie ist es dieser Tage egal... Wer hätte gedacht, dass ich so etwas mal schreibe.

Mein Tipp: Freiburg 1, Bayern 3

Mittwoch, 16. März 2011

Fehlende Stabilisatoren

Das Spieljahr 2010/2011 ist für den FC Bayern gelaufen - so oder so wird es eine grottenschlechte Saison, ohne Titel, ohne Plan, ohne Profil. Die Gründe dafür sind vielseitig. 

Die Titelverteidigung war in dieser Saison schnell ad acta gelegt, im Pokalhalbfinale schied man mit einem peinlichen Auftritt aus - und nun folgte das Aus in der Champions League bereits im Achtelfinale. Ein Aus ohne Not - immerhin führte man bereits vor dem Rückspiel mit 1:0 und schaffte es zwischenzeitlich einen frühen Rückstand in eine 2:1-Führung zu verwandeln. Doch wer drei Tore im eigenen Stadion in einer Finalrunde eingeschenkt bekommt, der hat in einem Viertelfinale nichts zu suchen - es sei denn man schießt selbst ein halbes Dutzend. Selbst Schalke, alles andere als stabil in dieser Saison, hat uns in Sachen Erfolg schon weit übertrumpft - Schalke steht im Champions League-Viertelfinale und im Endspiel des DFB-Pokals. Mag da noch jemand über Magath witzeln? 
Der Glanz der letzten Saison war selten zu sehen, zeigte aber was die Mannschaft zu leisten in der Lage ist wenn alles nach Plan läuft. Doch im Fußball läuft selten alles nach Plan - und der FCB dieser Tage ist nicht in der Lage bei Planänderung adäquat zu reagieren. Die Mannschaft wirkt schnell verunsichert, verliert ihre Linie oder findet sie erst gar nicht. Was fehlt in diesem Team sind die Stabilisatoren. 

Auf dem Platz
Natürlich könnte man jetzt wieder den Namen Mark van Bommel ins Spiel bringen, aber ein van Bommel alleine war auch in der Hinrunde nicht in der Lage, diesem Team die nötige Ruhe oder - je nach Lage - den nötigen Biss zu verschaffen. Einer wie Schweinsteiger könnte dies, aber auch er nicht allein. Bastian Schweinsteiger ist - bei aller Klasse - manchmal zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er dauerhaft den verlässlichen Leader im Team der Bayern spielen kann. Der Kapitän der Mannschaft, Philipp Lahm, ist meines Erachtens weder der Typ, noch auf einer günstigen Spielposition für eine solche Rolle. Was fehlt ist ein "Zehner" mit technischen Fähigkeiten, einem guten Schuss und mit Überdruck in den Venen, sowie dann und wann mit dem notwendigen Aggressionspotenzial - eben einer wie Arturo Vidal. Sperren muss man bei Vidal einkalkulieren, aber das muss man bei den meisten Vollblut-Kämpfern. Es gibt beim FCB kein kompaktes Mittelfeld, je nach Spielsituation gibt es gar keines. Robben und Ribéry sind Außenstürmer, Müller ein verkappter Mittelstürmer, Schweinsteiger und Gustavo/Kroos/Ottl/Tymo sind Sechser. Die Rolle des in diesem System so wichtigen "Zehners" kann niemand aus dem aktuellen Kader ausfüllen.

Auf der Bank
Ein weiterer Stabilisator fehlt den Bayern auf der Bank. Van Gaal probierte in der anfälligen Abwehr stets neue Formationen - und war auch nicht in der Lage sein Bayern-System kompakt zu machen. Die größte Baustelle des Rekordmeisters ist von Beginn der Saison an die Abwehr. Hier gibt es in der Innenverteidigung überhaupt keine Stabilität. Demichelis und van Buyten glänzten mit Patzern und Pannen, weder Badstuber noch Breno und auch nicht Tymo oder Gustavo konnten dauerhaft hier für Sicherheit sorgen. Dies liegt nicht zuletzt an dem von van Gaal priorisiertem System und der Unfähigkeit des gesamten Teams schnell von Angriffsbewegung auf Abwehrformation umzuschalten. Auf Spieler wie van Buyten oder Contento setzt van Gaal nicht mehr - trotz personeller Nöte.  Auch Liga-Kontrahent Bayer Leverkusen hat eine problematische Abwehrformation (34 Gegentore in der Liga), dennoch schaffte es Heynckes das Spiel der Werkself so kompakt zu machen, dass es schwer ist Leverkusen am Ende zu bezwingen. Bayer 04 hat die Effizienz, die den Bayern heuer fehlt.

Im Kopf
Letztendlich ist es extrem untypisch, dass der FCB so oft und so regelmäßig Spiele aus der Hand gibt, nicht in der Lage ist Partien zu drehen oder mit dem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis aufzulaufen, das dem Klub so eigen ist. Das ist es - bei allen taktischen und personellen Diskussionen - was wirklich beängstigend ist. Wir haben mehr technisch hochbegabte Fußballer in den eigenen Reihen als jemals zuvor in der Vereinsgeschichte, dennoch wirkt das Gesamtgebilde fragil und ist alles andere als beständig. 
Ich will gar nicht mehr über Spieler wie Breno, Kroos, Pranjic oder Ottl sprechen - hier sind punktuelle Veränderungen oder der Psychologe gefragt.
Aber warum ist nur ein Arjen Robben in der Lage den Ehrgeiz und das Engagement an den Tag zu legen, was ich in solchen Spielen wie dem gestrigen erwartet werden muss? Und zwar sowohl im Angriffspiel, als auch in der Bewegung nach hinten und im Zweikampf. Warum fällt die Mannschaft ohne einen Robben in sich zusammen? Wohl gemerkt ,ich spreche nicht ausschließlich von gestern Abend, denn in dieser Saison sah man allzu oft diesen FCB mit zwei Gesichtern.Vielleicht wird auch einfach zu viel Last auf die Schultern der Top-Stars Robben und Ribéry gelegt.

