Follow by Email

Donnerstag, 25. November 2010

Im Sinne guter, alter Tradition

Stefan Kuntz sprach von einem Personaletat in Höhe von 8,5 Millionen Euro, mit dem die "Mission Aufstieg" des 1. FC Kaiserslautern von der zweiten in die erste Bundesliga gelingen sollte. Sie gelang. Der Klub aus der Pfalz ist seit dieser Saison wieder erstklassig. Allerdings nicht mit der von Kuntz geplanten Summe. Die Jahreshauptversammlung des 1. FCK am 19. November offenbarte ganz anderes Zahlenwerk: 14,91 Millionen Euro betrug der Personaletat im zurück liegenden Geschäftsjahr. Wohlgemerkt für die zweite Liga! Das entspricht dem Personaletat des FSV Mainz 05 in der letzten Bundesligasaison. Und das sind knapp 5,5 Millionen mehr als von Kuntz ursprünglich veranschlagt  Noch deutlicher stiegen die "sonstigen Aufwendungen" von 7,5 auf etwa 11,4 Millionen Euro - ein Plus, sprich Minus, von fast 4 Millionen Euro.  

Die abgelaufene Saison hat der Klub aus der Pfalz mit einem Defizit von rund 3,9 Millionen Euro abgeschlossen. Der durch das Vereinsvermögen nicht gedeckte Fehlbetrag an Rückstellungen* beträgt nun insgesamt 5,2 Millionen Euro - also fast die Summe, die der 1. FC Kaiserslautern mehr als beabsichtigt im letzten Jahr für Personal ausgegeben hat.
Zwar stiegen unter dem Strich die Gesamterlöse um 3,5 Millionen Euro, wurden aber von den höheren Aufwendungen aufgefressen. Insgesamt schließt der 1. FC Kaiserslautern  mit einem Minus von rund 3,9 Millionen Euro das Geschäftsjahr ab.

Es gibt Klubs im Oberhaus des deutschen Fußballs, die stehen deutlich schlechter da als die Pfälzer, deren Lizenz im nächsten Jahr nicht gefährdet scheint. Es stellt sich allerdings die Frage nach der Wahl der Mittel. Die Stadt Kaiserslautern und das Bundesland Rheinland-Pfalz stunden dem Verein einerseits 600.000 Euro Stadionmiete pro Saison - dazu kommt, dass die Miete für das ohnehin schon defizitäre Fritz-Walter-Stadion  für diese und auch die nächste Saison um 1,2 Millionen Euro pro Jahr vermindert worden ist. Dieses Geld gehört nicht der Stadt Kaiserslautern oder Rheinland-Pfalz, dieses Geld ist vom Steuerzahler. In Summe sind das in zwei Jahren 2,4 Millionen Euro plus ein Darlehn in Höhe von 1,2 Millionen Euro, die dem Steuerzahler aufgebürdet werden - unabhängig davon, ob dieser nun Anhänger des 1. FC Kaiserslautern ist oder überhaupt für Fußball etwas übrig hat.

Für das laufende Geschäftsjahr hat Stefan Kuntz einen Personaletat von 13 Millionen genannt. 1,9 Millionen Euro weniger für die Bundesliga als für Liga zwei im letzten Jahr. Wie glaubhaft ist das, angesichts dessen, was hier im ersten Absatz beschrieben wird?
Auf der Jahreshauptversammlung hat niemand der Anwesenden daran Anstoß genommen - warum auch? Im Sinne guter, alter Tradition macht der Klub aus der Pfalz einfach das, was er am besten kann: Falsch rechnen, dann jammern, um als Bettler durchs Land zu ziehen, nicht müde werden zu betonen wie wichtig der Klub für die Region ist  und Politiker ins Vereinsboot holen, die dann mit Steuergeldern wieder und wieder den Karren aus dem Dreck ziehen, um sich lokal zu profilieren.
Und da diskutieren wir allen Ernstes über Traditionsvereine und solche die es nicht sind? Ich will Mannschaften in der Bundesliga sehen, deren Tradition es ist professionell und verantwortungsvoll zu wirtschaften, um sportlichen Erfolg zu erzielen. Subventionsgräber gibt es schon genug.  


* Eine Betriebsprüfung des Finanzamtes für die Jahre 2001 bis 2003, zwang den Verein zu einer Erhöhung der bereits bestehenden Rückstellung.

11 Kommentare:

Joshtree hat gesagt…

Du schreibst mir aus dem Herzen. Angesichts der Kommentarflut beim Breitnigge-Paule, als der mal seine Meinung über den "Traditions"verein kundtat, wünsche ich Dir jetzt viel Spaß beim Spamsortieren.

Zechbauer hat gesagt…

Bin drauf vorbereitet. ;)

Gunnar hat gesagt…

Volle Zustimmung.
Allerdings traue ich Kuntz zu, früher oder später den Laden auch finanziell wieder in den Griff zu bekommen, auch ohne Bettelei.

blogundweiß.de hat gesagt…

Soweit ich weiß, hat die Stadt bzw. das Land auch 200 Millionen Euro in die Infrastruktur rund um die Allianz-Arena gesteckt.
Auch auf Schalke, in Frankfurt, etc. ist/war das Land bzw. die Stadt im Spiel. Warum man sich gerade über Kaiserslautern aufregt ist mir schleierhaft und zu einfach.
Wenn man alleine an die Kosten für die Polizei pro Spieltag denkt, müsstest du dich als Steuern zahlender Nicht Fußballfan jede Woche darüber aufregen.

