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Montag, 28. Februar 2011

Peinlich und beschämend, eines FC Bayern unwürdig

Wenigstens habe ich mir diesen Mist nicht ansehen müssen.


FernglasFCB tippte 3:1 (Ergebnis: 1:3)

Sonntag, 27. Februar 2011

Freitag, 25. Februar 2011

Auswärtsspiel

Am Samstag kommt die Borussia aus Dortmund, Tabellenführer und Favorit auf die Meisterschaft 2011 laut Dortmunds Kevin Großkreutz mit 10.000 Anhängern in die Münchner Arena, so dass es "ein Heimspiel für die Borussia wird." Chancenlos sind wir auch, glaubt man dem vorlauten Youngster, der als einziges dafür sorgt, dass tatsächlich so etwas wie Brisanz vor dem Match aufkommt.

Aber seien wir ehrlich, wären die Bayern in Schlagweite, dann würde das Fieber ordentlich steigen. Doch dem ist nicht so. Selbst wenn wir am Samstag verlieren, wäre so viel gar nicht passiert. Dortmunds Weg zum Titel würde unbeirrt fortgesetzt, aber das wird es wohl auch im Falle einer Dortmunder Niederlage. Da wir im Kampf um Platz Zwei und der direkten Champions League-Qualifikation auch noch auf Leverkusen und Hannover treffen, könnten wir den Verlust von Punkten noch korrigieren. Letztendlich wird weder nach oben, noch nach unten viel passieren. Aus Leverkusener Sicht wird man das anders sehen und mit dem Rechnen beginnen, auch wenn sonst niemand die Rheinländer auf der Meisterschaftsrechnung hat. Gewinnt Leverkusen, sind es bei einer  Niederlage Dortmunds "nur" noch sieben Punkte Vorsprung für den BvB - bei noch zehn ausstehenden Meisterschaftsspielen.
Doch Dank der vollmundigen Ankündigungen des Kevin G. ginge ein Heimsieg und eine Watschn für den BvB den Bayern-Fans natürlich runter wie Öl. Wir sind also zu Dank verpflichtet, dass wenigstens einer der Protagonisten ein bißchen dieser dickflüssigen Brühe ins Feuer gießt. Wenn die Meisterschaftsentscheidung schon so öde ist wie selten zuvor in der Bundesliga, dann doch bitte ein bißchen provokantes Gefasel über Erfolgsfans seitens eines Dortmunders. Ein Schelm, wer dabei an zu lachen fängt.

Angesichts des intensiven Achtelfinalkampfs am Mittwoch in Mailand, sind die Voraussetzungen natürlich nicht optimal. Jede Müdigkeit muss abgeschüttelt werden, denn gegen diesen BvB muss man schnell und vor allem hellwach sein. Mangelnde Vorbereitung dürfte kaum ein Argument gegen den FC Bayern sein - man steckt mitten in der Saison, da sollte man eingespielt auftreten können. So wie es derzeit aussieht, hat sich auch niemand der Roten verletzt und so ist die derzeitige Bestbesetzung verfügbar. 
Was also am Samstag zählt  ist Motivation und Ehrgeiz, es dem Klub aus dem Ruhrgebiet zu zeigen. Nichts bekämpft besser die müden Beine als Leidenschaft. 
Wenn die Bayern all diese Tugenden nicht schon am Mittwoch verschossen haben, können wir natürlich auch Dortmund schlagen. Die Dortmunder Defensive sah in den letzten Spielen nicht immer wackelfest aus, und mit "Robbery" und Gomez bekämen sie ordentlich was zu tun. Einzig unser Defensivverhalten dürfte einem die Sorgesfalten in die Stirn meißeln. Gerade das schnelle Umschalten der Dortmunder wird uns dann vor Probleme stellen - aber das kennen wir ja in dieser Saison schon.

Ich hoffe auf einen aufopferungsvollen Kampf und hoffentlich auch ordentlich Lautstärke von Seiten der Heimfans. Obwohl mein Optimismus gedämpft ist, tippe ich dennoch auf den FCB.

Mein Tipp: Bayern 3, Dortmund 1
 

Donnerstag, 24. Februar 2011

Heißer Tanz in San Siro

Die Schwächen in der Defensive beider Teams war die Stärke des Spiels - Torchancen, Spannung und Dramatik bis zum Ende, was mich vermutlich wieder Jahre meines Lebens und unzählige Farbpigmente in meinem Haar gekostet hat.

Es waren vor allem die offensiven Aktionen, die begeisterten - Maicon oder Eto'o auf Seiten Inters, bei den Bayern sorgten Gustavo und Pranjic für gehörige Unruhe, während Robben und Ribéry eng gedeckt wurden. Ribéry benötigte gute zehn Minuten um überhaupt am Spielbetrieb unfallfrei teilzunehmen, dafür legte Danjiel Pranjic los wie die Feuerwehr. Doch nach 38 Minuten ist es dann vorbei für ihn, Adduktorenprobleme - für Pranjic kam Breno. Luiz Gustavo übernahm die Überwachung von Wesley Sneijder, der dann irgendwann frustriert die Seite wechselte und sich in die Obhut von Philipp Lahm begab.
Luiz Gustavos Champions League-Debüt war überraschend stark. Sneijder hatte er gut im Griff und seine Offensivbemühungen sorgten für ordentlich Schwung. Zwei Weitschüsse vom Brasilianer waren dann auch die ersten Möglichkeiten auf Bayern-Seite.

