Bayern München war schon immer - seit ich denken kann - der Klub über den alle redeten. In der Schule diskutierte man das Ergebnis der Bayern. Köln, Gladbach, Schalke, die kamen erst an die Reihe, wenn es um Derbys ging oder etwas wirklich Außergewöhnliches geschehen war. Über die Bayern sprach man immer. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert. Ob in der Verwandtschaft, bei Bekannten, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz - über Bayern München sprach jeder.
Die Aufmerksamkeit in den Medien seit Jahrzehnten ist aufgrund der Bedeutung des Vereins zwangsläufig. Über Bayern schreibt die Ems-Zeitung genauso wie die Hannoversche Allgemeine oder die Sylter Rundschau. Über Lautern nur wenn sie mal Meister wurden oder über Leverkusen, wenn der Trainer Kokain konsumierte. Jeder Dorfkolumnist erlaubt sich Kommentare über Bayern zu schreiben. Von der Aufmerksamkeit in diesem Land bekommt der Münchner Klub am meisten ab - im Guten, noch mehr aber wie im Schlechten. Bayerns Dominanz im Laufe der Zeit hat Neider, Spötter, Hasser und Beobachter in Scharen angelockt - wie die Motten ums Licht. Wenn Du dann stolperst, freuen sich 50 Prozent der Republik.
In der Tagesschau kamen nach den Nachrichten immer die Fußballergebnisse. Die größte Aufmerksamkeit landauf landab fand immer das Ergebnis der Bayern. Verloren sie, freuten sich die Bayern-Gegner und ein großes Oho und Aha machte die Runde. Nichts davon ist heute anders.
Die mediale Verwurstung hat sich - wie die Medien generell - allerdings gewandelt. Der Sport ist nicht mehr die Hauptsache, es geht um das Drumherum. Es geht darum wie ein Trainer sich darstellt, wie er rüberkommt. Es geht um die hängenden Schultern eines Stürmers. Es geht um Wechselgerüchte und Berateraussagen. In den großen Tageszeitungen ist es nicht mehr der Inhalt einer Nachricht, der die meiste Bedeutung hat. Die Auflage verlangt Zugeständnisse - Spektakuläres muss her. Eine glatzköpfige Britney Spears schaffte es in die "seriösesten" Blätter - ebenso wie Amy Winehouse und Sendeformate wie Big Brother oder DSDS. Heute ist das Normalität - in der Süddeutschen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wie auch in den Fernsehnachrichten senderübergreifend. Es geht um Klicks, um Werbeattraktivität, um Auflage oder Quote. Qualitativ hochwertige, gut recherchierte Berichterstattung ist die Ausnahme.
Als ich noch klein war, schickte mir meine Großmutter immer die Bayern-Berichte aus der Süddeutschen Zeitung per Brief, so als gäbe es dieses Blatt außerhalb Bayerns nirgends zu kaufen. Ich las alles und ich las es gern. Die waren nah dran und schrieben die besten und längsten Artikel über meinen Klub. Was die SZ dagegen heute absondert, ist keinen Deut von dem inhaltsleeren Geschreibsel anderer Blätter zu unterscheiden. Die gleichen platten Zoten und hängenden Vergleiche. Ohne Qualität und immer verdächtig, Unruhe schüren zu wollen - denn Unruhe bringt Schlagzeilen.
Das Boulevardeske hatte in München schon lange seinen Markt und damit auch seine Untiefen für einfach gestrickte Spielerpersönlichkeiten. Doch die wurden erst durch die Manege geführt, wenn sie sich selbst in deren Mitte drängten (Basler, Matthäus, Effenberg). Heute geschieht das bereits mit der Unterschrift unter einen Vertrag beim großen FC Bayern - ja, meist sogar schon weit vorher. Es reicht bei Bayern im Gespräch zu sein oder gebracht worden zu sein. Heute sind es nicht mal mehr nur die Spieler, die im Fokus des Interesses stehen. Es sind Trainer, Co-Trainer, Physios, Frauen, Freundinnen - alles was zum Kreis des Klubs gehört.
Heutzutage muss der FCB auch nicht mehr 4:0 verlieren um zum Gespött zu werden - es reicht schon ein mageres Unentschieden, schon ist das Gerede von Krise vorprogrammiert.
Gemessen wird natürlich an dem, was der Verein selbst als Zielsetzung ausgibt. Meister und Pokalsieger zu werden, hat schon seit Hitzfeld nicht mehr ausgereicht. Trickfußball war gewünscht - Fußball als Event. Ein Trainer Magath war mit zwei Doubles gerade mal so gut, dass man ihn nicht direkt entlassen musste. Zum ganz großen Wurf zählt für den Klub seit Jahren nur noch die Champions League. Daran wird alles gemessen - der Meistertitel, ein Pokal, alles nur Trostpreise - so kommt es einem manchmal vor. Die Fans (die richtigen) sehen das anders. Ihnen geht es um jedes Spiel. Sie zählen keine entgangenen Millioneneinnahmen, wenn es für die CL-Finalrunden nicht reicht und man im UEFA-Cup weiterspielen "muss".
Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit auf der Zugfahrt nach einem Auswärtsspiel die Gespräche anderer Bayern-Fans neben mir gehört. Da waren Leute, die schworen sie würden lieber in der Zweiten Liga spielen, als diese Hatz auf die europäischen Fleischtöpfe zur Prämisse zu erklären (okay, die Wortwahl war eine andere). Ich fand das etwas befremdlich, mittlerweile kann ich es sogar nachvollziehen. Für mich ist der FC Bayern in erster Linie noch ein Fußballklub - mein Fußballklub. Erst dann, erst danach ist es ein Wirtschaftsunternehmen. Seit einer Weile fehlen mir die Zeichen der Bayern-Chefs, dass man es dort auch noch so sieht.
