Ein höchstinteressantes Liga-Wochenende liegt hinter uns und doch ist der Fußball vermutlich selten so nebensächlich wie diesmal. Während Armageddon über die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde niedergeht, bringt Charisteas den halbrausgeschmissenen Felix Magath zum feisten Grinsen, drei Spiele entscheiden sich erst in der Nachspielzeit und Hamburg wie Hannover werden ziemlich überraschend vom Platz gefegt.
Die erste Halbzeit in München war keineswegs in so deutliche Überlegenheit getaucht wie das Endergebnis dies vermuten ließe. Der HSV war gut eingestellt auf das Spielsystem der Gastgeber - das bayerische Murmeltier setzte gerade zum Gruß an, bevor Arjen Robben das wichtige 1:0 kurz vor der Pause machte. Bis dahin hatten die Bayern zumindest ein paar hochkarätige Chancen, wenngleich mir die Hamburger spielerisch irgendwie reifer erschienen. In der 36. Minute ließ Mario Gomez zunächst Westermann und dann Torhüter Rost aussteigen, schiebt den Ball dann aber an den Pfosten. Den Nachschuss ballert Müller an die Latte. Eine Minute später flankt dann Robben auf van Buyten, der lenkt den Ball aufs Tor und Rost kann das Spielgerät gerade noch über die Latte lenken. Doch den erlösenden Führungstreffer erzielen die Bayern durch Arjen Robben erst kurz vor der Halbzeitpause - Ribéry gelingt es im Fall noch den Ball auf den Niederländer zu spitzeln und der donnert das Spielgerät mit über 107 km/h über Frank Rost ins Tor.
Die endgültige Befreiung kam dann mit dem zweiten Treffer Robbens in der 47. Minute. Freistoss Robben und seine Flanke wird lang und länger, Gomez ist noch fast dran und irritiert Hamburgs Schlussmann, der Ball rutscht an Rost vorbei ins Tor. Danach brachen dann bei den Gästen alle Dämme - die Bayern kontern drei Mal und drei Mal ist der Ball im Netz. Erneut Robben mit seinem dritten Treffer nach Vorarbeit Ribéry (55.), dann Ribéry (64.), anschließend Müller (79.) und zum guten Schluss Heiko Westermann als Vollstrecker für Vorbereiter Ribéry (85.), der den Ball auf gefühlten 10x10 Zentimetern durch zwei Hamburger hindurchdribbelt. Es hätte am Ende sogar noch höher ausfallen können, so wurde es der höchste Sieg gegen den Hamburger SV seit 1987 (damals auch 6:0).
In der Tabelle hatte das nicht viel Auswirkungen, dennoch hat man durch die Niederlage Hannovers in Köln den Abstand zu Platz Drei verkürzt und den Tabellenplatz gegen die Mainzer (Niederlage gegen Leverkusen) behauptet. Bayer Leverkusen liegt hingegen mit 7 Punkten Vorsprung auf dem begehrten zweiten Platz.
Die besten Bayern waren "Robbery", wobei man den Eindruck hatte, dass Arjen Robben den HSV im Alleingang zerlegte. Fantastisch was der Niederländer da zeigte, sein Adrenalin und Siegeswille war bis unters Stadiondach zu riechen. Auch Philipp Lahm zeigte sich irgendwie munterer und angriffslustiger als in den letzten Wochen. Schweinsteiger blieb über weite Strecken blass und Gomez manchmal etwas zu umständlich, aber immer brandgefährlich. Die Variabilität von "Robbery" war der Matchwinner - beide wechselten die Seiten, gingen auch mal in die Mitte und machten somit ihr Spiel weniger vorausschaubar als üblich. Die Chancenverwertung war exzellent.
Für das Rückspiel gegen Inter am Dienstag war der Kantersieg zwar enorm wichtig, darf aber über unsere Schwachpunkte nicht hinwegtäuschen - Inter ist ein anderes Kaliber als der HSV.
FernglasFCB tippte 2:0 (Ergebnis 6:0)
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