Franck Ribéry verdiente sich zunehmend Fleißkärtchen und hatte enorm viele Ballkontakte, konnte aber nicht wirklich glänzen. Immerhin hatte er es mit dem wohl besten Rechtsverteidiger zur Zeit, Maicon, zu tun. Arjen Robben auf der anderen Seite wurde gedoppelt, getrippelt, gefünftelt - sorgte somit aber für Raum seiner Mannschaftskollegen. Den meisten davon hatte wohl Bastian Schweinsteiger, machte allerdings wenig daraus.  Teils zu ideenlos, teils zu ballverliebt - verbal überaus aktiv, aber selten wirklich gefährliche Angriffe einleitend. Schweinsteigers Abend war das gestern nicht. Daran änderte auch das ein- oder andere Kabinettstückchen nichts.  
Die auffälligsten Bayern-Spieler waren neben Gustavo, Thomas Kraft und Mario Gomez. Kraft zeigte wieder seine unfassbaren Reflexe und bewahrte die Bayern ein- um andere Mal vor einem Rückstand - cool, abgeklärt, fast emotionslos, machte er ein perfektes Spiel. Gomez kämpfte, rackerte, wehrte ab, spitzelte Leuten wie Maicon und Zanetti die Bälle vom Fuß. An Dribblings von Mario Gomez könnte ich mich gewöhnen - man spürte bis unters Stadiondach sein Selbstvertrauen. Am Ende schoss er seine siebtes Champions League-Tor in Abstaubermanier - und zieht damit mit Inters Eto'o gleich. Einziges Manko: bei der  vergebenen Chance in der 28. Minute trifft er den Ball nicht gut und vergibt eine gute Tormöglichkeit - geschenkt, Gomez war einer der Besten gestern. 

Negatives gab es natürlich auch - zuallererst die Unsicherheiten in Bayerns Defensive. Badstuber innen fahrig, als Außenverteidiger nach Brenos Einwechslung dann nicht mehr so geprüft und besser, wenngleich er desöfteren seinen Gegenspieler völlig aus den Augen verlor. Dieser wurde aber nicht angespielt, sodass das folgenlos blieb. Tymoshchuk mit einem dicken Patzer, ansonsten gings. Breno ebenfalls mit einem dicken Aussetzer, ansonsten wie man ihn kennt: irgendwie zu lässig. 
Die Probleme in Bayerns Defensivverhalten sind ja bekannt und konnten natürlich auch gegen Inter nicht plötzlich gelöst werden. Was mich sehr ärgerte, waren die vielen miserablen Flanken. Ob Lahm oder Ribéry (Ecken völlig ungefährlich), einer schlimmer als der andere. Unbegreiflich! 

Der, der den Unterschied macht, war gestern wieder Arjen Robben. Extrem laufstark, stets auf der Höhe und immer ein Gefahrenherd für den Gegner. Exemplarisch für seine Genialität, sein Pfostenschuss in der 53. Minute. Teils von bis zu fünf Inter-Spielern gedeckt, zeigte er wieder dass dies auch zwingend notwendig ist. Sein Schuss in der letzten Spielminute sorgte für die Entscheidung, auch wenn Torhüter Cesar da ein bißchen mithalf. 

Letztlich ein verdienter Sieg, aber sicher noch kein Polster auf dem man sich ausruhen könnte. Inter hat mit Eto'o und Sneijder Spieler, die jederzeit für Tore gut sind - zwei davon in der Arena und wir sind wieder hinten dran. Am 15. März in München muss nochmals alles abgerufen werden, wenn der Viertelfinaleinzug perfekt gemacht werden soll. 

FernglasFCB tippte 2:2 (Ergebnis: 0:1)

Dienstag, 22. Februar 2011

Nun also Inter

Beim letzten Aufeinandertreffen von Inter und dem FCB war ich live zugegen - der Ausgang ist bekannt, Bayern verlor das Champions League-Finale 2010 letztlich verdientermaßen. Nun kommt es bereits im Achtelfinale zu einem verfrühten Wiedersehen und der Chance zur Revanche. Zunächst geht es am Mittwochabend in Mailand zur Sache. Sat1 überträgt im FreeTV das Spiel live (Übertragung ab 20.15 Uhr). 

So richtig in Bestform präsentierten sich über weite Strecken der Saison nach der WM weder Bayern München, noch Inter. Nur temporär blitzte die alte Klasse auf. Bayern war mit Verletzungssorgen geplagt, der ständige Ausfall der rechten oder der linken Flügelzange hinterließ seine Spuren. In der italienischen Liga steht Inter auf Platz Drei hinter dem Lokalrivalen AC, der fünf Punkte Vorsprung hat und dem SSC Neapel. 
Gegenseitiger Respekt ist angesagt und der Ausgang der Partie schwer vorher zu sagen. Die Defensive der Bayern machte über die ganze Saison Sorgen und wird wohl auch am Mittwoch die Achillesferse sein. Immerhin bekommen es Tymoschchuk, Badstuber und Co. mit Et'o und Wesley Sneider zu tun. Dagegen steht eine enorm starke Offensivqualität der Bayern, der die schwer zu überwindende Abwehr der Nerazzuri gegenübersteht. 

Der angeschlagene Mario Gomez wird am Mittwochabend auflaufen können, ebenso ist Thomas Kraft einsatzfähig - die Flügelzange "Robbery" ist komplett und in Topform. Bei Inter fehlen Diego Milito und Walter Samuel.

Mein Optimismus lässt mich etwas im Stich, aber mit einem Unentschieden könnte ich gut leben.

Mein Tipp: Inter 2, Bayern 2 

Sonntag, 20. Februar 2011

Einfach geiler Fußball!

Fantastische Tore, Bilderbuch*-Pässe wie am Strich gezogen, exzellente Kombinationen, Spannung bis fast zum Schluss - das Spitzenspiel des 23. Spieltags erfüllte die hohen Erwartungen! Einfach geiler Fußball, den man da am Mainzer Bruchweg am Samstagabend gestaunen konnte. 
Robben, Ribéry, Müller und Schweinsteiger waren die herausragenden Akteure der Partie auf Seiten der Bayern - nicht zu vergessen der Weltklasse-Reflex unseres Torhüters Thomas Kraft.  

Natürlich kann man die Auftritte Badstubers, Pranjics und zum Teil auch Tymoshschuks kritisieren - habe ich aber gar keine Lust zu. Dazu war das Spiel einfach zu schön - und letztlich ja auch erfolgreich. 
Gegen gut aufgelegte und sehr motivierte Mainzer, die in beiden Hälften jeweils über 15 Minuten richtig Druck ausübten, obsiegte die geballte Offensivkraft des FC Bayern. Kuriosum am Rande: ein verfühtes Wiedersehen mit Jörg Butt, der für den Schädel geprellten Kraft in Halbzeit Zwei ins Tor durfte. Zudem blieben  zunächst zwei gelernte Innenverteidiger nach der Auswechslung Badstubers auf der Bank (van Buyten, Breno) und die bayerische Innenverteidigung bestand aus zwei defensiven Mittelfeldspielern (Tymoshschuk und Gustavo). Breno durfte dann letztlich doch noch für ein paar Minuten Rasen unter den Schuhen spüren. 

