Wer die Süddeutsche Zeitung liest oder überfliegt, der kommt nicht an den unzähligen Fotos von Prominenten oder auch weniger Prominenten auf dem Münchener Oktoberfest vorbei. So wie man an einem Schnupfen nicht vorbei kommt, wenn die Kollegen um einen herum schon seit Tagen in ihre Papiertaschentücher dienern. Es ist unvermeidlich, egal wie wenig man sich für die meist grausig grinsenden oder wild züngelnden Wiesn-Protagonisten interessiert. Noch schlimmer wird es, sobald man sich im Boulevard der Medien von Bayerns Landeshauptstadt herumtreibt. Dieser Rotz hält maximal drei Wochen an, danach wird's wieder besser, so wie jeder Schnupfen irgendwann auch sein Ende hat. Als Bayern-Fan macht man den Ausflug ins Medienprekariat schon fast so selbstverständlich wie das Kaffeetrinken am Morgen. Schließlich will man jeden Mist über die eigene Mannschaft als erstes erfahren.
Der ganz Wiesn-Wahnsinn wird mehr und mehr im- oder exportiert, in andere Bundesländer - selbst die Kölner Bäckerei um die Ecke hat jetzt "Wiesn-Wochen", die daraus bestehen dass es mittags "typisch" bajuwarische Kulinarien im Angebot gibt. Stimmen tut das natürlich nicht, aber das ist dem Kunden eh Weißwurscht. Mittlerweile kann man sogar in rheinländischen Bekleidungsgeschäften zur Wiesnzeit die neuesten Trachten-Trends bewundern. Hauptsache mal was anderes.
Genau das - was anderes - wünschen sich sicher auch die Verantwortlichen des Turn- und Sportvereins Bayer Leverkusen von 1904, wenn sie am Samstagabend den Einlauf ihrer Mannschaft beklatschen. Denn mit einer Klatsche ging es in den Jahrzehnten der Bundesligazugehörigkeit Bayer 04's meist auf den Heimweg, zurück ins Rheinland. Bayer ist in München einer der zuverlässigsten Punktelieferanten.
Das erste Wiesn-Heimspiel steht nun also an - und zur Wiesnzeit gewinnt man als Bayern-Spieler besser, denn sonst wird es auf dem Volksfest stimmungsmäßig so schal wie die dort verabreichte Maß Bier. Doch nichts deutet in diesem Jahr darauf hin, dass der FCB dieses Heimspiel verlieren könnte. Mit einer sensationellen Tor- und Punkte-Bilanz steht der FC Bayern als Tabellenführer da. Die Stimmung ist gut, für die Neuzugänge gibt es Lob von allen Seiten, das Heynckes'sche Konzept greift wie ein warmer Mantel, selbst Arjen Robben wird gar nicht richtig vermisst. Leverkusen hingegen ging am vergangenen Wochenende ausgerechnet im Rhein-Derby gegen den 1. FC Köln zuhause unter. Wieder mal bot die Leverkusener Defensive ein erschreckend schwaches Spiel, dabei sah es doch in den letzten Partien gar nicht mehr so schlimm aus. Die Vorzeichen stehen also eindeutig auf Heimsieg.
Doch genau hier liegt die Gefahr, vor dem vermutlich Jupp Heynckes eindringlich warnen wird: Selbstzufriedenheit, Unterschätzen des Gegners, mangelnde Konzentration - zudem schwirrt dem ein- oder anderen Spieler im Bayern-Dress wohl auch das bevorstehende Champions League-Highlight gegen Manchester City im Hinterkopf herum. Vor dem Köln-Spiel zählte Bayer Leverkusen noch zu den "Brocken", gegen die es jetzt zu bestehen gilt, jetzt ist der FC Bayern haushoher Favorit - so schnell ändert sich die Sichtweise.
Bei Bayern sind Mario Gomez, Daniel van Buyten und Luíz Gustavo wieder einsatzfähig - selbst Arjen Robben könnte am Samstagabend auf der Bank sitzen, wenn nicht sogar von Beginn an spielen. Ein erstes Training mit Ball hat der Niederländer schon absolviert, heute steigt er ins Mannschaftstraining ein. Bei Bayer Leverkusen ist Schürrle gesperrt (Rote Karte gegen Köln).
An dieser Stelle wünsche ich dem Bayern-Spieler Breno, dass er und seine Familie das jüngste Ereignis gut verarbeitet - und hoffe, dass kein allzu großer immaterieller Schaden entstanden ist.
FernglasFCB tippt:
Bayern München 3, Leverkusen 0

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