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Donnerstag, 18. August 2011

Pflicht erfüllt - die Kür kommt später

Der FCB steht mit eineinhalb Beinen in der Champions League. Nach der Harmlosigkeit des FC Zürich kann man sich schwerlich vorstellen, dass die Schweizer den 2:0-Rückstand nächsten Dienstag übertrumpfen können. Die große Sorge vor dem Super-Gau gleich zu Anfang der neuen Saison war also unbegründet, was teils an der Schwäche des Gegners lag, aber auch daran dass die Bayern gestern Abend - als es drauf ankam - die richtigen Akzente setzten. 

Das frühe Kopfballtor von Bastian Schweinsteiger (8.) nahm den Zürichern früh jede Hoffnung und sorgte für ein befreites Aufspielen der Bayern bis zur 20-sten Spielminute. Danach legten die Roten den Rückwärtsgang ein, so als gäbe es nur ein entscheidendes Spiel und kein Rückspiel im Züricher Letzigrund. Ich würde es als fahrlässig bezeichnen, dass der FCB dreißig Minuten Spielzeit bei einer knappen 1:0-Führung ungenutzt verstreichen ließ. 
Ob Uli Hoeness nun während der Pause in der Kabine war und tobte oder nicht, nachvollziehbar wäre es allemal. Nach Wiederanpfiff kam dann ein deutlich beherzterer Gastgeber auf den Platz und mühte sich, die Führung auszubauen. Der höhere Druck sorgte für beste Torchancen, die allesamt nicht genutzt werden konnten. Ob Gomez, Lahm - frei vor dem Torhüter - oder Ribéry (Pfostenschuss) - die Bayern hätten am Ende schon mit Vier oder gar Fünf zu Null führen müssen. Doch erst ein hübscher Linksschuss von Arjen Robben sorgte in der 72-sten Minute für das beruhigende zwei-Tore-Polster.
Defensiv ließ der FC Bayern sehr wenig zu, was sicher aber auch an den eher harmlosen Gästen lag und dominierte das Spiel deutlich. Einzig die mangelnde Torausbeute muss man kritisieren. Mit einem drei- oder vier-Tore-Vorsprung wäre das Spiel in Zürich zu einem netten Betriebsausflug geworden. 

So richtig glänzend war keiner der Bayern-Spieler aufgelegt. Schweinsteiger gefiel vor allem in den ersten zwanzig Minuten. Gustavo war sehr aktiv und fleißig, aber ohne Genialität. Lahm schaltete sich oft vorne ein und hatte gute Szenen, vergab allerdings eine exzellente Tormöglichkeit. Rafinhas Versuche auf der Gegenseite scheiterten meist an seinen schlechten Zuspielen auf Robben. Ansonsten kämpfte Rafinha leidenschaftlich, wie man das von ihm aus den bisherigen Partien kennt. 
Boateng war kaum gefordert, Kroos blieb auffallend blass (ebenso wie der in Halbzeit Zwei für ihn eingewechselte Müller), Gomez spielte Chancentod, Ribéry und Robben fleißig, jedoch noch nicht in Topform. Badstuber hatte gute Szenen, nach einem anfänglich verlorenen Kopfballduell, spielte er stabil und schaltete sich immer wieder ins Angriffsspiel mit ein. Manuel Neuer hatte 90 Minuten lang so gut wie nichts zu tun. 

Den fußballerisch schönsten Moment lieferte die Bayern-Mannschaft kurz nach dem Führungstreffer ab. Da konnte man im Ansatz erkennen, wie das Offensivspiel zukünftig aussehen könnte. Die Bayern spielten gedankenschnell und glänzten in dieser kurzen Phase immer wieder mit präzisen, steilen Zuspielen, was die Züricher Abwehr vor arge Probleme stellte. Hier war zu erkennen wie schnelles Umschalten und technisch anspruchsvolles Kombinationsspiel auf engstem Raum funktionieren kann. Der FC Bayern 2011/12 ist wieder einen kleinen Schritt weiter. Mehr darf man - so früh in der neuen Saison - wohl auch nicht erwarten. 

Bayern München 2, FC Zürich 0 (FernglasFCB tippte: 3:0) 

2 Kommentare:

Helmi hat gesagt…

Deine negative Einschätzung einiger Spieler kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sicher hat man an vielen Stellen gemerkt, dass es noch stockt im Getriebe, aber ich würde da außer Gomez eigentlich keinen negativ hervorheben. Er war der einzige der wieder einmal (ähnlich weiten Teilen der letzten Saison) Schwierigkeiten mit der Ballan- und mitnahme hatte. Von seiner Chancenverwertung will ich gar nicht sprechen - was mich viel mehr stört ist die Tatsache, dass er noch mehr Chancen durch verstolperte Bälle erst gar nicht entstehen lässt.

Toni Kroos ist in der Tat leider etwas abgetaucht ist jedoch auch die deutlich defensivere Variante als Müller und hat durch die Rochade mit Bastian Schweinsteiger auch viel im Verborgenen geleistet. Offensiv ist er in der Tat leider zu selten in Erscheinung getreten.

Müller war dort aber IMO deutlich präsenter und aktiver. Ich fand ihn gar nicht unauffällig, wenngleich er selbst zu keiner nennenswerten Chance kam, hat er wohl dafür gesorgt, dass das Spiel in HZ2 nach seiner Einwechslung besser wurde.

Gustavo, Boateng und Badstuber hab ich insgesamt bärenstark gesehen. Gustavo muß für mich erstmal keine Genialität beweisen, wenn er dafür als defensiver Part des ZDM gut steht und die Bälle so klaut wie er das in den letzten Spielen - so auch gestern - immer wieder getan hat.

Insgesamt glaub ich kann man bei der aktuellen Entwicklung positiv gestimmt sein. Defensiv ist das alles recht stabil (wenngleich ein richtig harter Gegner erst noch kommen muß), offensiv hab ich keine Zweifel, dass das besser wird. Dort haben wir kein echtes personelles Problem wie wir es in der Vergangenheit in der Defensive hatten. Da muß lediglich noch mehr System rein und vor allem mehr Disziplin über 90 Minuten.

Zechbauer hat gesagt…

@helmi: ich sehe ehrlich gesagt nicht, worin sich unsere Aussagen so arg unterscheiden, wenngleich ich "bärenstark" in Relation zur Leistung des Gegners für etwas übertrieben halte. Auch Müller hat mir nicht so gut gefallen wie Dir, ansonsten habe ich Scwheinsteiger, Lahm, Rafinha, Boateng, Badstuber, RibRob und Gustavo gelobt (wenn auch nicht überschwenglich).