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Mittwoch, 31. März 2010

Die Schlacht gegen Manchester - Teil I



"Heute wurden wir auch ein Stück weit von unserem Publikum getragen. So eine Atmosphäre habe ich hier noch nicht erlebt, viele andere Spieler auch nicht"

[Mario Gómez]


"United have work to do in Manchester next week after a sickening dose of familiar medicine in Munich."

[Website Manchester United]

Barcelona '99 - das Thema ist unvermeidlich, wenn es gegen die United geht - wurde am gestrigen Abend natürlich desöfteren erwähnt - und was passte besser, als ein Siegtor in der Nachspielzeit. Ein gewisses Maß an Befriedigung dahingehend kann ich gar nicht abstreiten - aber wett macht es die Ereignisse von Nou Camp nicht (das kann ich sagen, denn ich war dabei). Dennoch war der Sieg gestern Abend ein glorreicher!

Das Tor von Wayne Rooney fiel genau zum richtigen Zeitpunkt - in der ersten Spielminute. Im ersten Moment dachte ich, "Oh Gott... nicht wieder so ein Desaster!", aber letztlich fiel mit dem Treffer jegliche Verkrampftheit von den Bayern ab. Es gab nichts mehr zu verlieren, jetzt hieß es Kampf mit offenen Visier. Und das machten sie großartig. Der Ball lief wie an der Schnur durch die eigenen Reihen, Manchesters Spieler kamen kaum zu einem geordneten Spielfluss. Mark van Bommel sprach nach der Partie davon "den Gegner kaputt gespielt zu haben" - und Recht hat er. Mehr Ballbesitz, eine extrem hohe Passquote, mehr Chancen, mehr Eckstöße.

Mit seiner Leistung gehörte der Kapitän zu den Besten auf dem Platz. Dani Pranjic, der in meinen Augen zu unrecht im Fanlager recht oft sein Fett weg bekommt, spielte in Halbzeit eins dynamisch und aggressiv nach vorne, feuerte den ein- oder anderen satten Fernschuss aufs Tor der Gäste ab. Man konnte sehen, warum van Gaal ihn nach München geholt hatte. Unnachahmlich Ivica Olic - der wuselte durch die englischen Abwehrreihen und sorgte dort für ein ziemliches Durcheinander. Von Franck Ribéry kam auch endlich die Reaktion, die wir von ihm sehen wollen. Obwohl er regelmäßig von zwei bis drei Gegenspielern attackiert wurde, machte er ordentlich Wind und zählte zu den Eckpfeilern des Sieges. Wirklich überrascht hat mich aber Hamit Altintop, der gestern wie an der Uhr aufgezogen den Arjen Robben machte. Unfassbar, mit welchem Tempo und spielerischen Klasse er für brandgefährliche Situationen sorgte. Warum nicht öfter, Hamit? Dann hätten wir das Pendant zu Arjen und eine großartige Alternative für Bayerns Besten. Etwas wacklig auf den Beinen wirkte Martin Demichelis - zwei Mal sah er richtig schlecht gegen Rooney aus (vor allem beim 0:1), doch unterm Strich machte er ein ordentliches Spiel. Man darf nicht vergessen, dass Wayne Rooney der wohl derzeit beste Stürmer auf Gottes Erdball ist. So einen kann man nicht komplett aus dem Spiel nehmen. Von Philipp Lahm hätte ich mir hin und wieder mehr Mut gewünscht in die Mitte zu ziehen und den Abschluss zu suchen (wohlmöglich kann er das nur von der linken Seite). Seine Flanken landeten recht oft im Nirgendwo. Unterm Strich stand unsere Defensive aber weitestgehend sicher. Einzig Müller spielte gestern für meinen Geschmack etwas blass. Man spürt, dass ihm die Saison jetzt an die Substanz geht.

Wie sehr Manchester hinten rein gedrängt wurde, macht van Buytens häufige Anwesenheit vor deren Strafraum deutlich. Bayern wollte siegen - und ab der 50. Minute hatte man immer das Gefühl, da kann noch ein Tor für den FCB fallen. Mit einem phantastischen Kampfgeist und einer großartigen Moral startete die Mannschaft Angriffswelle auf Angriffswelle. Das 1:1 - der Freistoß von Ribéry - war glücklich abgefälscht von Rooney, aber hochverdient. Doch danach hörten die Bayern keineswegs auf, riskierten alles und spielten bis zum Ende auf Sieg. So kenn' ich sie aus früheren Zeiten - nie aufgeben, immer weiter! Olli Kahn, der wie ich auf eine Niederlage tippte, hätte seine wahre Freude daran gehabt.
Der eingewechselte Mario Gómez tankte sich durch, vorbei an drei, vier United-Spielern, der Ball landet beim hellwachen Olic und der wartet ab, wohin Edwin van der Sar springt - 2:1 in der 92. Minute! Wahnsinn! Die erste Schlacht gegen Manchester ist geschlagen - und die Voraussetzungen für das Rückspiel am Mittwoch kommender Woche sind nicht die schlechtesten. Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben werden wieder zur Verfügung stehen.

Wir haben gestern gegen eine der besten Vereinsmannschaften im Profifußball gewonnen - trotz aller Belastung, trotz des hohen Drucks und trotz der fehlenden Spieler Schweinsteiger und Robben. Dennoch gilt es beim Rückspiel in Manchester erneut alles abzurufen - Die United kann es besser.
Was in der Arena stimmungsmäßig möglich ist, das hat das Münchner Publikum gestern eindrucksvoll und lautstark bewiesen. Schade, dass dazu immer Gegner wie Barcelona oder Manchester nötig sind.
Das war großes Kino, meine Herren - bitte am Samstag auf Schalke nochmal auf so einem Niveau. Ich bin stolz auf dieses Team!



Das Interview von Max-Jacob Ost zum Spiel und zu den Bayern
mit Kai alias "Probek" und mir
heute
in der Blogschau bei spox.com

Dienstag, 30. März 2010

Für heute Abend


... hoffe ich, nicht einzuschlafen, weil die unvermeidliche Kombination aus Schmerzmitteln und Antibiotika meine Augenlider schwer wie zwei van Buytens werden lässt.

... hoffe ich, dass eine geschlossene Mannschaftsleistung bei 100 Prozent Einsatz dafür sorgen wird, dass sich ganz Europa die Augen reiben wird.

... hoffe ich, dass wir einen Arjen Robben sehen können, der fit ist und das Spiel seines Lebens macht (was ihn so "beflügelt", dass er am Samstag gegen Schalke das Spiel seines Lebens macht).

... hoffe ich, dass Miroslav Klose aus seinem Dornröschenschlaf aufwacht und Tore schießt.

... hoffe ich, dass es unserer Abwehr gelingt, Wayne Rooney zum harmlosen Statisten zu degradieren.

... hoffe ich, dass die Mannschaft eine gute Ausgangsposition schafft, um nächste Woche mit einem guten Gefühl ins Theatre of Dreams nach Manchester fahren zu können.

... hoffe ich, dass sich niemand unserer Jungs verletzt und beim Spiel gegen Schalke dabei sein kann.

... hoffe ich, dass Franck Ribéry zeigt, wie wichtig ihm das Weiterkommen in der Champions League ist.

... hoffe ich, dass sechzigtausend Bayern zufrieden, nein - glücklich das Stadion verlassen.

... hoffe ich, dass ich ein Spiel sehe, dass mich die höllischen Schmerzen beim Schlucken für 90 Minuten vergessen lässt.

Sonntag, 28. März 2010

Ich hab 'nen Hals

Was für ein gebrauchtes Wochenende - ich hab einen dicken Hals (ganz wirklich!), der mich vielleicht drei Stunden hat schlafen lassen. Und jetzt geht es an einem Sonntag zum Notdienst ins Krankenhaus. Der Blick auf die Tabelle sorgte für zusätzliche Übelkeit.

Am Dienstag gegen Manchester spielt der FCB vermutlich ohne Arjen Robben - und, wie ich in diversen Blogkommentaren lese, ist auch Schweinsteigers Einsatz fraglich (weiß da jemand mehr?).
Ich war ohnehin nicht sonderlich optimistisch, was das Viertelfinale gegen Rooney & Co. angeht - aber ohne diese zwei Spieler wird es nahezu unmöglich etwas zu reißen.

Übrigens, vor 25 Jahren hatte der FC Bayern in der zweiten März-Hälfte eine ähnlich anstrengende Konstellation von Pflichtspielen zu bestreiten. Fünf Spiele innerhalb von 15 Tagen.
Die "englischen Wochen" begannen mit dem VfB Stuttgart - Bayern siegte mit 3:0 im heimischen Olympiastadion. Danach folgten Bundesliga-Partien bei Waldhof Mannheim (0:0) und gegen Fortuna Düsseldorf (6:0). Im Rückspiel des Viertelfinales im Europapokal der Pokalsieger gewann man beim AS Rom mit 2:1. Im Viertelfinale des DFB-Pokals siegte der FCB anschließend bei Bayer Leverkusen unter der Woche mit 3:1 (ich sag nur: "rot-weiß gestreifte Trikots", wie es sie im Mai 2010 wieder geben wird). Kurzum: die damaligen Wochen der Wahrheit verliefen sehr zufriedenstellend. Am Ende wurde der FC Bayern Deutscher Meister und Bayer 05 Uerdingen Pokalsieger. Im Europacup der Cupsieger verlor Bayern beim FC Everton, dem späteren Sieger dieses Wettbewerbs, im Halbfinale mit 3:1 (Hinspiel 0:0).

Hier besteht zwar kein Zusammenhang, aus dem man irgendwelche Prognosen ableiten könnte, aber ich wollte es mal loswerden.

Die Meisterschaft hingegen, habe ich noch nicht abgehakt. Es sind noch ein paar Spieltage zu spielen - und allein die Vorstellung, am letzten Spieltag den Schalkern wieder die Schale zu entreißen. finde ich extrem reizvoll. Dazu müssen wir in G'kirchen zumindest punkten und Bayer 04 wegbügeln. Problematisch auch hier: unsere personelle Situation.
Louis van Gaal wollte am Samstag zu viel und hat m. E. einen Fehler gemacht. Geschenkt, denn viele sind ihm davon bislang nicht unterlaufen. Felix Magath zeigt seit einigen Tagen deutlich, wie angespannt sein Nervenkostüm ist, und Leverkusens Coach scheint schon die Flinte ins Korn geworfen zu haben. Der Dreikampf hinterlässt Spuren - und wird bis zum Ende spannend bleiben, auch wenn diverse Kommentatoren S04 gestern schon verbal zum Meister kürten. Abwarten, Freunde...