Doch etwas Negatives gibt es doch: Mario Gomez' Einsatz am Mittwoch ist nach einem erneuten Schlag auf das schon lädierte Sprunggelenk ernsthaft gefährdet. 

FernglasFCB tippte 1:4 (Ergebnis: 1:3) 

*"in Holland sagen wir Buch-Pässe dazu" (Louis van Gaal)

FernglasFCB 22. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:


Samstag, 19.02.2011:

FSV Mainz 05 vs FC Bayern München  (1:3)


Sonntag, 20.02.2011

VfL Borussia Mönchengladbach vs FC Schalke 04 (2:1)

Donnerstag, 17. Februar 2011

Es gilt!

Die Saison 2010/2011 geht in die entscheidende Phase. Vier Spiele stehen an, die über den Weg des FCB in diesem Jahr entscheiden. Geht es nach oben oder nach unten? Bleibt es ruhig oder wird es stürmisch an der Säbener Straße? Bleiben uns Chancen auf einen Titel oder nicht? Der Startschuss beginnt bei Mainz 05 am kommenden Samstag, bevor es dann am Mittwochabend zum Finalgegner Inter in der Champions League geht. Es folgt der Schlager gegen Meisterschaftsaspirant Nummer Eins, Borussia Dortmund - und am Ende steht das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Schalke 04. Jetzt gilts!

Viel wird davon abhängen, ob unsere Ausnahmespieler Ribéry und Robben endlich mal regelmäßig auf dem Platz stehen werden. Arjen Robben musste das Mittwochstraining frühzeitig abbrechen, kann aber am Samstag eingesetzt werden. Wie gut uns diese kreative Flügelzange gut, sah man beim 4:0-Heimsieg gegen Hoffenheim. Man stelle sich vor, beim FC Barcelona fehlten Xavi, Iniesta und Messi gleichzeitig den Großteil der Saison.
Ein ganz elementarer Faktor wird aber die Einstellung sein, mit der die Mannschaft bei diesen Spielen auf den Platz - und vor allem nach der Pause auch aus der Kabine - kommt. Nachlässigkeiten, Überheblichkeit und "geistige Müdigkeit" sind Gift - und davon gab es in dieser Saison schon ausreichend!

Kroos steht wieder zur Verfügung, dürfte aber am Samstag nur auf der Bank sitzen. Gomez laboriert noch an einer Prellung vom Hoffenheim-Spiel, kann aber vermutlich gegen Mainz auflaufen. 
Ich bin optimistisch, dass der FCB gut in diese Wochen der Wahrheit startet - deshalb...
Mein Tipp: Mainz 1, Bayern 4

Dienstag, 15. Februar 2011

Offener Brief an Matthias Lehmann, FC St. Pauli

Hallo Herr Lehmann,

Natürlich geht es im Profi-Geschäft um Erfolg und um Geld - in der Regel sogar sehr viel Geld. Von daher ist mir durchaus verständlich, dass der Reiz mit unerlaubten Mitteln sich oder seinem Team einen Vorteil zu verschaffen kein geringer ist. Sie haben sich am Samstag beim Spiel Ihrer Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach eines solchen Mittels bedient. Das ist im Profifußball kein Einzelfall - es ist auch weder das erste Mal, noch das letzte Mal gewesen. 
Natürlich würde ich lieber einen fairen - doch auch durchaus harten - Kampf als Liebhaber dieser Sportart sehen. Aber mir ist bewusst, dass es dazu gehört Fouls zu provozieren, Elfmeter zu schinden und - wie am Samstag von Ihnen praktiziert - Platzverweise zu erwirken. Es ist Teil des Ganzen, die Schiedsrichter zu täuschen - es geht um Punkte, es geht um die Karriere und es geht ums liebe Geld.

Sie sind 1983 geboren und - wie wir am Wochenende feststellen durften - von Kopf bis Fuß ein Kind Ihrer Generation. Die Ellenbogenmentalität unserer Gesellschaft haben Sie vermutlich wie Muttermilch aufgesogen -  legitim ist, wenn man sich nicht erwischen lässt. Der Erfolg gibt einem letztlich Recht, auch wenn ein Anderer dabei auf der Strecke bleibt. Sie glauben tatsächlich alles richtig gemacht zu haben, anders kann ich mir Ihre mehrfach getätigten Aussagen zur Roten Karte des Spielerkollegen De Carmago nicht erklären. 
Und ich darf Sie beglückwünschen! Trotz Ihres unsportlichen Verhaltens haben Sie auf unbekümmerte Art tatsächlich noch der Ehrlichkeit die Treue gehalten. Sie haben nicht mal gelogen, sondern unumwunden zugegeben dieses Geschenk des Kontrahenten dankend angenommen zu haben. 

Dummerweise macht es das aber nicht besser, sondern nur dreister. Ihr Glück ist, dass der Deutsche Fußball-Bund sich vermutlich noch im Winterschlaf befindet und Ihre Aktion von Samstag nicht ahnden wird. Doch das Leben schenkt und es bestraft. Diesmal sind Sie noch beschenkt worden. Diesmal...  

Verachtungsvoll
André Zechbauer




Montag, 14. Februar 2011

Bittere Erkenntnis

Die bittere Erkenntnis dieser Saison ist uns am Samstag so richtig deutlich vor Augen geführt worden: Dortmunds Meisterschaftsalleingang ist nicht nur aber auch der Tatsache geschuldet, dass dem FC Bayern die gefürchtete Flügelzange "Robbery" kaum zur Verfügung steht. Entweder ist der eine oder der andere verletzt, aber so komplett wie am vergangenen Samstag spielt der FCB äußerst selten. 
Und wie so ein Spiel dann aussehen kann, erinnert doch ganz stark an die Rückrunde der letzten Saison - zum Zungeschnalzen!  