In der Führungsetage
Was auch immer der Masterplan beim FC Bayern sein soll - er wird je nach aktueller Situation immer wieder umgeworfen. Die Amtszeit eines Bayern-Trainers beträgt im Schnitt gerade mal zwei Jahre?! Jürgen Klinsmann zu verpflichten war mutig, fast revolutionär für den Klub, aber er war der falsche Mann für den Job. Das Gegenteil von Klinsmann, Louis van Gaal, war in gewisser Hinsicht ebenfalls mutig und auch diesmal gibt es kein Happy End. Nun - so munkelt man - soll Jupp Heynckes für zwei Jahre bei den Bayern anheuern. Vielleicht steht einer wie Heynckes für den schönen Fußball, den man in München sehen will - und der Stabilisierung, die so zwingend notwendig wäre. Aber länger als zwei Jahre würde auch Josef Heynckes nicht Trainer der Bayern sein - und dann?

Letztendlich wäre es einfach gewesen gestern Inter  zu schlagen und das Mindestziel Viertelfinale zu erreichen. Mailands Abwehr schwächelte, Mailands Torhüter war ein Unsicherheitsfaktor, nach vorne fiel Mailand nicht viel ein. Aber das Auslassen von Torchancen und diese unverständliche, wie Nebel auftauchende Unsicherheit der FC Bayern-Mannschaft, gepaart mit individuellen Fehlern, führte zu diese überflüssigen Niederlage. In dieser Saison gibt es für den FCB kein "einfach". Zu vielschichtig waren und sind die Probleme dieser Mannschaft. Was will man jetzt - acht Spieltage vor Ende der Saison - da noch verändern?!    

FernglasFCB tippte 2:1 (Ergebnis: 2:3)

Dienstag, 15. März 2011

Montag, 14. März 2011

"Fan"-Proteste

Ich habe doch etwas überlegen müssen ob ich einer Gruppierung wie der Schickeria, der ich zwiespältig gegenüber stehe, hier wirklich Platz einräumen soll oder nicht. Da aber "unsere" Ultras anscheinend ein so eminentes Interesse haben, ständig in den Medien auf die ein- oder andere Weise präsent zu sein, möchte ich hier dann doch auf die Randerscheinungen zum Hamburg-Spiel am Samstag eingehen.

Wenn das hier auch nur in Ansätzen den Tatsachen entspricht, sollte den jungen Herren aus dem Ultra-Lager mal jemand klarmachen, wer oder was sie in Wirklichkeit darstellen. Mit realistischer Selbstwahrnehmung hat das nämlich nichts mehr zu tun. Sie sind Fans nicht mehr, nicht weniger.
Es ging vorher ohne Ultras - es wird auch wieder ohne Ultras gehen. Jahrzehnte lang hat die Stimmung in den Stadien dieses Landes auch ohne monotone Dauergesänge von Ultra-Gruppierungen ganz gut hingehauen. Und wer zum Teufel hat diesen Herren denn eigentlich den Floh ins Ohr gesetzt, sie hätten das Recht sich  über den normalen Fan zu erheben? Dies ist ein Verein, mit einer Satzung, mit einer Jahreshauptversammlung - mit ausführenden wie kontrollierenden Vereinsorganen, die von Mitgliedern des Vereins bestimmt werden. Wer hat denn Euch dazu aufgefordert im Namen der Fans des FC Bayern öffentlich Eure Politik/Vorhaben/ Philosophie anzudienen?   

Wer einen Bereich eines Stadions ohne die dafür gültige Zugangsberechtigung "stürmt", der verstößt gegen die Stadionordnung. Wer so etwas tut, der gefährdet andere! Wer einen solchen Verstoß dann auch noch als Recht einfordert, der hat sie nicht mehr alle! Und wer eine Protestaktion dann auch noch dazu nutzt, Polizisten zu verletzen und im Stadion für Randale zu sorgen, der gehört hier nicht hin. Bleibt's doch demnächst einfach weg - so etwas vermisst schon keiner! 

Welch' seltsames Demokratieverständnis der Aktion gegen Manuel Neuer vor einigen Wochen zugrunde liegt, beschreibt die Schickeria übrigens auf ihrer Internet-Plattform entlarvend offen:
"Wenn allerdings gut 6.000 Menschen in der Kurve einen Zettel mit „Koan Neuer!“ hochhalten ist das wohl die demokratischste Abstimmung die möglich ist und man kann das nicht (länger) als Protest einiger weniger oder einzelner Gruppen abtun. Viel mehr sollte man zur Kenntnis nehmen: Die eingefleischten Bayernfans wollen Neuer nicht in München sehen!"
Wenn 6.000 Menschen in der Arena ein Schild hochhalten, dokumentiert das die Meinung von 6.000 Menschen im Stadion - und das mag auch ihr gutes Recht sein. Es dokumentiert nicht die Meinung von über 160.000 Mitgliedern dieses Klubs. Es dokumentiert schon gar nicht die Meinung der Mehrheit der über 20 Millionen Bayern-Fans. Dagegen nimmt sich eine Gruppe von 6.000 Leuten doch recht winzig aus.   


Ich finde viele Aktionen der Schickeria großartig ("Ultras gegen Rassismus", interkulturelle Straßenfußballliga etc.). Aber es nervt mich zunehmend, dass hier immer "im Namen der Bayern-Fans" gesprochen wird, was so nicht stimmt. 
Ich halte nichts von Gewalt gegen Polizisten, die nur ihren Job tun. Ich halte nichts von Pyrotechnik im Stadion, solange die Risiken nicht minimiert oder gar ausgeschlossen werden können. Ja, es sieht hübsch aus - aber ich bin nicht einverstanden deshalb die Risiken schlimmster Verletzungen anderer Zuschauer hinzunehmen. Ich halte nichts von einer Einflussnahme bestimmter Fan-Gruppierungen auf die Vereinspolitik außerhalb der dafür geschaffenen Möglichkeiten innerhalb eines Vereins.
Bleibt was Ihr seid - Fans! Und lasst auch die anderen neben Euch einfach nur Fan sein. Sprecht in Eurem Namen, wenn Ihr Euch dazu berufen fühlt - aber stellt das klar! Ihr seid nicht alleinig die Gruppe der Bayern-Fans. Ich habe Bayern München schon unterstützt, da waren die meisten von Euch noch gar nicht in Planung, also braucht Ihr auch nicht für mich sprechen - das kann ich selbst.  

