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Dienstag, 11. Mai 2010

Das Licht im Dunkel dieses Frühjahrs

Wir haben Mitte Mai und das erheiternde Frühlingswetter ist irgendwie auf dem Weg hierhin stecken geblieben. Für noch mehr Übel sorgt der Aufstieg des 1. FC Kaiserslautern, dem Griechenland unter den Fußballvereinen. Die Welt erzittert vor einer neuen Macht - nein, nicht die Russen oder den Chinesen - es sind die Banker. Wer hätte je gedacht, dass die größte Gefahr für unsere Welt von ein paar Anzugträgern am Computer ausgehen würde?! Bei allem Grund sich flugs aus dem ersten Stock zu schmeißen, leuchtet in der Ferne ein Licht: Der Stern des Südens, der FC Bayern München!

Dieser Klub von der Isar, dessen Arroganz in die Wände der Säbener Straße eingemeißelt zu sein schien wie das elfte Gebot, dessen Fußball für Viele jahrelang eine Unverschämtheit an Effizienz und last-minute Glücksdusel darstellte, dessen Protagonisten für Außenstehende ungefähr so sympathisch waren, wie die Funktionäre der FDP - dieser Klub mit einer lenameyerlandrut'schen Medienpräsenz, derer man sich so wenig entziehen konnte wie akuten Migräneanfällen.
Jetzt aber, in den dunkelsten Tagen, in denen die Welt von der größten bisher dagewesenen Ölpest heimgesucht wird, in denen der Tomatensaft in Billigfliegern plötzlich irgendwie staubig schmeckt, in denen der sympathischste Wetterfrosch der Republik hinter schwedischen Gardinen einsitzt, ausgerechnet jetzt strahlt dieser Klub aus München Freude und Hoffnung über die Längen- und Breitengrade dieser Republik, wie ein warmer Mantel.

In den Blogs anderer Vereine lese ich über Sympathien für die Bayern, ein Freund - Gladbacher - drückt seine unverhohlene Freude über die Meisterschaft des FCB aus, Olli Dittrich - HSV-Fan - bricht im Doppelpass eine Lanze für die Bayern - und die Presse huldigt dem neuen Feier-Onkel der Nation, Louis van Gaal. He, der Mann ist Holländer!
Überall freuen sie sich zumindest ein wenig mit den Bayern - selbst auf Schalke kein böses Wort. Mit Respekt, Anerkennung und einem amüsierten Schmunzeln beobachten bisherige Feinde und Konkurrenten das Treiben der Münchner. Die können ja richtig feiern! Die Stimmung in der Arena war ja richtig gut! Sogar mehrfach! Und Fußballspielen können sie ja auch - sogar richtig toll! Und dieser van Gaal - als wäre er aus dem Kölner Rosenmontagszug entlaufen, um den grantelnden Bayern den Frohsinn zu überbringen! Der Wert auf der Sympathieskala schlägt nach oben, so wie die derzeitigen Börsenkurse nach unten - erdrutschartig! Und Uli Hoeneß wird langsam nervös. Wenn uns plötzlich jeder leiden mag, dann haben wir ein Image-Problem! Hey, wir wollen gehasst und beneidet werden. Allzu viel Harmonie beschädigt die Marke FC Bayern. Die Leute sollen sich an uns reiben, die Geister sollen sich scheiden, die Meinungen auseinander gehen. Irgendwie spielen alle verrückt in diesem Frühjahr 2010. Das ist ja fast so abwegig, als würde die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit den großen Eishockey-Nationen mithalten können.

10 Kommentare:

etg hat gesagt…

Icke nicht.

Und Hoeneß arbeitet schon dran, dass das so bleibt. Und diverse Blogger :)

Und das Heulen über Ribery.

Und überhaupt.

Zechbauer hat gesagt…

Van Gaal sei Dank! *ironie aus*

Florian Fiene hat gesagt…

Liegt es nicht vielleicht auch an der unsympathischen Konkurrenz um die Titel, dass den Bayern die Daumen gedrückt werden? Die Münchner sind immer mein Lieblingsmeister, wenn 96 es mal nicht wird. Die stören einfach nicht. Zwischen Inter und dem FCB fällt die Entscheidung zum Daumendrücken auch leicht. Der Pokal geht aber an Werder.

Zechbauer hat gesagt…

Selbst die innige Abneigung gegen die Niederlande verwässert so langsam - es kann also nicht nur an den anderen Mannschaften liegen. Gruß nach Chile!

Alex hat gesagt…

Sehr schön geschrieben! Diese Entwicklung ist in der Tat erst mit van Gaal, seiner Philosophie und den Talenten Badstuber, Müller und Contento gekommen. Zumindest bestätigen mir das meine Kollegen und Kumpels, die allesamt vorher Bayern nicht leiden konnten. Auch ein Arjen Robben mit seiner unvergleichlichen Eleganz hat sicherlich dazu beigetragen. Vielleicht wird das aber auch nur zum jetzigen Zeitpunkt so wahrgenommen, weil den Kritikern angesichts der Erfolge das Pulver ausgegangen ist. Wäre der Erfolg ausgeblieben, könnten genau die selben Argumente auch für negative Stimmung ursächlich sein.

Stadtneurotiker hat gesagt…

Selbst eingefleischte Blaue in meinem Umfeld zollen Respekt...

commander hat gesagt…

sehr cooler text

Maria hat gesagt…

Keine Sorge, als Herthaner habe ich letzten Samstag noch nie etwas so sehr gehasst wie den FC Bayern.

Anonym hat gesagt…

Korrekt. Ich mag die Bayern nur wenn sie mögenswert sind.
So mögendlich wie jetzt gerade waren sie lange schon nicht mehr, zumindest wenn man nicht nur sein Team mag, sondern schönen Fußball auch.

Die Niederlage gegen meine Frankfurter hat natürlich geholfen euch zu lieben.

Und jetzt geht Inter putzen.

Zechbauer hat gesagt…

@Maria: Da Du ja auch die Kelly Family magst, hält sich bedauern über Deinen Bayern-Hass in engen Grenzen.
;)