Wenn man den schlechten Saisonstart mal ignoriert und sich nur die Spiele ansieht, die man hätte gewinnen müssen (!), dann kommt man auf zwölf "verschenkte" Punkte (Mönchengladbach 2 / Leverkusen, 2 / Schalke, 3 / Wolfsburg, 2 / Köln, 3). Derzeit liegt der Tabellenerste Dortmund 13 Punkte vor uns. Wären wir also  in  den genannten Begegnungen nicht so fahrlässig gewesen, hätten wir jetzt einen höchst spannenden Zweikampf um den Titel und lägen deutlich vor dem derzeitigen "Platz Zwei-Konkurrenten" Bayer Leverkusen. In diesen zwölf Spielen standen Robben und Ribéry nie 90 Minuten lang gemeinsam auf dem Platz. Rudi Völler, Leverkusens Sportdirektor, wiederholt es Saison für Saison in die Mikrofone: Eine Meisterschaft geht nur über den FC Bayern - und er hat Recht.  

Natürlich ist das alles Konjunktiv - auch Spiele mit beiden Protagonisten über die kompletten 90 Minuten garantieren keine Superleistung im Abonnement. Aber es macht doch deutlich, wie sehr die Verletzungsmisere in dieser Saison ins Kontor gehauen hat. Es kostet uns den Titel. 
Wenn man dann auch noch zusehen muss, wie einige Spieler der TSG Hoffenheim am Samstag zu Werke gingen, wird es langsam ärgerlich. Wie die Holzfäller sensten da einige Herren die Beine der Bayern-Spieler um. Wenn das nicht reichte, gings eben auch mit Arm ausfahren. Nicht falsch verstehen, wir sind hier nicht beim Wettkochen - Zweikämpfe müssen und dürfen auch mit Härte geführt werden. Wenn aber Verletzungen billigend in Kauf genommen werden, hört alle Großzügigkeit auf. Für mich waren manche Aktionen der Gäste über der Grenze dessen, was noch akzeptabel ist. Für mich hätten zwei Hoffenheimer Sportskameraden vom Platz gestellt gehört.  

Zum Spielverlauf selbst muss man nicht viel sagen: Die Partie war nahezu perfekt. Müller gefiel mir in der ersten Halbzeit ausgezeichnet, wirkte dann aber im zweiten Durchgang etwas wirr - Robben sensationell - Ribéry sehr gut, auch im Defensivverhalten sehr fleißig - Gustavo kommt so langsam besser zurecht - Schweinsteiger als Sechser extrem wichtig für das Team.
Bayern in allen Belangen der TSG überlegen, sehr fleißig nach vorn, hinten sicher, vier hübsche Tore - rotes Herz was willst Du mehr?!  

FernglasFCB tippte 4:1 (Ergebnis: 4:0)


FernglasFCB 21. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:

Samstag, 12.02.2011:
FC Bayern München vs TSG 1899 Hoffenheim  (4:0)

1. FC Kaiserslautern vs Borussia Dortmund (1:1)


Sonntag, 13.02.2011
SV Werder Bremen vs Hannover 96 (1:1)

Freitag, 11. Februar 2011

Wiedergutmachung ist Pflicht!

Noch nie hat die TSG Hoffenheim gegen Bayern in der Bundesliga gewonnen - viele Begegnungen gab es allerdings auch nicht (insgesamt fünf - drei Bayern-Siege, zwei Unentschieden). Vor zwei Jahren war diese Begegnung das Spiel der Saison - das aufmüpfige "Gallische Dorf" aus dem Kraichgau gegen die "bajuwarische Supermacht" im deutschen Fußball, und nicht wenige Sportjournalisten faselten damals von einer bevorstehenden Wachablösung. 
Heute hat die Realität alle Träume eines Ralf Rangnick und eines Dietmar Hopp eingeholt. Rangnick ist nicht mal mehr Trainer der TSG und Mäzen Hopp hat erkannt, dass "Hoffe" kein Fass ohne Boden bleiben darf. In einer durchwachsenen Saison steht der Verein ohne Geschichte derzeit auf Platz 7 der Tabelle - die Bayern nur auf Platz 5, nicht zuletzt dank einer katastrophalen zweiten Halbzeit in Köln am vergangenen Wochenende. 

Bei Bayern dürften Arjen Robben (Grippe) und Mario Gomez (Knie) wieder in der Startaufstellung stehen - damit wäre das Flügel-Duo Rib & Rob wieder komplett. Eigentlich ist damit die Voraussetzung geschaffen, Bastian Schweinsteiger wieder auf der "Sechs" spielen zu lassen, wo er deutlich besser aufgehoben ist. Auf beiden Seiten trifft jeweils ein Spieler auf seinen Ex-Klub: der an Hoffenheim ausgeliehene David Alaba und der im Winter zu Bayern gewechselte Luiz Gustavo.
Bayern benötigt dringend Wiedergutmachung nach dem peinlichen Auftritt gegen den 1. FC Köln, steht somit unter enormen Druck im Kampf um Platz Zwei der Tabelle. Hoffenheim könnte mit einem Dreier den Kontakt zum oberen Tabellendrittel manifestieren und somit gute Voraussetzungen schaffen, das Ziel einen "internationalen Tabellenplatz" zu erreichen. 

Mein Tipp: Bayern 4, Hoffenheim 1 (weiß auch nicht, woher ich immer diesen Optimismus nehme?)   

Donnerstag, 10. Februar 2011

Ich breche eine Lanze

für 

Manuel Neuer. 

Der Schalker Schlussmann ist das Nonplusultra unter allen deutschen Torhütern - und das will was heißen in einem Land, das mit guten Torleuten nicht gerade dünn besiedelt ist.
Neuer hat ein unglaublichen Reflex, ist stark beim "Rauslaufen", bleibt stets hoch konzentriert und kann das Spiel "lesen". Er ist ein mitspielender Torhüter, fußballerisch stark - und er hat einen Mordsschuss, genauso wie einen unfassbaren Abwurf. Es gelingt ihm aus dem Stand einen Pass in den gegnerischen Strafraum zu ballern - punktgenau! Er strahlt Sicherheit aus und versteht es sich gegnerischen Spielern so entgegen zu werfen, dass kein Raum übrig bleibt, um den Ball an ihm vorbei zu bekommen.
Was mich über seine sportlichen Qualitäten hinaus für ihn einnimmt ist, dass Manuel Neuer sich auch abseits des Platzes - vor den Mikrofonen - professionell und sympathisch darstellt. Neuer ist gereift, der Eckfahnenjubler passé. 
Einen interessanten Vergleich konnte man beim Derby gegen Dortmund nach der Partie anstellen: Neuer - ruhig, abgeklärt, mit Anerkennung für den Gegner, sympathisch - auf der einen Seite, Weidenfeller - verkrampft, arrogant, ohne Respekt für die Weltklasse-Leistung Neuers und dadurch letztlich unsympathisch - auf der anderen.

