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Montag, 22. November 2010

"Scheiss Schalke, fünf Euro"

Einzig die Schal-Frau am Stadion brachte mich nach der Partie der Bayern in Leverkusen zum Lachen: "Scheiss Schalke, fünf Euro" rief sie und entlockte mir einen traurigen Rest Humor. Das Lachen war mir bereits kurz vor der Pause vergangen, als wieder mal Daniel van Buyten als Verstärkung des Gegners auftrat, den Ball unnötig fehlpasste und letztendlich der Ausgangspunkt des 1:1-Ausgleichs war. 

Ich war bereits auf dem Weg zum Stadion, da fiel mir ein dass ich die Karten vergessen hatte - wie kann denn so etwas passieren?  Egal, schnell noch mal nachhause und die Tickets geholt.  Vielleicht war das schon ein böses Omen, nur ahnte ich davon nichts und machte mich optimistisch und vorfreudig auf den Weg zur BayArena. Es ging auch ganz ordentlich los, Leverkusen unter Druck und - zack! - Eins zu Null durch Schweinsteiger für die Bayern - dachte ich jedenfalls. Niemals Abseits war mein erster Gedanke. Das Schiedsrichtergespann sah es anders und annullierte den Treffer. Ärgerlich! Die Bayern weiter Herr auf fremdem Platz. Die erste Halbzeit über war der FC Bayern dominant und traf erneut, diesmal durch Mario Gomez in der 34. Minute. Doch wann immer der, bis zu diesem Zeitpunkt harmlose, Gastgeber in die Nähe unseres Strafraums kam, wurde die Bayern-Hintermannschaft fahrig. Die Ball führenden Spieler wurden nicht angegriffen, großzügig in den Strafraum geleitet und ihnen eine Menge Raum angeboten. Dilettantisch! Die Krönung der Unfähigkeit leistete sich dann Daniel van Buyten. Der Belgier spielt den Ball unbedrängt aus drei Metern statt zum Mitspieler in des Gegners Beine. Leverkusen nutzt den Patzer, so dass Pranjic Sidney Sam im Strafraum angehen muss. Der fällt wie Herbstlaub - Elfmeter. Arturo Vidal schießt den Ausgleich.

Was dann in Hälfte zwei geschah, dafür fehlt mir jedes Verständnis. Breno, das ewige Talent, stolzierte wie ein Pfau mit dem Ball herum und verschleppte das Aufbauspiel der Bayern. Damit hätte ich noch leben können, aber unter Druck gelang dem Brasilianer ein Kerzenkopfball nach dem anderen - Ballannahme Fehlanzeige - und beinahe jeder Ball landete so beim Gegner. Bei Breno fehlt es nicht an den Fähigkeiten, aber an der Einstellung. Meine Geduld mit ihm ist jetzt am Ende.
Die Innenverteidigung - eine Katastrophe. Aber auch Tymoschtschuk und Ottl liefen mehr neben dem Gegner her, als dass sie die Leverkusener Versuche unterbinden konnten. Der Gegner, nun stark gemacht, spürte dass dieser FCB verwundbar ist, kam besser ins Spiel und gestaltete den zweiten Durchgang offener. Lahm nahm am Spiel nicht teil, Ribéry nach seiner Einwechslung ebenso wenig - einziger Lichtblick: Schweinsteiger. Kroos ist nur ein Schatten von dem jungen Mann, der an eben dieser Stelle im letzten Jahr glänzte. Letztendlich war das Unentschieden sogar gerechtfertigt - gegen eine Mannschaft ohne Sturm (Helmes auf der Bank, Derdiyok schwach). Das ist eines Titelverteidigers nicht würdig. 

Das Thema Meisterschaft hat am Samstagabend sein unrühmliches Ende gefunden - Gratulation, Dortmund. Jetzt gilt es einen der Champions League-Plätze zu ergattern, was angesichts solcher Auftritte eine Herausforderung werden dürfte. 
Gut gefallen hat mir die Stimmung im Bayern-Block. Vom Leverkusener Anhang hörte man nichts, die Bayern-Fans haben 90 Minuten lang ordentlich Alarm gemacht. Mein hartnäckig redender Sitznachbar, Präsident eines Bayern-Fanklubs aus dem Spessart, ließ sich trotz aller Nachlässigkeiten auf dem Platz nicht die gute Stimmung verderben, ganz im Gegensatz zu mir.

