Sie hauen flink in die Tasten, tippen hektisch in ihr Blackberry, quatschen in Hörer, sabbeln aufgeregt in Mikrofone, starren ernst in die Kameras, gestikulieren wild und blasen ihre banalen Schlussfolgerungen in die Luft. Von diesen Ausdünstungen klugscheißender Allwissenheit und dem gemeinschaftlichen Trompeten in die gleichen Hörner rücken oben erste dunkle Wolken enger zusammen, bis der Himmel über dem FC Bayern München endgültig zu bersten droht.
Was war geschehen? Bayern ist nicht Tabellenführer, Bayern war schon lange nicht mehr Tabellenführer, Bayern hat in der Champions League vielleicht dieses Jahr nicht das Zeug für die Finalrunde. Das ist der Stand Anfang November 2009.
Louis van Gaal ist wie lange Bayern-Trainer? Und immernoch hat dieser "Tulpengeneral" (was ist das eigentlich für eine schwachsinnige Wortkonstruktion?) den Bayern nicht den spielerischen Geist von Barcelona eingehaucht? Der FCB liegt nicht mit 10 Punkten Vorsprung vor allen anderen in der Liga? Der FCB ist noch nicht für die Finalrunde der Champions League qualifiziert, obwohl solche Nulpen wie Turin und Bordaux in der gleichen Gruppe sind? Unverschömtheit! Was macht der fiese Knilch eigentlich den ganzen Tag?
Ich bin jetzt über 30 Jahre Bayern-Fan, aber so eine mediale Hysterie wie seit der letzten Spielzeit habe ich vorher noch nie erlebt. Ihr habt sie doch nicht mehr alle.
Was war geschehen? Bayern ist nicht Tabellenführer, Bayern war schon lange nicht mehr Tabellenführer, Bayern hat in der Champions League vielleicht dieses Jahr nicht das Zeug für die Finalrunde. Das ist der Stand Anfang November 2009.
Louis van Gaal ist wie lange Bayern-Trainer? Und immernoch hat dieser "Tulpengeneral" (was ist das eigentlich für eine schwachsinnige Wortkonstruktion?) den Bayern nicht den spielerischen Geist von Barcelona eingehaucht? Der FCB liegt nicht mit 10 Punkten Vorsprung vor allen anderen in der Liga? Der FCB ist noch nicht für die Finalrunde der Champions League qualifiziert, obwohl solche Nulpen wie Turin und Bordaux in der gleichen Gruppe sind? Unverschömtheit! Was macht der fiese Knilch eigentlich den ganzen Tag?
Ich bin jetzt über 30 Jahre Bayern-Fan, aber so eine mediale Hysterie wie seit der letzten Spielzeit habe ich vorher noch nie erlebt. Ihr habt sie doch nicht mehr alle.
12 Kommentare:
So ist es. Wahre Worte. Das Problem ist nur, dass die Masse der Leute - auch und gerade im Umfeld des FC Bayern - genau diesen Schmarrn täglich konsumieren will und dafür auch noch Geld bezahlt.
.. jap, und sich ganz Deutschland darüber lustig macht!
Mein erster Kommentar hier, lieber zechbauer:
Schön, das endlich auch mal einer was über die Medien sagt. es ist schon wirklich nicht mehr feierlich, was in den medien abgeht.
Trotzdem tat das Spiel am Di regelrecht körperlich weh...und das nicht nur wegen dem strömenden Regen im anschluß..
Du sprichst mir aus der Seele. Klar hat man sich den Verlauf der Hinrunde besser erträumt, aber was will man denn tatsächlich erwarten, wenn man eine derartige Fluktuation sowohl auf Trainer- als auch auf Spielerpositionen hat.
Auch das Herunterspielen von Gegnern, wie Bordeaux, kann ich in keinster Weise nachvollziehen. Die sind amtierender Meister, aktuell wieder auf Platz eins - da hast du mit dem Team in der aktuellen Verfassung einfach einen guten Tag nötig. Wenn dann auch noch Pech dazukommt (Lattentreffer, Handspiel) muss man eventuell einfach akzeptieren, dass es momentan zu mehr nicht reicht.
Mit einem Sieg gegen Schalke und Leverkusen - womit ich aktuell eher nicht rechne - sieht die Welt natürlich schon wieder anders aus.