Ich möchte Manuel Neuer im Bayern-Tor stehen sehen, denn es gibt keinen besseren Torhüter in Deutschland, der auch das Zeug für die absolute Weltspitze hat. 
Es ist löblich, dass man beim FC Bayern Thomas Kraft die Chance gibt, aber ich sehe ihn nicht auf dem Niveau Neuers für die nächsten zwei oder drei Jahre - wenn überhaupt.  Man stelle sich vor, wir hätten Neuer jetzt im Tor - da möchte ich denjenigen sehen, der das kritisieren würde.

Zudem möchte ich auch das Dortmunder Publikum beim Länderspiel loben. Neuer, ein Schalker, wird mit tosendem Applaus beim Einlaufen bedacht! Das habe ich bislang nur bei Rudi Völler und in England erlebt. Respekt! Das hat mir gut gefallen. 

Montag, 7. Februar 2011

wie Barca sein

Es sind dann doch immer die Gleichen, die den Kopf des Trainers letztlich rollen sehen wollen. War es zuvor noch Jürgen Klinsmann, der das größte Unheil für den Klub von der Säbener Straße darstellte, ist es jetzt Louis van Gaal. Was Klinsmann falsch machte - kein schlüssiges Konzept, keine Kontinuität, keine Eier in der Hose - sollte und musste korrigiert werden. Einer wie van Gaal war da genau der richtige. Von dem Niederländer wusste man, der hat sie - Eier also. Und auch die letzten Zweifler wurden leibhaftig davon überzeugt. Ein Konzept hatte er auch - ein langfristiges. Und Kontinuität in seinem Handeln ist eine Ur-Eigenschaft van Gaals. Genau das also, was der FC Bayern nach Klinsmann brauchte und wollte.  Und siehe da, der "knorrige Holländer" avancierte sogar zum sympathischen "Feierbiest". Piep, piep, piep - wir haben uns alle lieb.

Jetzt aber ist das alles falsch. Das Konzept und das Festhalten an diesem wird ihm nun als Sturheit und Beratungsresistenz ausgelegt. Seine Eier sprechen die Sprache der Arroganz und stehen für eine seltsame Form der Menschenführung. Die Flexibilität seiner Mannschaft, die er von Beginn an predigte, ist nun ein Personalgeschiebe auf verkehrte Positionen. Das langfristige Konzept hin zu einer jungen, hochklassigen Mannschaft ist jetzt das gnadenlose Absägen alter Haudegen, die man ja immernoch gut gebrauchen könnte. 
Dabei hat sich beim FC Bayern seit den fantastischen Tagen der Rückrunde 2009/2010 nur eines geändert: Die Erwartungshaltung. Louis van Gaal ist sich treu geblieben - macht nichts anderes, als zuvor. Er ist die feste Größe - die Fans, die Vorstandsetage und die Öffentlichkeit ist es nicht. 

Bayern München kann nicht jedes Jahr Deutscher Meister werden. Das kann auch Barcelona - das Maß aller Dinge - nicht. Man darf und sollte guten Fußball akzeptieren und den verdienten Erfolg einer anderen Mannschaft achten - selbst wenn diese Mannschaft Borussia Dortmund heißt. Dortmund spielt klasse, Dortmund wird Meister. Punkt. 
Bayern München kann auch nicht jedes Jahr ins Finale der Champions League rücken. Hier ist die Möglichkeit zwar noch am Leben, aber auch das kann ein FC Barcelona nicht. Sie standen auch in der letzten Saison nicht im Finale - den Titel gewann letztlich Inter Mailand. Selbst den DFB-Pokal kann nicht in jedem Jahr der FC Bayern gewinnen. Die Chancen in diesem Jahr stehen gut, aber es gibt einfach keine Garantie. Das ist es, was Fußball ausmacht - Du weißt einfach nicht, was kommt. Doch der Anhang der Bayern erwartet nach dem überraschend guten Abschneiden in der letzten Saison genau das: Abonnement-Titel. 
Hey Leute, die beste Mannschaft der Welt - der FC Barcelona - kann das nicht, wie sollten wir das können? 
Das langfristige Konzept van Gaals ist vergleichbar mit dem, was Barcelona heute spielt. Doch die Katalanen haben ihren Stil nicht innerhalb von zwei Jahren entwickelt. Dazu bedurfte es Geduld, Konsequenz und Zeit. Doch Geduld und Zeit sind beim FC Bayern mittlerweile Fremdworte, die niemand mehr zu übersetzen in der Lage ist. Dann werden wir eben ein Real Madrid. Die haben auch keine Geduld - wechseln Spieler, Trainer und Systeme Jahr für Jahr und bleiben letztlich immer die Nummer zwei oder drei hinter Barca. Wollen wir das?

Keine Frage, ich war maßlos enttäuscht über das Spiel am Samstag - und da ich a)  gebürtiger Kölner bin und b) in einer von FC-Fans geführten Firma arbeite, kotzt mich ein solcher Fauxpas richtig (aber richtig!) an. Doch wir stehen drei Punkte hinter dem realistisch anvisierten Platz Zwei. Wir stehen im Halbfinale des Pokals und spielen im Achtelfinale der Champions League gegen Inter. Das sind alles Möglichkeiten, die ein 1. FC Köln in den nächsten zehn Jahren vermutlich gar nicht haben wird. Soll das nun der Grund sein, um alles in Frage zu stellen, was vorher richtig war?
Holger Badstuber war eine Sensation in der letzten Saison - nicht nur beim FCB auch in der Nationalmannschaft und bei der WM. Jetzt gehört er nicht mehr in die Innenverteidigung? Breno auf der Bank zu lassen ist fahrlässig? Breno? Dieses ewige Talent, dessen Qualitäten nur ein paar Herren an der Säbener bewundern durften, wir aber bei offiziellen Spielen so gut wie nie zu Gesicht bekamen. Dieser Junge ist jetzt der ausschlaggebende Faktor? Und Tymoschchuk, dessen Abwehrqualitäten wir noch vor Wochen lobten, gehört da auf keinen Fall hin? Das geht mir alles zu schnell. 

