Neuer Trainer, neuer Co-Trainer, neue Spieler - neue Taktik. Vor der neuen Saison ist immer alles neu. Rund zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel der kommenden Fußballsaison schleicht sich dieses vorfreudige, wohlige Gefühl des unbändigen Optimismusses in die Fanseele - wie eine beginnende Erkältung. Selbst der größte Skeptiker kann sich dieser Gefühle nicht erweren, oder jedenfalls nicht lange. Da machste nix.
Mit der Trainerwahl war ich voll und ganz einverstanden und auch der Co-Trainer, hinter dem die halbe Liga her war und der gefühlt 100 Jahre Bayer Leverkusen repräsentierte, wird wohl der richtige Mann für den Job sein. Dann noch Manuel Neuer, einer der besten Torhüter des Planeten, im Bayern-Kasten. Und dazu kommt mit Stinkstiefel Rafinha auch noch einer der besten Rechtsverteidiger, sodass einer der besten Linksverteidiger (Lahm) somit wieder auf genau dieser Position eingesetzt werden kann. Great!
Das Problemkind Abwehr - besser gesagt Innenverteidigung - ist die große Unbekannte. Badstuber & Boateng? Van Buyten, Breno? Wird das was? Reicht das? Heynckes' Devise heißt "die Null muss stehen", Bayerns Trainer sieht nicht die Abwehr als das Problem des Teams, sondern die Defensivarbeit der kompletten Mannschaft. Aber das hatte van Gaal auch schon gemerkt. Bei Bayer 04 hat Jupp Heynckes gezeigt, wie man das besser macht. Flexibility rules, so das Dogma des neuen alten Bayern-Coachs - und tatsächlich, die taktische Flexibilität des Bayern-Teams ist im Gegensatz zum Vorjahr unter van Gaal nigelnagelneu - die gewollte, angekündigte Rotation auch.
Ob die Stürmer ausreichen? Das frage ich mich seit Wochen. Gomez hat eine Bombensaison hinter sich, muss aber nicht zwangsläufig weiterhin einen solchen Lauf haben. Ivica Olic wird Zeit brauchen um wieder der alte sein zu können - ein Knipser ist er ohnehin nicht. Der talentierte Petersen steht vor seiner ersten Erstliga-Saison, ohne internationale Erfahrung - Was passiert also bei einer Flaute oder einer bzw. mehreren Verletzungen in diesem Mannschaftsteil? Müller, Ribéry, Robben - allesamt Leute, die Tore schießen können - reicht der Sturm hinter dem Sturm?
Es bleiben ein paar Fragezeichen - wie vor jeder Saison, aber das ist ja auch das Schöne am Ganzen: Man weiß es einfach nicht und freut sich trotzdem.
Bald wird sich zeigen, wie lange die Mannschaft braucht um neue Automatismen zu übernehmen, ob die verschiedenen taktischen Konzepte je nach Gegner oder Spielsituation greifen, wie lange die neuen Spieler sich zu integrieren benötigen. Die Anfangsphase der Saison wird eine Findungsphase in mehrfacher Hinsicht werden - wie sonst auch. Nur dürfen wir den Anfang nicht versauen - ein schlechter Start könnte alle Vorfreude und jeden Optimismus schon im Keim ersticken. Doch: Spielerpotenzial hin, Taktik her - die Mannschaft benötigt einen gemeinschaftlichen Sieger-Spirit, um die ganz großen Ziele zu erreichen. Das ist der gordische Knoten, den Jupp Heynckes zu lösen hat.

1 Kommentare:
Bin sehr gespannt auf die Saison und besonders darauf, wie sich der Neuer machen wird!
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