Robben zerlegt den HSV

Ein höchstinteressantes Liga-Wochenende liegt hinter uns und doch ist der Fußball vermutlich selten so nebensächlich wie diesmal. Während Armageddon über die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde niedergeht, bringt Charisteas den halbrausgeschmissenen Felix Magath zum feisten Grinsen, drei Spiele entscheiden sich erst in der Nachspielzeit und Hamburg wie Hannover werden ziemlich überraschend vom Platz gefegt. 

Die erste Halbzeit in München war keineswegs in so deutliche Überlegenheit getaucht wie das Endergebnis dies vermuten ließe. Der HSV war gut eingestellt auf das Spielsystem der Gastgeber - das bayerische Murmeltier setzte gerade zum Gruß an, bevor Arjen Robben das wichtige 1:0 kurz vor der Pause machte. Bis dahin hatten die Bayern zumindest ein paar hochkarätige Chancen, wenngleich mir die Hamburger spielerisch irgendwie reifer erschienen. In der 36. Minute ließ Mario Gomez zunächst Westermann und dann Torhüter Rost aussteigen, schiebt den Ball dann aber an den Pfosten. Den Nachschuss ballert Müller an die Latte. Eine Minute später flankt dann Robben auf van Buyten, der lenkt den Ball aufs Tor und Rost kann das Spielgerät gerade noch über die Latte lenken. Doch den erlösenden Führungstreffer erzielen die Bayern durch Arjen Robben erst kurz vor der Halbzeitpause - Ribéry gelingt es im Fall noch den Ball auf den Niederländer zu spitzeln und der donnert das Spielgerät mit über 107 km/h über Frank Rost ins Tor. 
Die endgültige Befreiung kam dann mit dem zweiten Treffer Robbens in der 47. Minute. Freistoss Robben und seine Flanke wird lang und länger, Gomez ist noch fast dran und irritiert Hamburgs Schlussmann, der Ball rutscht an Rost vorbei ins Tor. Danach brachen dann bei den Gästen alle Dämme - die Bayern kontern drei Mal und drei Mal ist der Ball im Netz. Erneut Robben mit seinem dritten Treffer nach Vorarbeit Ribéry (55.), dann Ribéry (64.), anschließend Müller (79.) und zum guten Schluss Heiko Westermann als Vollstrecker für Vorbereiter Ribéry (85.), der den Ball auf gefühlten 10x10 Zentimetern durch zwei Hamburger hindurchdribbelt. Es hätte am Ende sogar noch höher ausfallen können, so wurde es der höchste Sieg gegen den Hamburger SV seit 1987 (damals auch 6:0). 

In der Tabelle hatte das nicht viel Auswirkungen, dennoch hat man durch die Niederlage Hannovers in Köln den Abstand zu Platz Drei verkürzt und den Tabellenplatz gegen die Mainzer (Niederlage gegen Leverkusen) behauptet. Bayer Leverkusen liegt hingegen mit 7 Punkten Vorsprung auf dem begehrten zweiten Platz.  

Die besten Bayern waren "Robbery", wobei man den Eindruck hatte, dass Arjen Robben den HSV im Alleingang zerlegte. Fantastisch was der Niederländer da zeigte, sein Adrenalin und Siegeswille war bis unters  Stadiondach zu riechen. Auch Philipp Lahm zeigte sich irgendwie munterer und angriffslustiger als in den letzten Wochen. Schweinsteiger blieb über weite Strecken blass und Gomez manchmal etwas zu umständlich, aber immer brandgefährlich. Die Variabilität von "Robbery" war der Matchwinner - beide wechselten die Seiten, gingen auch mal in die Mitte und machten somit ihr Spiel weniger vorausschaubar als üblich. Die Chancenverwertung war exzellent.

Für das Rückspiel gegen Inter am Dienstag war der Kantersieg zwar enorm wichtig, darf aber über unsere Schwachpunkte nicht hinwegtäuschen - Inter ist ein anderes Kaliber als der HSV.


FernglasFCB tippte 2:0 (Ergebnis 6:0)
   

FernglasFCB 26. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:



Freitag, 11.03.2011:

1. FC Köln vs Hannover 96  (4:0)


Samstag, 12.03.2011:

FC Bayern München vs Hamburger SV (6:0)


Sonntag, 13.03.2011

FSV Mainz 05 vs TSV Bayer 04 Leverkusen (0:1)
FC St. Pauli vs VfB Stuttgart (1:2)

Freitag, 11. März 2011

Die Personalie "Felix van Gaal"

Was haben Schalke und der FC Bayern gemeinsam? Neben dem Interesse an Manuel Neuer, und der Eigenschaft als bundesweit beliebter Traditionsverein, neuerdings auch die Art und Weise wie man sich seines Trainers entledigt und von der noch vor kurzem ausgerufenen Direktive wieder verabschiedet. 

Beide, die Führungen in Bayern und auf Schalke, wussten was sie taten als sie die Herren van Gaal und Magath verpflichteten - dennoch wirken sie nun überrascht (oder möchten es zumindest so aussehen lassen). Was? Felix Magath ist ein humorloser Machtmensch mit der Emotionalität einer Eiswürfelmaschine? Huch - Überraschung! Wie bitte? Louis van Gaal ist stur und unbequem? Wer hätte das ahnen können?! Beide Klubs haben die Polarisierung in Person eingekauft - was ja auch gut zu den Vereinen passt - und wundern sich jetzt über die Folgen. Respekt für soviel Voraussicht.

