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Dienstag, 22. September 2009

Vorsprung durch Technik

Seit Sommer 2002* gehört Audi zum Sponsorenpool des FC Bayern. Der Ingolstädter Autohersteller rüstet die Spieler des Klubs mit PS-starken Audi-Modellen aus und zum 100-sten Firmenjubiläum inszenierte man sogar ein Fußballturnier, den Audi-Cup, mit namhaften Turnierteilnehmern wie dem AC Mailand, Boca Juniors und Manchester United. Der FC Bayern kassiert für dieses Engagement pro Saison 5 Millionen Euro.
Nun will die Audi AG einen Anteil von 10 Prozent an der FC Bayern AG erwerben, nach adidas-Salomon - seit 2001 mit ebenfalls 10 Prozent für damals noch 75 Millionen Euro am FCB beteiligt. Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller adidas ist bereits seit Mitte der Sechziger Jahre Ausrüster des Vereins und stieg Ende 2001 ein, so dass die Finanzierung der 340 Millionen Euro teuren Allianz-Arena sichergestellt werden konnte. Für den Audi-Einstieg ist von 100 Millionen Euro die Rede. Insgesamt wären noch 29 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG zum Verkauf denkbar. Dies soll aber laut Hoeneß zunächst nicht geschehen.

win-win-Situation
Von Seiten der Bayern - in persona noch-Manager Uli Hoeneß - hat der Deal zwei entscheidende Vorteile: erstens, die finanziellen Voraussetzungen, künftig im Konzert der großen europäischen Klubs mithalten zu können, stünden auf einem stabilen Fundament. Zweitens, die auf achtzehn Jahre angelegte Finanzierung der Allianz-Arena könnte mit diesen Einnahmen auf zehn Jahre verkürzt werden. Derzeit zahlt der Verein pro Jahr ca. 30 Millionen Euro an Zins und Tilgung, das ist ein Mario Goméz pro Saison.

Audi geht es - wie seinerzeit adidas - um die Absicherung der Partnerschaft, denn die Sponsorenverträge werden Jahr für Jahr neu ausgehandelt. Zudem will die Volkswagen-Tochter einem Einstieg des Autokonzern BMW bei Bayern München zuvorkommen. Als Gesellschafter könnte Audi bei Sponsorenentscheidungen mitbestimmen und ein Engagement des Münchner Sportwagenherstellers verhindern. Zudem will sich Audi anscheinend zukünftig mehr als bayerisches Unternehmen positionieren.


Alles Volkswagen - Schlüsselfigur Winterkorn
Martin Winterkorn ist bekennender Fußballfan und sicherlich hauptverantwortlich für die Wolfsburger Meisterschaft in der letzten Saison. Die finanzielle Unterstützung des VfL Wolfsburg - des Haus- und Hofvereins der Volkswagen AG, dessen Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn ist - hat die Rahmenbedingungen für Meistertrainer Felix Magath erst geschaffen.
Martin Winterkorn sitzt aber auch im Aufsichtsrat des FC Bayern und war von 2002* bis 2006 Vorstandschef bei Audi. Unter Winterkorn setzt der Volkswagen-Konzern konsequent auf Fußball: Der Wolfsburger Autobauer rüstet den FC Schalke 04 und Werder Bremen mit VW-Modellen aus, besitzt den amtierenden deutschen Meister VfL Wolfsburg - und zukünftig wohl auch ein Stück FC Bayern.

Goldener Herbst
Auf der Jahreshauptversammlung der Bayern am 27. November will der frisch gekürte Präsident Uli Hoeneß die frohe Botschaft den Mitgliedern des Klubs verkünden. Voraussetzung für die zukünftige Audi-Beteiligung ist die Zustimmung der DFL.
Und noch etwas wird Hoeneß zur Amtseinführung den Mitgliedern kredenzen: Einen neuen Sponsorenvertrag mit der Telekom. Weitere vier Jahre für 25 Millionen Euro. Damit ist die finanzielle Zukunft der Bayern auf Rosen gebettet - aber mehr noch, denn die Zeichen stehen auf ein zukünftig beherztes Eingreifen der FIFA bei Klubs, deren Transfers entweder auf Pump von statten gehen oder nach einem Aufruf zum Vertragsbruch erfolgen. Äußerst fragwürdig wirtschaftende Vereine wie z. B. Real Madrid könnten bei einem allgemein gültigen Reglement der FIFA ihren Handlungsspielraum verlieren. Wirtschaftlich gesunde Vereine wie Bayern München oder Olympique Lyon würden davon endlich profitieren.