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Montag, 19. September 2011

Mit aller Leichtigkeit des Seins

Es war schon ein beeindruckender Moment, als Manuel Neuer allein auf den Schalker Fan-Block, dort wo die Ultras stehen, zulief. Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert und diverse, inhaltlich schwer nachvollziehbare Plakate, zeigten dem Ausnahmetorhüter, dass er in München nichts vermissen muss - nicht mal mehr die Schalker Fans. Neuer ertrug die Schmähungen und zeigte, dass er mit solchen Extremsituationen umgehen kann, was seinen Status einmal mehr bestätigte. Danach beeindruckte nur noch der FC Bayern und spielte den FC Schalke 04 hilflos. Ideenlos waren die Blau-Weißen ohnehin - Raúl und Huntelaar erlitten einen Rückfall in die schlimmsten Phasen der letzten Schalker Saison und wurden von der Bayern-Abwehr komplett aus dem Spiel genommen. Dies war in erster Linie Holger Badstuber und Jérôme Boateng zu verdanken. Die beiden Bayern-Innenverteidiger machten ein nahezu perfektes Spiel. 
Der ruhmreiche FC Bayern dominierte das Geschehen von Beginn an, hatte die Gastgeber unter Kontrolle und erspielte sich - meist initiiert vom exzellent aufgelegten Franck Ribéry - einige Möglichkeiten. Nervosität hatte bei den Bayern-Anhängern keinen Platz, im gesamten Spiel kamen die Gastgeber vielleicht auf zwei oder zweieinhalb Torchancen. Zu dominant war der Rekordmeister gestern Abend in der Veltins-Arena vor 61.673 Zuschauern.

Jupp Heynckes schickte die gleiche Aufstellung vom Freiburg-Spiel auf das Feld, mit Ausnahme des verletzten Mario Gomez, für den Nils Petersen auflief. In der 21-sten Spielminute marschierte Franck Ribéry über den gesamten Platz, ließ die Schalker stehen wie Slalomstangen und bediente Petersen, der zunächst am Schalker Schlussmann scheiterte, doch dann den Abpraller zum Führungstreffer für die Bayern nutzen konnte.
Auch in der zweiten Hälfte gelang es dem FC Schalke nicht die Bayern ernsthaft in Gefahr zu bringen. Die Bayern hingegen mit den besseren Möglichkeiten und totaler Spielkontrolle. Die Entscheidung war nur eine Frage der Zeit, sie fiel dann in der 75-sten Minute, vorbereitet durch Alaba und Ribéry, durch einen Treffer von Thomas Müller.    

Es ist eine Pracht Franck Ribéry mit Selbstbewusstsein und Spielfreude auf dem Platz zu sehen. Das ist der Ribéry, um den sich der FC Bayern solange bemüht hat - und man muss Trainer Heynckes zu Gute halten, dass er dem Franzosen Lust und Selbstsicherheit zurückgegeben hat. Auffällig auch die enorme Stabilität von Holger Badstuber, der ein ganz großes Spiel machte. Den Jungen hatte Einige in der letzten Saison schon abgeschrieben. Die Bayern-Abwehr ließ kaum etwas zu und es ist beruhigend zu sehen, mit welcher Souveränität und Präsenz Boateng und auch Rafinha die Defensive stabilisieren. Philipp Lahm machte gestern eines seiner besseren Spiele und zeigte phasenweise seine Klasse. Wieder einmal bestätigte er, dass er auf links doch besser aufgehoben ist. 
Einen wirklichen Ausfall hat es in der Bayern-Mannschaft gestern nicht gegeben, selbst der unglücklich agierende Thomas Müller machte am Ende das entscheidende Tor. Mit ihm ist eben immer zu rechnen.  Ein "Müller" halt.

Der FC Bayern beeindruckte wie schon gegen Villarreal durch ein sehr ausgeglichenes und hohes Leistungsniveau - auch die Einwechselspieler Tymoshchuk (für den verletzten Gustavo, 43.) und Alaba (71., für Petersen) kamen sofort ins Spiel und bereicherten das Geschehen auf dem Platz. Hier spielt ein geschlossenes, überaus motiviertes Team - und das gilt auch für die Spieler auf der Bank. 
Es ist die Leichtigkeit des Seins beim FC Bayern, die man gestern wieder bis unters Stadiondach spüren konnte. Nach Belieben verbreitern die Bayern das Spiel und machen es so dem Gegner schwer. Es war schon fast amüsant zu sehen, wie Schalker von links nach rechts und wieder links den Bayern hinterher liefen. Wenn es hektisch wird, nehmen sie das Tempo aus dem Spiel - und ziehen wieder an, wenn der Gegner unter Druck gesetzt werden muss. Der Toni Kroos, der gestern auf dem Platz stand, ist das Gegenteil des Kroos' der letzten Saison: körperlich präsent, technisch stark und spielgestaltend neben dem starken Schweinsteiger, ist er Motor des Bayern-Spiels. 

Auswärts hat der FCB in der laufenden Saison noch keinen Gegentreffer hinnehmen müssen. Gestern Abend erzielte man den achten Pflichtspielsieg in Folge "zu Null" - neuer Vereinsrekord, und das mit der jüngsten Startelf seit 16 Jahren!
Dass neben Leverkusen auch Titelverteidiger Dortmund an diesem Bundesliga-Wochenende Federn ließ, ist noch ein weiteres Schmankerl, das den Bayern-Fans gefällt. Jetzt kommt mit Bayer Leverkusen eine Mannschaft nach München, die dort meist als Punktelieferant agierte - und das zur Wiesnzeit!   

Mögen der HSV und Freiburg auch äußerst schwach gewesen sein, Villarreal und auch Schalke gestern wurden schwach gespielt - und das vom FC Bayern. Das ist kein Zufall mehr. Das ist die Handschrift des Jupp Heynckes. 

FC Schalke 04 0, Bayern München 2 (FernglasFCB tippte: 0:2)

1 Kommentare:

arthurfriedenreich hat gesagt…

guten Tach,
wenn du von der Ausgeglichenheit des Kaders sprichst, muss ich doch kurz einhaken und aufzeigen.
Ich finde es schon augenscheinlich, dass dem Petersen Nils noch ein ganzes, ganzes Stück zum Bayern-Durchschnitt fehlt. Er bewegt sich doch sehr behäbig, wenig explosiv, wenig überraschend.
es grüßt,
arthur