Der heilige Christoph
Die Stadt Köln pflegte schon seit jeher eine ausgeprägte Beziehung zur heiligen katholischen Kirche. Diese wahrlich segensreiche Allianz mit dem Vatikan, mehrte über die Jahrhunderte den Reichtum dieser Stadt und stellte ihren Schutz sicher. Die Aufbewahrung der Gebeine der Heiligen Drei Könige im Hohen Dom zu Köln, tat ihr übriges. Die Heiligen-Verehrung in Köln hat also Tradition, und so ist es wenig verwunderlich, dass schon seit Jahren in der rheinischen Metropole einem weiteren Heiligen gehuldigt wird: dem heiligen Christoph.
Der Sage nach, kam ein junger Mann namens Christoph Daum eines Tages durch die Kölner Stadttore und schickte sich an, den Kölnern das Fußballspiel zu lehren. Dass ihm das beinahe gelang, kam den Kölnern wie ein Wunder vor, und so verehrten sie ihn noch lange nachdem er die Stadt längst wieder verlassen hatte. Die Kölner erinnerten sich an den heiligen Christophorus, einem Riesen mit schrecklichem Aussehen, dessen Anblick vor dem unvorbereiteten Tod bewahren sollte, und der zu den vierzehn Nothelfern gehörte. Nothelfer Daum hingegen hatte die Stadt längst verlassen, und so kam der unvorbereitete Tod des 1. FC Köln in Form des Abstiegs in die zweite Fußballliga. Seitdem beten die Kölner Fußballanhänger für seine Rückkehr.
Daum, der sich durch den übermäßigen Konsum von Engelsstaub versündigt hatte, wurde jedoch verstoßen, und war fortan der Schutzpatron der Türkei-Reisenden.
Doch Köln wäre nicht Köln, wenn es nicht für ein Wunder gut wäre, und so tauchte der verehrte Retter ausgerechnet am 11.11.2006 wieder auf. In der christlichen Mythologie steht die Zahl 11 übrigens für die Grenzüberschreitung. Denn die 11 liegt als erste Zahl jenseits der zehn Gebote. Und so ist im Karneval, der am 11.11. um 11.11. Uhr beginnt, für eine bestimmte Zeit die übliche Ordnung aufgehoben. Man darf dann jemand anderes werden, seine verrückten Seiten ausleben und muss sich nicht immer an die guten Sitten halten.
Einen besseren Zeitpunkt für sein Auftauchen gab es nicht, und so sprach der heilige Christoph zu den Vertretern der schreibenden Zunft über sein Krankheitsbild, und bewies wieder mal sein Genie in der Kunst der Selbstdarstellung. Doch den Kölner Fußball zu retten, versprach er indes nicht.
Egal wie die Sache für die Kölner nun ausgehen wird, eines dürfte Gewiss sein: Irgendwann werden die Kölner Bürger zu Ehren des heiligen Christoph eine Monstranz in der Domschatzkammer aufstellen, Inhalt: Daums Gebeine und vielleicht sogar ein Haar.
So, Schluss mit lustig - denn keineswegs lustig war das, was die Familie Hoeness während der so genannten "Daum-Affäre" erleben musste: Morddrohungen gegen Uli Hoeness, Anfeindungen gegen alle Familienmitglieder in einer Art und Weise, wie sie sich selbst der polarisierende Uli Hoeness nicht hat vorstellen können. Deutschland hatte einen Feind und ließ es ihn spüren - der Feind hieß Uli Hoeness.
Hoeness' Ehefrau Susi bezeichnet diese Phase als die schwerste Zeit der Familie - und wie man sich denken kann, sind die Eheleute Hoeness mit Christoph Daum, dem Verursacher des Ganzen, nicht mehr versöhnbar.
Dies hätte vielleicht anders laufen können - wenn, ja wenn, Christoph Daum die Zeit nach der Kokain-Affäre zu irgendeinem Zeitpunkt genützt hätte, um sich für sein Lügen und Schweigen zu entschuldigen. Daum tat das nicht. Und Christoph Daum hat das auch bis heute nicht getan. 10 Jahre hatte er bislang die Zeit dazu.
