Das Publikum war gespannt, nachdem die Vorpremiere am vergangenen Sonntag einiges an Überraschungen, vor allem aber acht Tore, geboten hatte. Und es wurde nicht enttäuscht. Diesmal wurden es sogar neun Treffer.
Die Hauptdarsteller: Franck Ribéry, Thomas Müller und Pawel Pogrebnjak. Alle drei in hervorragender Verfassung - und alle drei trafen gestern Abend im Stuttgarter Theater. Die Gilde der Nebendarsteller führten Hansjörg Butt und Khalid Boulahrouz an. Das Gros der Akteure aber führte eher ein Schattendasein in diesem zweifellos recht unterhaltsamen Stück. Die Schattenmänner der gastierenden Truppe: Mark van Bommel, Philipp Lahm, Danjiel Pranjic, Anatoli Tymoshchuk, Breno, Daniel van Buyten und Andreas Ottl - allesamt mit schwacher Performance.
Erster Akt
Kaum hatten sich die Zuschauer gesetzt, knallte Andreas Ottl den Ball aus der Distanz ins Tor - das muntere Toreschießen von Sonntagabend schien seine Fortsetzung zu finden. Das war die einzige bemerkenswerte Szene der Zweitbesetzung Ottl, ansonsten fiel der Münchner nur durch Fehleinschätzungen und schwaches Spiel ins Auge. Zwei Minuten später brachte Müller dann Mario Gomez in Position, der sich nicht lumpen ließ und dem ihm nicht wohlgesonnenen Stuttgarter Publikum kurzzeitig den Atem nahm. Nach acht Minuten lag die heimische Truppe also erneut mit zwei Toren zurück. Ohje, VfB! Man konnte fast Mitleid bekommen.
Doch die Bayern - obwohl gefällig im Zusammenspiel auf engstem Raum - schalteten ein paar Gänge zurück, so als wollten sie sich gnädig gegenüber den Gastgebern erweisen. Wie sehr es dann wieder in der Defensive des Rekordpokalsiegers wackelt, sah man dann als Progrebnjak in der 36. und 46. Minute die komfortable Ausgangsposition neutralisierte. Ein Déjà-vu für diejenigen, die schon die Generalprobe am Sonntag erlebt hatten.
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Pause.
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Zweiter Akt
Matthieu Delpierre ist noch nicht wieder im Spiel, will in der 52. Minute das Spielgerät seinem Schlussmann überlassen und übersieht den hinter ihm lauernden Miroslav Klose (für den angeschlagenen Gomez eingewechselt) - erneute Führung für die Gäste aus Bayern. Das sind Geschenke, die das Ensemble des FCB mittlerweile zu hundert Prozent dankend annimmt. Akteur van Bommel verließ - ob angeschlagen oder nicht - frühzeitig die Bühne, seine Darstellung war nicht dazu angetan, dem Publikum seine Präsenz weiterhin zuzumuten.
Dann kam der Auftritt von Khalid Bhoularouz, dem "Kannibalen". Zuvor schon verwarnt, übertrieb es der, sich ansonsten in guter Form präsentierende, Niederländer und bekam seine zweite Verwarnung - ergo Platzverweis. Der Gefoulte, der noch nicht wieder in Topform befindliche Bastian Schweinsteiger, setzte sich noch für den Verbleib des Übeltäters ein - erfolglos.
Ein weiterer Nebendarsteller rückte nun in den Fokus: Hansjörg Butt. Von seinen Hintermännern im Stich gelassen, versuchte er den Ball noch ins Aus zu schießen, Gegenspieler Cacao nutzt dies und springt ihm in die Beine - Elfmeter! Muss man nicht geben, kann man aber. Doch Butt, der zuvor schon eine hundertprozentige Torchance vereitelte, hielt - und fast war man geneigt zu glauben, dass es das nun endgültig war und die Stuttgarter geschlagen sind.
In der 77. Minute war dann erneut die Bayern-Abwehr nicht im Bilde und Delpierre köpft zum Ausgleich ein und macht seinen Fehler aus Minute 52. wieder gut.
Alles wieder offen? Mitnichten. Die Stärke der Bayern ist, dass sie jederzeit in der Lage sind zurückzuschlagen - so auch diesmal. Fantastischer Laufweg von Thomas Müller durch die Stuttgarter Abwehr, so als hätte er gerochen wohin der Ball kommen wird, dann drückte der wohl beste Akteur des gestrigen Abends den Ball durch die Beine des Schlussmanns zum vierten Bayern-Treffer.
Die Schlussszene
Das Spiel war noch nicht durch, was fehlte war der tödliche Treffer - den besorgte dann fünf Minuten später Miroslav Klose und Stuttgart war endgültig geschlagen. Delpierre handelte sich dann noch eine Gelb-Rote Karte ein, bevor Franck Ribéry mit einem Kopfballtreffer seine gute Leistung an diesem Abend krönte.
Am Ende wurde dem Publikum ein Spektakel geboten: Insgesamt neun Treffer (schon am Sonntag waren es acht), zwei Platzverweise und ein gehaltener Strafstoß - und das alles in neunzig Minuten Pokalfight. Schlussendlich gab es viel Licht in der Offensive, aber auch viel Schatten in der Defensive. Der FC Bayern 2010/2011 muss sich schleunigst stabilisieren, sonst wird es eine bittere Rückrunde.
Bayern steht im Viertelfinale und trifft Ende Januar auf Alemannia Aachen am Aachener Tivoli! Ausgerechnet Aachen. Da gibt es noch etwas gut zu machen.

1 Kommentare:
"der noch nicht wieder in Topform befindliche Bastian Schweinsteiger"
An dieser Stelle bin ich anderer Meinung als der geschätzte Autor. Was Schweinsteiger gespielt hat, in jeder einzelnen Situation, ragte in meiner Wahrnehmung weit heraus. Selbst gegenüber Müller und Gomez.
(Ich weiß, formal ist das kein Widerspruch zu Deiner Aussage. Trotzdem.)
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