Zwanzig Minuten lang probierte Werder mit wehenden Fahnen den FC Bayern zu erledigen, am Ende aber sahen wir wieder die Bayern so wie man sie kennt - geduldig, eiskalt, siegreich. So viel Laufbereitschaft und Aggressivität hatte man bei den Hansestädtern wohl schon seit längerem nicht mehr gesehen, aber es ging ja auch gegen den FCB.
In der ersten Spielminute scheitert Clemens Fritz an Kraft, der mit einem tollen Reflex den Schuss des Bremers abwehren konnte. Die Gastgeber legten los wie die Feuerwehr. Die zweite Möglichkeit der Bremer dann nach einer Viertelstunde durch einen Kopfball von Silvestre, der aber am Tor vorbeigeht. Kurz danach ein satter Schuss von Ottl, den Bremens Schlussmann gerade noch über die Latte lenken kann. Dann kam Mario Gomez noch zwei Mal zum Zug, scheiterte mit einem Drehschuss wieder an Wiese und köpfte nach Robben-Freistoß am Tor vorbei. Die Bremer waren in der ersten Halbzeit feldüberlegen, aggressiver und mit mehr Zug zum Tor. Die Gäste aus München mit Problemen im Aufbauspiel, vorwiegend mit Defensivaufgaben beschäftigt.
Nach der Pause gingen die Bremer dann durch Per Mertesacker in der 47. Minute in Führung. Komisches Tor, Kraft sah nicht wirklich gut dabei aus. Die Bremer schalteten nach der Führung einen Gang runter - nicht weil sie wollten, sondern weil sie mussten. Dem hohen Tempo des ersten Durchgangs zollten die Gastgeber nun Tribut. Die Bayern hingegen erhöhten ihre bis dahin zaghaften Angriffsbemühungen, setzten Werder mehr und mehr unter Druck, bis Arjen Robben nach einer Volley-Flanke von Pranjic den Ball ins Tor "sprang".
Goalgetter Mario Gomez gelang zwar kein Treffer, doch das 2:1 für die Roten war ihm zuzuschreiben. Fleißig wuselte er im Strafraum der Gastgeber rum, erkämpfte er sich den Ball und schoss dann scharf nach innen. Der Ball trifft Mertesacker am Schienbein und geht von dort ins Tor. Der Einsatz des Bayern-Stürmers in dieser Szene war symptomatisch für seine Leistung am Samstag: Immer gefährlich, steter Unruheherd und enorm fleißig.
Das 2:1 war der entscheidende Schlag, von dem sich Werder nicht mehr erholte. Bayern wurde immer giftiger, die Bremer krochen auf dem Zahnfleisch. Den Schlusspunkt setzte dann der eingewechselte Klose mit seinem ersten Bundesligatreffer gegen Werder nach Querpass Müller. Ja, der Müller - wieder relativ unauffällig im ersten Durchgang, startete er dann in Halbzeit zwei so richtig durch und verdiente sich eine gute Note. Robben hatte, abgesehen von seinem Treffer, keinen so guten Tag - und Schweinsteiger war der Verlierer im Bayern-Team. Stark Gelb-Rot gefährdet, wurd er dann ausgewechselt.
Aufreger
Kurz vor Ende machte Tim Wiese dann den Olli Kahn in seinen besten Zeiten: KungFu-Sprung gegen Müller, der sich jedoch nicht verletzte. Rote Karte für Wiese.
Angebliches Handspiel von Gustavo im Strafraum, was mir allerdings trotz mehrfacher Zeitlupenstudien verborgem blieb. Mag sein, dass es Handspiel war - ich sah immer nur den Ball gegen die Hüfte springen. Kompliment für die Sportkommentatoren, die das auf Anhieb haben sehen können!
Nach Schlusspfiff wollte dann Arjen Robben ein bißchen auf Kuschelkurs mit Thomas Müller gehen. Gallig waren sie, die Bayern - und das gefällt mir! Ein gutes Zeichen zum richtigen Zeitpunkt.
Fazit
Die Bayern kühl abwartend, aber auch hitzig wenns ans Eingemachte ging - souverän zum Ende hin, wenn beim Gegner die Kräfte nachlassen. Ein bißchen wie in guten alten Zeiten.
Sowohl gegen Lautern und Aachen, wie jetzt gegen Bremen, präsentieren sich die Bayern nicht schön, aber doch letztlich souverän. Der Gegner läuft sich müde und der FCB hat die Spieler, die im entscheidenden Moment Tore schießen und das Spiel entscheiden. Wichtige drei Punkte - ich bin vollendes zufrieden.
FernglasFCB tippte 0:2 (Ergebnis 1:3)

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