Wenn nicht - wird der Himmel über München wohl leider sehr, sehr dunkel werden ...
Natürlich bin ich auch nicht zufrieden, mir fehlt die typische Bayern-Konstanz. Das nervt. Aber das Theater was nun abgeht, entbehrt doch nun wirklich jeder Grundlage. Wenn Bayern Meister und Pokalsieger werden sollte (und im ehem. UEFA-Cup ist schließlich auch was drin), kann es immer noch eine Bomben-Saison werden.
Van Gaal hat von Beginn an mit offenen Karten gespielt und die richtige Einschätzung abgegeben. Ich denke auch, dass wir mind. noch 2 Jahre brauchen um ein Chelsea-/ManU-/oder Barca-Niveau erreichen zu können. Und auch diese Mannschaften können ihre Überlegenheit nicht jede Woche ausspielen.
Das vielbeschworene Bayern-Gen muss in einer Mannschaft mit so vielen neuen Spielern erst wachsen. Das hat nicht jeder sofort mit im Gepäck. Die CL-Sieger von 2001 waren allesamt mehrere Jahre beim FCB. Das Selbstverständnis der Mannschaft kommt erst mit der Zeit.
Ja, ich seh das ähnlich, auch wenn mir das Spiel am Dienstag auch gehörig einen mitgegeben hat und ich meinem Unmut auch erst mal Luft machen musste.
Der Unterschied ist: Wir Fans dürfen sowas. Als Journalist sollte man eigentlich noch so etwas wie Objektivität besitzen, aber diese geht bei den meisten, sobald sie mit dem FCB in Berührung kommen, völlig den Bach runter.
Ich frage aus ehrlichem Interesse nach, nicht weil ich Deine Worte anzweifele:
Aber gab es in 30 Jahren Bayern-Fantum wirklich noch nie eine vergleichbaren Pressetenor wie zur Zeit?
Ich meine damit wirklich, dass mich interessiert, ob man nicht einfach nur zu schnell und zu leicht vergisst. Was war nur z. B. während der Henyckes-Lerby-Ribbeck-Saison, in der man ja tatsächlich gegen den Abstieg in der Bundesliga spielte? Andere Beispiele in 30 Jahren kennst Du wahrscheinlich ebenso besser als ich, wie Du die oben von mir genannte Saison auch besser einstufen kannst. Weshalb ich Frage und um Auskunft bitte.
Viel Rummel war um den FCB, denke ich, schon immer. Mir kommt es aber in den letzten ca. fünf Jahren vor allem so vor, als ob die Schüsse immer schneller und hektischer kommen und alles tendenziell noch schlechter gemacht wird als noch vor einiger Zeit.
In der Zeit, als der Begriff vom FC Hollywood geprägt wurde, wurde auch schon viel und teilweise ununterbrochen berichtet, aber dabei ging es meist um Eitelkeiten und "reines" Boulevardzeugs neben dem Platz (z.B. Lothars Tagebuch). Wenn's mal sportlich nicht so lief, dann (so kommt's mir im Rückblick zumindest vor) war das alles irgendwie nicht so dramatisch.
Und genau das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wenn Neuzugänge nicht einschlagen, die Ergebnisse nicht passen, die Ansehnlichkeit des gespielten Fußballs nicht hoch genug ist oder ein Trainer der versammelten Presse nicht hinten rein kriecht, sondern lieber seine Ruhe hätte, dann wird das gnadenlos ausgeweidet. Und eins der gerade genannten Szenarien war doch fast immer aktuell.
All das sind natürlich nicht nur die bösen Journalisten; an dem medialen Echo ist natürlich auch die liebe Vorstandschaft nicht ganz unschuldig. Hoeneß ist immer wieder für einen Spruch gut, aber bei ihm hat sowas mittlerweile fast schon folkloristischen Charakter. In diesem Zusammenhang spielt Rummenigge eine wesentlich zentralere Rolle: Für ihn muss der FCB immer lauter und schillernder werden, so dass alles wieder hollywoodeske Ausmaßen annimmt. Und gerade wenn's sportlich mal nicht so läuft, kommt dieses selbstgefällige Gehabe eben wieder massiv zurück.
