Follow by Email

Sonntag, 29. August 2010

Durchschnittsnote 4-

Ich darf ganz sicher den ein- oder anderen Lauterer Gastleser an dieser Stelle herzlich begrüßen! Das geht runter wie Öl, oder? Ist ein innerer Reichs... na ja, versteh' ich. Würde mir wohl auch nicht anders gehen. Also herzlich Willkommen in diesem Bayern-Blog! ;)

Ich kenne ja meine Bayern mittlerweile ziemlich gut und demnach wusste ich bereits nach 35 Minuten Spieldauer, dass das nichts wird. Aber die größere Marter als nach etwas über einer halben Stunde zu wissen, dass die Bayern es irgendwie versemmeln, waren die Kommentare der Herren bei Liga total. Unfassbar, wie viel Unsinn man in knapp zwei Stunden in die Mikrofone sabbeln kann.
Der Kommentator des Spiels zog dann immer wieder absurde Vergleiche zur Fußball-Weltmeisterschaft heran - so zum Beispiel, dass die Lauterer Fans Mark van Bommel auspfeifen, weil er und seine Landsmänner im Finale so unfair gegen die Spanier agiert hätten. Hä?
Interessant war auch Bruno Labbadia in der Halbzeitpause und nach der Partie, als er sein Unverständnis über die Nichtberücksichtigung des Martin Demichelis kundtat ("ein Mann dieser Qualität..."). Äh, Herr Labbadia? Als Trainer des HSV waren Sie es doch, der aus disziplinarischen (oder persönlichen?) Gründen wichtige Stammkräfte auf Tribüne oder bis kurz vor Spielende auf der Bank schmoren ließen, die dem Klub ganz sicher hilfreich gewesen wären. Vom Saulus zum Paulus, Herr Labbadia?
Natürlich wurde wieder tief in die übliche Klischee-Kiste gegriffen und genau das propagiert, was uns wie Pickel ein Leben lang verfolgen wird: "Gut für die Pfalz!", "Gut für die Region!". Ach Gottchen... Hat wirklich jemand den 1. FC Kaiserslautern in der ersten Liga vermisst?
Übrigens, wenn demnächst wieder irgendein soziales Projekt in Kaiserslautern gekippt wird, weil kein Geld der Stadt dafür vorhanden ist - wenn also eine eine Freizeit- oder Betreuungseinrichtung für Kinder oder Jugendliche der knappen Haushaltslage zum Opfer fällt, dann kann man sich ja mit den Worten von Stefan Kuntz trösten: der Sieg gegen die Bayern ist der Dank für das Engagement der letzten Jahre!

Zum Spiel:

Es spricht eine deutliche Sprache, dass der FC Bayern in den ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit mehr Chancen - oder wie van Gaal meinte: "Möglichkeiten" - herausspielte als in den kompletten ersten 45 Minuten. Mit gutem Willen könnte man auf drei Chancen in Halbzeit eins kommen (Müller, Klose, Olic). Vergegenwärtigt man sich, dass hier Titelverteidiger, Meisterschaftsfavorit und Champions League-Finalist des Vorjahres gegen einen Aufsteiger gespielt hat, kann man der Bewertung van Gaals nach der Partie ("gut gespielt") keinesfalls zustimmen.
Der Gegner tat, was solche Gegner eben tun müssen: den Spielfluss der Bayern stören, hinten dicht gestaffelt verteidigen und gelegentlich Gegendruck zu erzeugen, um Zeit zu gewinnen und die Bayern aus dem Rhythmus zu bringen. Dieser Rhythmus war allerdings nie richtig vorhanden - und auch wenn Lautern im Grund keine echte Torchance in der ersten Hälfte hatte, gelang es den Bayern nie wirkliche Dominanz zu entfalten.
Innerhalb von etwas mehr als einer Minute wurden die Gäste dann zwei Mal kalt erwischt. So schön der erste Treffer war, so unverständlich hatte sich die Bayern-Abwehr zuvor kurzerhand aufgelöst. Kein Verteidiger hatte annähernd Normalform, was dann beim zweiten Tor überdeutlich wurde. Glück muss man sich allerdings auch erarbeiten - wer weiß das besser als wir Bayern-Fans - und das hat die gastgebende Mannschaft getan.