Mein Tipp für Dienstag: Bayern 0, Manchester 2


Samstag, 27. März 2010

Die Leverkusener Krankheit


Seit Wochen läuft es nicht in der Bundesliga - nach und nach vergeben wir Punkt um Punkt, lassen die Konkurrenten wieder herankommen und straucheln als Tabellenführer. Unverständlich - zumal die rot-weißen Protagonisten nicht müde werden, ständig vom "ehrlichen Titel" und wichtigstem Ziel der Saison zu reden: der Meisterschaft. Was in der Champions League und im Pokal gelingt, klappt so gar nicht in der Liga. Verstehe ich nicht.

Die erste Hälfte war - scheisse - ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein. In der 24. Minute kommt Khedira in der Mitte völlig frei zum Schuss, Butt wehrt zur Seite ab. Keiner in der Mitte bei Khedira. Dann kam plötzlich was über die Flügel, die der FCB bis dahin auf der Bank sitzen hatte. Pranjic auf van Buyten - Lehmann gerade noch dazwischen (28.). Vier Minuten später wieder Pranjic über die linke Seite mit scharfer Flanke auf Olic, der macht das Ding! 1:0 für Bayern. Die verwundbare Seite der Stuttgarter war aufgedeckt.

Die Bayern mit vielen Ungenauigkeiten, so wie Schweinsteiger in den Lauf von Marica spielte, der aber am Bayern-Tor vorbei schoss. Müller machte kein gutes Spiel, Klose war wie gegen Schalke nicht zu sehen. In der 41. Minute ist es dann Träsch, der völlig unbedrängt in der Mitte zum Schuss kommt - Badstuber fälscht unglücklich ab, Ausgleich! Die verwundbare Stelle der Bayern war die Mitte vor dem Strafraum. Niemand, der sich für die angreifenden Stuttgarter, wahlweise Gebhardt, Hleb, Marica oder eben Träsch zuständig fühlte.

Die zweite Hälfte dann mit Ribéry und Robben von Beginn an. Ribéry auf links hab ich verstanden, war doch die Stuttgarter Abwehr dort so gar nicht im Spiel. Dass aber ein angeschlagener Arjen Robben auch für 45 Minuten aufs Feld geschickt wurde ... na ja - zumindest mutig.
Robben belebte zwar das Spiel, aber die größte Baustelle des FC Bayern war nicht behoben. Hier hätte Tymoschtshuk uns sicher gut getan und etwas Stabilität ins Spiel gebracht. Kuzmanovic völlig allein in der Mitte wieder auf Gebhardt (49.) - ohje! Flanke von der Seite durch Cacao - und die nutzen die Stuttgarter dann durch Marica zum Ausgleich.
Vier Minuten später wieder eine Möglichkeit für die Gäste durch Cacao (wieder durch die Mitte). In der 60. wieder Gebhardt, wieder durch die Mitte - gemerkt hat das aber irgendwie niemand beim FC Bayern.

Was man allerdings gut bemerken konnte war, dass Schiri Florian Meyer kein Bayern-Fan ist - dazu bedarf es auch keiner E-Mail, das konnte jeder anhand seiner Entscheidungen sehen (keine Angst, Beispiele dafür habe ich mir sogar allesamt aufgeschrieben).

Die Bayern zu ungefährlich - zum Ende hin richtig fahrig und in der Defensive arg anfällig. Unsere beiden Sechser machten kein gutes Spiel. Contento nach hinten ganz ordentlich, nach vorn mit viel zu vielen schlechten Zuspielen. Und Klose... Miro Klose? Der Mann hatte gegen Schalke 120 Minuten Kuraufenthalt genossen und war der schlechteste Mann auf dem Platz. Unfassbar, wie langsam (körperlich wie geistig) und abwesend er agierte. Fünf Minuten vor Ende erhöhten die Bayern nochmals die Schlagzahl, aber alle Möglichkeiten verpufften irgendwie. Zu allem Überfluss brach dann Robbens Oberschenkelverletzung auf - was für das Spiel am Dienstag nichts Gutes bedeutet. War es das wert?

Stuttgart hat ein gutes Spiel gemacht, ja! - aber von einem FC Bayern München erwarte ich in so einer Situation einfach mehr. Das ist ja schon fast die Leverkusener Krankheit, die wir uns da vor Wochen eingefangen haben. So verspielt man alle Möglichkeiten auf den wichtigsten Titel der Saison.

Freitag, 26. März 2010

Zwischenspiel

Im Rahmen dieser "Wochen der Wahrheit" mutet das bevorstehende Liga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart als das "leichteste" an. Erst die Pokalschlacht auf Schalke, dann folgt am Dienstag das Hinspiel im CL-Viertelfinale gegen Manchester United, danach wieder auf dem Gelsenkirchener Acker und zum guten Schluss die Auswärtspartie bei der besten Heimmannschaft der Liga, Leverkusen. Und zwischendrin / also morgen: der VfB in der Münchner Arena.

Fakt ist aber, dass der VfB ein kleines Überraschungspaket ist - Spiele auf hohem Niveau wechseln sich mit Schlafwagenfußball ab. Die Saison ist für die Schwaben bereits abgehakt, irgendwo im Tabellenniemandsland. Doch den Bayern stellt jeder gern ein Bein.
Wir aber, wir brauchen diese drei Punkte - und zwar dringend! Allerdings werden unseren Jungs noch die 120 Minuten von Mittwoch in den Knochen stecken - und van Gaal wird auch die Dienstagspartie gegen Manchester im Auge haben. Mit personellen Überraschungen ist also zu rechnen, wenngleich das dünne Personaldeckchen so viel auch wieder nicht her gibt.

Schön wird's wohl nicht werden - allerdings ist Stuttgart auch keine Mauermannschaft. Ich rechne mit einem knappen Bayern-Sieg...

Mein Tipp: Bayern 2, Stuttgart 1


Donnerstag, 25. März 2010

Reaktionen

Felix Magath: „In der ersten Halbzeit haben wir unter unseren Möglichkeiten gespielt, haben aber in der zweiten Halbzeit ein sehr gutes Spiel gemacht. ??? Da hatten wir zu Beginn die Möglichkeiten, ein Tor zu machen und auch die eine oder andere Situation, die wir nicht gut zu Ende gespielt haben. Wir waren dem FC Bayern ebenbürtig.“ ???

Kevin Kuranyi: „Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gezeigt. ??? Wir haben von Anfang an Torchancen herausgearbeitet. ??? Leider hat am Ende ein Spieler, Arjen Robben, den Unterschied durch seine Einzelaktion ausgemacht. Wir haben geziegt, dass wir fit sind ??? und sollten das Positive herauszuholen, um die nächsten Spiele gut bestreiten zu können.“

Zum 17-ten Mal im Finale!


Es ging mit einem Fehler van Buytens los - wieder mal im Spielaufbau landete der Ball des Abwehrspielers beim Gegner und beschwor sofort höchste Gefahr herauf. Baumjohann scheiterte aber mit seinem Schuss an Torhüter Butt. Das war gleichzeitig die größte und für den Rest der ersten Hälfte einzige klare Torchance der Gastgeber.

Die Bayern antworteten ihrerseits mit einem Angriff, der Schalkes Abseitsformation ins Leere laufen ließ - Klose wie Olic liefen frei auf Schlussmann Neuer zu. Ivica Olic bekam den Ball nicht unter Kontrolle - Chance vertan. In der 10. Minute kam dann Arjen Robben zu einer Möglichkeit und dann folgte gegenseitiges Neutralisieren bis zum Pausentee.

Allerdings habe ich das Spiel längst nicht so schlecht erlebt wie der Kommentator - und erst recht nicht "sau-schlecht", wie Jogi Löw es im Halbzeitinterview bewertete. Schöner Fußball war das nicht, aber taktisch und kämpferisch trotzdem großer Sport.
Schalkes taktische Fouls in Halbzeit Eins habe ich irgendwann aufgegeben mitzuzählen - nahezu jede Bayern-Aktion wurde durch Haken, Treten, Schubsen, Zerren unterbunden. Gelbwürdig war kein einziges dieser "taktischen Mittel" - aber in der Masse hätte ich hier von Schiri Kircher doch ganz gerne die ein- oder andere Verwarnung per Karton gesehen. So auch als Olic kurz vor der Pause bei einem aussichtsreichen Angriff über Außen von den Beinen geholt wurde.
Welches Kraut das Gelsenkirchener Publikum allerdings geraucht hatte, als man lautstark "Schieber, Schieber!" durch die Arena grölte, wüsst ich wirklich gern?

Bis zur Pause die Bayern das aktivere, dominante und auch fußballerisch bessere Team. Bis auf kleine Unsicherheiten (van Buyten/Contento) stand die Abwehr gut - war aber auch wenig gefordert, da die beiden Sechser van Bommel und Schweinsteiger jeden Schalker Versuch nach vorn zu kommen, gnadenlos unterbinden konnten.

Nach der Pause legten die Königsblauen los wie die Feuerwehr. Erst Rakitic, (47.) dann Kuranyi (48.)- die Bayern zogen sich fahrlässig weit zurück und waren noch nicht wieder im Spiel angekommen. Der Druck der Schalker dauerte ungefähr 15 Minuten, danach waren die Bayern wieder Herr der Lage. In Minute 61 bekam dann Schweinsteiger für ein taktisches Foul die gelbe Karte - verdient zwar, aber umso bemerkenswerter, da ausgerechnet ein Bayern-Spieler die erste Karte des Spiels sah. Die Schalker hätten bis dato schon deren vier sehen müssen.

Das Spiel wurde zunehmend verkrampfter, was nicht zuletzt am katastrophalen Geläuf lag. Was haben die mit dem Rasen gemacht - war der nicht mal zur Pflege aus dem Stadion fahrbar? Unfassbar dieser Acker - umso bewundernswerter, dass die Bayern hier und da tatsächlich hübsche Kombinationen hinbekamen. Ingesamt aber ließen diese Verhältnisse nicht viel Gelungenes zu. In der 73. Minute dann die Bayern mit einer schönen Kombination von Müller und dem mittlerweile für Olic eingewechselten Ribéry - der gut aufgelegte Manuel Neuer hatte damit allerdings keine größeren Schwierigkeiten. Ab der 80. Minute legten die Bayern dann eine Schüppe drauf, aber letztlich blieben die 90 Minuten torlos.

Verlängerung - und beiden Teams merkte man an, dass der Boden und der Stellungskampf im Mittelfeld arg an die Reserven ging. Eine Möglichkeit für Klose, dann noch mal Rakitic auf der anderen Seite - und dann kam in Minute 112. Arjen Robben...

