Louis van Gaal ist nun doch vor Ablauf der Saison seines Amtes enthoben worden - bis zum Saisonende trainiert der bisherige Co-Trainer Andries Jonker die Mannschaft.
Was zu befürchten war, ist nun eingetreten - und der Vorstand handelte entsprechend der Ankündigung, dann zu reagieren wenn die Champions League-Teilnahme ernsthaft in Gefahr gerät. Nach dem erneut schwachen Auftreten am Samstag (nur war es diesmal die zweite Halbzeit und nicht wie gegen Gladbach, die erste) ist die CL-Teilnahme in Gefahr. Die Chance sich direkt zu qualifizieren ist gleich Null, Hannover steht wieder vor uns auf Platz Drei. Dass der Mannschaft ein Impuls(geber) fehlt, war deutlich zu erkennen - und Hoeneß hat nicht unrecht, wenn er von einem "Korsett" spricht, in dem einige Spieler fest zu stecken scheinen. Wie anders als mit einem Trainerwechsel kann man das - vier Spieltage vor Schluss - noch ändern? Ob Andries Jonker der richtige Mann dafür ist, stellt sich aufgrund mangelnder Alternativen als Frage gar nicht erst. Er muss es sein.
Was Uli Hoeneß in der Pressekonferenz am Sonntag zum Besten gab, ließ mich erstmal schlucken. Doch man muss wissen wie ein Hoeneß tickt, dann ahnt man, dass mit van Gaal alles viel schlimmer war, als wir vermuteten. Van Gaals Beratungsresistenz hatte Hoeneß ja schon im November kritisiert. Jetzt erklärt sich auch diese frühe Attacke gegen den Niederländer, denn Hoeneß war am Sonntag deutlich - wenngleich er auch nicht in alle Details ging.
Dass die Thematik Thomas Kraft einen solchen Sprengstoff beinhaltet, hatte der Bayern-Vorstand geahnt - und auch hier hat der Bayern-Präsident Recht, wenn er die Unruhe in der Südkurve als ein Resultat des Torhüterwechsels zum Rückrundenstart identifiziert. Ich fand den Tausch Kraft gegen Butt aus sportlicher Sicht im Grunde okay. Vereinspolitisch war er eine Zündschnur.
Über die Art und Weise wie Uli Hoeneß bei der Pressekonferenz am Sonntag die Torwartproblematik ansprach, kann man streiten - ich bin aber sicher, dass er keineswegs Thomas Kraft diskreditieren wollte. Eine frühe Richtigstellung oder besser Verdeutlichung seiner Meinung zu Thomas Kraft, wäre allerdings vonnöten. Karl-Heinz Rummenigge stellte das Ganze gestern in Blickpunkt Sport zumindest klar.
Am Ende bleibt der unrühmliche Schlusspunkt einer, sportlich wie in der Außendarstellung, katastrophalen Saison. Über gemachte Fehler kann man trefflich streiten - eine Fehleinschätzung der Bayern-Fürhung hingegen ist gewiss: Man hätte ahnen können, dass sich einer wie Louis van Gaal in nichts hineinreden lässt. Die "Bayern-Familie" kann mit sturen Einzelkindern nichts anfangen, das haben schon die Trainer Rehagel und Magath gezeigt.

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