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Freitag, 4. September 2009

Fäkalien beseitigt?

Pressemitteilung der JAKO AG vom 03.09.2009:


Wir haben überreagiert[Allerdings!]

„Wir haben ganz offensichtlich überreagiert“, erklärt Rudi Sprügel,Vorstandsvorsitzender der JAKO AG, und schafft damit alle Voraussetzungen,um die vor allem im Internet geführte Auseinandersetzung um sein Unternehmen schnell zu beenden. *[Wer sagt das? Ob die Voraussetzungen wirklich erfüllt sind um das Thema zu beenden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein nicht unwichtiger Faktor ist die Reaktion des Bloggers Frank Baade, der sich "noch" nicht geäußert hat. Der erste Satz spiegelt - seitens des Unternehmens - wohl den Wunsch als Vater des Gedankens wider. Die öffentliche Meinung wird dieses Thema beenden - oder auch nicht].

Der Sportartikelhersteller aus dem Norden Baden-Württembergs, der vor allem Sportmannschaften in 40 Ländern der Welt sehr erfolgreich mit Trikots, Hosen, Stutzen, Bällen, Trainingsanzügen und Schuhen ausstattet [Danke, aber die halbe Produktpalette hier aufzuzählen ist wohl unnötig], hatte sich mit dem Blogger Frank Baade auseinandergesetzt. [Na ja, das wohl eher weniger - man hat schlicht eine Anwaltskanzlei engagiert, um Baade kostenpflichtig abzumahnen]

Der Fußballtrainer [Mehr Blogger als Fußballtrainer, aber das hat ja schon die SZ nicht verstanden] aus Nordrhein-Westfalen hatte das zum 20jährigen Firmenjubiläum kreierte neue JAKO-Logo mit Worten aus der Fäkalsprache kritisiert [genau genommen ein Wort: "Scheiße"]. Das ärgerte die Verantwortlichen bei JAKO [wenn die Meinung eines Einzelnen schon solchen Ärger verursacht, was ist denn dann jetzt erst in der Firmenzentrale los?].

Sie beauftragten daher eine Anwaltskanzlei mit dem Ziel, dass Baade diese verunglimpfenden Äußerungen zurücknimmt [und zwar in Form einer kostenpflichtigen Abmahnung, die in dieser Pressemitteilung natürlich nicht erwähnt wird] und aus dem Internet entfernt [was schlicht nicht möglich ist, es sei denn Herr Baade wäre der uneingeschränkte Herrscher über alle Einträge im Internet].

Nach Verhandlungen unter den Anwälten war Baade dazu bereit [halbe Wahrheit: Ihm blieb aus Kostengründen gar nichts anderes übrig / zudem hat er die Unterlassungserklärung nur in Teilen akzeptiert]. Er verpflichtete sich per Unterschrift, im Falle einer Zuwiderhandlung zur Zahlung einer Vertragsstrafe. Als nach einigen Wochen Baades überzogene Kritik [und wie überzogen war da erst das Handeln des Unternehmens!] noch immer im Internet abrufbar war, erhielt Baade erneut Post von den JAKO-Anwälten. Sie waren davon ausgegangen [ein Anruf hätte die Sache vermutlich schon geklärt], dass sich der Hobby-Fußballtrainer nicht an die Absprache halten wollte und teilten ihm daher mit, dass bei einer schuldhaften Wiederholung der beanstandeten Aussagen eine erhöhte Vertragsstrafe anfalle. [heißt: Kostenpflichtige Abmahnung Nummer Zwei flatterte ins Haus - nur, dass es hier keine Mißverständnisse gibt]

Erst hinterher stellte sich heraus, dass der tschechische Nachrichtenaggregator„Newstin“ den inzwischen von Baade gelöschten Text kopiert hatte und weiterhin verbreitete [na ja, so kann man es auch erklären - völlig außer Acht gelassen, wird auch hier die Tatsache der zweiten kostenpflichtigen Abmahnung und deren Höhe. Kein Wort davon].

Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten [wie konnte er auch? Dieses Abwarten hätte er sich bei den Forderungen der Anwälte des Unternehmens gar nicht leisten können - diesen Satz halte ich für eine Unverschämtheit], alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene [Ist das eine unwahre Behauptung? Ich bezweifle, dass es überhaupt möglich ist die Bloggerszene zu alarmieren - einen dementsprechenden Artikel von Trainer Baade findet sich auf seinem Blog nirgends. Hat er an alle Blogger E-Mails verschickt? Warum habe ich keine erhalten?]. Von den Bloggerseiten fand die Geschichte den Weg in die großen Tageszeitungen [und wäre das nicht so gewesen, dann hätte die JAKO AG auch sicher nicht eingelenkt, oder doch?].

„Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen“, [aufgrund der sehr dürftigen und fragwürdigen Rechtslage in diesem Zusammenhang wäre ich da nicht so stolz drauf] betont Rudi Sprügel, „aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt.“ [Absolut korrekt! Der entscheidende Satz in dieser PM]

Sprügel bedauert, dass sich die „Auseinandersetzung unnötigerweise so aufgeschaukelt hat“. [Besser wäre gewesen, Herr Sprügel hätte die Vorgehensweise seines Unternehmens bedauert und würde an dieser Stelle das Wort "Entschuldigung" nennen] Es sei unglücklich gewesen, nicht sofort auf die Anfragen von Bloggern und Journalisten zu reagieren: „Wir haben ja schließlich nichts zu verbergen.“ [die ganze Aktion war von Anfang an "unglücklich"] Die Verzögerung einer Antwort hänge unter anderem auch mit der Urlaubszeit und der Abwesenheit wichtiger Entscheidungsträger zusammen. [Na wer ist denn für die Urlaubsplanung und Vertreterregelung in der JAKO AG zuständig? Tztz..]

Sprügel kündigt an, er werde den Logo-Kritiker in die Firmenzentrale nach Mulfingen-Hollenbach einladen. Dabei werde man sehr gerne mit ihm über das neue Logo diskutieren [unnötig] und Baade könne sich ein eigenes Bild vom JAKO-Spirit und der Qualität der Produkte machen [DAS wäre der richtige Schritt gewesen, auf den Artikel von Trainer Baade zu reagieren - anstelle einer Abmahnung].

Rudi Sprügel, der in jungen Jahren selbst in der zweiten deutschen Fußballliga spielte [welch' gehaltvolle Information], will sich dafür einsetzen, dass Baade aus dieser Auseinandersetzung „keine finanziellen Nachteile erwachsen.“ ["verspricht, dass..." wäre besser gewesen - sein Einsatz wird für die Öffentlichkeit kaum zu werten sein]. Sprügel wörtlich: „Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt haben.“ [Na hoffentlich. Die Pressemitteilung gibt noch zu wenig Hinweise auf einen Lerneffekt]

JAKO sei, so Sprügel, ein „junges mittelständisches Unternehmen, das ehrliche, faire Sportkultur mit Begeisterung lebt.“ Diese Unternehmensphilosophie, die von rund 160 Mitarbeitern mit einem Altersdurchschnitt von 34 Jahren gelebt werde, bringe auch das neue Logo mit der Aussage „JAKO Living Sports“ zum Ausdruck. [Nun gut, kann man so machen - jetzt kommt halt der Promotionsteil]

JAKO konnte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2008 erneut um zehn Prozent auf 63,8 Millionen Euro steigern. 2008 verkaufte JAKO unter anderem 1,5 Millionen Trikots, 1 Million Trainingsanzüge und eine halbe Million Bälle. Auch 2009 liegt JAKO trotz Wirtschaftskrise auf Wachstumskurs. [zuviel der Information - gehört eher auf eine Bilanz-PK] ....


*[ ... ] kommentiert von FernglasFCB


Was lernen wir aus dieser Reaktion? Ein bißchen was - zumindest in punkto Öffentlichkeitsarbeit - haben sie begriffen bei JAKO. Es wird aber auch deutlich, dass nur der öffentliche Druck zu einem "Entgegenkommen" geführt hat. Nur wohin das führt, wissen wir noch nicht. Das Wort "Entschuldigung" hat gefehlt - und das zeugt nicht gerade von Einsicht. Für meinen Geschmack ist die Scheiße noch nicht vom Tisch.


mehr auch auf allesaussersport

6 Kommentare:

probek hat gesagt…

Word.

Zechbauer hat gesagt…

?

Kees Jaratz hat gesagt…

Gerecht fühlt sich tatsächlich anders an.

probek hat gesagt…

1. 1) u. 2)

(hatte da offenbar eine anglophile Phase; hätte auch das hierzulande vielleicht üblichere "." hinschreiben können)

Zechbauer hat gesagt…

kannte ich nicht - aber thx! ;)

Yalcin [fehlpass.com] hat gesagt…

Für mich klingt das immernoch nach Grütze.