Robben hatte es fast immer mit drei Gegenspielern zu tun und fand erst nach und nach etwas besser ins Spiel. Man hatte den Eindruck, dass der Niederländer mit zunehmender Spielzeit eher den Akku auflud - im Gegensatz zu den meisten anderen Spielern auf dem Platz. Die diversen Versuche auf Robben-Art über die Seite in die Mitte vorzustoßen und dann den Abschluss zu suchen, scheiterten durchgängig. Dazu brauchte es einen herausragenden Westermann und im Wechsel zwei bis zu drei Gegenspieler, die Robben dann stellten. In Spielminute 112. aber, ließ man den Außenstürmer gewähren. Der lief plötzlich - nach Abschlag Butt - mit dem Ball über Dreiviertel des Spielfelds, tanzte drei Schalker aus (Westermann grätschte ins Leere) zog nach innen und schoss über Neuers Fingerspitzen ins Tor - unhaltbar! Die Entscheidung war gefallen.
Ribéry hatte anschließend noch zwei gute Möglichkeiten, die er beide nicht verwertete. Schalke war raus - die Bayern auf dem Weg nach Berlin!

Neun direkte Pokal-Duelle hat es mit dem FC Schalke gegeben - acht davon haben wir gewonnen. Bayern steht zum 17-mal im Finale des DFB-Pokals.

Der Fußball-Ästhet wird es dem FCB danken - so wird das Endspiel wenigstens ein ansehnliches. Es spielen zwei Mannschaften gegeneinander, die schönen Fußball zelebrieren können - ganz ohne Taktik-Fouls in Serie.


Hier noch mal der Live-Ticker von Lizas Welt zum Nachlesen (lohnt sich!)

Montag, 22. März 2010

Am Mittwoch will ich was sehen

Außer den Toren in der Zusammenfassung habe ich vom Elend am Samstag nichts gesehen. Auf dem Weg ans Meer durfte ich dann im Radio immer mal wieder hören, wie unterlegen der FCB in Frankfurt gespielt haben muss (na ja, Radiokommentatoren sind mit Vorsicht zu genießen).

So wirklich überraschend kommt das ja nun auch nicht - die Tendenz geht schon seit drei Spielen in der Liga in Richtung Niederlage - nun war's halt soweit.

Nehmen wir's positiv - vielleicht war es der Warnschuss zur rechten Zeit! Pünktlich vor dem Schalke-Spiel am Mittwoch. Hier ist also Wiedergutmachung angesagt. Sollte das scheitern, dann könnte im schlimmsten Falle der FC Bayern auf dem Weg sein, sich so nach und nach die Titelchancen (noch sind's ja drei an der Zahl) zu verspielen.
Dass die Konkurrenz die Steilvorlage am Samstag bzw. am Sonntag nicht hat nutzen können, ist trügerisch. So langsam aber sicher sollte van Gaals Truppe mal wieder in Tritt kommen! Immerhin stehen entscheidende Wochen an. Der FCB macht derzeit recht großzügige Geschenke - irgendwann werden sie dankend angenommen.

Am Mittwoch wird man gegen Schalke 04 sehen, wo wir wirklich stehen. Ein Halbfinale darf niemand auf die leichte Schulter nehmen, schon gar nicht auswärts, schon gar nicht gegen eine defensiv starke Mannschaft wie es Schalke derzeit ist. Dazu kommt, dass wir uns in der Abwehr jetzt langsam mal zusammenreißen müssen. Schalkes Effizienz in persona Kuranyi sollte Warnung genug sein. Ich will am Mittwoch alles sehen, was uns auszeichnet. Ich will am Mittwoch ein Team sehen, dass ich ordentlich den Hintern aufreißt. Ich will in diesem Halbfinalspiel endlich wieder die Stärken des FC Bayern sehen.


Mein Tipp: Schalke 2, Bayern 3 (n. V.)


Samstag, 20. März 2010

Manchester kommt zu früh

Zwei Siege, vier Unentschieden und eine Niederlage (ja, genau die!) - so sieht die bisherige Champions League-Bilanz des FCB gegen Manchester United aus. Ein Angstgegner ist die United für uns also nicht - und dennoch das vermeindlich zweitschwerste Los im Topf der Viertelfinalisten. Meine erste Reaktion war: "Okay, das wars. Endstation Viertelfinale."

Jetzt habe ich eine Nacht drüber geschlafen und sehe das Los deutlich entspannter. Denn: Jeder Gegner ist ab dieser Stufe des Wettbewerbs ein schwerer. Da ist es egal, ob man gegen Moskau oder Inter spielen muss - oder, wie in unserem Fall, gegen Manchester. Zumindest haben wir einen Gegner zugelost bekommen, der uns nominell nicht in Sicherheit wiegt. Wer weiß, wie das gegen Moskau ausgesehen hätte? Und auch die Franzosen wären extrem schwierig zu spielen gewesen, wie wir bereits in der Gruppenphase spüren konnten.

Manchester ist ein sehr offensiv ausgerichtetes Team. Eine Tatsache, die unserer Spielweise entgegen kommt. Unsere Flügelzange wird die Räume bekommen, die sie braucht. Punkt für uns. So weit so gut - allerdings hat der englische Tabellenführer einen Wayne Rooney in den eigenen Reihen, den man wohl zur Zeit als den besten Stürmer auf dem Kontinent bezeichnen darf. Hier liegt meiner Meinung nach auch unser größtes Manko - auf der einen Seite ein Stürmer, der derzeit in der Form seines Lebens spielt und auf der anderen Seite, eine sehr anfällige Abwehr - nämlich unsere. Definitiv ein Punkt für die Tommys.

Den 1:1-Vergleich kann man so bewerten - muss man aber auch nicht. Ich persönlich sehe es etwas ausgeglichener, wenngleich unseren Youngsters etwas mehr an Erfahrung fehlt.

Zeitlich liegt das alles entscheidende Rückspiel für uns genau zwischen den Auswärtsbegegnungen auf Schlacke und in Leverkusen - also drei Hammerspiele in einer Woche! Bei unserem doch recht dünnen Kader eher ein Nachteil. Manchester muss vor dem Rückspiel gegen Chelsea zuhause ran. Bestenfalls haben sie dann gegen uns schwere Beine.

Die Konstellation zunächst zuhause spielen zu müssen und das Rückspiel dann beim Gegner, spricht auch nicht gerade für den FC Bayern. Trotz alledem: Zwei Abende mit 100 Prozent - und wir können es auch gegen Manchester packen. Ich freue mich auf diese beiden Spiele, die zudem beide im free-TV (sat1) übertragen werden. Doch viel Geld auf Bayern wetten würde ich nicht. Ich glaube, wir sind dieses Jahr einfach noch nicht so weit - aber ich lass ich mich auch gerne überraschen.

Freitag, 19. März 2010

Auslosung Champions League Viertelfinale (Saison 2009/2010)



Viertelfinale
(30./31. März 2010 Hinspiel - 6./7. April 2010 Rückspiel)


Bayern München vs Manchester United

Olympique Lyon vs Girondins Bordeaux

Inter Mailand vs ZSKA Moskau

FC Arsenal vs FC Barcelona



Halbfinale (20./21. April Hinspiel - 27./28. April 2010 Rückspiel)

Sieger Bayern / Manchester vs Sieger Lyon / Bordeaux

Sieger Arsenal / Barca vs Sieger Inter / Moskau

Donnerstag, 18. März 2010

Der Frühling kommt ... und die Bayern - nach Frankfurt

Am Samstag beginnt der Frühling. Am Samstag tritt der FCB bei der Eintracht in Frankfurt an. Ganz Nordhessen wird uns vermutlich die Daumen drücken, so beliebt wie die Eintracht im eigenen Bundesland ist. "Als ob wir das nötig hätten" wird der geneigte Leser jetzt vor sich hin flüstern, doch obacht - die Tendenz geht nach unten. Die letzten Spiele der Bayern wurden in der Liga sukzessive schlechter. Der grauenhafte Höhepunkt waren die ersten 60 Minuten gegen den SC Freiburg. Ein schlechtes Omen? Möglich. Für die SGE ist das natürlich das Spiel des Jahres und das setzt bekanntermaßen Kräfte frei. Das alleine aber dürfte wohl kaum reichen, da müssten die Bayern schon mithelfen. Und genau das haben sie sowohl in Köln als auch gegen Freiburg getan.

Am kommenden Wochenende darf sich die Konkurrenz mit Dortmund und Hamburg jeweils auswärts messen. Das könnte (!) uns entgegen kommen - in jedem Fall aber müssen die ersten Drei jetzt Woche für Woche zeigen, wer die dicksten Eier hat. Schwächeln kann da fatale Auswirkungen haben. Viel interessanter aber ist Spieltag Nummer 28, eine Woche später. Da treffen dann Leverkusen und Schalke aufeinander und irgendwer - oder beide - nehmen dem anderen wichtige Punkte weg. Bayern darf zuhause gegen Stuttgart ran - kein leichtes Unterfangen, aber sicher machbar. Im Kern heißt das, Frankfurt und Stuttgart - es folgen nun die Wochen der Wahrheit (nicht zu vergessen das DFB-Pokalhalbfinale bei Scheisse 04 unter der Woche). Drei Siege und wir sind nah am siebten Himmel - stünden im Pokalfinale und hätten unseren Vorsprung an der Tabellenspitze ausgebaut. Dazu ist ein Sieg bei Eintracht Frankfurt oberstes Gebot. Reißt's eich also zam! Damit das unser Frühling wird.

Mein Tipp: Frankfurt 0, Bayern 3

Mittwoch, 17. März 2010

Ein weiteres Jahr van Bommel

Er hat verlängert - bis 30. Juni 2011.

Die Reflexe sind immer die gleichen

"Eisenstangen" die in Wahrheit Fahnenstangen aus Hartplastik sind - "Chaoten", die gar keine Fans sein sollen - restriktive Maßnahmen wie Zäune und Sitzplätze im ganzen Stadion - das sind die üblichen Mechanismen und plakativen Reaktionen, die nach Vorfällen wie denen in Berlin und anderswo greifen sollen und hier und dort abgesondert werden. Mit der eigentlichen Problematik hat das alles nichts zu tun.
Wie schon in den Achtzigern, als die Hooliganszene hierzulande den Höhepunkt ihres Daseins hatte, weiß man sich nicht anders zu helfen, als die immer gleichen Reflexe zu bedienen.
Nichts dazugelernt könnte man auch sagen - und dabei ist das Phänomen der Gewalt beim Fußball doch so neu nun wirklich nicht.

Fußball ist eine Massensportart - also ein Sport, der Massen für sich vereinnahmt und anlockt. Und unter Vielen gibt es eben auch jene, die ein bisschen mehr wollen als nur zuschauen. Diese Leute sind Fans - ob man den Begriff nun für adäquat hält oder nicht - sie sind es einfach. Sie sind ein Teil der Fankultur, wenngleich man auf diesen - sobald Gewalt ins Spiel kommt - gerne verzichten würde. Auch Hooligans waren immer Teil dieser Fußball-Fankultur - Leute, die den Fußball und ihren Verein lieben, wenngleich sie den Sport und die Vereine durch ihr Handeln in Misskredit bringen und für andere Gefahren heraufbeschwören.