Kleine Brötchen backen ist nicht die Sache des Christoph Daum - zu eingenommen von sich selbst, zu sehr damit beschäftigt im Kameralicht den Fußballweisen zu spielen. Jemand wie er hat es nicht mit der Selbstkritik. Dass jemand wie Christoph Daum dann auch noch die Chuzpe hatte, jemals wieder in der Bundesliga einen Trainerjob auszuüben, war (2006) und ist (2011) der Gipfel. Uli Hoeness anno 2011 hat das nicht vergessen - und wird sicher mit einigem Argwohn die typischen Daumschen Philosophieorgien ertragen müssen - wie wir alle. Wer nun davon spricht, dass Herr Hoeness nun doch endlich die Vergangenheit ruhen lassen sollte, dem unterstelle ich mangelnde Empathie. Christoph Daum hätte seine unrühmliche Vergangenheit wie ein Mann mit Rückgrat abschließen können, hat er jedoch nicht. Bis heute nicht. Wie könnte man das verzeihen oder vergessen, wenn man Uli Hoeness heißt?

3 Kommentare:
"Wie könnte man das verzeihen oder vergessen, wenn man Uli Hoeness heißt?"
Ist das jetzt ein perfider Scherz am Ende, weil der gute Mann "Uli Hoeneß" mit scharfem "S" heißt? ;-)
Mir ist das alles ein wenig zu einseitig. Hoeneß´ Rolle in der Kokain-Affäre war ja nun auch nicht wirklich koscher. Er hätte ja auch mit Daum direkt sprechen können, bevor er an die Öffentlichkeit geht. Ihm die Chance geben, selbst vom designierten Nationalcoachposten zurückzutreten. Sich abseits der Öffentlichkeit in den Entzug zu begeben. Vielleicht hat er das sogar, bekannt ist es jedenfalls nicht...
Mir geht Deine Verdammung von Daum zu weit.
Dass infolge der Leugnung bei Hoeneß Drohungen eingegangen sind, war schlimm - letztlich aber auch das Werk von Idioten.
Dass man aber wegen eines Drogendeliktes für immer von der Bundesligabildfläche verschwinden soll, kann ich nicht nachvollziehen. Daum hat gekokst, auweia! Von den Rolling Stones bis zu Amy Winehouse, von Konstantin Wecker zu Helmut Berger haben schon viele öffentliche Personen dem weißen Pulver zugesprochen, ohne, dass man sie derart an den Pranger gestellt hat. Ich will das ja nicht verharmlosen à la "Machen`s alle, dann kann`s nicht falsch sein!" Aber irgendwann ist auch mal gut, und der Delinquent verdient eine zweite Chance.
Zumal Leute wie "Rotwein-Rapolder" trotz aller hartnäckiger Gerüchte unbehelligt weiterarbeiten können.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich halte Daum für einen Idioten. Aber das mache ich nicht an der Kokain-Affäre fest. Schlimmer sind für mich seine zweifelhaften Aussagen zu Homosexualität und Pädophilie vor ein paar Jahren. Das sollte man mal wieder aufwärmen...
Hoeness, Hoeneß - ist doch egal, hier gehts um die Sache.
Mir gehts überhaupt nicht um Drogengebrauch, das ist sicher verzeihlich. Mir gehts darum, dass Daum Hoeneß in eine Situation gebracht hat, die grenzwertig war (übrigens nicht nur wegen ein paar Idioten und ihrer Drohungen) und sich nie dafür entschuldigt hat.
Hoeneß' ist es doch letztlich zu verdanken, dass der Skandal nicht noch schlimmer geworden ist, oder glaubst Du ernsthaft dass Daum nicht Nationaltrainer werden wollte?!
Ein Gespräch mit Daum hätte sicher viel gebracht (bei völligem Verlust für jede Realität, Stichwort "Haarprobe"). Und dann hätte Daum ausgerechnet auf Hoeneß gehört? Nee, nee.
Endlich (global, nicht Blog-lokal) mal ein Artikel, der den Kern anspricht. Nicht das Vergehen, der Umgang mit dem Vergehen macht Herrn Daum zu einem für mich persönlich absoluten no-go. Schon das Köln-Engagement hat mich sehr geärgert, und insofern (wenn auch höchst unglücklich formuliert mit "Pulver") verstehe ich die Kritik an Frankfurt.
Dass sich Herr Daum jetzt wieder als Opfer bzw. Hoeneß als Täter hinstellt, setzt dem Ganzen die (zu erwartende) Krone auf.
Ich hätte mir gewünscht, dass es ein Bundesliga-Konsens über die Nicht-(Er-)Tragbarkeit dieser Person gibt.
Grüße,
phRANK
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