Ich sehe das ähnlich wie Elmarinho. Es war immer viel Trubel in den Medien wenn's um Bayern ging. Aber seit einiger Zeit hat das eine andere Qualität. Ich bin auch der Meinung, dass der Klub selbst daran nicht ganz unschuldig ist. Wenn man das Erreichen der CL-Finalrunde so hoch hängt, als ob es sonst nichts mehr gäbe (weil noch mehr Geld mit im Spiel ist), dann ist "nur" ein Double ja schon zu wenig. Ein Magath war bei uns sehr erfolgreich - dennoch habe ich den Eindruck, dass das alles nicht genügte.
Man distanziert sich immer gerne von Real Madrid, aber letztlich will doch unser Vorstand genau so sein: ein zweites (deutsches) Real. Mit all dem Tamtam, den Super-Stars und dem Glitzer und Glamour. Das Problem ist nur, genau das wollen die Fans des FCB nicht - denn es passt auch in diesem Format nicht zum FC Bayern. Wir waren immer - bei aller "Arroganz" ein bodenständiger, volksnaher Klub. Jetzt geht es nur noch um Millioneneinnahmen und die Bilanz - der FC Bayern ist halt eine Aktiengesellschaft.
Die Medien passen sich dem natürlich an - und besser sind ja auch die nicht geworden mit der Zeit.
Dieses öffentliche Gelaber über Bayern München hat doch mit Fußball kaum noch etwas zu tun. Das ist ein Ereignis, so als würde man sich über Bohlen lustig machen, wenn dem mal einer auf die Fresse haut.
Einerseits Danke für Eure Antworten. Andererseits hatte ich gehofft, dass Ihr in Euren Gedächtnissen kramt und von Krisen beim FC Bayern berichtet, die ähnlich groß waren (oder auch nur von außen gemacht wurden). Wie gesagt: nicht aus Sensationsgier oder Lust am Untergang, sondern aus dem Wunsch, da neue Kenntnisse zu bekommen.
Mein Gedächtnis ist aufgrund meines Alters wohl ein wenig beschränkt. Die Fast-Abstiegssaison habe ich zwar schon bewusst mitbekommen, allerdings hatte mein Fantum mit gerade mal 10-11 Jahren noch eine etwas jungfräuliche Konsistenz.
Danach, als es dann etwas klarer wurde (93-96) dümpelte der FCB für seine angestrebten Verhältnisse doch eher etwas herum. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass schlechte bis durchschnittliche Spielzeiten noch nicht die staatstragende Qualität hatten, wie es in diesen Tagen der Fall ist.
Nach etwas wechselhaften Jahren mit viel Hollywood und einem Vorgeschmack auf das, was allein an diesem Wochenende wieder auf uns zurauscht, kamen wahrlich goldene Jahre, auf die wir heute noch mit Wehmut schauen können. Nich immer absolut dominant, aber mit einer fantastischen Dramatik sahnte die damalige Mannschaft so einiges ab.
Wenn ich mit meine Vater über Fußball rede, so kommt es mir immer häufiger vor, als ob dieses Team der Jahre 99-01 das zu werden scheint, was für ihn die legendäre70er-Mannschaft war.
Wirklich heftige Krisen gab es bis in jüngster Zeit eher nicht; so kam es mir zumindest nie vor. Mit dem Großen Shopping-Sommer 07 stieß man in neue Dimensionen vor, die der Verein bis heute noch nicht so ganz verkraftet hat (was wohl auch der Personenkonstellation in der Führungseben anzulasten ist). Und seit letzter Saison habe ich das Gefühl, dass alles mehr und mehr auseinanderbricht und vieles nur noch Stückwerk ist.
Insofern könnten wir natürlich gerade Zeugen der nächsten wirklich großen Krise des FCB werden (und ich mal wirklich ungern irgendwelche Teufel an die Wand).
@Trainer: Natürlich gab es Krisen. Das Ende des Pal-Systems und der Spieleraufstand gegen Pal Csernai, die Entlassungen von Ribbeck und Rehagel. Aber die mediale Ausschlachtung war auf einem anderen Niveau und setzte auch erst ein, als die Entlassungen mehr oder weniger unvermeidlich waren. Mittlerweile gerät der Trainer (ob Klinsmann oder van Gaal) ja schon innerhalb weniger Wochen nach Dienstantritt in die öffentliche Kritik.
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