Natürlich ist die Motivlage bei diesen Leuten nicht nur darin zu finden, dass der Gegner bzw. dessen Anhang negative und in deren Folge auch aggressive Reaktionen hervorruft. Man hat Spaß an der Action, dem Adrenalinkick und viele sind zweifelsohne auch in einem gewissen Maße in ihrem richtigen Leben frustriert. Diese Leute suchen meist einen Rahmen - suchen eine Ordnung, die viele in der Gesellschaft entweder nicht finden oder nicht mehr akzeptieren. Ganz unabhängig vom sozialen Status, suchen Menschen die Solidarität innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter. Hier herrscht Klarheit - es gibt Regularien, die man akzeptiert - es gibt Symbole, es gibt Rituale und es gibt eine Struktur, innerhalb derer man seinen Platz kennt. Innerhalb solcher Gruppen gibt es Vorbilder, Anerkennung und Akzeptanz. Eine verschworene Gemeinschaft, in der einer für den anderen einsteht. Eine Gesellschaft wie unsere, die zunehmend den Individualismus propagiert, bietet das immer weniger.

Junge Menschen suchen nach Orientierung. Aber welche Orientierung bietet unsere Gesellschaft heute? Wenn Du reich und berühmt wirst, hast Du es geschafft - aber wer schafft das schon?! Alles zielt auf materiellen Wohlstand ab, doch wohlhabend ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung - und dieser wird auch klein bleiben. Dass es auch andere Reichtümer im Leben gibt, das ertrinkt in der täglichen Flut Orwell'scher Werbemaßnahmen, der wir alle ausgesetzt sind. Ziele verlieren ihren Sinn, weil sie gar nicht zu realisieren sind. Die Vorbilder sind die falschen - Stars, die auf ihr Äußeres und ihr Hab und Gut reduziert werden. Nicht mal Leistung ist noch von Bedeutung, denn auch der Talentlose wird zunehmend perfekt vermarktet und über Nacht zum Sternchen. Die, die hart arbeiten - Tag für Tag - werden dagegen verspottet, weil unübersehbar ist, dass es ihnen nichts einbringt - und wenn doch, dann dauert es viel zu lange. Die Erde dreht sich heute aber schneller - wir alle sind im Geschwindigkeitsrausch, besessen von Ökonomisierung und Effizienz. Betrug im großen Stil zahlt sich meist aus - die Finanzkrise hat es uns eindrucksvoll vor Augen geführt. Wo ist da noch Platz für Werte oder das, was wir unter Moral verstehen?
Auf der Suche nach Zusammenhalt und einer Gruppe, die Werte wie Treue und Loyalität vertritt, findet sich gerade im Fußball allerorts eine solche Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft, mit ihren Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Sie ist überschaubar und verlässlich. Diese Gruppierungen bieten nahezu familiären Halt.

Gesellschaftliche Missstände sind der Ursprung gewalttätigen Verhaltens - das entschuldigt nichts, aber das erklärt das Problem. Das Problem ist nicht der Fußball, sind nicht Sicherheitsdefizite - über die man sicherlich diskutieren muss. Das Warum aber, das erklärt sich in gesellschaftlichen und somit auch politischen wie auch medialen Fehlentwicklungen. Und hier ist der Ansatzpunkt. Es ist nicht damit getan, Fußballanhänger wieder zu Vieh hinter Zäunen zu machen, zu entrechten und als Masse zu kriminalisieren. Diese Denke ist sehr bequem, aber zu einfach - vor allem aber löst sie nichts.

Man muss Vorfälle wie die in Berlin ernst nehmen - überhöhen darf man sie jedoch nicht. Vielleicht hatten wir alle nur Glück, dass nichts Schlimmeres passierte. Vielleicht war Schlimmeres gar nie beabsichtigt und die ganze Aktion harmloser als sie aussah. Unabhängig davon aber, sind die Ursachen für Gewalt im Rahmen von Fußballspielen zu beleuchten und daraus sind Schlüsse zu ziehen. Restriktive Bestrafung allein ist keine ausreichende Konsequenz. Das mag populär sein - ist letztlich aber Aktionismus, der allein für sich nirgends hin führt. Die zunehmende Entfremdung vom Volkssport Fußball wird so nur noch voran getrieben.
In England hat sich die Gewalt vom Umfeld des Fußballs in die Stadtviertel verlagert. Fußball ist auf der Insel nicht mehr Kulturgut für alle - er ist dort schlicht kaum mehr zu bezahlen. Die originären Probleme hat man aber damit nicht beseitigt, trotz harten Durchgreifens und präventiven Maßnahmen von Polizei und Justiz. Man hat das Übel nicht an der Wurzel gepackt und wird es auch hierzulande nicht tun, weil die Ursachen uns über den wahren Zustand unserer Gesellschaft ein erschreckendes Bild vermitteln würden. Dieses Bild will keiner sehen.

Umfrageergebnisse

Von August bis Dezember 2009 hat sozioland, das Meinungsportal der respondi AG, ligaübergreifend über 10.000 Fußballfans zu ihrem Lieblingssport befragt. Sympathische und unsympathische Vereine wurden gewählt, sowie Prognosen zum Gewinn des Meister-Titels abgegeben: Die Mehrheit der Befragten traut Bayern München den Gewinn der Meisterschale zu. Sympathischster Verein - abgesehen von der eigenen Lieblingsmannschaft - wurde Werder Bremen mit 27% der Stimmen. Am unsympathischsten wurde Bayern München eingestuft.


sozioland-Umfrage unter Fußballfans - die Ergebnisse der Studie findet Ihr hier (1. Bundesliga):

Dienstag, 16. März 2010

Die Auslosung naht

Es spielen noch ...


FC Sevilla vs ZSKA Moskau(16. März)


Chelsea vs Inter
(16. März, 20.45)


Bordeaux vs Olympiakos Piräus
(17. März)


Barca vs VfB Stuttgart
(17. März 20.45)



Für das Viertelfinale qualifiziert sind bislang:





Manchester United, Bayern München, Olympique Lyon, Arsenal London


Freitag, 19. März 2010
in Nyon, Schweiz:

Auslosung Viertelfinale Champions League



+++ UPDATE 2010-03-17 +++

Sieh an, sieh an. Chelsea und Sevilla sind ausgeschieden.

Moskau und Inter weiter.


Sonntag, 14. März 2010

Berlin: Einfach mal nicht eingreifen

Was ich da gestern kurz nach Spielschluss sehen musste, erinnerte an Südamerika, die italienische Liga oder - mit ein bißchen Phantasie - an Szenen aus englischen Stadien aus den Achtzigern, waren aber Bilder aus dem Berliner Olympiastadion 2010. So etwas habe ich in einem deutschen Stadion noch nicht gesehen.

Ich glaube, es ist nicht notwendig mich ausdrücklich dem Reigen derer anzuschließen, die ein solches Verhalten verurteilen. Das versteht sich wohl von selbst. Mein Eindruck war, dass diese Aktion eine geplante war. Aussagen in dieser Richtung hat es ja wohl auch vom Herthaner Fanbeauftragten im Vorfeld dieser Partie gegeben. Und da wundert mich dann doch das gar-nicht-Eingreifen des Ordnungspersonals (zu Anfang ja in großer Überzahl vorhanden aber nicht Willens den ein- oder anderen Bekloppten an dieser Aktion zu hindern, was dann dazu führte, dass sich der Rest einfach mal anschloss) bzw. dem nicht-Vorhandensein von Polizei auch Minuten nach Eindringen einiger Berliner Ultras in den Innenraum. Herr Preetz sprach dann allen Ernstes von "vorbildlich und deeskalierend", auch der DFB lobte das Verhalten der Sicherheitskräfte - Was bitte ist das für ein Sicherheitskonzept? Wir tun nichts, dann passiert hoffentlich auch nichts? Unfassbar diletanttisch. Ganz abgesehen davon hätte ich mir gewünscht, dass die umstehenden Fans diese Aktion zumindest versucht hätten zu verhindern. Das wäre mal ein Zeichen gewesen, das ich schon länger in unseren Stadien vermisse. Diese vermummten Penner machen unseren Sport kaputt - das muss jedem Fußballfan glasklar sein!

Ob nun Nürnberger Jubel (Herr Schäfers Feingefühl war wohl schon duschen) oder die Enttäuschung nach einer völlig überflüssigen Niederlage, die wohl den Abstieg der Hertha besiegelt - es gibt keine Rechtfertigung für so etwas.
Von 26 Festnahmen ist die Rede, was mich ja angesichts des sehr späten Eingreifens der Polizei wundert. Aber diese 26 Herren dürften im Leben kein deutsches Fußballstadion mehr betreten.
Wenn sich jetzt noch einer fragt, warum in München die Länge der Fahnenstöcke begrenzt ist, der hat seit gestern seine Antwort.

Fasching in München


In München feiert man Fasching. Fasching ist ungefähr ein Promille von dem, was wir hier im Rheinland unter Karneval verstehen. Und wie Fasching kam mir das gestrige Auftreten der Bayern gegen den SC Freiburg vor.

In der zweiten Minute scheiterte Olic mit einem Beinschuss an Freiburgs Keeper - und irgendwie erwartete ich einen Sturmlauf des Rekordmeisters, der a) die Tabellenführung zurückerobern und b) natürlich gegen einen Abstiegskandidaten drei Punkte einfahren wollte. Doch dann streifte die Bayern-Mannschaft ein Kostüm aus Harmlosigkeit, Ideenarmut und Hilflosigkeit über. Das war aber keineswegs die einzige Verkleidung an diesem Abend.

Was sich von der 5. bis zur 60. Minute in der Arena abspielte, kam mir vor wie der gespielte Witz oder eine besonders grausame Variante von "Verstehen Sie Spaß". Die Gäste erwartungsgemäß defensiv und gut gestaffelt, die Bayern mit verletzungs- und sperre bedingten personellen Umstellungen. Pranjic, Klose, Alaba und Olic im Aufgebot.
Bayern statisch, ohne Zug zum gegnerischen Tor, kaum Bewegung im Spiel nach vorne, schwach in den Zweikämpfen, mit zahlreichen Zuspielen ins Nichts oder Fehlpässen im Spielaufbau. Philipp Lahm streifte sein Kleidchen der Unsichtbarkeit erst in der 40. Minute ab, mit einer ersten Offensivaktion, die mit einer halbherzigen Flanke beim Gegner endete. Robben war ebenso wenig im Spiel, van Bommel mit Fehlpässen, van Buyten - mit fahrigen Aktionen - steckte mit seiner Unsicherheit die komplette Mannschaft an, Olic lief sich immer wieder fest und verlor jeden seiner wenigen Zweikämpfe, Klose hing völlig in der Luft. Einzig Dani Pranjic wirkte wenigstens motiviert und spielte relativ sicher. Bis zum Ende der ersten Hälfte hatte die Innenverteidigung der Freiburger so wenig Zweikämpfe zu bestreiten, wie sonst nur in deren Urlaubszeit - und das in München, und das beim Meisterschaftsaspiranten! Die Bayern spielten wie zu schlimmsten Zeiten in den Achtzigern, nur ohne Effizienz. Sie verlangsamten das Spiel, Rück- und Querpässe zuhauf, Standfußball.