Aber mal im Ernst - Ich glaube, dass man bei Schalke aus der Not auch den Teufel eingestellt hätte und die Bayern-Führung grundsätzlich ein Problem mit anderen starken Persönlichkeiten hat. Der Versuch ist, an der Isar wie im Ruhrgebiet, kläglich gescheitert. 
Dabei ist weder Magath noch van Gaal erfolglos - Magath führte die Schalker überraschend auf Platz Zwei in der Vorsaison und stand lange im Meisterschaftskampf mit den Bayern. In dieser Saison gelang immerhin der Einzug ins Pokalfinale mit der Option nächstes Jahr wieder europäisch spielen zu können (falls man  gegen einen Zweitligisten gewinnt). In der Champions League hat es Schalke 04 sogar bis ins Viertelfinale geschafft. Nicht so schlecht, oder? 
Und Louis van Gaal? Letzte Saison Meister, Pokalsieger und Champions League-Finalist - in dieser Saison mit einer guten Option ins Viertelfinale der Königsklasse einziehen zu können. Jedwede Titelverteidigung ist allerdings gestorben.
Beide starken Männer hat man geholt, weil man mit ihnen gemeinsam langfristig etwas zu verändern suchte. Mit Felix Magath wollte man den Verein konsolidieren und wieder zu einer Spitzenmannschaft formen. Mit dem Niederländer van Gaal wollten die Bayern eine neue Spielkultur und ein langfristiges Konzept mit jungen Nachwuchskräften implementieren. Für beide strategischen Zielsetzungen - auf Schalke und in München - wäre es noch nicht zu spät gewesen, temporäre Misserfolge hin oder her. 

Doch es sind die Persönlichkeiten der beiden Protagonisten, die es den Verantwortlichen in den Führungsetagen so schwer machen. Bei Schalke passt der unromantische Magath nicht in die Vereinskultur. Die Kommunikation mit den eigenen Fans nimmt bei Felix Magath schon komische Züge an (Stichwort: Facebook). In München duldet die Mutter der Kompanie, Ex-Manager und Präse Hoeness, keinen Störfaktor in der Bayern-Familie - vielleicht aber auch einfach nur keinen starken Kopf neben sich. Hoeness setzte alles in Bewegung um Ribéry zu den Bayern zu lotsen und ihn auch dort zu halten, dann kommt dieser Querkopf von van Gaal und verdirbt dem französischen Balltechniker die Laune. Außerdem hätte man ohne van Gaal immer noch einen Mark van Bommel - einen Typ, den Hoeness mögen muss weil er sich von Beginn an mit Herzblut an den FCB verschrieben hat. Jetzt soll auch Arjen Robben nicht mehr auf Kuschelkurs mit seinem Landsmann sein - endgültig Zeit für Hoeness zu handeln! Der Vereinsfrieden ist in Gefahr. 

Was letztlich auch immer die Details sind, die beide Fässer zum Überlaufen gebracht haben - Fakt ist, dass weder Schalke noch der FC Bayern für diesen Super-Gau ein alternatives Konzept in petto haben. Van Gaal lässt man bis Ende der Saison machen, weil ein vernünftiger Nachfolger zu diesem Zeitpunkt fehlte. Ein hohes Risiko für die Vereinsführung. Hätte man dieses Vorgehen nicht öffentlich kommuniziert, wäre das Risiko wenigstens überschaubar und die Ruhe rund um den Klub gewährleistet gewesen. Bei Schalke kann man Magath nicht so einfach vor die Tür setzen, er sitzt nebenher noch im Vorstand - da sind Formalien einzuhalten. Aber auch den Königsblauen fehlt zu diesem Zeitpunkt ein vernünftiger Ersatz auf der Trainerbank. Am Ende kommt noch eine Gemeinsamkeit beider Vereine zusammen: Beide sind offenen Auges in diese Situation geraten.     

"Da müssen wir dabei sein!"

 2012 findet das Champions League-Endspiel in München, in der Arena statt. "Da müssen wir dabei sein" hatte Uli Hoeness eindringlich auf der letzten Jahreshauptversammlung gefordert.

Bereits in den Jahren 1979, 1993 und 1997 fanden Landesmeister- oder Champions-League-Endspiele in München statt - und Bayern München verpasste jedesmal die Teilnahme am Wettbewerb.

Donnerstag, 10. März 2011

Nord-Süd-Krisengipfel

Es gab schon Spieltage auf die ich mich mehr gefreut habe, als auf den kommenden. Der Nord-Süd-Gipfel zwischen den Bayern und dem HSV steht an. Tabellarisch gesehen ein extrem wichtiges Spiel, aber das Sportliche wird im Abseits stehen, soviel dürfte jetzt schon klar sein. Armin Veh und Louis van Gaal sind auf Abschiedstour - beide beenden ihr Engagement am Ende der Saison, der eine mehr oder weniger freiwillig, der andere gezwungener Maßen. 
Während der HSV mit einem Auswärtssieg in München den Nähe zu den europäischen Plätzen herstellen kann, zählt für den FCB einzig und allein den Kontakt zur Champions League-Qualifikation nicht zu verlieren. Diese Konstellation verspricht Brisanz. Es wird einen Massenauflauf vor den Trainerbänken werden, wenn die Fotografen die Trainer beider Teams im Vorfeld der Partie in den Fokus nehmen, denn die werden zumindest für die Presse hochinteressante Beute werden.

Bayern kann höchstens an Mainz vorbei, auf Platz Vier, ziehen, sofern die Tuchel-Truppe nicht gewinnt. Punkte für den Mainz-Gegner Leverkusen bedeuten aber auch mehr Abstand zu den Bayern. Im besten Fall - aus bayerischer Sicht - trennen sich die rheinischen Kontrahenten Unentschieden. Natürlich wird man beim FCB auch sehr genau nach Köln schauen, wo der letztwöchige Gegner Hannover 96 auf derzeit überfliegende Kölner treffen wird. Weiter runter in der Tabelle wird es für den FC Bayern aber nicht gehen - weder Nürnberg, noch der HSV können die Münchner überholen.  

