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Montag, 5. Dezember 2011

Durchgeboxt!

Nein, die ganz große Gala war es trotz der hohen Anzahl von Treffern am Samstagnachmittag nicht, es hatte eher etwas von einem Boxkampf. Diese Analogie trifft es in meinen Augen ganz gut: Bayern und Bremen war zunächst nicht geneigt, zu viel zu riskieren - man tastete sich ab und traute sich selten aus der eigenen Deckung. Nach Punkten dürften die Bayern nach den ersten 45 Minuten in Führung gelegen haben, nach Toren taten sie es durch das 1:0 von Franck Ribéry. Bremens Angriffsversuch verkehrte sich ins Gegenteil und die Nordlichter wurden klassisch ausgekontert durch einen wunderschönen Diagonalpass von Alaba auf den Franzosen. Die mitgelaufenen Müller und Gomez verteilten sich dann auf links und rechts, so dass der verteidigende Clemens Fritz schlussendlich die Mitte aufmachte und Ribéry den Ball in die Maschen hämmern konnte. Müllers Diagonalspurt war für mich dabei der entscheidende Impuls Bremens Fritz zu verunsichern. 

Nach der Pause schlug dann Werder Bremen aus dem Nichts zu - der zuvor eingewechselte Rosenberg setzt sich gegen vier verteidigende Bayern durch und versenkt den Ball an Neuer vorbei im Tor. Ausgleich. Zu diesem Zeitpunkt weder verdient, noch zu erwarten. Doch taten die Bayern das, was keine Mannschaft tut, die verunsichert oder mental fragil unterwegs ist - sie stemmten sich gegen das erneut drohende Unheil und gingen in den Infight über. Die Dominanz wurde größer und Bayern erhöhte den Druck auf die Werderaner. Mit Erfolg. Müller wird im Strafraum entscheidend von Wolf angegangen und beim Torschuss behindert - Elfmeter. Seltsamerweise gibt es keine Gelbe Karte für den Übeltäter, der zuvor schon gelbverwarnt war. Der eingewechselte Arjen Robben schnappt sich den Ball und verwandelt den Strafstoß zur Führung. Ein paar Minuten später klingelts erneut im Bremer Kasten - doch der Linienrichter sah eine Abseitsstellung von Gomez wo keine war. Fehlentscheidung. 
Das Schiedsrichtergespann um Florian Meyer meinte es gut mit den Gästen von der Weser, denn Claudio Pizarro hätte zwingend die Rote Karte sehen müssen, als er Holger Badstuber den Ellbogen in den Solar Plexus rammte. Komischerweise ahndete Meyer diese Aktion mit einem Freistoß, gab aber keine Karte. Daher ist auch eine Sperre im Nachgang für den Peruaner ausgeschossen. Unverständlich ist mir die Reaktion von Klaus Allofs in einem Interview mit Reviersport..
Auch Claudio Pizarro ist negativ aufgefallen, als er sich gegen Holger Badstuber eine Tätlichkeit leistete. Wie beurteilen Sie diesen Ellbogenschlag kurz vor der Halbzeit?

Vorher gab es ein ganz klares Halten und Klammern, sodass sich Claudio eben aus dieser Umklammerung löst. So etwas passiert ständig. Ich würde mir wünschen, dass die Stürmer da auch mal geschützt werden. Ich will es nicht auf den Schiedsrichter schieben, aber wir haben es auch heute wieder zigmal erlebt, dass er bei taktischen Fouls der Bayern sehr, sehr gnädig war. Da hat er sehr häufig ein Auge zugedrückt.
Die Entscheidung dann eine Viertelsstunde vor Ende der Partie - Pass von Robben auf Gomez, der eskortiert von Ribéry aufs Tor zuläuft - Ribéry befindet sich in der besseren Schussposition und Gomez überlässt dem Franzosen den Ball zum Vollstrecken. Für mich keineswegs eine "diebische Aktion" vom Franzosen, sondern eine uneigennützige und die beste Aktion von Mario Gomez, der sonst im gesamten Spiel eher unauffällig agierte.  
Zehn Minuten vor Ende gibt es dann noch noch Rot - und zwar für Aaron Hunt, der mit beiden Füßen gestreckt in den Mann (Toni Kroos) springt. Eine Minute später wird dann Ribéry im Strafraum zu Fall gebracht - auch hier unzweifelhaft Elfmeter für die Bayern. Wieder tritt Robben den Elfer und wieder verwandelt er zum 4:1. Und auch hier ist Allofs Aussage wohl er dem Frust als der Objektivität geschuldet:
Es ist schon eine gewisse Verärgerung bei Ihnen da. Wie groß ist der Frust über die Schiedsrichterleistung?

Wir haben verloren, weil wir nicht mutig genug waren. Ich gebe nicht dem Schiedsrichter die Schuld an der Niederlage. Aber die zwei Elfmeter kriegt man auch nur als Bayern München in einem Heimspiel.
Am Ende entschieden die Bayern durch mehr Bereitschaft und mit wachsendem Selbstvertrauen und zunehmender Dominanz die Partie deutlich, wenngleich Werder nicht den besten Tag erwischte um in München anzutreten. Durch die Punkteteilung bei Borussia gegen Borussia landeten die Bayern nun wieder auf dem Spitzenplatz der Liga. 
Trainer Heynckes hat nicht erneut im Mittelfeld experimentiert, sondern ließ die gleiche Aufstellung wie gegen Mainz Wiedergutmachung betreiben. Leider fiel erneut Luiz Gustavo durch eine äußerst schwaches Spiel auf. Bester Mann auf dem Platz war Franck Ribéry. Es ist noch nicht wieder alles rund, wie es das Ergebnis vermuten lassen würde. Aber immerhin hat die Mannschaft eine Reaktion gezeigt und sich auch durch den zwischenzeitlichen Ausgleich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Jetzt geht es in der Liga nach Stuttgart, deren unnötiger Punktverlust gegen Köln besonders motivierend für die Schwabentruppe sein dürfte. Für die Bayern heißt das, man muss sich bis zur Herbstmeisterschaft weiterhin durchboxen.   

Bayern München vs Werder Bremen 4:1 (FernglasFCB tippte: 3:0)