Eine Bewertung der Bayern-Spieler würde allenfalls im Notendurchschnitt "4-" münden. Müller hatte einen miserablen Abend, Lahm und Badstuber ebenso. Contento überfordert, van Buyten ohne seine Stärken, mit all seinen Schwächen. Schweinsteiger und van Bommel weit unter Normalform, die Stürmer zu egozentrisch oder eben harmlos - und Ribéry? Ach, lassen wir das.
Eines hatte Trainer van Gaal schon vor dem Spiel richtig analysiert: Es ist der falsche Zeitpunkt gegen einen motivierten Aufsteiger zu spielen. Bayern irgendwie noch nicht richtig im Liga-Alltag angekommen, Lautern dagegen mit Herz, Kampf und viel Adrenalin.

Positiv ist, dass die Bayern gestern besser auftraten, als in der letzten Saison bei ähnlicher Konstellation in Mainz. Achtung, Sarkasmus!
Positiv ist, dass sich im Laufe einer langen Saison die Dinge gerade rücken werden. Was also die Papiertücher der Lauterer Fans angeht: Ich bin ein Fan von Papiertaschentüchern, ein Tempo-Junkie, gehe nie ohne aus dem Haus. Auch am 34. Spieltag werde ich welche dabei haben. Eines davon heb' ich extra für Euch auf, liebe Lauterer Freunde! Bis zur Rückrunde!

FernglasFCB hat übrigens "0:4" getippt (Ergebnis: 2:0) .

11 Kommentare:

Cătălin hat gesagt…

Der erste Schuss aufs Tor hatten wir in der 44. Minute. Das sagt (fast) alles.

tobi hat gesagt…

Als Außenstehender auch zwei Beobachtungen:
1. Die Abwehr ist so nicht wirklich konkurrenzfähig. Ob die sich in der Form "fängt" wage ich stark zu bezweifeln.
2. Warum Kroos erst so spät eingewechselt wird und nicht eh Stammspieler zentral ist kann ich nicht nachvollziehen. So gings eben nicht. Einer muss die Stars sotieren... Und Müller is doch rechts auch gut aufgehoben.

gses hat gesagt…

Entscheidender Punkt war der "Nicht-Querpass" von Müller. Ein richtig guter Spieler legt bei 3-1 quer. Und Aussagen wie "Ein Stürmer muss hier alleine abschließen" etc. sind schlichtweg nicht richtig. Im Fußball sucht man nach der einfachsten, weil besten Lösung. Macht Müller dies, gewinnt Bayern locker 2,3,4 zu Null.

Kaiserslautern hat mit zwei absoluten Duselsiegen (1. 90 Minuten gg 10 Mann inkl. zweier abgefälschter Tore, 2. Ein wohl kaum so gewollter Doppelschlag in einem Pokalspiel) nun 6 Punkte, das kann sich alles schnell ändern.
Bayern startete auch letztes Jahr holprig in die Saison (Mainz!).

Es gibt noch nichts, was irgendwie ungewöhnlich wäre.

Flo hat gesagt…

Wer sagt, denn das es zwingend 1:0 steht, wenn er quer legt? Vielleicht stolpern Olic und Klose übereinander oder (was nach deren weiteren Torschussversuchen im Laufe des Spiels nahe liegt) die verballern die Chance. Dann würde man nur einen anderen Sündenbock durchs Dorf treiben.
Die Aussage "ein richtig guter Spieler" legt bei 3 gg 1 quer halte ich deshalb für falsch oder tendenziell falsch. Ist Diego dann der Argumentation folgend kein guter Spieler, weil er beim 3:0 gegen Mainz nicht auf Dzeko rauslegt, sondern Wetklo mit Übersteiger aussteigen lässt und das Tor selber schießt? Wenn man einen "richtigen guten" Spieler daran erkennt, dass er rauslegt, dann fällt das wohl in die gleiche Kategorie. Oder man erkennt einen Spieler mit zu wenig Selbstvertrauen, wie es Miro Klose in der Vergangenheit in seinen schwachen Phasen an den Tag legte, als er auch in vermeintlich bester Schussposition den Ball nochmal abgibt.

