Hui, das ging ja hoch her in der Pressekonferenz - und Bastian Schweinsteiger zeigt Nerven. Im Grunde mag ich so etwas ja, hat es doch meist eine produktive Reaktion zur Folge. Aber so falsch ist die Kritik an Schweinsteiger dann doch nicht.
Sieht man sich die letzten Wochen an, muss man feststellen, dass der Mann, der mühelos Weltklasse-Niveau erreichen kann, im Mannschaftsgefüge des FCB abgetaucht ist - und bei Beschwerden beim Schiedsrichter und im Disput mit Gegenspielern noch seine auffälligsten Szenen hat. Dabei kann er soviel mehr, aber er kann es eben auch nicht dauerhaft abrufen. Nun, auch ein Lionel Messi hat nicht immer einen gelungenen Abend, aber bei Bastian Schweinsteiger fällt schon auf, dass wenn er sich eine schöpferische Auszeit nimmt, diese länger als nur zwei oder drei Spiele andauert. Jetzt befinden wir uns also wieder im Ab nach all dem Auf des Fast-Rekordnationalspielers.
Auch Flip Lahm hat im Laufe dieser Woche einstecken müssen: nämlich die Wahrheit. Zwar hat der FCB Kapitäne (Mhrz.), aber es gibt keinen richtigen Leader mehr. Schweinsteiger sehe ich in der Rolle noch am ehesten - Lahm aber, die Nummer Eins als Kapitän, ist es definitiv nicht. Genau das war auch die Aussage von Arjen Robben, als er sagte wie sehr er Mark van Bommel bei den Bayern vermisse. Philipp Lahm sieht das naturgemäß anders, das Kapitänsamt ist ihm wichtig - bei Bayern wie in der Nationalmannschaft. Doch ausfüllen kann er diesen Job, der über Interviews und Öffentlichkeitsarbeit hinaus geht, nicht. Was ihm fehlt ist Charisma, was ihm fehlt ist mehr Bissigkeit.
Die Wahrheit des Arjen Robben mag weh tun, aber sie ist nun einmal die Wahrheit - und mir gefällt das am Niederländer. Robben brachte auch kein Treuebekenntnis zum FC Bayern zustande, weil er die Mechanismen des Profigeschäfts genau kennt. Morgen kann schon alles anders sein. Wer wüsste das besser als Robben? Ebenso zog Arjen Robben aber auch die Möglichkeit in Betracht, dass er vielleicht seine Karriere bei Bayern beenden könnte. Alles kann, nichts muss - so ist es im Profifußball.
Natürlich fehlt den Bayern - wie Schweinsteiger es gestern verdeutlichte - die Kompaktheit auf dem Platz. Und natürlich könnten die Herren Kreativspieler à la Ribéry & Robben mehr nach hinten tun, wie das bei Klubs wie Barcelona Standard ist, aber den Bayern fehlt auch ein echter Charakter auf der Platz mit Kapitänsbinde und Charisma. Schweinsteiger kann das, aber er muss es auch dauerhaft können. Auch ein van Bommel hatte schwache Spiele, aber als Chef auf dem Platz war er immer zu erkennen.

2 Kommentare:
Ich gebe Dir in der Einschätzung zu Lahm und Schweinsteiger recht.
Robbens Aussagen waren auch unter dem Aspekt seiner Leistungen allerdings unnötig. So pisst man seinen Kapitän öffentlich nicht an. (Daß er in der Sache recht hat, ist eine andere Sache, die aber intern besprochen werden muss.)
Wo war er in den wichtigen Spielen? Gegen den BVB und im Mailand-Rückspiel habe ich nicht viel von ihm gesehen.
Jeder gegen Jeden - das ist das Bild, das der FCB in diesen Wochen abgibt.
Wir können froh sein, wenn wir die EL-Qualifikation nicht noch aus der Hand geben
Ich finde, dass Robbens Einsatz den aller anderen aber deutlich übertrifft - da bin ich nicht ganz bei Dir. Wenngleich: unter den Blinden ist der Einäugige König.
Keine Frage, so etwas spricht man intern an - nicht bei Interviews. Aber das ist ja ein Grundübel des Klubs, das nie ausgerottet werden wird.
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