Im Hinblick auf die kommenden Aufgaben schwant mir nichts Gutes. Louis van Gaal redete nach dem Spiel die Mannschaft stärker als sie war, aber was soll er auch tun? Van Buyten kann er erst nach Badstubers Rückkehr aussortieren, Ribéry ist noch nicht fit, Robben fehlt ohne Ende - und mit unserer Innenverteidigung  muss er bis zur Winterpause leben. Es rächt sich, dass sich der Niederländer allzu sehr auf die Statistik der Defensive verlassen und keine Neuverpflichtungen für die Abwehr gefordert hat. Schon im Champions League-Finale gegen Mailand konnte man sehen, wo es uns mangelt. Internationale Spitzenklasse haben wir in der Abwehr nur auf zwei Positionen. Dazu kommt, dass Philipp Lahm derzeit mehr Engagement bei seinen zahlreichen Interviews zeigt, als auf dem Platz - und dass unsere Back-ups (Ottl, Altintop) eben doch nur Durchschnitt sind. Mit Durchschnitt wird aber kein Meister. 

Franz Beckenbauer sagte vor Wochen, dass es kein Beinbruch wäre, wenn der FCB mal nicht Deutscher Meister würde. Das kann man so sehen, ist so ungefährlich aber nicht. Es geht darum, einen Mann wie Bastian Schweinsteiger im Verein zu halten. Es geht darum, auch international innerhalb der nächsten zwei Jahre die Ernte einzufahren. Wenn wir nicht mal Meister werden können, dürfte das schwierig werden. Dafür braucht man Spitzenkräfte - und die lockt man nicht mit einem dritten Platz oder der EuroLeague nach München. Mit dieser Abwehrleistung werden wir auch in der Champions League noch unser blaues Wunder erleben. Vielleicht schon am Dienstag in Rom.  

FernglasFCB tippte 2:0 (Ergebnis: 1:1)

4 Kommentare:

gses hat gesagt…

"Meine Geduld mit ihm ist jetzt am Ende"

Hat aber ganz schön lang gedauert - nach einer (!) Einwechslung und einem (!) Spiel von Anfang an.

Zechbauer hat gesagt…

Sportskamerad Breno ist schon länger im Klub - und gilt, nach wie vor, als ein unglaubliches Talent. Man sieht es nur nicht. Hat also eine Vorgeschichte.

Andi (Baziblogger) hat gesagt…

Sehr deutliche Worte. Ich würde uns wünschen, dass die Bayern als Mannschaft und Breno als Einzelspieler eines Tages - wohl aber in dieser Saison noch - dafür sorgen werden, dass du deine Meinung revidierst. Breno würde ich schon noch etwas mehr Zeit geben. Was soll der Kerl denn in seinen Spielminuten 46 bis 135 nach der Verletzung machen? Natürlich war offensichtlich, dass ihm noch einiges fehlt, aber das ist doch ganz normal. Mit etwas mehr Spielzeit wird er ganz bestimmt sicherer. Ich selbst glaube auch nicht, dass wir mit Breno einen Innenverteidiger haben, auf den in drei Jahren vielleicht die ganze Welt neidisch ist. Aber ein wenig mehr Zeit muss man ihm schon geben. Wenn man wöchentlich van Buyten sieht, ist man ja schon froh wenn der andere IV wenigstens solide, wenn schon nicht gut, spielt. Das geht aber natürlich nicht so schnell in seinem Falle.

gses hat gesagt…

Als Breno unter Klinsmann - nach langer Zeit des Nichtvertrauens - zum Zug kam, war das gegen die damals unaufhaltsamen Grafite/Dzeko und am Ende hieß es 1:5.
In Nürnberg musste er Verantwortung übernehmen und hat eine gute Saison gespielt. Zu Erwarten, dass er in 1 1/2 Spielen voll da ist halte ich für unmöglich, besonders in der aktuellen Situation, bei der im Verein nicht alles rund läuft.
Der muss einfach mal 10 in Folge spielen, dann sieht man schon wo die Reise hingeht.