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Montag, 15. August 2011

Das Beste kommt zum Schluss

Am Samstag fand meine Wolfsburg-Premiere statt. Viel habe ich bis dahin nicht verpasst, die Stadt wirkt/ist "künstlich", ohne Esprit - auch wenn sich der Volkswagen-Konzern alle Mühe gegeben hat, den 130.000 Einwohnern/Mitarbeitern in Sachen Kultur, Sport und Freizeitbeschäftigung etwas zu bieten. Der VfL Wolfsburg hat ein hübsches Stadion mit überraschend steilen Tribünen. Hinweg, Einlass sowie das Verlassen der Volkswagen-Arena geschieht alles recht zügig und unkompliziert. Bezahlt wird mit Bargeld. Einziger Wermutstropfen: das Alkoholverbot im Stadion.

Tja, nachdem ich all das gesehen hatte, hätte ich dann besser auch sofort wieder den Heimweg angetreten oder die Autostadt besucht, denn der Auftritt des Meisterschaftsaspiraten Bayern München war gelinde gesagt grottig
Die Bayern spielten ohne Tempo, ohne Überraschungsmoment - sieht man von drei hübschen Kombinationen (allesamt initiiert von Franck Ribéry) während der neunzig Minuten mal ab. Langsam, umständlich, einfallslos - und leider auch fußballerisch limitiert - eine Spitzenmannschaft tritt anders auf. 
Die Auftaktniederlage gegen Gladbach kann ich verarbeiten, aber die Leistung von Samstag macht mir nun ehrlich Sorge. So wird Bayern weder Meister, noch Pokalsieger und hat auch in der Champions League nichts zu bestellen, so man sich überhaupt in der Qualifikation gegen Zürich durchsetzt. 

Gomez hatte die Fußfäule - anders ist sein statisches Spiel nicht zu erklären. Vorn auf sich alleine gestellt, machte er keine Anstalten mal in den freien Raum zu laufen und schied als Anspielstation aus. Kroos mit den gewohnten Stockfehlern und leider auch einer unschönen Schwalbe, weitestgehend harmlos. Bastian Schweinsteiger legte in der zweiten Halbzeit einen höheren Gang ein, aber auch er kann deutlich mehr. Bester Bayern-Spieler war Franck Ribéry, der allerdings wenig Hilfe von seinen Mannschaftskollegen bekam - leider auch sehr wenig von Lahm. Drei, zeitweise vier, Gegenspieler waren dann auch für Ribéry zu viel. Ebenso hatte der Franzose kaum Anspielstationen (Guten Morgen, Herr Gomez!), sodass er teilweise blind die Bälle irgendwohin passen musste. Die Zone zwischen Mittelfeld und Angriff war Niemandsland, was der Bewegungsarmut des Bayern-Spiels zuzuschreiben war. 

Rafinha spielte ordentlich, konnte aber nach vorne kaum unterstützen, da Thomas Müller einen rabenschwarzen Tag erwischte. Dies fiel vor allem nach Usamis Einwechslung auf. Der Japaner stand verwaist auf der rechten Seite und konnte keine Akzente setzen, sieht man von einer Angriffsaktion ab, die ärgerlicherweise - trotz klaren Vorteils - vom Schiedsrichter abgepfiffen wurde. Die Einwechslung des Japaners war folgerichtig, um das Bayern-Spiel durch einen technisch starken Spieler zu beleben. Müller war bis dahin ein Totalausfall! Ich bin ja wirklich ein Müller-Fan, aber was er am Samstag lieferte, war gar nichts. Leider wurde Takashi Usami kaum ins Spiel einbezogen, wirkte aber auch hier und da etwas unglücklich. Dass Jupp Heynckes ihn dann sogar noch auswechselte, mag taktisch zu verstehen sein, hilfreich für Usamis Entwicklung war das aber sicherlich nicht. 
Warum ausgerechnet Holger Badstuber alle Eckstöße und Freistöße von rechts schießen muss, erschließt sich mir nicht. Ich halte Rafinha hierfür geeigneter. Überhaupt waren die Standards der Bayern gewohnt harm- und wirkungslos. Badstubers ordentliche Länderspielleistung konnte er leider nicht mit in die Bundesliga retten.   

Die Abwehr zeigte bei schnellen Wolfsburger Vorstößen immer wieder ihre Anfälligkeit. Mit ein bisschen mehr Fortune hätten die Gastgeber schon in Führung gehen können. Das gingen sie dann irgendwann auch, allerdings wurde der reguläre Treffer von Helmes als vermeintliches Abseits nicht anerkannt. Das Glück war dann am Ende erneut den Bayern hold: Nach Olics (viel zu später) Einwechslung, gelang dem Kroaten ein Zuspiel in den Rückraum, das Gustavo zum Führungstreffer in der Nachspielzeit nutzen konnte. Ein Tor, drei Punkte, der erste Saisonsieg - die last-minute Bayern hatten wieder mal zugeschlagen. Das Beste kam eben zum Schluss: das Siegtor.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass der FCB 2011/2012 zurzeit nur tristes Mittelmaß bietet. Da hakt es noch an allen Ecken und Enden. Ohne die Kreativspieler - am Samstag war es Ribéry - sähe es düster aus. 
Ganz abgesehen von irgendwelchen taktischen Finessen verbietet Jupp Heynckes sicher keine Bewegung. Doch so statisch und lauffaul wird es gegen jede Mannschaft richtig schwer - auch am Mittwoch gegen einen FC Zürich! 
Ich hoffe nur, dass der Start in die Saison beim FC Bayern nicht schöngeredet wird, denn im Moment muss man sich ernsthaft Sorgen machen. 


VfL Wolfsburg 0 vs Bayern München 1 (FernglasFCB tippte: 1:2) 

2 Kommentare:

FCB_Dico, BS hat gesagt…

Leider entspricht Deine Analyse genau den Tatsachen. Auch wenn ich finde, dass der Sieg insgesamt in Ordnung ging, zerreist es mir das FCB-Herz, wenn ich unsere Jungs so lustlos spielen sehe. Vor allem, wenn man drei Tage vorher noch gesehen hat, dass sie es lönnen! Aber leider nur für die Nationalelf! Beim FCB haben dann alle die Hosen voll, insbesondere unser Kapitän, der jegliche Führungsqualität vermissen läßt und sich seit Jahren einen Stellungsfehler nach dem anderen erlaubt. Meine Hoffnung: Manchmal braucht man solche siegreichen Grottenkicks, um wieder aus dem Sumpf zu kommen...

Plechazunga hat gesagt…

Hab anscheinend zum Glück nix vom Spiel gesehen und auch quasi nix im Radio gehört. Immerhin hast du einen Sieg gesehen, mein bisher einziger - und das wird wohl auch so bleiben - Besuch in Wolfsburg hatte das 5:1 in der Wolfsburger Meistersaisons als Ergebnis...