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Montag, 24. Oktober 2011

Beim falschen Spiel?

Wenn man im Stadion ein Spiel sieht, sieht man Vieles nicht - man hat keine Zeitlupen, keine Wiederholungen und auch keine "Experten", die jede Szene zeitnah analysieren und einschätzen. Man reagiert instinktiv, verlässt sich - wie ein Schiedsrichter - auf seinen ersten Eindruck. Das gestrige Spiel in Hannover scheidet in dieser Hinsicht die Geister. Wieder zuhause angekommen, nach Studium diverser Fernsehbilder und Einschätzungen anderer Menschen, dachte ich, ich hätte ein anderes Spiel gesehen. Gut, dass es Blogs von Gleichgesinnten gibt, denn nach deren Studium und einem Blick in die Kommentare kann ich beruhigt sein: Ich war beim richtigen Spiel.

Für mich - und da mag ich nahezu allein auf weiter Flur stehen - hat Schiedsrichter Gräfe & Gespann gestern keinen guten Job gemacht. Natürlich kann man seine Entscheidungen, jede für sich allein genommen, so treffen. Lahms Gewurschtel im eigenen Strafraum zu pfeifen, kann man - unnötig zu sagen, wie unnötig Lahms Aktion war. Aber muss man es auch? Im Strafraum finden Berührungen statt, Fußball ist kein berührungsloses Spiel - wenn jedes Berühren eines Gegenspielers im Strafraum zum Elfer führt, hätten wir in jedem Spiel en masse davon. Das kann niemand wollen. Auf europäischer Ebene wäre so etwas wohl kaum gepfiffen worden. In Deutschland liebt man die kleinliche Regelauslegung hingegen. Kein Vorteil für unseren Fußball, wie ich finde. Aber gehen wir mal davon aus, die Aktion war so gerechtfertigt, dann ist das eine harte Entscheidung. Und auch die Rote Karte für Boateng war eine harte Entscheidung, wenngleich man sie vielleicht so treffen kann. Getroffen hat sie übrigens der Vierte Offizielle. Gemusst hätte Gräfe es nicht. Gelb für Boateng und Gelb für den Erstschubser Schulz hätte vollkommen ausgereicht, vor allem wenn man berücksichtigt, dass Boateng nun noch weitere Spiele gesperrt wird. Nach Gräfes harter Linie hätte Christian Schulz spätestens kurz nach Boatengs Platzverweis mit Gelb-Rot zum Duschen geschickt werden müssen (Trikotzerren bei Müller); eine stringente Linie hätte den Bayern kurz vor Spielende noch einen Elfmeter beschert (Lahm kommt aus vollem Lauf bei guter Schussposition durch Berührung im Strafraum zu Fall). Doch Gräfes Stringenz traf nur die Bayern.

Wir haben nicht wegen des Schiedsrichtergespanns verloren, wir haben verloren weil wir zu viele Fehler gemacht haben und unsere Tormöglichkeiten nicht nutzen konnten. Aber Herrn Gräfe und Kollegen auch noch zu loben, finde ich ehrlich gesagt falsch. Dass zehn Minuten vor Schluss das Hannoveraner Publikum nicht lautstark den nahenden Sieg gegen Bayern München feierte - und das bei einer 2:0-Führung - sagt wohl einiges über die Gefährlichkeit des FCB aus. Niemand im weiten Rund der AWD-Arena war sich schon sicher, dass es das gewesen sein könnte. Dabei haben wir gestern nun wirklich nicht unsere beste Leistung gezeigt. Schweinsteiger glänzte mit Fehlpässen und misslungen Kopfballaktionen, Ribéry wirkte teilnahmslos und erinnerte an seine Leistung in der Vorsaison, Müller war schlicht gar nicht anwesend (Pause nötig?) und Gomez spielte den Chancentod, nachdem er gefühlte hundert Mal im Abseits stand.

Wieder Mal schlägt der FC Bayern sich irgendwie selbst: Die Tore durch einen selbstverschuldeten Elfer und ein dämliches Eigentor - wie schon gegen Gladbach (Torwartfehler) oder Neapel (Eigentor). Wir kassieren kaum Tore - und die, die wir kassieren, hauen wir uns auch noch selber rein.
Pfostenschüsse, Lattentreffer hüben wie drüben sorgten für weiteres Spektakel, dennoch gehe ich nicht mit der Einschätzung konform, dass es sich um ein gutes Spiel gehandelt. hat. Passiert ist nichts, außer dass uns jetzt die Seuche im Nacken sitzt (Dortmund und Schalke). Wir führen immer noch in der Tabelle - und das wird sich auch nach dem nächsten Spieltag nicht ändern. Dennoch sollte es schleunigst wieder besser werden, denn so machen wir uns nur selbst das Leben schwer - und das wäre wieder typisch für den FC Bayern. Typisch war übrigens auch wieder Hannovers "Sports"kamerad Pinto. Vielleicht sollte er sich mal ein Beispiel an seinem Trainer nehmen.

Hannover 96 vs Bayern München 2:1 (FernglasFCB tippte: 0:2)

7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kleiner Tippfehler: Der Hannover Spieler war Christian Schulz.
Ansonsten stimme ich in allem zu.
Finde es ehrlich gesagt ein Witz, dass die zweite Elfmetersituation mit Lahm von allen so herunter gespielt wird. Wenn man den ersten pfeift, muß auf jeden Fall auch den zweiten geben.

Phil hat gesagt…

Wenn du Christian Fuchs gesehen hast, hast du vielleicht doch ein falsches Spiel gesguckt... (Sorry!)

Klaas hat gesagt…

Schon krass wie unterschiedlich die Ansichten sein können. Aber ehrlich: Christian Fuchs hat noch nie bei Hannover gespielt ;)

Zechbauer hat gesagt…

Freud'sche Fehlleistung. Danke für den Hinweis.

Michael "msBlix" Stricz hat gesagt…

Ziemlich spot-on alles, gut zu lesen, wie immer. Der Kritik an der Berichterstattung kann ich mich nur anschließen. Weder war Boatengs Platzverweis die "absolut richtige" Entscheidung, noch war der Einsatz von Rausch gg Lahm astrein. That's life. Daumen hoch.

Tinneff hat gesagt…

Ich finde, dass es Slomka sehr gut auf den Punkt gebracht hat: Alle Gelb oder keiner und fertig. Aber nun gut, diesmal hatte halt der FC Bayern mal das Pech, dass der Schiedsrichter nicht gut gepfiffen hat.

Demnächst läufts dann wieder anders, wenn die Welt von "Bayern-Dusel" spricht, weil der Schiedsrichter einen fragwürdigen Strafstoß oder so verhangen hat.

Viel interessanter finde ich eh, dass Rafinha für das Foul an Pinto gar nichts gesehen hat.

Racer hat gesagt…

@Tinneff: War ja kein Foul. Gab Einwurf.