Das einzige an dem der FCB intensiv arbeiten muss, ist eine maßvolle und realistische Einschätzung der Dinge zu erreichen - eine Erwartungshaltung, die auch erfüllbar ist. Das gilt für Fans und Klubobere gleichermaßen.  Die Zeit, die diese junge Mannschaft benötigt, die haben wir doch - Barca hatte sie auch.      

Zeter und Mordio

... wird es hier jetzt nicht geben. Das hätte es aber, wenn ich bereits am Samstagabend meinen Text zum Spiel verfasst hätte. Das war mir aber nicht möglich. Ich war sprachlos, wortlos, fassungslos - und außer einer nicht jugendfreien Schimpfkanonade, bei der ich jedes Maß hätte missen lassen, wäre nichts herausgekommen.
Natürlich könnte ich jetzt den mahnenden Zeigefinger heben und nach fehlenden Transfers im Sommer wie im Winter fragen. Ich könnte die Positionswechsel des Trainers kritisieren oder auf Spieler wie Holger Badstuber einhauen. Ich könnte die Frage nach der Qualität eines Andreas Ottl stellen und die Aufgaben eines Kapitäns mit dem Auftreten Philipp Lahms vergleichen. Aber dann täte ich ja so, als wäre ich von dem Desaster am Wochenende überrascht - und das war ich nicht. Ich wusste es - und ich habe wider besseren Wissens alle Gesetzmäßigkeiten beim FC Bayern ignoriert.

Dass Spiele gegen den 1. FC Köln meist mit bodenloser Enttäuschung verbunden sind, war mir durchaus bewusst. Mir war auch klar, dass meine diessaisonale Quote katastrophal ist: Alle Spiele, für die ich Karten hatte, verliefen letzten Endes extrem unbefriedigend - keines davon haben wir gewonnen! 
Der unglücklichen Spielplankonstellation geschuldet, war das letzte Paar Tickets in meinem Besitz für das Auswärtsspiel am Samstag in Köln. Doch obwohl ich es besser wusste, verwässerte ungebrochener Optimismus meinen Verstand. Alle Warnzeichen und schlechten Omen wurden ignoriert. Die drei Punkte sind uns, wir gewinnen heute souverän, es gibt keine Überraschung - keine Sensation. Dass dies exakt die gleichen Reflexe waren, die auch beim letzten Gastspiel in Köln meine Begleiter waren, fiel mir erst wieder in der 55. Spielminute ein. 
Bis dahin hatte ein uninspirierter FC Bayern gegen eine mausetote Gastgebermannschaft gespielt, zwei Treffer aus dem Nichts erzielt und früher oder später schlicht jeden Zweikampf für sich entschieden. Die heimischen Fans hatte man bis dahin nicht ein Mal akustisch vernehmen können - die waren genauso tot wie ihr Team. Die Frage der Halbzeitpause war, wie hoch gewinnen wir heute hier eigentlich? 

Es war nicht so, dass ein extrem starker FC plötzlich das Fußballspielen angefangen hätte - vielmehr wurde eine Art Aufbauhilfe geleistet, die "Entwicklungshilfeminister" Dirk Niebel vor Neid erblassen lassen würde. Selbst die harmloseste Graupe im FC-Trikot, Milivoje Novakovic, bekam mehrere Einladungen zum Toreschießen. 
1:2, Anschlusstreffer - einfach so. Nun gut, dachte ich, ich hatte schließlich 1-3 getippt, aber wie zum Teufel können wir hier noch ernsthaft in Gefahr geraten? 2:2, Ausgleich - was ist denn jetzt los? Fassunglosigkeit! 3:2, Führungstreffer des Abstiegskandidaten! Wortloses Entsetzen. 
Die ernüchternde Realitiät hatte mich wieder. In Köln scheitern wir, war doch klar! 

Als ich nachhause kam war die Stimmung ungefähr vergleichbar mit der in einem mittelalterlichen Folterkeller - nicht sehr erheiternd. Meine Partnerin ist Gladbach-Anhängerin - mit Jahreskarte und Mitgliedsausweis. Ihr war Gleiches wiederfahren - nur mit dramatischeren Folgen: 2:0 geführt - 2:3 verloren.   

Eiskaltes Schweigen, kein Wort über Fußball. Bloß kein Wort über Fußball! Träge und verdrossen gingen wir ins Bett. Einen solchen Tag will man schnellstmöglich beendet wissen.

FernglasFCB 20. Spieltag 2010/2011

Aus der Fernglas-Perspektive gesehen:

Freitag, 04.02.2011:
Borussia Dortmund vs FC Schalke 04  (1:1)

Samstag, 05.02.2011:
VfL Borussia Mönchengladbach vs VfB Stuttgart  (2:3)


live im Stadion:

Samstag, 05.02.2011

1. FC Köln vs FC Bayern München (2:3)

Donnerstag, 3. Februar 2011

Interviews

Sympathisches Interview der Abendzeitung mit Luiz "Guga" Gustavo.

Ebenfalls lesenswert ist das Interview mit Mario Gomez im neuen Focus (5/2011).

Mittwoch, 2. Februar 2011

Ein Auswärtsspiel mit Signalwirkung

Die Bayern gastieren am Samstag in Köln, meiner Heimatstadt. Ganz abgesehen, dass jede Begegnung dieser Art für mich etwas Besonderes ist, bin ich der Meinung dass diese Partie Signalwirkung haben wird. Der Anfang mit den Siegen gegen Kaiserslautern, Aachen im Pokal und Bremen ist gemacht - die Bayern spielen seit dem Patzer gegen Wolfsburg nicht schön, aber sicher und effektiv. Kein Straucheln mehr?