Breno wird nach seiner Roten Karte nicht zur Verfügung stehen - der Brasilianer ist für zwei Partien gesperrt worden. Ansonsten ist die Stimmung vor dem Bundesliga-Klassiker im Bayern-Lager ganz gut - beherzt und hochmotiviert ging es im Training zur Sache. Drei Niederlagen in Folge sind mehr als genug - jetzt soll und muss wieder gewonnen werden. Vier mal in Folge verlor der FCB zuletzt in der Saison 1991/92. Philipp Lahm steht vor seinem 100. Pflichtspiel in Folge für den FC Bayern.
Die Gesamtbilanz gegen den Hamburger SV ist positiv - in München gewannen die Bayern sogar 32 Spiele, bei 5 Niederlagen und 8 Remis. Allerdings ist der HSV das einzige Bundesliga-Team, das die Bayern in der Allianz-Arena zwei Mal besiegen konnte. Zudem konnte der FC Bayern nur eines der letzten acht Duelle mit dem HSV gewinnen (4 Unentschieden, 3 Niederlagen). Die beiden passsichersten Teams der Liga stehen im direkten Duell nicht für viele Tore - in den letzten vier Begegnungen fiel nie mehr als nur ein Tor. Punkten die Bayern, würde die 3.000er-Marke erreicht bzw. übertroffen. 

Den Bayern steht das entscheidende Achtelfinalsrückspiel gegen Inter bevor (Dienstag, 20.45 Uhr). Ob sie das hemmt oder motiviert wird man sehen. In jedem Fall wird es ein Duell zweier Krisen-Teams - beide blieben bislang deutlich hinter ihren Ansprüchen zurück. 
Die Spielanlage der Hamburger ist meiner Meinung nach nicht von schnellem Umschalten geprägt, was unserer anfälligen Defensive entgegenkommen mag. Ich erwarte eine von Zurückhaltung geprägte Partie, Bayern wird um kontrollierte Offensive bemüht sein, aber auch nicht zu viel Risiko eingehen wollen. 

 Mein Tipp: Bayern 2, Hamburg 0

Mittwoch, 9. März 2011

Zitat der Woche - KW 10/2011

Der FC Bayern protestiert gewissermaßen als Organisation gegen das statistische Gesetz, dass man nicht immer gewinnen kann.
(FAZ online, 09.03.2011)

Dienstag, 8. März 2011

Der warme Mantel passt nicht mehr

[...] Grund für die Auflösung des Vertrages ist die unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Klubs. [...]
Wie jetzt? 
Sollte die "strategische Ausrichtung des Klubs" nicht schon im Rahmen der Verhandlungsgespräche vor der Verpflichtung von Louis van Gaal als Trainer des FC Bayern thematisiert worden sein? Sollte nicht das Konzept des Trainers mit dieser strategischen Ausrichtung einher gehen? 
Wie soll ich mir das jetzt vorstellen? Der zukünftige Trainer van Gaal legt sein Konzept vor und sagt "So Jungs, so siehts aus - dies und jenes werde ich tun, damit der Klub in den nächsten Jahren Titel gewinnt und sich an Europas Spitze etabliert", dann aber - nach eineinhalb Saisons Trainerschaffens - fällt auf, dass die Strategie gar nicht mit der des Klubs übereinstimmt? Also ehrlich.  

Wir wärs mit folgendem Entwurf für eine Presseerklärung:

Heißgeliebte und verhasste Journalistenschar,

Der FC Bayern München gibt das Ende der Zusammenarbeit mit Trainer Louis van Gaal zum Ende der laufenden Saison bekannt. Beide Vertragsparteien einigten sich auf die vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 30.06.2011. 

Die Gründe: Herr van Gaal hat sich im Laufe der Zusammenarbeit in einigen Punkten als unbelehrbar und sturköpfig gezeigt. Dieses Verhalten können wir nur im Falle des Erfolgs längerfristig tragen - im Falle der Nichterreichung/Gefährdung der Saisonziele des Klubs ist dies nicht zu tolerieren. Dieser Punkt ist nun erreicht. Allerdings fehlen uns vernünftige Alternativen zu diesem Zeitpunkt, so dass wir es für vernünftiger halten, dass der Trainer die laufende Saison noch zu Ende bringt. Die Mannschaft ist damit einverstanden.

Louis van Gaal hat mit dem FC Bayern in seiner ersten Saison beeindruckende Erfolge erzielt, nicht zuletzt deshalb gebührt ihm respektvoller Umgang und ein respektvoller Abgang. Richtig dumm wirds nur, wenn wir jetzt die Champions League doch noch gewinnen sollten oder in der Liga so dermaßen abschmieren, dass wir international nächstes Jahr gar nicht mehr vertreten sind. Aber bis dahin fällt uns noch etwas ein.

Montag, 7. März 2011

Was fehlt ist Plan B

Ich habe lange überlegt, ob und was ich zu den Ereignissen vom Wochenende schreiben soll - oder ob ich überhaupt etwas dazu schreiben muss? Am ehesten stimme ich noch mit den im sportmedienblog verfassten Zeilen überein. 

Doch nicht nur bei Louis van Gaal fehlt ein Plan B. Das gilt auch für unsere Vereinsführung. Es geht sogar soweit, dass man nicht mal einen adäquaten Nachfolger aus dem Hut zaubern kann, vermutlich nicht zuletzt weil man sich in der Vereinsführung gar nicht einig ist. 
Klar dürfte sein, dass Uli Hoeness das Tischtuch mit van Gaal zerschnitten hat und auch nicht gewillt ist, den Niederländer längerfristig ertragen zu wollen. Rummenigge dürfte da schon eher auf des Trainers Seite stehen, ebenso wie die Mannschaft. Das geht bis Ende der Saison nur gut, wenn die Mannschaft jetzt Erfolge hinbiegen kann - sprich: ein gutes Abschneiden in der Champions League und die Qualifikation für die nächste Champions League-Saison. Schwer vorstellbar, dass nach den ausgebliebenen Bekenntnissen zum Trainer, van Gaal auch in der nächsten Saison noch Übungsleiter des FC Bayern ist.

