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Dienstag, 5. Januar 2010

Wo England noch Weltmeister ist

Die Winterpause - zugegeben, diesmal angenehm kurz - wurde mir vom Sport-, Titten- und Schwafelsender DSF angenehm versüßt: die Dart-WM sorgte für Kurzweil.
Die Protagonisten sehen nicht gerade wie Sportler aus, sondern eher wie die Herren, die abseits jeder Bewegung mit einem Bier in der Hand, gröhlend auf den Tribünen englischer Stadien sitzen und ein wenig beängstigend wirken. Dicke Bäuche, kräftige Arme und Tätowierungen - die meisten gelernte Schlosser, Maurer, Kfz-Mechaniker. Doch was diese Herren bieten, ist ganz großer Sport.

Wenn Dart-Größen wie Raymond van Barneveld oder Ronnie Baxter in den Londoner Alexandra Palace einmarschieren, gleichen die martialischen Ankündigungen der Kontrahenten denen von Boxkämpfen. Ein jeder Spieler hat seine Einmarsch-Melodie und seinen speziellen Spitznamen.
Im "Ally Pally" feiern die Dart-Fans in einer Mischung aus Sportbegeisterung und Karneval jedoch einen Spieler am lautesten: Phil "The Power" Taylor, eine Legende und 15-facher Weltmeister im Dart. "There's only one Phil Taylor - walking along, singing a song - walking in the Taylor-Wonderland" schallt es dann aus tausenden bierseliger Kehlen. Der Mann aus Stoke-on-Trent ist die unumstrittene Nummer Eins in der PDC-Weltrangliste des Dartsports. Auch in diesem Jahr holte Taylor den Titel - gegen den Überraschungsfinalisten Simon "The Wizard" Whitlock aus Australien (Einmarschmusik: INXS, "New Sensation").

Über 500 "180-er" wurden im Laufe des Turniers geworfen - also drei Mal in das Triple-Feld der 20 (gleich 180 Punkte) - neuer Rekord. Vor laufenden Fernseh-Kameras gelang es dem Niederländer van Barneveld einen "9-Darter" zu werfen - 9 Würfe um 501 Punkte herunter zu werfen - das schnellste Finish, das im Dartsport möglich ist.
Wer selbst einmal Dart gespielt hat, bekommt eine Ahnung auf welchem Niveau diese Profis spielen. Die meisten trainieren bis zu acht Stunden am Tag und verdienen ausschließlich mit Turniergeldern ihren Lebensunterhalt.

Das Schöne am Dartsport ist, dass man nicht zwingend im Kindesalter damit beginnen muss um Profi werden zu können - und dass es wirklich jeder, ganz gleich unter welchen Voraussetzungen er aufgewachsen ist, zu einer Dartgröße bringen kann. In Großbritannien gehört Dart zu den Volkssportarten und dementsprechend sind die Briten hier absolut dominant. Mit Phil Taylor stellen sie wieder mal den Weltmeister.