Es war unfassbar, was sich auf dem Grün abspielte - für mich ebenso unfassbar, dass das Münchner Publikum sich in Geduld übte und nicht bereits Mitte des ersten Durchgangs das Team mit einem gellenden Pfeifkonzert bedachte. In der 26. Minute kam dann Klose im Strafraum zu Fall - allerdings hatte Torhüter Pouplin vorher den Ball berührt, kein Elfmeter. Eine Minute später nochmal Klose mit einer Chance, der Ball geht neben das Tor. Es kam was kommen musste, Freiburg bis dato ohne echte Torchance und vorwiegend auf Spielverhinderung aus, trifft beim ersten ernst zu nehmenden Angriff durch einen Schuss aus der zweiten Reihe ins Bayern-Tor. Alaba hatte seine Position verlassen und wollte in der Mitte aushelfen, dadurch war rechts alles frei, der Ball wurde wieder zurück in die Mitte gespielt, wo Makiadi stand und den Ball ins Tor drosch. Das Tor der Freiburger deutete sich bereits an, wurden sie doch mit zunehmender Dauer des Spiels auch mutiger im Spiel nach vorne.

Die zweite Hälfte begann wie der erste geendet hatte, Bayern einfallslos und die Gäste aus dem Breisgau erhöhten fast auf 2:0 durch einen Schuss von Flum. Erst ab Minute 60 begann der FCB endlich den Druck aufzubauen, den man von ihm gewöhnt ist. Plötzlich waren die Bayern wieder als Bayern zu erkennen. Van Bommel endlich mit dem Niveau, das man von ihm kennt - auch Lahm nahm langsam an Fahrt auf. So nach und nach ergaben sich dann Chancen und die Selbstsicherheit der Freiburger schwand zusehends. Gäste-Schlussmann Pouplin rettete den Club gleich mehrfach vor dem Ausgleich. In der 71. Minute wieder ein Aufschrei in der Arena, ein Freiburger Abwehrspieler wehrte den Ball auf der Torlinie ab. Sah zunächst nach Handspiel aus, war es aber nicht. Van Gaal stellte um, nahm den ganz ordentlichen Pranjic raus und brachte Tymoshchuk. Van Buyten wurde nach vorne geschickt. Nochmals erhöhte sich dadurch der Druck auf die Freiburger Abwehr.

76. Minute, Freistoß für den FC Bayern - ein Geschenk des bis dahin sehr gut agierenden Schiedsrichters. Robben nimmt dankend an und haut den Ball an der Mauer vorbei ins Eck. Ausgleich!
Die Schlussviertelstunde wurde dann zum Sturmlauf der Bayern. Arjen Robben scheiterte zwei Mal an Pouplin, ebenso wie Klose. Müller marschierte in den Strafraum und wird umgesenst - klare Sache, Strafstoß für München. Robben verwandelt zum 2:1 (83. Minute).

In Sachen Eckstöße, Spielanteile und Torschüsse war das Ergebnis letztlich verdient, dennoch waren die ersten sechzig Minuten wohl die schlimmsten in dieser Saison.
Wieder einmal zeigt sich, wie wertvoll ein Mann namens Arjen Robben ist. 60 Minuten lang als Luftnummer verkleidet, zeigt sich der Niederländer plötzlich mit all seinen Stärken: Dynamik, Torgefährlichkeit und mit einem Schussgefühl, das seinesgleichen sucht.

Bei allem Verständnis, dass der Wechsel von Champions League zu Liga-Alltag nicht einfach ist, die Belastung des Florenz-Spiels Spuren hinterließ und die Umstellungen der Mannschaft Probleme bereiteten, aber so wie in der ersten Hälfte darf ein FC Bayern zum Saisonende einfach nicht auftreten. Abhaken, Mund abputzen und nächste Woche in Frankfurt die schauderhaften Faschingskostüme bitte im Schrank lassen!

Freitag, 12. März 2010

100 Prozent auf Sieg

Nun da klar ist, dass wir - also mein FCB - Deutscher Meister wird, macht mir dieser März langsam richtig Spaß! Erst der Viertelfinaleinzug, dann das Scheitern Reals und jetzt kommt mit Freiburg Kanonenfutter. Der FC Bayern ist am Samstagabend wieder in den Niederungen des Liga-Alltags angekommen, mit ordentlich Motivation im Ärmel - so hoffe ich zumindest.

Mein Tipp: Bayern 5 - Freiburg 0

Donnerstag, 11. März 2010

Zirkus El Real Madrid

Real Madrid, die teuerste Vereinsmannschaft der Welt, ist schon wieder im Achtelfinale der Champions League gescheitert - wie schon die letzten fünf Jahre zuvor.
Die hierzulande als die "Königlichen" bezeichnet, aus Spaniens Hauptstadt, haben die begehrte Trophäe (den Landesmeister-Cup) bereits neun Mal gewinnen können (drei Mal davon in der Champions League) - der letzte Titelgewinn in der "Königsklasse" der europäischen Fußballwettbewerbe liegt allerdings schon acht Jahre zurück (ausgerechnet der hervorragend aufspielende deutsche Finalist Leverkusen wurde knapp geschlagen). Das erste Mal nach der Reformierung des Wettbewerbs 1993 konnte Real den Titel 1998 gewinnen. Davor wurde der letzte Europapokalerfolg im Jahre des Herrn 1966 gefeiert - das war eine Durststrecke von annähernd 30 Jahren. Eine solche Phase hatte im gleichen Wettbewerb auch der FC Bayern München zu überstehen, erst 2001 konnten die Bayern den Pokal nach 1976 wieder in den Händen halten.

Real scheitert am eigenen Anspruch, der natürlich darüber hinaus geht den nationalen Titel Jahr für Jahr gegen Erzkonkurrent Barcelona zu verteidigen. Die wertvollste und lukrativste Trophäe im europäischen Vereinspokal ist nun einmal die der Champions League. Rund 60 Millionen Euro kann der Titelgewinn in diesem Jahr in die Vereinskasse des Siegers spülen - angesichts der Investitionen von annähernd 300 Millionen (u.a. für Ronaldo und Kaká), täte das Real mehr als gut. Doch außer Spesen nichts gewesen, denn am gestrigen Abend scheiterte der Klub durch verpasste Möglichkeiten in der ersten Halbzeit und inspirationsloses Auftreten in der zweiten an Olympique Lyon.

Dem FC Bayern, Viertelfinalqualifikant nach dem Weiterkommen gegen Florenz, winken durch die Teilnahme an der Runde der letzten acht Mannschaften über 40 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus dem Antrittsgeld von 7,1 Mio., 2,4 Mio für drei Siege (pro Sieg 800.000 Euro), 0,4 Mio. für ein Unentschieden, weitere 3 Mio. für die Achtelfinalteilnahme und 3,3 Mio. Euro für die Viertelfinalteilnahme, zusammen. Dazu kommen ungefähr 8 Mio. aus den Ticketverkäufen und nochmal ungefähr 15 Mio. aus dem UEFA-Marketingpool, aus dem die Fernsehgelder eines Landes verteilt werden. Der Titelgewinner kann nochmal 4 Mio. für das Halbfinale, 5,2 Mio. für das Endspiel und 9 Mio. Euro für den Endspielsieg einstreichen.

Doch Real geht es nicht nur ums Geld - Real ist die Nummer Eins unter den Klubs, hat die meisten Anhänger in Europa, den höchsten Umsatz und den weitreichendsten Bekanntheitsgrad aller Fußballvereine. Was fehlt ist der Beweis für die beste Qualität - aber die macht sich nicht nur an großen Namen und exquisiten Einzelkönnern fest. Die Politik des "Einkaufs der Besten" zahlt sich sportlich jedenfalls nicht aus. Diese Politik ist die des Präsidenten Florentino Pérez. "Die teuersten Spieler sind die rentabelsten" soll er gesagt haben - und hat damit tatsächlich recht. Nur Titel garantiert diese Privatsammlung von Weltstars nicht. Auch mit Kontinuität hat das nicht viel gemein - Madrid verschliss in den letzten 10 Jahren Trainer zuhauf. Die fantasievolle Finanzierung der Spielerkäufe des Klubs ruft natürlich Kritiker auf den Plan. Und zu Recht kann man hier anprangern, dass europaweit nicht die gleichen Voraussetzungen gelten, ergo Wettbewerbsverzerrung herrscht. Dies soll bereits ab dem nächsten Jahr anders werden. UEFA-Präsident Platini ist für Salary Caps und den Zwangsabstieg bzw. die Nichtteilnahme an europäischen Vereinswettbewerben für Klubs, die Jahre lang im Minus operieren. Man darf also gespannt sein, wie es "El Real Madrid" gelingt, das Wort Nachhaltigkeit in die Vereinspolitik zu integrieren.

Das Endspiel in diesem Jahr findet ausgerechnet im Estadio Santiago Bernabéu in Madrid statt. Zu gerne hätte der Verein den zehnten Landesmeister-Pokal der Vereinsgeschichte im eigenen Wohnzimmer gewonnen. Nun steht für die Hauptstädter zu befürchten, dass ausgerechnet der katalanische Erzfeind FC Barcelona im Mai 2010 in Madrid feiern darf. Aber so weit ist es noch nicht.
Franck Ribéry, der seit einiger Zeit mit einem Vereinswechsel zu El Madrid kokettiert, begründet seine Wechselabsichten regelmäßig mit der Perspektive die Champions League gewinnen zu wollen. Der Adressat ist hierbei aber der falsche, bei Klubs wie Barcelona oder Manchester liegt die Wahrscheinlichkeit dafür weit höher. Doch Real Madrid ist auch ein Zirkus - und vielleicht gehört einer wie Ribéry ja von Natur aus zu den Zirkusleuten. Der große Star in der Manege wäre er dort allerdings nicht und viele Artisten schafften es in der Vergangenheit nicht mal in die Vorstellung. Einer davon war Arjen Robben - und der spielt derzeit um Längen besser als der kleine Franzose.

Mittwoch, 10. März 2010

Ups!

Real Madrid ist ausgeschieden. Schade nur, dass wir sie jetzt nicht mehr rauswerfen können.

