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Montag, 18. April 2011

München wie es war, München wie es ist

5:1 gegen Bayer Leverkusen! Wer hätte das gedacht?! Die Voraussetzungen vor diesem Spiel waren aus Bayern-Sicht alles andere als gut. Ein Blick auf die Statistik der vergangenen Jahrzehnte zeigt aber auch, dass Bayer 04 Leverkusen schon desöfteren derbe Klatschen in München kassierte - und es auch damals schon zur Halbzeit für die Gäste gelaufen war...
Sa     08.08.1981     15:30     FC Bayern München     -     Bayer Leverkusen     6:2 (5:1)

Sa     04.09.1982     15:30     FC Bayern München     -     Bayer Leverkusen     5:0 (3:0)

Tja, so war's dann auch am vergangenen Sonntag - zur Halbzeit führte der FCB bereits 4:0. Nur zwei Mal hat die Werkself in der Liga bislang in München triumphieren können, 1986 (0:3) und 1989 (0:1), ansonsten hagelte es 27 Niederlagen, sechs Mal konnte Leverkusen jeweils einen Punkt entführen. Bayer 04 Leverkusen ist damit seit fast 22 Jahren in München  bei den Bayern sieglos! 

In der Startaufstellung der Bayern standen dann doch Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry - allerdings wusste man nicht so recht, wie fit beide wirklich sind? Die Sorgen waren unbegründet - beide machten eine ordentliche Partie. Übergangs-Trainer Jonker stellte Gustavo und van Buyten in die Innenverteidigung, Tymoshchuk und Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld und Klose als hängende Spitze hinter Gomez - außerdem Butt - wie erwartet - ins Tor. 

Die Bayern gingen hochmotiviert zur Sache und man hatte nicht das Gefühl, hier spielt ein verunsicherter Haufen vorsichtig gegen den Favoriten, der diesmal Bayer Leverkusen hieß, auf. Die Bayern giftig, kämpferisch und vor allem nach vorn - irgendwie befreit. Leverkusen versuchte sich mit seinem Parade-Mannschaftsteil, dem Mittelfeld, zum gegnerischen Strafraum vorzuarbeiten, scheiterte allerdings regelmäßig im Spielaufbau. Die Bayern gedankenschneller und zweikampfstärker. Der Moral der Bayern war allerdings nicht das bemerkenswerte (hatte man doch unter van Gaal zwei leblose Auftritte gegen Gladbach und Nürnberg gesehen), sondern die Tatsache dass man nicht die van Gaalsche Strategie des Ballbesitzes verfolgte (mit nur 41 Prozent war das der niedrigste Wert in der laufenden Saison). Man ließ die Gäste spielen und störte in den Schnittstellen. Die Bayern wandten genau die Taktik an, die ihnen in dieser Saison selbst so oft in die Quere gekommen war. Andries Jonker hatte vor dem Spiel gesagt, dass die Partie im Mittelfeld entschieden würde - und er hatte Recht damit. Anatolji Tymoshshuk, endlich auf seiner Lieblingsposition eingesetzt, degradierte Michael Ballack zum Zuschauer. 

Das Defensivkollektiv der Gäste aus Leverkusen funktionierte nicht - und so nutzten die Bayern bereits nach sieben Minuten die Verwirrung in Bayers Abwehr - Kopfballverlängerung Schweinsteiger, Eigentor Rolfes. In der 28. Minute begann dann Mario Gomez seine Torstatistik aufzuhübschen - Teil eins eines lupenreinen Hattricks: Müller bearbeitete Arturo Vidal, der wollte den Ball mit einem Hackentrick weiterleiten, was misslang und Müller so für Gomez auflegen konnte. Das 2:0 raubte Leverkusen alle Hoffnungen diesmal ihrer ungewohnten Favoritenstellung gerecht zu werden. 44. Minute, Flachpass durch Müller auf Gomez, der netzt ein - 3:0. Kurz vor Pausenpfiff , in der 45. Minute ließen sie Gomez völlig alleine und der schoss scharf zum 4:0 ein. Bayer 04 hatte bis dato nicht eine Torchance gehabt. Vor allem die Umstellungen mit Klose, Tymoshshuk und Müller auf der rechten Seite (Altintop hatte sich verletzt) waren die Schlüssel zum Erfolg. Bayer 04 war im Mittelfeld hoffnungslos unterlegen. 

Nach dem Wechsel überließen die Bayern den Gästen dann die Initiative - und in der 58. Minute hatte dann der neu eingewechselte Stefan Kießling  die erste Chance für Leverkusen durch einen Kopfball. Derdiyok erzielte dann das 1:4 nach Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Schweinsteiger und van Buyten. Den Schlusspunkt setzte dann Franck Ribéry mit einer großartigen Einzelaktion in der 75. Minute. Auch der eingewechselte Ottl hatte noch eine Großchance und köpfte den Ball fünf Minuten vor Schluss an den Pfosten. 

Gut gefallen haben mir Gustavo, van Buyten (mit einem unglaublichen Zweikampfwert von 85 Prozent gewonnenen Zweikämpfen), Tymoshshuk und Contento (für Pranjic), der sich zunehmend steigerte. Vorne war Klose sehr eifrig, Gomez überaus effektiv und Müller steter Unruheherd über die rechte Seite. Insgesamt war es eine äußerst zufriedenstellende Mannschaftsleistung der Bayern. Der FCB spielte überdurchschnittlich effizient (Gomez, drei Schüsse, drei Tore).
Leverkusen war früh der Zahn gezogen. Auffallend schlechtes Defensivverhalten der Gäste - und im Mittelfeld - überraschenderweise - hoffnungslos unterlegen.     

Für Leverkusen dürften die Titelambitionen, so es welche gab, nun ad acta gelegt sein - die Bayern jetzt wieder auf Platz drei vor Hannover. Ein schöner Auftakt für Übergangscoach Andries Jonker - weiter so!  

FernglasFCB tippte 1:1 (Ergebnis: 5:1)