Was mir widerstrebt ist, dass in der heutigen Medienwelt nur noch die Schagzeile des Tages zählt, um von der am Tag danach übertüncht zu werden. Nichts ist flüchtiger als gestern. Dabei manipulieren die Medien (Print wie Fernsehen) die Geschehnisse, treiben sie voran, bugsieren die Protagonisten in die gewünschte Richtung. Allzu oft gelingt ihnen dies, weil wirtschaftlicher und öffentlicher Druck Hand in Hand gehen. Die Trainer"diskussion"  ist ja eigentlich keine. Van Gaals Scheitern stand vor dem Hannover-Spiel bereits fest, denn schon zu diesem Zeitpunkt diskutierte die Bild, die tz, Sky und Liga total in aller Ausführlichkeit wer sein Nachfolger werden könnte. Diese Chuzpe wurde ohne Widerspruch des Klubs hingenommen. Dann erfragen wir doch demnächst einfach bei der Bild-Redaktion unseren sportlichen Fahrplan und die Mannschaftsaufstellung, spart das Trainer-Gehalt. 

Warum wurde ausgerechnet Louis van Gaal an die Säbener Straße geholt? Wurde da nicht immer von einem Plan gesprochen, von einem langfristigen Konzept? So etwas gibt es nur im Märchen. Oder bei Barcelona, oder Arsenal oder in Manchester. 
 

FernglasFCB 25. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:


Samstag, 05.03.2011:

Hannover 96 vs FC Bayern München  (3:1)


Sonntag, 06.03.2011

Hamburger SV vs FSV Mainz 05 (2:4)

Freitag, 4. März 2011

Zum Dritten

Hannover 96 steht auf Platz Drei der Liga und gehört damit zu den Teams, die uns die direkte Quali zur Champions League-Teilnahme in der nächsten Saison streitig machen. Damit sind drei Auswärtspunkte Pflicht - und natürlich trüge ein Sieg in Hannover zur "allgemeinen Beruhigung" bei, wobei man sich fragen muss wer sich überhaupt beruhigen will (die BILD-Zeitung sicher nicht). Konzentrieren wir uns aufs Sportliche. 

Hannover hat eine Riesensaison hinter sich, viel kann nicht mehr schiefgehen bei den Niedersachsen. Mit einer Leistung wie gegen Dortmund oder Schalke werden wir in Hannover nicht viel zu bestellen haben, dafür ist die Mannschaft von Mirko Slomka zu gefährlich. Dennoch glaube ich, dass der FCB Reaktion zeigen wird und an diesem Wochenende alles in die Waagschale wirft. Ich mag gar nicht daran denken, wie wir dastehen wenn man bei den 96ern jetzt auch noch verliert. Auf geht's Ihr Roten, zeigt dass Ihr noch lebt!

Mein Tipp: Hannover 96 1, Bayern 3

Donnerstag, 3. März 2011

Eingefrorene Himbeeren

Ich bin weder wütend, noch enttäuscht - schon gar nicht überrascht von der ersten Pokalniederlage gegen Schalke nach zwanzig Jahren. Ich kenne doch meine Bayern - und so wusste ich auch, dass die Verunsicherung nach dem Spiel gegen Dortmund sich auch bis ins Halbfinale schleppen wird. Genau das was sich gestern abspielte hatte ich erwartet. Ich war vorbereitet auf das was kam.

Die Fehler im Aufbauspiel des FC Bayern waren wieder mal so offensichtlich, dass die Schalker Führung nur eine Frage der Zeit war. Das war nicht die Dortmunder Borussia im Schalker Kostüm - keineswegs. Dennoch hat man sich einiges abgeschaut beim Tabellenführer. Die Außen Ribéry und Robben wurden gedoppelt und getrippelt, zugestellt, eingeengt; die Räume dazwischen eng gemacht. Hier waren Ideen gefragt, die allerdings blieben aus. Thomas Müller war ein Totalausfall, Gomez zu umständlich. 
Das Mittelfeld wurde überlaufen oder mit hohen Bällen schlicht überspielt. Schweinsteiger und Gustavo reagierten statisch, viel zu langsam - nicht nur mit den Beinen, auch mit dem Kopf. Irgendwann ab der 40. Minute dachte ich, man könnte beide eigentlich aus dem Spiel nehmen, die Abwehr verstärken und dann mit klassischem Kick and Rush sein Glück versuchen. Vielleicht wäre das hilfreicher gewesen. Doch wie eingeschnürt der FC Bayern in seinem taktischen Konzept der Ballkontrolle feststeckt, war gestern Abend überdeutlich zu erkennen. Fußballkünstler, die sich nicht trauen aus diesem Korsett auszubrechen, selbst wenn die Zeit davon läuft - wie eingefrorene Himbeeren. 

Nichts ist falsch an van Gaals Idee von Fußball, doch in der Umsetzung hapert es gewaltig. Barcelona spielt das gleiche Prinzip, allerdings schnörkellos und viel direkter. Unsere Bayern dagegen verlangsamen das Spiel, statt es zu beschleunigen. Ball annehmen, Spielfluss stoppen, Anspielpartner suchen, Ball abspielen - meist quer oder nach hinten. Raumgewinn gleich Null. 
Wenn man in einem Pokalspiel zurückliegt und der zweite Gegner auf dem Platz die Uhr ist, dann muss ich auf Tempo, auf Überraschung beim und Überforderung des Gegners setzen. Das geht nur mit Geschwindigkeit und direktem Spiel nach vorne. In der zweiten Halbzeit spielten die Bayern für zehn Minuten genau das und man sah in welche Schwierigkeiten der FC Schalke dann kam. Jedoch ließ man sich durch Fouls (eigene und die des Gegners), durch Spielunterbrechungen jedweder Art wieder aus dem Konzept bringen. Was folgte waren Querpässe wie beim Spiel Deutschland gegen Österreich in Cordoba. 