Der 1. FC Köln ist so eine Art Angstgegner für die Bayern - weniger auswärts, aber in München allemal (zumindest seit 1997). Auch das letzte Aufeinandertreffen der beiden Klubs in München endete nur Unentschieden, ebenso wie die letzte Auswärtsfahrt nach Müngersdorf in der Vorsaison nur ein mageres Pünktchen einbrachte. Die Performance der Bayern gegen die Domstädter ist meist recht dürftig, warum auch immer?!  
In Köln mag man nach dem 3:0-Erfolg gegen Werder von einem Anknüpfen ans untere Mittelfeld der Liga geträumt haben, doch am letzten Wochenende wurden die Anhänger des größten Karnevalsvereins der Welt wieder in die trübe Wirklichkeit entlassen. Diese Wirklichkeit heißt Abstiegskampf bis zum Schluss. Eine leblose "Leistung" wie man sie schon so oft in dieser Saison gesehen hat, verhalf St. Pauli zu einem wichtigen Sieg -  ausgerechnet einem Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg.
Dabei sah es doch ganz gut aus: Podolski & Co. zeigten sich unter Schäfer deutlich gefestigter und auch spielfreudiger - und schienen die verhasste Konkurrenz aus Gladbach abzuhängen. Doch ausgerechnet Lieblingsfeind Mönchengladbach holte am vergangenen Wochenende auswärts Punkte und könnte nun mit dem ersten Heimsieg der Saison den VfB Stuttgart ans Tabellenende rücken. Damit wäre der Kampf der Krisenklubs noch enger - und der FC wieder mittendrin, statt nur dabei. Mainz, Hoffenheim, Freiburg und Dortmund sind die nächsten Gegner der Kölner - schwer genug in diesen Spielen Punkte zu erkämpfen.

Jetzt kommen die Bayern - und die kommen in solchen Fällen gerade recht. Da stellt sich die Frage, welchen FC Bayern wir am Samstag im Rhein-Energie-Stadion zu sehen bekommen? Wieder die eiskalten Kämpfer, die den Gegner müde spielen und dann am Ende zuschlagen, wie gegen  Lautern, Bremen oder Aachen? Wäre dem so, dann liefe die Lok zumindest wieder schnurstracks in der gewohnten Spur - Schönspielen ist gar nicht so wichtig zur Zeit, nur Punkte zählen. Oder sehen wir die typischen Auftritte des Rekordmeisters gegen den 1. FC Köln - einfallslos, überrascht, ineffizient?

Franck Ribéry wird in Köln noch kein Comeback erleben, dafür ist - im Gegensatz zur letzten Saison - Arjen Robben auf dem Platz.  Die Kölner Innenverteidiung ist wieder komplett.
Eine dumme Statistik habe ich noch: Keines der Auswärtsspiele für das ich Karten hatte, haben wir in dieser Saison gewinnen können - und am Samstag bin ich im Stadion. 

Mein Tipp: Köln 1, Bayern 3
 

Update
Arjen Robben ist erkältet und kann eventuell am Samstag gar nicht eingesetzt werden. Schon wieder! Ärgerlich.

Update 2
Blitzheilung! Franck Ribéry hat auf Order van Gaals bereits eine volle Trainingseinheit absolviert. Mit Erfolg! Er kann vermutlich am Samstag schon wieder auflaufen!

Dienstag, 1. Februar 2011

Young Boys München

oder die Personalpolitik des Louis van Gaal

Bayern-Trainer Louis van Gaal setzt auf junge Spieler mit Perspektive - Nachwuchstalente, die er fördern und formen kann. In seiner Karriere als Trainer hat er ausreichend unter Beweis gestellt, dass er genau das beherrscht. Natürlich ist der Niederländer auf Unterstützung eines Teams angewiesen und trifft nicht jede Entscheidung autark. Im Laufe der Jahre hat er ein solches - gut aufeinander abgestimmtes - Team um sich geschart. Zu van Gaals "Entdeckungen" gehörten Ajax-Spieler wie Patrick Kluivert, Clarence Seedorf, Marc Overmars, Frank und Ronald de Boer, Edgar Davids, Winston Bogarde, Michael Reiziger und Edwin van der Sar.

Als der FC Bayern van Gaal ins Visier für die Stelle des Cheftrainers nahm, war auch dies ein Merkmal, das ein neuer sportlicher Leiter erfüllen muss - junge Spieler aus der Talentschmiede des FCB in den Profikader einzubauen. Und van Gaal zeigte sich erneut als Förderer von Nachwuchsspielern und integrierte die jungen, aus dem Jugendbereich des Vereins stammenden, Spieler Thomas Müller und Holger Badstuber, die beide zu Nationalspielern wurden, sowie Diego Contento oder jetzt Thomas Kraft. Nicht jeder schafft den Sprung ganz nach oben, und doch ist jede geglückte Integration eines Youngsters aus den eigenen Reihen für den Verein ein preiswerter Neuzugang  und für die Fans eine Identifikationsfigur - im Falle eines späteren Verkaufs ist es zudem ein exzellentes Geschäft. Van Gaals Devise heißt: "Ich spare meinen Klubs viel Geld". Das ging soweit, dass der Klub vor der laufenden Saison komplett auf Einkäufe verzichtete. Ausgerechnet der Verein mit den größten finanziellen Möglichkeiten  in der gesamten Liga.