Zechbauer hat gesagt…

@gses @Flo Ich sehe es wie gses, das Vernünftigste wäre gewesen, den Ball quer zu den zwei mitgelaufenen Spielern zu schieben. Aber es war abseits dieser Müllerschen Großchance genug Potenzial auf dem Platz um gegen KL drei Tore zu schießen. Ihn alleine zum Sündenbock zu machen, wird der Sache nicht gerecht.

Fränck von Schleck hat gesagt…

Besagter FCK-Leser meldet sich zur Stelle und grüßt freudigst zurück. Dass ich das noch erleben darf. Schön.

til hat gesagt…

sueddeutsche.de zu thilo sarrazin: "Die öffentliche Empörung erzürnt den Autor: Die Kritiker hätten entweder sein Buch nicht gelesen oder wären nicht auf der Höhe seiner Analyse. Beides mache sie nicht debattenfähig."

zechbauer zu, naja, sich selbst und den reaktionen derer, die er zuvor so bewusst provoziert hat: "Impulsives Schreiben nennt man das wohl - im Grunde beim Bloggen durchaus zu akzeptieren, aber im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Autor via Kommentar vollkommen sinnlos."

an den haaren herbeigezogen ist natürlich gar kein ausdruck für das, was ich hier mache. einerseits. andererseits: "etwas mehr 'Geist' bei Euren Reaktionen" hat sich der schreiber gewünscht. aber, weiser zechbauer, bitte sage mir: wie genau könnte eine solche reaktion denn ausfallen? wie kann auch ich mich mit geist und klasse im internetz bewegen, sodass auch meine anwesenheit deinen ansprüchen genügt? bis dato bin ich doch nur: "fein, trinkfest und grundehrlich".

herzliche grüße, einer derer

gses hat gesagt…

"Wer sagt, denn das es zwingend 1:0 steht, wenn er quer legt?"

@flo Ernsthaft?

Und ja ich finde auch Diegos Aktion fragwürdig, allerdings stand es da schon 2:0 (und Dzeko überließ dem Brasilianer quasi das Tor). Nicht vergleichbar.

Flo hat gesagt…

Ja, ernsthaft.
Wobei ich natürlich einsehe, dass es unwahrscheinlich ist, dass es nicht 1:0 steht. Ähnlich unwahrscheinlich eben wie die Chance, dass Müller den Ball vorbeischiebt.

Für mich ist die Szene weiterhin eine 50:50 Entscheidung aus Sicht des Stürmer und kein klares "muss er rüberlegen". Gerade Müller hat aus ähnlichen Szenen vor dem Torwart letzte Saison oft genug das Tor gemacht, so dass er in meinen Augen gar nicht über den Pass nachdenken braucht, sondern einfach das Tor macht.

Aber ich denke, da kommen wir auf keine gemeinsame Meinung, außer dass es nach der Szene 1:0 stehen muss, egal wie.. ;-)

Zechbauer hat gesagt…

@til Ich verstehe diesen Kommentar nicht.

Betzebub hat gesagt…

Die Taschentücher am Ende sind bei uns ein Ritual. Hat nicht direkt mit dem FCB zu tun. Aber nur mal soviel dazu: Lieber ist es uns, wenn der FCB zum x.ten Mal Meister macht als VW Golfsburg oder Vizekusen oder sonst ein Plastikklub.
Von daher würde ich zumindest in dem Punkt "Abstieg" von Deiner Seite kein Taschentuch erwarten, falls es uns treffen sollte.
Denn von solchen Duellen wie diesem lebt die Bundesliga. Das erlebt doch keine Sau bei Ho$$enheim gegen Golfsburg