Im Auge des Sturms


Stürmisch war's gestern Abend in Florenz - die liebreizende Toskana begrüßte die Gäste aus München mit eiskalten Windböen und Schneeregen. Gemütlich wird das hier nicht werden, so viel war nicht nur im Hinblick auf die Wetterkapriolen klar. Dass der AC Florenz in der Lage ist die stärkste Bayern-Waffe, die Flügelzange, aus dem Spiel zu nehmen, das hatte man bereits im Hinspiel eindrucksvoll vor Augen geführt bekommen. Und auch in der ersten Hälfte der Partie war weder von Robben, noch von Ribéry viel zu sehen. Getrippelt wurden die beiden Außen - und wieder war der FCB nicht in der Lage, die sich dadurch bietenden Freiräume für sich zu nutzen. Das lag einerseits an einem zu defensiv agierenden Bastian Schweinsteiger und andererseits an Thomas Müller, der gestern nicht seinen besten Tag im Bayern-Dress erwischte.

Zunächst mussten sich beide Teams aber mit den widrigen Witterungsverhältnissen auseinandersetzen. Die Italiener mit Rückenwind und langen bzw. hohen Bällen, die allesamt durch die heftige Brise ins Aus oder in den leeren Raum getragen wurden - auf der anderen Seite die Bayern, deren Bälle in der Luft regelrecht stehen blieben. Warum beide Teams trotz dieses Handicaps wieder und wieder mit hohen Bällen agierten, das weiß wohl nur der Wind?!

Was die Bayern aber dann allerdings in der Abwehr boten, würde man juristisch als Begünstigung bezeichnen. Ein 30-Meter-Schuss auf Hansjörg Butt, der den Ball zwar zur Seite, aber nicht weit genug wegfausten kann. Butt sah nicht gut aus bei dieser Aktion, aber den eigentlichen Fehler produziert dann Daniel van Buyten, der nicht geistesgegenwärtig genug reagiert und seinem Gegenspieler Vargas den Vortritt lässt - dieser nimmt die Einladung dankend an und locht ein. 1:0 für Florenz nach nicht mal 30 Minuten - ein worst case-Szenario für die Bayern. Die Bayern hatten dann den Ausgleich auf dem Fuß als Robben wunderschön in den Strafraum marschierte, und artistisch abzog. Aber Schlussmann Sébastien Frey verhinderte den Treffer mit einem hervorragenden Reflex.
Mario Goméz musste mit Muskelfaserriss vom Platz - für ihn kam Klose, was das Angriffsspiel der Bayern zusätzlich belebte.

Die zweite Hälfte begann und die Gastgeber waren besser im Spiel. In der 54. Minute legt Gilardino aus Abseitsposition den Ball zu Jovetic ab, der zieht ab zur 2:0-Führung. Wieder die Bayern im eigenen Strafraum nicht Herr der Situation. Lahm und Badstuber mit ungewohnten Nachlässigkeiten und schlechtem Zweikampfverhalten. Gegenpol zum sehr fahrigen und reaktionsschwachen van Buyten war der 17-jährige David Alaba. Als hätte er schon hundert Champions League-Spiele auf dem Konto, spielte das Jungtalent abgeklärt, ballsicher, zweikampfstark, brüllte Kommandos über den Platz - und war der beste Spieler der Defensivabteilung am gestrigen Abend. Nur einmal wurde er verladen - aber ansonsten war diese Premiere eine mehr als gelungene.

Der zweite Fiorentiner Treffer sorgte für mehr Belebung des Bayern-Spiels. Ein Tanz durch drei Gegenspieler, eine perfekte Vorlage von Franck Ribéry in die Mitte und Mark van Bommel schießt in Minute 60 aus zwanzig Metern flach ins Tor. Bayern war wieder im Wettbewerb. Unhaltbar für den gestern starken Schlussmann Frey. Endlich merkte man Ribéry an, das er ins Viertelfinale will.
In der 64. Minute ist die Bayern-Abwehr dann aber wieder nicht im Bilde. Wieder ist van Buyten nicht schnell genug, lässt sich austanzen und Jovetic erzielt das 3:1 mit einem Schuss durch Butts Beine. Die Bayern lässt das unbeeindruckt und sie marschieren weiter im Vorwärtsgang. Eine Minute nach dem Tor für Florenz kam der große Moment des Arjen Robben: erst findet er keine Anspielpartner, zieht dann in die Mitte, geht noch ein Stück, noch ein paar Meter, zieht ab und WHOOUFF! - was für ein Knaller ins Kreuzeck zum Anschlusstreffer! Ein gigantisches Tor.
Kein Wind konnte diesen Ball von seinem Ziel abbringen - so als stünde der Niederländer im Moment des Schusses im Auge des Sturms.

Hüben wie drüben folgten noch Strafraumszenen, die für einen Mann in meinem Alter eine echte Herausforderung sind. Ein Treffer für Florenz hätte gereicht, um die Bayern aus dem Wettbewerb zu schießen - die Bayern-Abwehr wackelte, hielt aber letztlich doch. Auch der FCB hatte noch eine Riesenmöglichkeit, als nach einem abgefälschten Schuss von Robben Klose knapp verpasst.

Nun ist der FC Bayern im Viertelfinale der Champions League angelangt - und was lehrt uns das gestrige Spiel?
Das Negative war sicherlich die schwache Abwehrleistung am gestrigen Abend (ausgenommen des Verteidigers Alaba). Zudem ist die Mannschaft selten in der Lage die Freiräume, die sich durch die Mehrfachdeckung der Außenstürmer ergeben, auszunutzen.
Das Positive: David Alaba ist nicht nur eine Alternative, ihm gehört die Zukunft - wir dürfen uns sehr über das nächste Talent aus dem Amateurbereich freuen! Einen Arjen Robben (und natürlich auch einen Franck Ribéry) kann man nicht über 90 Minuten komplett aus dem Spiel nehmen. Solche Spieler machen den Unterschied zwischen einer Klasse-Mannschaft und einer Mannschaft der Spitzenklasse. Trotz widriger Umstände und dreifachem Rückstand, war das Team von Louis van Gaal in der Lage zurückzuschlagen, gab sich nie auf und triumphierte am Ende. Das zeugt von großer Moral und einem stabilen Selbstvertrauen - vor allem aber, macht es den FC Bayern unberechenbar.



Kritik an der Kritik:

Focus Online schreibt heute: [ ... ] "Freunde des Rekordmeisters und des deutschen Fußballs insgesamt indes sehen mit Sorge, dass es für den FC Bayern auch in dieser Champions-League-Saison nicht reicht, unter den ganz Großen in Europa mitzumischen." [ ... ]

Nun, es reicht um unter den ganz Großen mitzumischen, denn die Bayern spielen unter den letzten acht Mannschaften nun im Viertelfinale.

"Schon mit der indisponierten Fiorentina – nur ein Punkt aus den letzten fünf Ligaspielen, zweistelliger Tabellenplatz in der längst nicht mehr so starken Serie A – hatte der Tabellenführer der Bundesliga mehr Mühe als erwartet ..."

Indisponiert hat sich Florenz weder im Hin- noch im Rückspiel gezeigt - das eine ist die nationale Liga, das andere ist die Königsklasse. Nach dem ersten Auftritt der Fiorentina in München kann wohl niemand ernsthaft behaupten, er hätte das Mühen der Bayern nicht erwartet. Auch wenn Focus online die Italiener schwach reden möchte, war der AC Florenz ein durchaus schwer zu spielender, sehr unangenehmer Gegner.

[ ... ] "Zumal im Hinspiel gegen den nächsten Gegner – in jedem Fall ein besseres Team als Florenz – der überragende Bastian Schweinsteiger gelbgesperrt ausfällt."

Ob der nächste Gegner ein -- in jedem Fall besseres Team als Florenz -- sein wird, werden wir noch sehen. Das waren zwei taktisch sehr gute Partien des ACF - auch das muss man anzuerkennen in der Lage sein.
Die Sperre für Schweinsteiger ist sicherlich ein großes Manko, aber so überragend war er gestern dann doch nicht.

Ganz davon abgesehen, wird auch andersherum ein Schuh daraus: Die Bayern haben noch Luft nach oben. Wenn eine mittelmäßige Leistung für den Einzug ins Viertelfinale gegen starke Florentiner reicht, was wäre dann mit einer Spitzenleistung möglich?!


Dienstag, 9. März 2010

Bayern & Bochum?

Laut meiner Umfrage der letzten Woche, war eine knappe Mehrheit für einen Fanfreundschafts-Schal FC Bayern & VfL Bochum. Aus gegebenen Anlass bitte ich die Besucher von FernglasFCB (so sie dem FC Bayern oder dem VfL Bochum anhängig sind), sich nochmals beim Kollegen Kremers mit der Thematik Fanfreundschaft zwischen den beiden Klubs zu befassen und zu äußern.

Auf ins Viertelfinale

Also wenn wir am Samstag schon auf Robben und - mehr oder weniger - Ribéry verzichten mussten, dann erwarte ich jetzt aber alle Mann an Deck und auf geht's ins Gefecht!
Es ist Champions League-Achtelfinale angesagt und es fehlt uns noch eine gute Leistung, um das Viertelfinale zu erreichen. Die besten acht Mannschaften Europas werden dann um den Einzug ins Finale kämpfen - da gehört der FCB einfach dazu.

Die Voraussetzungen sind so la la - hinten klemmt's personell, so dass wir sogar den 17-Jährigen David Alaba aufbieten müssen. Kein Fehler wie ich finde, denn der Kerl machte bislang (im DFB-Pokal und in Köln) auf mich einen souveränen Eindruck. In Österreich gilt er schon länger als Supertalent und ist dort auch Nationalspieler. Zudem wird van Gaal am besten wissen, ob er den Teenie ins tiefe Gewässer der Champions League werfen kann.
Robben scheint den grippalen Infekt überstanden zu haben und auch Franck Ribéry sah am Samstag ganz ordentlich aus.

Der Gegner ist - wie das Hinspiel gezeigt hat - keinesfalls zu unterschätzen. Aber ganz so hart muss die Nuss nicht werden, die es zu knacken gilt. Immerhin müssen die Fiorentiner offensiv zu Werke gehen, haben sie doch einen Rückstand auszugleichen. Das Dümmste wäre ein frühes Tor für die Gastgeber, denn dann wären wir wieder unter Zugzwang und die Mannen aus der Toskana könnten die Räume zustellen und mit Mann und Maus das tun, was italienische Mannschaften perfekt beherrschen, verteidigen.

Ich bin vorsichtig, aber guter Dinge - mein Tipp: AC Florenz 1, Bayern 1


An dieser Stelle noch ein kleiner Einschub: Innenmeniskusabriss und Kreuzbandriss bei Breno - ganz dumm gelaufen (für uns und für den Club). Gute Besserung!

