Die Wertschätzung der Bayern-Fans ihrem (ehemaligen) Kapitän gegenüber trage ich uneingeschränkt mit. Der "Typ" Mark van Bommel wird dem Klub fehlen - keine Frage. Aber jetzt von "Flucht vor van Gaal" zu sprechen, wie es der Boulevard beharrlich tut, was von nicht wenigen Anhängern mühelos adaptiert wird, wirft ein falsches Licht auf die Personalie und vor allem auf Trainer van Gaal. Dahinter steckt vermutlich auch Absicht. Unruhe bringt bekanntlich Schlagzeilen.
Mark van Bommel war kein Perspektivspieler mehr, sein Leistungsniveau in letzter Zeit nahm deutlich ab. Einen weiteren Vertrag (so es überhaupt einen gegeben hätte), wäre nicht über eine weitere Saison hinausgegangen - des Alters wegen. Für die Spielposition des Mark van Bommel stehen ausreichend Alternativen zur Verfügung - allesamt jung, höchst talentiert und zumindest bundesweit sehr begehrt. Van Bommel, der nie müde wurde zu betonen, dass er sich jedem Konkurrenzkampf stellt, tut aber genau dies eben nicht mehr. Wenn er vor etwas flüchtet, dann eben vor dem Platz auf der Bank - und vermutlich ahnt er auch, dass es anders gar nicht kommen kann. Er weiß, dass es keine Stammplatzgarantie im Profifußball geben kann, profitierte aber von van Gaals Philosophie "mein Kapitän spielt immer" - dies kann selbst ein Trainer wie Louis van Gaal auf Dauer nicht aufrechterhalten - nicht bei einem 34-jährigen Fußballprofi.
Hier von Demontage des Kapitäns durch seinen Trainer zu sprechen, missachtet alle Gesetzmäßigkeiten professionellen Sports - wir sind hier schließlich nicht in Bullerbü.
Van Bommels Schritt ist konsequent, er erkennt die Situation und geht. Der Leader verlässt das Rudel und macht Platz für einen neuen - einen jüngeren. Aber auch Louis van Gaal lebt im Diesseits und nicht im Wolkenkuckucksheim - handelt konsequent und logisch. Er ist nicht nur für das hier und heute zuständig, er ist auch für die Persepektive und Zukunft des Teams verantwortlich - und die findet nun einmal ohne Mark van Bommel statt. Bei aller Sympathie und Verbundenheit für und zu van Bommel, das ist das Profigeschäft. Es ehrt ihn umso mehr, dass er sich jetzt nicht zu medialen Rundumschlägen herausfordern lässt - aber etwas anderes hätte ich von ihm auch nicht erwartet. So verhält sich ein Profi.
Die Frage, die sich jetzt stellt: Wird Philipp Lahm - wie allseits erwartet - neuer Kapitän? Für mich persönlich gibt es da durchaus erheblichen Diskussionsbedarf. Ich halte es da ganz mit van Bommel, der für Schweinsteiger plädiert und sagt:
"Ich schätze Bastian als großen Spieler und Menschen, der sich um die Jungs kümmert. Das bekommt die Öffentlichkeit nur nicht mit. Basti macht das sehr gut, aber unauffällig. Er bringt alles mit, um ein perfekter Kapitän zu sein. Er wäre meine Wahl, aber entscheiden muss der Trainer."
Letztlich kann es immer nur einen geben - und entscheiden wird das der Trainer: Louis van Gaal.

5 Kommentare:
Bravo! Besser kann man es kaum formulieren. Wo muß ich unterschreiben?
Du bist der erste, der dieses Thema ohne übermäßigen Pathos, aber mit der nötigen Wertschätzung behandelt ohne dabei den Boden der Realität zu verlassen. Leider hat das bis dato keiner der von mir gelesenen Artikel von sogenannten Sportjournalisten geschafft.
Gerade vor 5 Minuten hab' ich den Kommentar von Thomas Garber bei Spox gelesen und bin aus dem Kopfschütteln nicht rausgekommen. Viele Fans (Garber eingeschlossen) denken offenbar primär an die Zeit die einmal war, wenn sie van Bommel für unverzichtbar, für den unumstrittenen Leader etc. halten. Diese Saison hat gezeigt dass er beides nicht mehr ist.
Er hat großes vollbracht beim FCB und war ein wichtiger Typ für uns. Was hinter seinem Abschied außer der sportlichen Perspektive noch steckt kann man nur vermuten - das bringt aber nichts. Wichtig ist es für beide Seiten nach vorne zu blicken. Wir dürften auf der Position erst mal gut besetzt sein und van Bommel hat einen guten Verein gefunden.
Im Allgemeinen würde man wohl von einer Win-Win-Situation sprechen.
Danke. Ja, win-win-Situation - genau das ist es.
Toller Beitrag allemal mit einer schönen schlüssigen Argumentation. Wenn man Deine Einschätzung zu van Bommel teilt. Da kann ich Dir, was seine sportliche Perspektive betrifft leider nicht zustimmen. Ich vertrete vielmehr die Auffassung, dass der Spieler van Bommel auf dem Platz für uns nach wie vor sehr wichtig gewesen wäre. Beispiel: Der Rückrundenauftakt in Wolfsburg, da war er imho unser bester Mann. Ich weiß, es gab viele Stimmen, die das genau andersrum gesehen haben. Schaut euch das Spiel sofern möglich noch einmal genau an. ;-)
Zur Kapitänsfrage:
Ich persönlich halte nichts von Lahm als Kapitän, weil er imho einfach nicht die Eigenschaften für dieses Amt besitzt. Weder beim FCB noch in der N11. Meine Meinung.
ABER: Im Moment stellt sich für mich die Kapitänsfrage eigentlich nicht. Van Gaal wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, Lahm als bisherigem Stellvertreter von van Bommel JETZT die Binde zu entziehen. Das würde die nächste mediale Lawine auslösen und das sollte tunlichst vermieden werden. Im Sommer sollte die Frage dann allerdings neu gestellt werden. Ist er nur noch einer da, der m.E. die persönlichen Eigenschaften dafür mitbringt und der trägt das Trikot mit der Nummer 31.
Spielt meiner Meinung nach absolut keine Rolle unter welchem Kapitän unsere Nr. 31 der Chef auf dem Platz ist...der Lahm machts jetzt erstmal bis zum Ende der Saison, alles andere wäre wirklich grober Unfug und bringt wie Helmi richtigerweise feststellt nur noch mehr Unruhe in den Laden.
Sehr schön geschriebener Artikel :)
Sehr guter Beitrag!
Van Bommel wäscht nicht wirlich schmutzige Wäsche, aber zwischen den Zeilen kommt schon durch, dass es mit dem Trainer zu einer Art Verwürfnis kam. Ich hoffe, dass es nichts mit van Gaals Art und Weise zu tun hat, sondern lediglich damit, dass van Gaal im verdeutlicht hat, dass es auf dem Platz bessere Leute gibt.
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