Kurzum: der Sieg der Schalker war verdient, denn die machten was ihre Möglichkeiten hergaben - und das machten sie gut. In der ersten Hälfte waren die Torchancen eindeutig auf Seiten der Gäste. Zwei Mal mussten die Bayern auf der Linie klären (Gomez/Müller). Die, nennen wir sie mal Chancen des FC Bayern, waren weitestgehend harmlos. Manuel Neuer hatte gestern nun wirklich keine schwierigen Bälle zu halten. 

Es war kein gutes Spiel und über weite Strecken sogar gähnend langweilig. So richtig wach wurden die Roten erst, als es schon zu spät war - und selbst da strahlten sie keine echte Gefahr aus. Dieses Spiel war eine Zusammenfassung von dem, was wir über weite Strecken in dieser Saison immer wieder gesehen haben. Alle Schwächen des FCB 2010/2011 wurden eindrucksvoll in 90 Minuten vorgeführt - von miserablen Flanken bis hin zu harmlosen Standards, von der Anfälligkeit im Aufbauspiel und bei Standards des Gegners, bis zu individuellen Abwehrschwächen. Eine solche Abwehrschwäche nutze Raúl zum einzigen Treffer des Abends - Tymoshchuk ließ ihn einfach aus den Augen, aber Tymo ist auch kein gelernter Abwehrspieler. 

Ärgerlich waren die drei Vorteilssituationen, die der Schiedsrichter abpfiff (2x Bayern, 1x Schalke). Peinlich waren mir auch die Pfiffe und Hasstiraden gegen Manuel Neuer. Gut ist allerdings, dass Siege uns jetzt nicht mehr den Blick verstellen für die Realität - sondern die Realität von verlorener Meisterschaft und verlorenem Pokalwettbewerb auch Louis van Gaal zwingen werden, an den Stellschrauben zu drehen - und vor allem gescheite Abwehrspieler in die Mannschaft zu holen. Wenn er dazu noch die Gelegenheit bekommt. 

FernglasFCB tippte 2:3 (Ergebnis: 0:1)

Mittwoch, 2. März 2011

Meine 18 bis Katar

Ich weiß auch nicht, warum sich Heinz Kamke diese Überschrift ausgesucht hat, aber die Idee ist witzig. Catenaccio, der Spielbeobachter, Stadioncheck und Neds Blog haben schon mitgemacht und das Stöckchen aufgenommen. Hier also meine 18 Wunsch-Bundesligisten:

1. FC Bayern München
Na ja, klar - mein Verein. Aber das Aushängeschild des deutschen Fußballs gehört in die Liga, denn ohne sie wäre das alles langweilig. Hassgeliebt, sorgte der FC Hollywood für viele schöne Momente und Aufreger - ganz nebenbei bescherte uns der Klub die spannendsten Saisonfinals ("Kutzop-Elfer", "Unterhaching", "Andersens Freistoßtreffer in der Nachspielzeit in Hamburg"). Ohne Bayern keine Bundesliga.


2. VfL Borussia Mönchengladbach
Ich alter Traditionalist! Aber mit Gladbach bin ich aufgewachsen - Auf dem Bolzplatz nachgespielt: Liverpool gegen die Fohlen, Clemence gegen Simonsen. War der erste Klub, dem ich bei der WDR-Sportreportage "zugehört" habe.

3. VfL Bochum
Das sympathische "Gallische Dorf" im Ruhrgebiet, umgeben von übermächtigen Feinden. Immer noch da - immer noch ein hübsches altes Stadion ohne modernen Schnickschnack. Muss unabsteigbar sein.

4. 1. FC Köln
Immer wieder schön, wenn ich das Füllhorn der Häme über den Effzeh ausschütten kann (bei Abstieg), nichtsdestotrotz gehört der Klub ins Oberhaus des Fußballs. Herrlich bekloppt und der größte als Fußballverein getarnte Karnevalsverein der Welt. Außerdem der Klub meiner Heimatstadt.

5. TSV Bayer 04 Leverkusen
Mit dem "SVB" habe ich viel Fußball erlebt - konnte mich aber nie für den Klub erwärmen. Da ich aber in Leverkusen wohne, gehts kaum noch ohne. Zudem Garant für attraktiven Fußball und als "ewiger Vize" dankbarer Konkurrent. 

6. Fortuna Düsseldorf
Ähnlich wie beim 1. FC Köln - großartige wie abscheuliche Erinnerungen ans gute alte Rheinstadion. Gehört einfach dazu. Die Lokalderbys in Leverkusen waren immer ganz großes Kino.

7. MSV Duisburg
Musste meiner deutlich jüngeren Freundin gestern erklären, was der Meidericher SV ist. Traditionsmannschaft mit guter Stimmung, wenns sportlich läuft. Schöner Kontrapunkt zu Schalke und Dortmund.

8. Hamburger SV
BuLi-Dino - zweitreichster Klub im Land - Bananenflanken, Uwe Seeler, Reeperbahn, unverzichtbar.

9. Hertha BSC Berlin
Immer für Aufregung gut - Traditionsverein par excellence - die "Alte Dame" wäre zudem der einzig akzeptable Vertreter der Hauptstadt in Liga Eins. 

10. FC Schalke 04 Gelsenkirchen
Ich würde sie ja gerne mal absteigen sehen, aber nur für ein Jahr. Ohne Schalke müsste sich all mein Hass auf Köln, Dortmund und Lautern verteilen. Das wäre zuviel des Guten. Ein Leben lang keine Schale in der Hand geht eben nur in Liga Eins richtig schön über die Lippen. 

11. BV Borussia Dortmund
Unter Klopp so verdammt sympathisch  - aber der wird nicht ewig Trainer der Schwarz-Gelben bleiben. Einer meiner am liebsten gehassten Vereine. Muss schon wegen des Ruhrgebietsderbys in der ersten Liga bleiben. 

12. Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895
Der BTSV gehört zu den guten, alten Traditionsklubs in Deutschland - somit auch in Liga Eins. Immerhin waren sie auch mal Deutscher Meister und hatten frühzeitig ein Gespür für Trends. Als Jägermeister noch von alten Männern in der Eckkneipe gesoffen wurde, trug man den Hirsch schon auf den blau-gelben Trikots.