Doch worauf und wofür jeder Arbeitgeber stolz und dankbar wäre, ist nicht nur in den Augen mancher Fans diskutabel. Auch in der Säbener Straße ist die Rigorosität mit der Louis van Gaal seinen Weg geht nicht unumstritten.
Van Gaal hatte noch keinen Arbeitstag in München absolviert, da ließ er schon verlauten, dass der damalige Abwehrchef Lucio bei ihm keine Rolle spielen wird. „Wenn der Coach denkt, andere seien besser, spiele ich keine Sekunde mehr für Bayern!“ reagierte der stolze Brasilianer energisch - und jeder weiß, wie die Geschichte ausging. Lucio ging enttäuscht zu Inter Mailand. Ironie der Geschichte: Im Endspiel der Champions League 2010 trafen beide Klubs aufeinander, Bayern verlor und Lucio glänzte mit einer Klasse-Leistung. Dass ausgerechnet die Innenverteidigung die Achillesferse des Rekordmeisters würde, wirft in Nachgang ein ungünstiges Licht auf van Gaals Entscheidung - zumal der von van Gaal initiierte Neuzugang Edson Braafheid getrost als Flop bezeichnet werden darf. Braafheid wechselte nun nach Hoffenheim, ohne dass man ihm in München auch nur eine Träne hinterher weint. Aber auch Lucio, über dreißig Jahre alt, war auch innerhalb der Bayern-Gemeinde nicht unumstritten. Seine übermotivierten Ausflüge in den gegnerischen Strafraum und gelegentliche Unbeherrschtheiten auf dem Platz, wurden durchaus kritisch gesehen.
Danach flüchtete Martin Demichelis, ebenfalls Abwehrspieler, und genauso wie Lucio kein Mann für die Zukunft. Demichelis hatte seine beste Zeit beim FC Bayern hinter sich und ist ebenfalls ein ü-Dreißiger. Hinzu kamen regelmäßige Aussetzer des Argentiniers, die dem Bayern-Anhang die Zornesfalten in die Gesichter meißelte. Der FC Bayern ließ ihn ziehen. Die zwei ältesten im  Bayern-Kader verbliebenen Spieler waren noch Hansjörg Butt und Mark van Bommel. Butt, eigentlich als Ersatztorwart an die Säbener Straße geholt, wurde nach Rensing zur neuen Nummer Eins und machte einen prima Job. Doch van Gaal dürfte kein Freund von der wieder und wieder kolportierten Personalie Manuel Neuer sein, zumal eine Ablöse des Schalkers sicherlich enormen finanziellen Aufwand bedeuten würde. Die Talentschmiede des FCB hatte mit Thomas Kraft ein Talent zur Verfügung, dem nur eines fehlte: Spielpraxis um Erfahrung zu sammeln. Louis van Gaal überraschte zu Beginn der Rückrunde mit genau diesem Plan: Kraft ins Tor, Butt auf die Bank. Wenn es schief gehen sollte, hat man einen erfahrenen Mann in der Hinterhand - Hansjörg Butt nämlich.
Der Altersdurchschnitt der aktuellen Mannschaft ging dann erneut nach unten, als Mark van Bommel ankündigte den Verein noch innerhalb der Transferperiode im Winter verlassen zu wollen. Louis van Gaal überließ die Entscheidung seinem Landsmann - eine Stammplatzzusage gab es nicht. Auch das Kapitänsamt war nicht an van Bommel gebunden, denn ein Kapitän "spielt bei mir immer", so van Gaal. Langfristig wollte der Trainer auch auf dieser Position eine Verjüngung vornehmen. Alternativen für die Rolle im defensiven Mittelfeld gab und gibt es ausreichend - der Gustavo-Transfer war ein überdeutliches Signal an van Bommel.

Man braucht nicht viel Phantasie, um den nächsten in dieser Reihe ausfindig zu machen: Anatolij Tymoschchuk - ebenfalls über dreißig Jahre alt. Der Ukrainer war ohnehin kein Wunschkandidat für van Gaal und ist weder im defensiven Mittelfeld, noch in der Innenverteidigung auf Dauer gesetzt. Mit Breno (IV) oder Kroos (MF) und Gustavo (MF) hat der niederländische Trainer ein paar talentierte Youngsters zur Verfügung - was fehlt ist noch etwas Breite im Kader, vor allem in der Innenverteidigung. Hinzu kommt, dass Tymoschchuk sich artig fügt und konstant gut spielt - das hält ihn noch im Team. Auch Miro Klose im Sturm wird wohl seine letzte Saison für die Bayern spielen - in dem ein-Mann-Sturm der Bayern kommt er derzeit an Gomez nicht vorbei. Auf dem Transfermarkt dürfte sich der Rekordmeister im Sommer vor allem nach einem zusätzlichen Sturmtalent umsehen, es sei denn es gäbe eines bei den Amateuren.

Man kann es mögen oder nicht, aber van Gaal verfolgt konsequent seine Linie - und macht das, was im Grunde löblich ist: er verjüngt den Kader Stück für Stück und schafft so eine vernünftige Perspektive. Sturheit wird ihm vorgeworfen, der Grat zwischen konsequentem Handeln und sturen Entscheidungen ist schmal.   

Neben der Jugend setzt der Coach auch auf Vielseitigkeit. Er will, dass möglichst viele Spieler auf möglichst unterschiedlichen Positionen agieren können. So kann er reagieren im Falle von Sperren oder Verletzungen, oder wenn es taktische Umstellungen erfordern. Auch das kann man nicht kritisieren, wenngleich man sich hier und da schon die Augen reiben muss, wen er denn da nun in die Abwehr stellt oder als Zehner spielen lässt. Geht es gut, ist van Gaal unantastbar - geht es schief, ist die Geduld mit solchen Wechselspielchen schnell aufgebraucht. Weiß Louis van Gaal, was er da tut? Da bin ich ganz sicher - der Mann ist eine Trainer-Koryphäe. Zu sehen was passiert, wenn er seinen Plan vollends umgesetzt hat, dürfte spannend sein.

Mark van Bommel gab in Mailand dem Bayerischen Rundfunk ein Exklusiv-Interview (Blickpunkt Sport Magazin, Montag 31.01.2011). Zwischen den Zeilen konnte man erahnen, was van Bommel letztlich zu seinem kurzfristigen Wechsel veranlasst hatte. Eine Flucht vor der Bank war es laut van Bommel jedenfalls nicht. Als Kapitän verlässt man einen Klub wie den FC Bayern nicht in der Winterpause, wenn nicht etwas Gravierendes vorgefallen wäre - so van Bommels Aussage. Doch Nachtreten wolle er nicht. Eine bemerkenswerte Formulierung, die jedoch immernoch viel Raum für Spekulation lässt. Eines aber steht fest: van Bommels Weggang hinterlässt einen Schatten auf van Gaals Führungsstil, auch wenn die Spieler den Trainer unisono loben und sich derzeit niemand kritisch über ihn äußert. Wie so vieles im Fußball, ist das nur eine Momentaufnahme. 


Termine Februar 2011

5. Februar 2011 - Bundesliga
1. FC Köln  vs FCB
15.30 Uhr

12. Februar 2011 - Bundesliga
FCB vs TSG 1899 Hoffenheim
15.30 Uhr


19. Februar 2011 - Bundesliga
FSV Mainz 05 vs FCB
18.30 Uhr

23. Februar 2011  - Champions League - Achtelfinale (Hinspiel)
FC Internazionale Milano vs FCB
20.45 Uhr

26. Februar 2011 - Bundesliga
FCB vs BV Borussia 09 Dortmund
18.30 Uhr