"Das Spiel bot beste Unterhaltung, es brachte ständige Wendungen und Dramatik, es war im Wortsinn packend. Dieses Spiel bemächtigte sich nämlich mehrmals der Beteiligten beider Seiten, es versetzte sie in glückselige Zustände, ließ sie dann aber schon bald in Fassungslosigkeit und Enttäuschung umschlagen. Und umgekehrt.", heißt es in der Süddeutschen Zeitung. Und darüber kann man sich eigentlich freuen, wenn man ausgerechnet für ein solches Spiel Karten hat und in Begleitung eines sehr sympathischen Gesinnungsgenossen die ganze Atmosphäre und Dramatik live vor Ort aufsaugen darf.
Doch ehrlich gesagt, ich halte es da ganz mit Mario Gomez, letztendlich ist es zum Kotzen!
Ich vermutete 80 Prozent Ballbesitz in Halbzeit eins - und es waren tatsächlich 79 Prozent. Bei allem Optimismus vor dem Spiel, aber das war mehr als ich erwartet hatte. Die Bayern auf jeder Position mit guter bis sehr guter Leistung, kaum Fehler zu erkennen. So auch nicht beim 1:0 der Gastgeber, als eine Flanke von Patrick Herrmann in der fünften Minute ihre Flugbahn verließ und irgendwie hinter Torhüter Butt im Tor der Bayern einschlug. So einen Glücksschuss verhindern, kann man nur mit seherischen Fähigkeiten.
Einen Schuss gab es noch - direkt in die Arme von eben jenem Hansjörg Butt - das wars für Gladbach in Sachen Offensive. Nicht nur der Anteil am Ballbesitz, der Mangel an eigenen Fehlern, die Harmlosigkeit des Gegners und die zwei Treffer zur Führung sprachen für einen Sieg des FCB - sie spielten sich Chancen en masse heraus, eher früher als später dürfte ein weiterer Treffer hier für die Entscheidung sorgen. Als dann selbst ein Elfer durch Schweinsteiger nicht verwandelt wurde, machten sich die wenigsten Bayern-Fans wirkliche Sorgen. Gladbach war hoffnungslos unterlegen. Bis hier hin hätte es 4:1 für die Bayern heißen müssen.
Eine weitere Halbzeit später fragte ich mich verärgert, warum Bastian Schweinsteiger diesen überflüssigen Zwischenschritt beim Anlauf hatte einlegen müssen? - Arroganz? Damit brachte er sich aus dem Rhythmus und nicht Gladbachs Schlussmann Heimeroth - ein Treffer hätte das Spiel zu diesem Zeitpunkt sicher entschieden.
Was in der Halbzeitpause mit den Roten passierte, dürfte unerklärlich bleiben. Es war die Verwandlung in den FCB, den wir vom Saisonstart noch allzu gut kennen. Kein Selbstvertrauen, kaum Aggressivität, Fehler und Patzer, zu spät beim Gegner, unglücklich im Abschluss. Die, die ich vorher lobte, verloren völlig ihre Linie: Pranjic, Tymoschtschuk, Ottl - selbst Schweinsteiger. Unsere Innenverteidung? Zwei aufgeschreckte Hasen. War man wirklich überrascht, dass die Borussia bei einem Tor Rückstand in Hälfte zwei nochmal alles versuchte?
Es kam was kommen musste, die Einladungen der Bayern blieben nicht ungehört. Gladbach glich aus, Gladbach ging in Führung. Die Bayern-Kurve war fassungslos.
Dass es letztlich durch einen Kraftakt noch zum Ausgleich reichte, verdient Lob für die Moral - mehr aber auch nicht. Die Chancen zum Sieg, durch Gomez und Kroos blieben ungenutzt - heraus kommt ein Punkt, wo es doch drei hätten sein müssen.
Ein FC Bayern, der solche Spiele noch aus der Hand gibt, der wird mit Sicherheit kein Deutscher Meister. Die Realität heißt Mittelfeld, fern ab von Titelchancen und Champions League-Plätzen. Die Realität heißt Mittelmaß. Für einen Bayern-Fan ist das zum Kotzen.
FernglasFCB tippte 2:0 (Ergebnis: 3:3)

2 Kommentare:
Gefällt mir, wie das Spiel aufarbeitest. Sehr sachlich, realistisch, selbstkritisch und - worüber man sich bei Euch dann ja am meisten freut - überhaupt nicht arrogant. Danke!
Ein "Du" gibt's noch gratis hinterher.;)
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