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Samstag, 23. Oktober 2010

wie zwei Boxer


Die erste Hälfte der ersten Hälfte gehörte dem HSV. Der Boxer aus der blauen Ecke ging forsch und offensiv zur Sache. Mit Guerrero und van Nistelrooy wollte Trainer Armin Veh die Bayern ordentlich unter Druck setzen, was allerdings nicht so richtig gelang, da der Boxer aus der roten Ecke aus einer massiven Deckung heraus agierte und auf Konter lauerte. Völlig ungewohnt, die Gastgeber hatten mehr Ballbesitz als der FCB. Mitte des ersten Durchgangs legten die Bayern dann die verhaltene Gangart in Sachen Offensive ab und trauten sich zunehmend auch Druck auf die Hamburger ausüben zu wollen. Das gelang lediglich bis vor den Strafraum der Hausherren, dann blieben die Angriffsbemühungen meist zwischen des Gegners Beinen hängen. 
Es war ein Spiel, das bestimmt war von Angriff und Gegenangriff in der Zone zwischen beiden Strafräumen. Gegenseitig jagte man sich den Ball ab, versuchte mit schnellen Vorstößen den Gegner zu überraschen. Frühes Attackieren war Trumpf. Ein Kampfspiel auf hohem Niveau was den Einsatz betraf. Torraumszenen waren allerdings Mangelware, was aber keinesfalls gleichbedeutend mit einem schlechten oder gar langweiligen Spiel war. Im Gegenteil: Der Zuschauer spürte, es stehen sich hier zwei Schwergewichte gegenüber, die auf einen Fehler des Gegenübers und ihre Chance zum "lucky punch" warteten. 

Nach dem Wechsel wurde dies noch deutlicher. Allerdings spürte man mit fortlaufender Spielzeit, dass die Hamburger sich zwar klarere Tormöglichkeiten erkämpften, aber konditionell schwer taumelten. Der Treffer, der KO-Schlag der Bayern, er lag förmlich in der Luft, so dass der Zuschauer regelrecht die Luft anhielt. Doch der eine entscheidende Schlag, er blieb hüben wie drüben aus. Pitroipa konnte eine hundertprozentige Torchance nicht nutzen und traf nur den Pfosten - und die Bayern verfingen sich weiterhin in der Hamburger Abwehr, schlossen überhastet ab, oder ließen das letzte, tödliche Zuspiel vermissen. Es gibt keinen Zweifel, dass ein Unentschieden das einzig gerechte Ergebnis am gestrigen Abend war. Dennoch sind beide Kontrahenten am Ende nicht so ganz zufrieden: Die Hamburger, weil sie ihre Torchancen nicht genutzt haben - und die Bayern, da sie das entscheidende Moment vor und im gegnerischen Strafraum vermissen ließen, obwohl der Gegner ihnen mehr als genug Raum ließ. Ein Punkt reicht weder dem HSV, Anschluss zur Tabellenspitze zu schaffen, noch den Bayern um ihrerseits die Distanz zum oberen Drittel zu verkürzen.

Es war ein Kampf über zwölf schwere Runden, der entscheidende Knockout blieb aus. 

Was die Performance der Bayern-Spieler angeht, so gab es einen glasklaren Gewinner: Anatolij Tymoschtschuk. Großartiger Einsatz von ihm, fast ausnahmslos erfolgreiche Störaktionen oder gewonnene Zweikämpfe. Der beste Innenverteidiger, den der FCB seit Wochen aufzubieten hat - und dies, obwohl er eigentlich keiner ist. 
Auch Altintop gehörte gestern Abend zu den Positivverstärkern im Team. Lauffreudig, zweikampfstark und deutlich besser, als noch gegen Cluj. Der entscheidende Pass oder Schuss wollte aber auch ihm nicht gelingen. 
Deutlich zäher die Performance der Spieler Schweinsteiger, Kroos und Ottl. Schweinsteiger unterliefen einige Patzer, wenn auch weniger als noch in der Champions League-Partie am Dienstag. Seine Schussversuche landeten im Gegner, seine Genialität lässt er momentan zu selten aufblitzen. Toni Kroos war über 75 Prozent des Spiels bei Rincón abgemeldet. Wieder kaum Abschlüsse, kaum gewonnene Zweikämpfe, eine ungenutzte Torchance. Ein Mal ließ er seinen Spielwitz aufflackern - aber das ist deutlich zu wenig. Tja, bleibt noch Ottl. Es fehlt die Alternative für van Bommel. Das ist aber auch der einzige Grund warum er auf  dem Platz steht. Defensiv wars in der ersten Hälfte okay, in Halbzeit zwei lief er dann nur noch neben dem Gegner her ohne einzugreifen. Nach vorne weder Ideen, noch die Fähigkeit zur Spielgestaltung beizutragen. Bei Schüssen komplett ungefährlich. Noch schlimmer aber präsentierte sich gestern wieder Danji Pranjic. Haarsträubende Abspielfehler, Pässe in die Füße des Gegners - und sein Offensivspiel blieb ohne Wirkung. Einzig in der Defensive war Pranjic relativ wach.
Unterm Strich muss man den Bayern das attestieren, was ich vor dem Spiel gefordert hatte: aufopferungsvollen Kampf, Einsatz und Biss. All das wurde geboten. Letztlich fehlte es in den Details und auf den letzten Metern vorm gegnerischen  Tor. Damit - und mit dem Punkt - kann man fürs Erste leben. 


FernglasFCB hat 2:1 für den FC Bayern getippt (Ergebnis: 0:0)
 

4 Kommentare:

Beatsox hat gesagt…

Kann ich soweit mitgehen. ;)

Demi hat gesagt…

Also Zechbauer, ich muuss Dir jetzt mal ein Kompliment für Deine Spielanalyse machen. Ich verfolge Deinen blog bereits seit geraumer Zeit und du liegst mit Deinen Analysen fast immer richtig bzw. auf meiner Wellenlänge. Aber glaub mir, ich spiele seit 40 Jahren Fußball und hab schon etwas Ahnung davon.

Also, mach so weiter!!!

Zechbauer hat gesagt…

Vielen Dank für das Feedback. Manches ist da doch sehr subjektives Empfinden, aber freut mich dass ich mit meiner Einschätzung nicht so ganz falsch liege.

Demi hat gesagt…

Auch wenn es subjektiv ist, aber Du hast auf jeden Fall Ahnung von der Materie im Gegensatz zu manch anderen blogs.