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Donnerstag, 4. November 2010

Jörg Dahlmann bewirbt sich "on air"

Nein, der Bayern-Fan hatte gestern Abend keinen Grund sich über diverse Unzulänglichkeiten der Bayern-Spieler aufzuregen. Ja, nicht alles war rund - und ja, Cluj ist nicht der Maßstab an dem sich der Vorjahresfinalist der Champions League messen lassen muss. Dennoch gab es viel Ansehnliches, einen Hattrick von Gomez, ein paar tolle Paraden und Reaktionen von Butt und insgesamt vier hübsche Bayern-Tore auf fremdem Platz. Achtelfinale erreicht, Rekordstart in der Champions League für die Bayern mit vier Siegen in den vier ersten Gruppenspielen. 

Doch was dann - nach dem Spiel - Reporter Jörg Dahlmann im Tee hatte, fällt mit Sicherheit unter das Betäubungsmittelgesetz. Betäubt waren Feingefühl, Instinkt, Berufsethos und ein Gespür für die Situation - all das hatte Dahlmann für einen Moment über Bord geworfen und sich für den Investigativ-Reporter einer Boulevard-Zeitung gehalten. In dieser, ihm von sich selbst auferlegten, Rolle ging er dann für unerträgliche Minuten nicht nur Trainer van Gaal auf den Geist, sondern auch dem Zuschauer. 

Es ging bei diesem Interview nicht mehr um das Spiel oder Ergebnis, es ging ihm auch nicht um das Weiterkommen der Bayern - ja, es ging ihm nicht mal um die Leistung von Mario Gomez. Einzig und allein auf die "Hoeness-Schelte" gebürstet, versuchte er in boulevardesker Manier den Bayern-Trainer Louis van Gaal in die Richtung des "beratungsresistenten Trainers" zu drängen. Van Gaal - anfangs höflich - erklärte für jedermann verständlich, warum der Gomez des Moments nicht der Gomez von Beginn der Saison war und er ihn somit nicht als erste Wahl einstufte. Jörg Dahlmann hatte sich allerdings während dieser Antwort in das Wörtchen "beratungsresistent" verliebt - und das über beide Ohren. Doch das macht man nicht mit einem wie van Gaal - und der stellte den Mikrofonhalter dann mal ordentlich in den Senkel. Dahlmann jammerte noch, es sei schließlich sein Job so etwas zu fragen - nein, Herr Dahlmann, ihren Job haben sie gestern schlicht verwechselt! Immerhin wissen wir jetzt, dass einer wie Jörg Dahlmann nicht so blöd ist, etwas auf Pressemeldungen zu geben. Aha. Na dann. 
Unerträglich aufdringlich und auch respektlos fing er dann wieder mit der Thematik Hoeness an, obwohl schon vor dem Spiel dahingehend alles gesagt wurde und van Gaal die Fragen des Herrn Dahlmann in klarstem Deutsch beantwortet hatte. Das wäre der Punkt gewesen, an dem ich das Interview abgebrochen hätte - van Gaal aber blieb ruhig, antwortete erneut, bis ihn Jörg Dahlmann nach seinen eigenen Worten großkotzig "entließ". Entlassen müsste man nach gestern Abend Jörg Dahlmann. Nach dieser "Bewerbung on air" würde er sicher zügig einen neuen Job finden... bei irgendeiner Boulevard-Zeitung. Aber bitte, Herr Dahlmann, nicht im deutschen Fernsehen!

Das Video gibts hier.

FernglasFCB tippte 1:2  (Ergebnis: 0:4)

12 Kommentare:

Nico hat gesagt…

Interessante analyse. Ich war beim Public viewing und hab dann nicht mehr mitbekommen was er gesagt hatte. Gefällt mir aber, deine Analyse.

Jannik hat gesagt…

Kann ich so gar nicht nachvollziehen den Eindruck. Im Gegenteil finde ich, dass van Gaal da eher genau die Dinge bestätigt, die Hoeneß angeprangert hat. Bin beileibe kein Dahlmann-Freund, aber da fand ich alles Rahmen. Und wo ist das Problem, dass er sich nicht von van Gaals Hinweis auf die Pressemitteilung abspeisen lässt? Irgendwie suchst Du da das Haar in seiner ansonsten ziemlich leckeren Suppe - als wenn Euch alle Welt etwas Böses wollte.