Montag, 8. März 2010

1:1 verloren


Gut, dass ich kein Mensch des Wettens bin - am Samstagmorgen hätte ich Haus und Hof darauf verspielt, dass der FC Bayern aus Köln drei Punkte mitnimmt. Vorfreudig bestieg ich gegen Mittag die Bahn in Richtung Domstadt - Kaiserwetter, Fußballfan was willst Du mehr. Auf meinem gut gepolsterten Sitzplatz angekommen, genoß ich den wohl besten Ausblick meines Zuschauerdaseins. Schön mittig und immer in der Lage van Gaals Lippen lesen zu können. Irritation kam auf, als ich beim Aufwärmen nirgends Arjen Robben erblicken konnte. Noch verwirrter war ich, als Franck Ribéry noch im Trainingsleibchen auf dem Platz stand, als der Rest des Teams schon in der Kabine war. Was war denn hier los?

Stattdessen liefen die Bayern mit Altintop und Olic auf - das darf doch wohl nicht wahr sein?! Sollte Herr van Gaal so kühn sein und die brandgefährliche Flügelzange für das Champions League-Spiel am Dienstag schonen? Ärger stieg in mir auf. Na prima, dachte ich, so kann man auch wichtige Punkte verschenken.
Der Kommunikationschef der Bayer AG, Herr Schade, neben mir, offenbarte mir dass er kein FC-Fan sei - ich zeigte wortlos auf mein Trikot - so saßen wir in einem Boot und irgendwie doch nicht. Die Bayern gerieten in der ersten Hälfte durch ein halbes Dutzend brandgefährlicher Konter so unter Druck, dass es gut und gerne schon drei Mal hätte klingeln können. Zu langsam im Spielaufbau, zu viele Fehler beim Abspiel und irgendwie nicht in der Lage dauerhaften Druck auf die FC-Hintermannschaft aufbauen zu können. Zu allem Überfluss dann auch noch Podolskis Treffer zum 1:0 - Torwartfehler. Die Kölner spielten beherzt und zeigten die wohl beste Saisonleistung bislang - ebenso wie Lukas Podolski, der plötzlich aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht zu sein schien. Die Bayern einfallslos, mit hohen Bällen und unzähligen Flanken, die allesamt ihr Ziel nicht fanden - ich spare mir jeden Kommentar dazu, weil ich dieses Manko einfach nicht begreife.
Einen guten Eindruck machte Diego Contento und Bastian Schweinsteiger, sieht man von Schweinis Eckstößen einmal ab. Überhaupt keine Bindung zum Spiel fand Altintop, ebenso wie Olic. Die Bayern ohne Spielwitz, ohne Kreativität und einfach mit den falschen Leuten auf dem Platz. Ohne Ribéry und Robben sind wir keine Klasse-Mannschaft. Punkt.

Erst in der Halbzeit erfuhr ich, dass Robben wohl vergrippt in München geblieben war und Ribéry an einer Prellung laborierte. Na großartig.

Der zweite Durchgang begann dann mit deutlich mehr Druck der Bayern, der sich mit der Einwechslung von Franck Ribéry und Miro Klose noch verstärkte. Die Tormöglichkeiten wurden zahlreicher, bis dann endlich in Minute 58. Schweinsteiger das Ding im Netz unterbrachte. Der FCB blieb dran und wieder stand uns das Aluminium im Wege. Ribérys Pfostenknaller klatschte in einer Lautstärke gegen das Gebälk, dass den Köln-Fans um mich herum der Schrecken in die Glieder fuhr. Dann konnten die Kölner den Ball gerade noch von der Linie kratzen und auch Schweinsteiger traf wieder mal die Latte, Kopfball. Die Konter der Kölner blieben bis zum Schluss brandgefährlich - aber es wollte kein Tor mehr fallen.

Unterm Strich war das Ergebnis in Ordnung, wenn auch aus unserer Sicht nicht unbedingt notwendig.
Die erschreckende Erkenntnis aber ist, dass es uns ohne Robben und mit einem halben Ribéry anscheinend an Möglichkeiten fehlt, solche Mannschaften auszuspielen. Unsere Standards sind einfach zu schlecht und ungefährlich, als dass man mit diesem Mittel Schnelligkeit und Spielwitz ausgleichen könnte. Bitter auch, dass Diego Contento sich verletzte und gegen Florenz wohl nicht dabei sein kann. Dafür wird vermutlich Alaba auflaufen - der Youngster scheint zumindest besser flanken zu können als der Rest.

Herr Schade freute sich (Schadenfreude?), ob der Chance Leverkusens nun endlich am Sonntag wieder die Tabellenführung zurückerobern zu können - ich wollte ihm den vorzeitigen Jubel nicht verderben, aber mir war klar, dass in Nürnberg für Bayer 04 nichts zu holen sein wird. So kam es ja dann auch.
Passiert ist in Sachen Tabellenführung nichts, ärgerlich allerdings dass Scheisse 04 nun wieder mehr Tuchfühlung aufnehmen konnte. Das Fazit für uns lautet: Wir sind personell zu dünn besetzt (Abwehr) und in Sachen Kreativität und Tempofußball fehlen uns neben Ribéry und Robben weitere Alternativen. Flanken und Eckbälle sind allesamt ungefährlich - hier muss sich endlich was ändern.

Donnerstag, 4. März 2010

Das Spiel am Wochenende: Knack den FC

Am Samstagnachmittag läuft der FCB im Rhein-Energie-Stadion zu Köln auf. Ohne Martin Demichelis, davon kann man mal ausgehen. Der Argentinier hat gestern Abend vermutlich einen Jochbeinbruch erlitten, was ihn um mindestens vier Wochen aus dem Verkehr ziehen würde. Angesichts der dünnen Personaldecke in der Abwehr des FC Bayern ist das zunächst eine Hiobsbotschaft.
Die gute Nachricht aber ist, Daniel van Buyten trainiert bereits wieder beschwerdefrei und könnte vermutlich schon in Köln wieder in der Anfangsformation stehen. Übersetzt heißt das, Diego Contento wird weiterhin fleißig Spielerfahrung sammeln können und Holger Badstuber vermutlich in die Innenverteidigung rücken.

Da stellt sich die Frage, ob wir gegen die Kölner überhaupt eine Abwehr brauchen? - was jetzt keinesfalls so arrogant gemeint ist, wie es klingt. Der FC wird sich defensiv formieren - wie schon gegen Leverkusen erfolgreich praktiziert - und dann auf gelegentliche Konter lauern. Alles andere wäre aus Kölner Sicht ein Rennen ins Verderben. Den offenen Schlagabtausch können sich die Gastgeber nur leisten, wenn der FCB einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Für die Bayern wird es ein Geduldsspiel - die Kölner Defensive ist mit Geromel und Petit eine der stärksten, wenn sie das Niveau der Hinrunde abrufen kann. Vorne werden die Kölner vermutlich auf den zwei-Mann-Sturm Podolski und Novakovic setzen. Vor beiden Spielern muss man derzeit nicht sonderlich angst haben. Weder harmoniert das Duo wie gewünscht, noch "füttert" das Kölner Mittelfeld Lu-Lu-Lukas Podolski mit den Bällen, die er für sein Spiel braucht.
Die Bayern werden - wie schon gegen Nürnberg - sehr gefordert werden und vor allem spielerische Lösungen finden müssen, um zwei Kölner Abwehrreihen zu durchbrechen. Bayer Leverkusen fiel dazu wenig ein - die versuchten es mit hohen Bällen.

Ein Sieg ist Pflicht, will man die Tabellenführung verteidigen. Aber da die Bayern in Köln - und nicht umgekehrt - spielen, bin ich optimistisch dass alles nach Plan läuft. Der 1. FC Köln ist nur in München ein Favoritenschreck.

Mein Tipp: Köln 0, Bayern 2


Dienstag, 2. März 2010

Bayern auf Platz 4

Die umsatzstärksten Fußball-Clubs der Saison 2008/2009:


1. (1)* Real Madrid
401,4 Millionen Euro
2. (3) FC Barcelona
365,9 Millionen Euro
3. (2) Manchester United
327,0 Millionen Euro
4. (4) Bayern München 289,5 Millionen Euro
5. (6) FC Arsenal 263,0 Millionen Euro
6. (5) FC Chelsea 242,3 Millionen Euro
7. (8) FC Liverpool 217,0 Millionen Euro
8. (11) Juventus Turin 203,2 Millionen Euro
9. (10) Inter Mailand 196,5 Millionen Euro
10. (7) AC Mailand 196,5 Millionen Euro
11. (15) Hamburger SV 146,7 Millionen Euro
12. (9) AS Rom 146,4 Millionen Euro
13. (12) Olympique Lyon 139,6 Millionen Euro
14. (16) Olympique Marseille 133,2 Millionen Euro
15. (14) Tottenham Hotspur 132,7 Millionen Euro
16. (13) FC Schalke 04 124,5 Millionen Euro
17. (n/a) Werder Bremen 114,7 Millionen Euro
18. (20) Borussia Dortmund 103,5 Millionen Euro
19. (n/a) Manchester City 102,2 Millionen Euro
20. (17) Newcastle United 101,0 Millionen Euro
* Platzierung der Saison 2007/2008
(Quelle: «Deloitte Football Money League»)


[ ... ] Insgesamt erwirtschafteten die 20 Clubs 3,9 Milliarden Euro, rund 26 Millionen Euro mehr als in der Saison davor. Als erster Verein durchbrach Real Madrid die 400-Millionen-Umsatzmarke und kam auf 401,4 Millionen Euro. Reals Erzrivale FC Barcelona rückte mit 365,9 Millionen Euro Umsatz auf Rang zwei vor. Dennoch wird die zum 13. Mal erstellte Liste weiter von den englischen Vereinen dominiert. Sieben Premier-League-Clubs schafften den Sprung unter die Top 20. Am umsatzstärksten aus der finanzkräftigsten Liga Europas war erneut Manchester United (327,0) als Dritter, verlor allerdings einen Platz.

«Trotz der Spitzenpositionen der beiden spanischen Traditionsclubs unterstreicht die englische Premier League ihre wirtschaftliche Dominanz im europäischen Fußball - insbesondere vor dem Hintergrund des schwachen britischen Pfunds gegenüber dem Euro», sagte Stefan Ludwig, der Senior Manager Sport Business Gruppe bei Deloitte.

Dem FC Bayern traut der Experte zu, bei einem erfolgreichen Abschneiden in der Champions League in dieser Saison beim Umsatz die 300-Millionen-Grenze zu überwinden. In 2008/2009 erreichten der FCB das Ergebnis aus dem Vorjahr von 295,3 Millionen Euro nicht ganz, behauptete aber mit 289,5 Millionen Euro den Platz vor dem England- Trio FC Arsenal (263,0), FC Chelsea (242,3) und FC Liverpool (217,0). [ ... ]

(Quelle: Süddeutsche Zeitung online)


Juden-Clubs

Über nahezu jeden Fußballverein gibt es etwas Bemerkenswertes zu berichten, abseits der üblichen Eckdaten wie Meisterschaften oder Pokalsiege. So auch über den englischen Club Tottenham Hotspur.