Die Aufmerksamkeit in den Medien seit Jahrzehnten ist aufgrund der Bedeutung des Vereins zwangsläufig. Über Bayern schreibt die Ems-Zeitung genauso wie die Hannoversche Allgemeine oder die Sylter Rundschau. Über Lautern nur wenn sie mal Meister wurden oder über Leverkusen, wenn der Trainer Kokain konsumierte. Jeder Dorfkolumnist erlaubt sich Kommentare über Bayern zu schreiben. Von der Aufmerksamkeit in diesem Land bekommt der Münchner Klub am meisten ab - im Guten, noch mehr aber wie im Schlechten. Bayerns Dominanz im Laufe der Zeit hat Neider, Spötter, Hasser und Beobachter in Scharen angelockt - wie die Motten ums Licht. Wenn Du dann stolperst, freuen sich 50 Prozent der Republik.
In der Tagesschau kamen nach den Nachrichten immer die Fußballergebnisse. Die größte Aufmerksamkeit landauf landab fand immer das Ergebnis der Bayern. Verloren sie, freuten sich die Bayern-Gegner und ein großes Oho und Aha machte die Runde. Nichts davon ist heute anders.
Die mediale Verwurstung hat sich - wie die Medien generell - allerdings gewandelt. Der Sport ist nicht mehr die Hauptsache, es geht um das Drumherum. Es geht darum wie ein Trainer sich darstellt, wie er rüberkommt. Es geht um die hängenden Schultern eines Stürmers. Es geht um Wechselgerüchte und Berateraussagen. In den großen Tageszeitungen ist es nicht mehr der Inhalt einer Nachricht, der die meiste Bedeutung hat. Die Auflage verlangt Zugeständnisse - Spektakuläres muss her. Eine glatzköpfige Britney Spears schaffte es in die "seriösesten" Blätter - ebenso wie Amy Winehouse und Sendeformate wie Big Brother oder DSDS. Heute ist das Normalität - in der Süddeutschen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wie auch in den Fernsehnachrichten senderübergreifend. Es geht um Klicks, um Werbeattraktivität, um Auflage oder Quote. Qualitativ hochwertige, gut recherchierte Berichterstattung ist die Ausnahme.
Als ich noch klein war, schickte mir meine Großmutter immer die Bayern-Berichte aus der Süddeutschen Zeitung per Brief, so als gäbe es dieses Blatt außerhalb Bayerns nirgends zu kaufen. Ich las alles und ich las es gern. Die waren nah dran und schrieben die besten und längsten Artikel über meinen Klub. Was die SZ dagegen heute absondert, ist keinen Deut von dem inhaltsleeren Geschreibsel anderer Blätter zu unterscheiden. Die gleichen platten Zoten und hängenden Vergleiche. Ohne Qualität und immer verdächtig, Unruhe schüren zu wollen - denn Unruhe bringt Schlagzeilen.
Das Boulevardeske hatte in München schon lange seinen Markt und damit auch seine Untiefen für einfach gestrickte Spielerpersönlichkeiten. Doch die wurden erst durch die Manege geführt, wenn sie sich selbst in deren Mitte drängten (Basler, Matthäus, Effenberg). Heute geschieht das bereits mit der Unterschrift unter einen Vertrag beim großen FC Bayern - ja, meist sogar schon weit vorher. Es reicht bei Bayern im Gespräch zu sein oder gebracht worden zu sein. Heute sind es nicht mal mehr nur die Spieler, die im Fokus des Interesses stehen. Es sind Trainer, Co-Trainer, Physios, Frauen, Freundinnen - alles was zum Kreis des Klubs gehört.
Heutzutage muss der FCB auch nicht mehr 4:0 verlieren um zum Gespött zu werden - es reicht schon ein mageres Unentschieden, schon ist das Gerede von Krise vorprogrammiert.
Gemessen wird natürlich an dem, was der Verein selbst als Zielsetzung ausgibt. Meister und Pokalsieger zu werden, hat schon seit Hitzfeld nicht mehr ausgereicht. Trickfußball war gewünscht - Fußball als Event. Ein Trainer Magath war mit zwei Doubles gerade mal so gut, dass man ihn nicht direkt entlassen musste. Zum ganz großen Wurf zählt für den Klub seit Jahren nur noch die Champions League. Daran wird alles gemessen - der Meistertitel, ein Pokal, alles nur Trostpreise - so kommt es einem manchmal vor. Die Fans (die richtigen) sehen das anders. Ihnen geht es um jedes Spiel. Sie zählen keine entgangenen Millioneneinnahmen, wenn es für die CL-Finalrunden nicht reicht und man im UEFA-Cup weiterspielen "muss".
Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit auf der Zugfahrt nach einem Auswärtsspiel die Gespräche anderer Bayern-Fans neben mir gehört. Da waren Leute, die schworen sie würden lieber in der Zweiten Liga spielen, als diese Hatz auf die europäischen Fleischtöpfe zur Prämisse zu erklären (okay, die Wortwahl war eine andere). Ich fand das etwas befremdlich, mittlerweile kann ich es sogar nachvollziehen. Für mich ist der FC Bayern in erster Linie noch ein Fußballklub - mein Fußballklub. Erst dann, erst danach ist es ein Wirtschaftsunternehmen. Seit einer Weile fehlen mir die Zeichen der Bayern-Chefs, dass man es dort auch noch so sieht.
1 Kommentare:
Aaah, vielen Dank. Das war ein schöner und angenehmer Kommentar zu all dem, was sich rund um unseren Klub in letzter Zeit abspielt. Ein Fußballverein, ja, das ist der FCB tatsächlich immer noch, auch wenn es gerne mal vergessen wird
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