Zechbauer hat gesagt…

@Jannik: Es gab ja vor dem Spiel schon ein Interview, bei dem vG ziemlich bereitwillig über die Hoeness-Sache gesprochen hatte. Warum fing Dahlmann nach dem Spiel erneut damit an? Dann erst kam ja der Hinweis auf die PM.

Sorry, aber nee - solche Reporterfragen haben keine sportlichen Wert - hier gings doch nur darum vG zu irgendetwas zu provozieren.

Stefan hat gesagt…

Ich fand die Gomezfrage von Dahlmann völlig berechtigt und richtig gestellt. Er wollte damit wahrscheinlich bezwecken, dass van Gaal den Zuschauern einfach kurz erklärt, wieso der "Jetzt-Gomez" nicht der vom Saisonbeginn ist. vG muss da den letzten Satz ("Wenn sie das nicht verstehen, ist das ihr Problem") nicht wirklich äußern.

Noch dümmer war dann allerdings Dahlmann, der darauf nicht reagiert und trotzdem nochmals das Hoeneß-Thema anschneidet.

Zechbauer hat gesagt…

Dahlmann fängt doch bei der Gomez-Frage mit dem Stichwort "beratungsresistent" an - das nenne ich unverschämt. Die Intension war doch negativ - und das hat vG genauso erkannt ("Negativ-Frage"). Nach einem 4:0 auswärts, nach einem Einzug ins Achtelfinale bereits nach der Hälfte der Gruppenspiele. Sorry, aber das kann ich nicht akzeptieren.

Andi (Baziblogger) hat gesagt…

Vielen Dank für die Verlinkung. Ich war richtig gespannt auf dieses Interview. Ganz so empörend finde ich es jetzt aber nicht. Klar hat Dahlmann ein bisschen am großen Rad gedreht, aber nach dem, was bei Twitter danach los war, hatte ich mehr erwartet. Hut ab vor van Gaal, dass er da so gelassen blieb. Aber vermutlich nur nach außen, damit heute nicht zu lesen ist, dass van Gaal nicht mehr mit Druck umgehen kann.

Zechbauer hat gesagt…

Mir geht diese Art von Interviews mittlerweile so etwas von auf den Sac* - es ist nicht zum Aushalten. Kann denn niemand mehr einfach nur interessante Fragen zu Spiel, Taktik und Leistungen stellen? Muss es jedesmal das Bedienen von boulevardesken Reflexen sein?

Schlimm genug, dass sich die Berichterstattung während der Spiele schon so viel Zeit für Anspielungen und Nebenkriegsschauplätze nimmt. Ganz abgesehen davon, mag ich Dahlmanns überdrehte Art ohnehin nicht.

Huge hat gesagt…

Aus meiner Sicht völlig berechtigte Fragen und eine überzogene Reaktion vom van Gaal. Das scheint bei ihm ja Routine zu sein.
Viel nerviger finde ich das, was JBK hinterher noch sabbelt.

Stefan hat gesagt…

@ Zechbauer: Das Wort "beratungsresident" fällt erst nachdem van Gaal zu Dahlmann sagte, dass es ihm Leid tue, wenn er die Gomez-Problematik nicht verstehen würde. Hätte der Trainer den letzten, unnötigen Satz einfach weggelassen, wäre auch (vorerst) keine Schärfe in das Interview gekommen.

Den Stein ins Rollen hat vG gebracht, nur muss dann Dahlmann so erfahren genug sein, um nicht weiter darauf einzugehen.

Das die Frage nach der Hoeneß-Geschichte deplatziert war, steht außer Frage.

Flo hat gesagt…

Ich habe gestern nur das Sky Interview gesehen, da wirkte van Gaal bezüglich der Gomez Leistung deutlich reservierter ("er ist Stürmer und steht näher zum Tor, da ist es für ihn leichter"), während er hier mMn freundlicher (erfreuter) rüberkommt im Bezug zur Gomez Leistung. Leider fängt Dahlmann danach eben an, das Interview gegen die Wand zu fahren, deswegen ist es nur ein kurzer Moment, wo mir das aufgefallen ist.

Noch jemand, der beide Interviews vergleichen kann, oder war das nur mein subjektiver Eindruck?

Stefano hat gesagt…

(Da ich es gerade in einem anderen Kommentar schrieb)
Äh, spinne ich? Das "Beratungsresistent-Interview" fand auf SAT1 VOR dem Spiel gegen statt. Nach dem Spiel gab es noch ein etwas Vernünftigeres.
Nein, ich spinne doch nicht?

Stefano hat gesagt…

Doch, ich spinne...peinlich!

Sorry!