Im Frühjahr 1976 war es, als Tottenham-Anhänger die Fankurve des Lokalrivalen Arsenal London stürmte, und auf den Rängern "Yiddos took the North Bank" skandierten. Das Wort "Yiddos" oder auch "Yids" bedeutet im Englischen so viel wie "Juden", und seit gut einem Jahr war es gängige Praxis geworden, dass Tottenham-Fans von den Anhängern der anderen Londoner Clubs, wie Arsenal, Chelsea oder West Ham, mit "Yiddos"-Rufen bedacht wurden. Seit diesem 3. April 1976 bezeichneten sich die Fans der "Spurs" nun selbst als "Yiddos", und deuteten denn eigentlich negativ gemeinten Begriff für Juden einfach positiv um, damit dem Spott so die Wirkung genommen werden konnte. Ein Phänomen der Identitätsannahme, das übrigens auch beim holländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam zu Tage trat, der wie Tottenham als Juden-Club gilt.
Doch weder Tottenham, noch Ajax Amsterdam, haben mehr jüdische Anhänger als andere Vereine. In London leben zwar die meisten Juden im Norden der Stadt, aber auch Arsenal London ist ein nordlondoner Verein, und Chelsea im Westen hat deutlich mehr jüdische Anhänger als Tottenham. Die einzige Verbindung gründet sich aufgrund der Tatsache, dass diese Clubs irgendwann einmal einen jüdischen Präsidenten oder mehrere jüdische Spieler in ihren Reihen hatten.

Im Falle der Hotspurs lassen sich die "Yiddo"-Rufe gegnerischer Fans wie folgt erklären: In den 60-er Jahren gab es in England eine Comedy-Sendung, deren Hauptdarsteller einen rassistischen Nationalisten darstellte, der als West Ham-Anhänger von dem nächsten Spiel gegen die "Yids" sprach, also dem Spiel gegen Tottenham. Mit dem aufkommenden Rassismus in englischen Fußballstadien während der Siebziger, kam diese Bezeichnung dann wieder auf. Die Tottenham-Fans eigneten sich diese Identität an, und tragen seit dem israelische Fahnen, Shirts mit der Aufschrift "Yid 4 Life" und Atemschutzmasken als Kippas. Dieses Bekenntnis verstärkte allerdings auch die Schimpftiraden, die ihren widerlichen Höhepunkt darin fanden, dass Arsenal-Anhänger bei Begegnungen mit Tottenham Zisch-Geräusche von sich gaben, die ausströmendes Gas darstellen sollten. Diese Identitätsannahme um sich als Gruppe abzugrenzen, gab es in dieser Form im europäischen Fußball nur bei Fans von Tottenham, Ajax Amsterdam und dem Club Roter Stern Belgrad, dessen Anhänger sich selbst als "Zigeuner" bezeichnen.
Nicht nur sich selbst, sondern auch jeden Spieler, den sie mögen, nennen die Spurs-Anhänger einen Juden. So auch Jürgen Klinsmann, der 1994 für den Club spielte. Nach der Melodie von Mary Poppins sangen die Tottenham-Fans: "Chim chiminee, chim chiminee, chim chim churoo, Jürgen was a German, but now he is a Jew!".

Deutschlands "Juden-Club", während des Nationalsozialismus, war übrigens der FC Bayern München. Der FCB hatte einen jüdischen Vereinspräsidenten, Kurt Landauer, ein paar jüdische Spieler, und dem "weltoffenen" Verein gehörten zudem zahlreiche jüdische Geschäftsleute an. Außerdem spielte die Firmenmannschaft des "jüdischen" Kaufhauses Hermann Tietz unter dem Dach des FCB. Mit der Machtergreifung der Nazis legte Landauer sein Amt nieder und emigrierte in die Schweiz, aus der er erst 1947 wieder nach München zurückkehrte um erneut zum Vereinspräsidenten gewählt zu werden. Der damalige Bayern-Spieler Willy Simetsreiter über das Schicksal der jüdischen Funktionäre und Spieler beim FC Bayern: "Plötzlich waren die verschwunden. Das war schade für diese Leute, das waren alles gute Leute." Als Gegengewicht zu rassistischen Sprechchören in den eigenen Reihen, ließen die Bayern-Fans in den Neunzigern den ehemaligen Präsidenten Landauer mit Fan-Gesängen hochleben.

erstmals veröffentlicht 2006,
im Blog cox orange


Montag, 1. März 2010

Bärendienst

Wisst Ihr wann mir die Galle hochkommt? Wenn irgend so ein Kommentatoren-Arschloch meint, er müsse Bengalos im Fan-Block mit Gewalt gleichsetzen, obwohl er selbige Aktionen bei Fußballspielen in Spanien, Italien oder der Türkei mit südländischer Atmosphäre feiert. Was für eine verlogene Scheiße.
Im Grunde ist es doch wie mit allen Dingen: Solange man damit keinen Mist baut, kann ich damit leben. Wenn ich dann allerdings sehe, dass FC-Anhänger am Wochenende ihre Bengalos auf Toni Kroos werfen, nur weil der vor ihrer Kurve einen Eckstoß treten muss, oder Nürnberger Fans in Bochum sogar für Schwerverletzte sorgen, weil sie fahrlässig mit solchen pyrotechnischen Gegenständen umgehen, dann leistet man damit genau jenen Vorschub, die den Profi-Fußball am liebsten zur sterilen, politisch-korrekten Null-Spaß-Veranstaltung umbauen wollen.
Bei solchen Aktionen hört auch für mich der Spaß und die Freude an beeindruckenden Bildern auf. Wie bescheuert muss man eigentlich sein, sich (und alle anderen Anhänger des Fußballs) mit allem Vorsatz so in Misskredit zu bringen?!

Aber es sind vor allem solche Idioten, die sich über präventive Polizeimaßnahmen echauffieren und Verbote als Einschränkung ihrer Freiheit als demokratische Staatsbürger empfinden - gleichzeitig aber genau das notwendig machen. Wer nicht wie ein Tier behandelt werden will, der sollte sich auch nicht als ein solches aufführen.
Das Dumme an der Sache ist, dass jetzt und in Zukunft jeder Fußballfan unter diversen restriktiven Maßnahmen zu leiden hat - auch derjenige, der seinen Verstand nicht am Spieltag zuhause hat liegen lassen.

Tabellenführer

... und die elende Zählerei hat endlich ein Ende.


Bayern ist nach einer Ewigkeit wieder Tabellenführer und gewinnt das erste Mal in der Allianz-Arena ein Meisterschaftsspiel gegen den HSV. Da verbietet sich eigentlich das große Motzen - und dennoch, zufrieden bin ich nicht.

Demichelis, der mir in den ersten 15 Minuten sehr gut gefiel, leistet es sich in aller Regelmäßigkeit vor dem eigenen Strafraum den Ball fahrlässig zu verlieren. So auch gestern Abend wieder. Dass der HSV die sich daraus ergebenen Chancen nicht nutzte, beruhigt mich ehrlich gesagt nicht im Mindesten. Es werden Mannschaften kommen, die solche Aussetzer gnadenlos bestrafen - und das nicht nur in der Champions League. Contento hat zwar noch Welpenschutz, aber auch er beschwor die ein- oder andere gefährliche Situation herauf. Von einem erfahrenen Mann wie Demichelis aber, erwarte ich mehr Konzentration und Ernsthaftigkeit.
Erneut stabil war Holger Badstuber, dessen Zweikampfbilanz mit gut 80 Prozent gewonnener Zweikämpfe hervorragend war. Auch Phillip Lahm machte eine ordentliche Partie und schaltete sich vor allem in der zweiten Hälfte immer wieder auch im Angriff ein. Butt hielt gestern tadellos.

Im Mittelfeld waren die Matchwinner van Bommel und Schweinsteiger. Das war eine Top-Leistung der beiden Sechser, die damit das Fundament des gestrigen Erfolges gelegt haben.
Was mir gar nicht gefallen hat, war unsere Offensiv-Abteilung. Mario Goméz war gestern überflüssig - wenngleich er auch wenig dafür kann, dass er von Robben in aller Regelmäßigkeit vergessen wird. Ich hätte Goméz bereits zur Halbzeit ausgetauscht - harmlos, hilflos, chancenlos. Arjen Robben und auch Franck Ribéry hatten gestern ihre liebe Müh und Not. Bei Robben lag es einerseits an Gegenspieler Boateng und andererseits am Niederländer selbst, der nicht so spritzig und ideenreich wirkte wie man es von ihm gewohnt ist. Sein Egoismus nervt ein wenig - aber das gehört wohl zu Spielern dieser Kategorie.
Sein Pendant auf der anderen Seite machte es zunächst nicht viel besser - Demel hatte den Franzosen gut im Griff. Ribéry rannte sich wieder und wieder fest - immer etwas zu ballverliebt.
Thomas Müller hatte mehr Platz und war dementsprechend gestern auch augenfälliger als die beiden Außen. Aber so richtig wollte ihm nichts gelingen. Viele Fehler beim Abspiel, Probleme bei der Ballannahme und die Großchancen, die sich ihm boten, konnte er allesamt nicht nutzen. Seine gewohnte Kaltschnäuzigkeit stellte sich gestern nicht ein. Fleißpunkte hat er sich verdient - aber ein richtig gutes Spiel war es nicht für den Youngster.

Doch wir haben mit Robben und Ribéry Spieler, die unmöglich über 90 Minuten komplett auszuschalten sind. Ein Geistesblitz, eine Körpertäuschung, ein satter Schuss reicht, um eine Abwehr irgendwann im Spiel überlisten zu können. So auch in der 78. Minute, in der König Franck das 1:0 reinhämmert - wunderschönes Tor!

Kurzum: Bayern gewann gestern Abend verdient. Allerdings ist da wieder reichlich Luft nach oben. Was die Tabellenführung zu diesem Zeitpunkt wert ist, wissen wir erst am Ende der Saison. Die Voraussetzungen sind gut, aber am nächsten Wochenende geht es gegen ein Abwehrbollwerk und da müssen wir mehr in Sachen Offensive zeigen, als das gestern der Fall war.

Termine März 2010

6. März 2010 - Bundesliga
1. FC Köln vs FCB
15.30 Uhr

9. März 2010 - Champions League Achtelfinale (Rückspiel)
AC Florenz vs FCB
20.45 Uhr

13. März 2010 - Bundesliga
FCB vs SC Freiburg
18.30 Uhr

19. März 2010 - Auslosung Viertelfinale Champions League
Nyon, Schweiz
12.00 Uhr

20. März 2010 - Bundesliga
Eintracht Frankfurt vs FCB
15.30 Uhr

24. März 2010 - DFB-Pokal-Halbfinale
FC Schalke 04 vs FCB
20.30 Uhr

27. März 2010 - Bundesliga
FCB vs VfB Stuttgart
15.30 Uhr

30./31. März 2010 - Champions League - Viertelfinale (Hinspiel)
FCB vs Manchester United
20.45 Uhr