Zechbauer hat gesagt…

@blogundweiß Lautern war das Thema, nicht Schalke und nicht Frankfurt. Sicher ist es anderswo ähnlich gelagert - das macht es nicht besser. Ich sehe allerdings einen Unterschied zum dem von Dir angeführten Beispiel Allianz Arena. Der FCB ist für München sicher ein ganz anderer "Wirtschaftsfaktor" als der FCK für Rheinland-Pfalz oder K'lautern. Das holt man allein durch Steuern spielend wieder rein.

Ich bin auch für eine Beteiligung der Klubs an den Polizeieinsätzen - keine Frage.

dominion hat gesagt…

Ich sehe das genauso kritisch wie du und beobachte die Aktionen in der Pfalz seit Jahren mit großer Skepsis und Verwunderung. In gewisser Hinsicht ist die Handlungsweise aber auch wiederum verständlich: Wenn man nämlich davon ausgeht, dass im Falle eines erneuten Abstürzen des FCK (der ja, hätte Helmes damals nicht den Pfosten getroffen hätte, wohl auf ewig in Liga 3 verschwunden wäre) wesentlich größere Einnahmeausfälle zu verzeichnen wären. Was sollte man denn in Kaiserslautern - einer Stadt, die deutlich kleiner ist als etwa Darmstadt oder Heidelberg und zudem nicht in einer vergleichbar dicht besiedelten Region liegt - mit einem Stadion dieser Größenordnung, wenn da nicht jede Woche 40.000 Leute hinkommen?

Zechbauer hat gesagt…

@dominion Ich kann die Motivation auch verstehen - aber die verstehe ich auch bei manchem, der seine Ehefrau erdrosselt. Falsch ist es trotzdem.

18:48 Marcus hat gesagt…

Vollste Zustimmung. Staat und Politik sollen sich da raus halten. Wettbewerbsverzerrung pur und zudem ist es quasi eine Beihilfe zum unwirtschaftlichen Handeln. Zumindest das können die Politiker. - Schalke, Dortmund, Kaiserslautern,... wären alles schon weg vom Fenster, wenn nicht mit zweierlei Maß gemessen würde. Somit kann zwar der VfL Bochum stolz darauf sein, dass er schuldenfrei darsteht, aber die anderen machen die lange Nase, denn im deutschen Profifußball währt ehrlich nicht am längsten.

blogundweiß.de hat gesagt…

@Zehbauer:
Darf man hier nicht mal einen Vergleich anstellen? Nur weil Kaiserslautern klein ist, dürfen sie nicht auch Hilfe vom Land erwarten? Nach dem Motto: Der Teufel darf nur auf den größten Haufen scheißen?

Klar muss auch dort wirtschaftlicher gearbeitet werden. Dagegen sage ich auch nichts. Und ob der FC Bayern in München ein größerer Wirtschaftsfaktor ist als der FC K in Lautern, wage ich doch mal stark zu bezweifeln.
Im Verhältnis (FC B/FC K - München/Lautern) würde ich doch glatt mal behaupten, dass das so nicht stimmt.
In München sitzen mit Audi und BMW noch andere große Konzerne (und das waren nur 2 Beispiele). Was hat Kaiserslautern da zu bieten? Ich habe keine Lust das jetzt zu recherchieren, aber wie gesagt: Ich behaupte mal, deine These ist falsch.

Anonym hat gesagt…

Ja, das ist ja im Prinzip nichts Neues über den FCK. Der Verein gehört eigentlich nicht in die erste Liga, Tradition hin oder her.
Ich selbst wohne in Rheinland-Pfalz und könnte mich jedes Mal aufs Neue darüber aufregen. Kein Wunder, dass man beim FSV Mainz 05 oder der TuS Koblenz auf diesen Verein nicht so gut zu sprechen ist.
Wenn Helmes damals wirklich getroffen hätte, wie bereits erwähnt wurde, dann wäre es interessant geworden mit diesem Verein.

Zechbauer hat gesagt…

@blogundweiß: Natürlich darfst Du - ich habe mich allerdings ausschließlich mit dem 1. FCK befasst - und andere Vereine bewusst außen vor gelassen. Exemplarisch sozusagen. Sonst wird der Artikel viel zu lang.

Die Wirtschaftskraft der Bayern für München ist erheblich. Es gibt eine Studie darüber, die mir aber nicht vorliegt.
Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass "Lauterer Fans" wegen des Fußballs kommen (die meisten kommen ohnehin aus der Region) und deshalb gleich das ganze Wochenende in der Stadt verbringen (wenn sie ohnehin nicht dort schon wohnen). In München sieht das doch wohl ganz anders aus - meinst Du nicht? Ich bezweifle die gern kolportierte wirtschaftliche Bedeutung des Pfälzer Klubs für die Stadt ganz erheblich. Aber wie Dir, fehlt mir auch hier aussagekräftiges Zahlenwerk. Wir vermuten also konträr.