13. 1. FC Nürnberg
Früherer Rekordmeister und mir nie so richtig unsympathisch (ungewöhnlich für einen Bayern-Fan). 

14. SC Freiburg
Gute Fußballschule mit wenig Mitteln, meist schön anzusehen. Nette Stimmung in netter Umgebung - immer eine Reise wert. 

15. TSV 1860 München
Wegen des Münchner Derbys gehören sie in Liga Eins. So ists langweilig. 

16. Karlsruher SC
Das Badner Lied im Wildpark muss man mal gehört haben. Außerdem habe ich schöne Erinnerungen an die Stadt Karlsruhe. Der zweite Klub, dem ich auf WDR 2 beim Fußballspielen zuhören durfte. 

17. SV Werder Bremen
Eigentlich stinklangweilig. Aber mittlerweile hat sich Werder als Garant für viele Tore etabliert. Zudem sind die Spiele gegen Bayern immer ein Highlight.

18. Rot-Weiß Essen
Noch so ein Urgestein der Fußballgeschichte. Fußballheimat von Helmut Rahn - selbst Pelé ist Mitglied bei RWE.


Ein bißchen zwiespältig stehe ich zu Eintracht Frankfurt, St. Pauli und Kaiserslautern. Tendenz ist aber doch eher, diese Klubs lieber in Liga Zwei zu belassen. Bielefeld gibt es gar nicht und der VfB Stuttgart ist noch langweiliger als Werder Bremen. 

Dienstag, 1. März 2011

Der nächste Klopper

Breitnigge hat die Dortmunder Situation schön mit der der Bayern verglichen und festgestellt, dass sie nicht vergleichbar ist. Die Süddeutsche Zeitung sieht in Dortmund bereits einen ernsthaften Konkurrenten für die nächsten ein, zwei, drei Jahre - sehr gewagte Prognose, wie ich finde. Bei spox seziert man die taktischen Konzepte und offenbart wie unflexibel und harmlos das der Bayern war. Es geht also hoch her in den Blogs, Zeitungen, Online-Portalen seit der Niederlage der Bayern gegen Dortmund. Doch so viel Zeit bleibt gar nicht, dann steht schon der nächste Klopper vor der Tür: das Pokalhalbfinale gegen Schalke - in meinen Augen viel wichtiger als die Partie am vergangenen Samstagabend.

Mag sein, dass es jetzt durchaus en vogue sein würde, in den allgemeinen Tenor der Bewunderung und des Respekts für Borussia Dortmund einzufallen. Das würde ich sicher tun, wäre ich Bremen-Fan - wäre ich neutraler Beobachter, oder nur-so-am-Rand-Fußballinteressierter. Aber ich bin Bayern-Fan. Mit Leib und Seele - und viel mehr als die westfälische Borussia interessieren mich die Leistung und Darstellung meines Teams. Und ganz abgesehen von taktischen Maßnahmen, Formschwächen oder Spielphilosophie kann ich dem harmlosen Auftreten meines FC Bayern am Samstagabend einfach nichts abgewinnen. Mich kann eine solche Leistung auch nicht durch das Überhöhen des Gegners milde stimmen. 
Ja, man hätte verlieren können, sogar dürfen - gegen diese Dortmunder hätte man das. Aber bitte auf Augenhöhe! Ein Fight bis zum Ende der Partie, mit Chancen hüben wie drüben. Damit hätte ich gut leben können. Doch wenn der Tabellenerste und Topfavorit auf den Titel zum Tabellendritten kommt, es um die Champions League-Qualifikation geht und ganz nebenbei um Renommee - wenn die Partie in fast 130 Länder übertragen wird und in meinem Team erfahrene Nationalspieler und internationale Größen des Fußballs vertreten sind, dann erwarte ich mehr als Harmlosigkeit und Überforderung.

Der Auftritt der Bayern bereitet mir im Hinblick auf das Pokalhalbfinale am Mittwoch Kopfschmerzen und ein äußerst ungutes Gefühl. Der Bayern-Fan neigt  aus Erfahrung dazu, den Schalkern für Mittwochabend einen Höllenritt zu prognostizieren - fast immer folgt nach einer Pleite die Bestrafung des nächsten Gegners. Doch auch vor dem Dortmund-Spiel dachte ich, dass das Team zumindest einen großen Kampf abliefert. Und wie schon so oft in diesem Spieljahr dachte ich, dass der FC Bayern nun endlich in der Spur ist und die gewohnte Souveräniät und Konstanz zeigt. Wieder folgte eine Enttäuschung. Erneut kann ich mir Hohn und Bespöttelung im Kollegen- und Bekanntenkreis anhören.

Seien wir ehrlich, wenn wir gegen Schalke aus dem Pokal fliegen, dann ist die Saison schon gelaufen - oder glaubt jemand ernsthaft, wir würden die Champions League gewinnen können? Und vermutlich wäre das sogar das Ende der "Ära van Gaal", da eine Saison ohne Titel in München strikt verboten ist. Ich bin gespannt ob und wann die Spieler meines Klubs endlich anfangen Zähne zu zeigen und zuzubeissen. Am Mittwoch gäbe es eine erneute Gelegenheit dazu. Doch mir fehlt der Glaube.

Mein Tipp: 
Bayern 2, Schalke 3 n.V. 

Termine März 2011

2. März 2011 - DFB-Pokal - Halbfinale
FCB vs FC Schalke 04
20.30 Uhr

5. März 2011 - Bundesliga
Hannover 96  vs FCB
15.30 Uhr

12. März 2011 - Bundesliga
FCB vs Hamburger SV
15.30 Uhr

15. März 2011 - Champions League - Rückspiel Achtelfinale
FCB vs Internazionale Milano
20.45 Uhr

18. März 2011 - Champions League - Auslosung Viertelfinale
Nyon, Schweiz

19. März 2011 - Bundesliga
SC Freiburg vs FCB
15.30 Uhr