Follow by Email

Montag, 28. September 2009

Die Freude der Sieger

Sieger hatten wir am Wochenende zu hauf: Da hatten wir den FDP-Chef Guido Westerwelle, dessen uncharmantes Grinsen das Symbolbild für die Bundestagswahl 2009 sein dürfte. Ja, Sieger dürfen sich freuen - und Westerwelle hatte gestern auch allen Grund dazu. Ob der FDP-Spitzenkandidat auch in vier Jahren noch grinst, daran darf man durchaus Zweifel haben. Freuen durften sich auch die Schalker nach dem 1:0 vor Dortmunds Anhang, ebenso wie Manuel Neuer nach Schlusspfiff an gleicher Stelle - wer will es ihnen verdenken. Hohn sieht anders aus - das zeigte uns Schalke-Torwart Neuer letzte Saison in München mit Eckfahne in der Hand. Gut möglich, dass es aber auch ein anderer Manuel Neuer war.

Die Freude über den Sieg besitzt in der Regel eine geringe Halbwertszeit: Hoben die Duisburger vor einer Woche noch die Welt aus den Angeln weil die Gladbach im Pokal besiegten, ist für die MSV-Fans der triste Zweitligaalltag unterhalb aller Erwartungen zurückgekehrt. Auch der Jubel über zwei Siege des 1. FC Köln dürfte am Samstag einen ordentlichen Dämpfer erhalten haben, als die Domstädter ausgerechnet das rheinische Derby gegen Leverkusen verloren.

Till Schwertfeger schrieb auf Welt Online einen Abgesang auf Bayern München - und nichts reizt mich mehr, als diesen Artikel ins Archiv zu befördern und am 8. Mai 2010 wieder hervor zu holen.
"Nicht erst seit der peinlichen Schlappe bei Aufsteiger Mainz 05 Ende August haben die Münchner ihren Ruf als übermächtiger Gegner verloren" schreibt Schwertfeger. Wenn dem so wäre, müssten 95 Prozent der Erstliga-Klubs gegen den FC Bayern nicht die Taktik der totalen Defensive wählen. Wenn dem so wäre, dann würden sich Vereine die gegen Bayern spielen nicht ihrer besten Saisonleistung bedienen, um in ihrem "Spiel des Jahres" die "Sensation" schaffen zu wollen.
Im Spiel gegen Mainz bot der FCB die wohl mit Abstand schlechteste Saisonleistung bisher - Mainz dagegen spielte mit gefühlten 200 Prozent. Der HSV zeigte sich am Samstag vor allem in der zweiten Halbzeit als ebenbürtig, auch dies gewissen Unzulänglichkeiten beim FC Bayern geschuldet. Der HSV von Wien oder Osnabrück wäre am Samstag mit einer Packung bedient worden. Stattdessen gab es eine Leistungsexplosion - und zwar weil es gegen Bayern ging.

Sechs Punkte hinter dem Tabellenführenden liegt der FC Bayern derzeit auf Platz 7 der Tabelle. Und wie Herr Schwertfeger selbst schreibt, ist gerade mal ein Fünftel der Saison absolviert. Sechs Punkte sind im günstigsten Falle an nur zwei Spieltagen aufzuholen.
"Dass das Vereinslied "FC Bayern – forever number one" schon seit mittlerweile 41 Spieltagen nicht mehr zeitgemäß ist, hat die Konkurrenz längst erkannt", so Schwertfeger. Am Ende wird abgerechnet - und auch wenn der FCB erst nach Abpfiff des 34. Spieltag Tabellenerster werden sollte, dürfte die Freude dann in München am Größten sein. Und ich werde den Artikel von heute nochmal rauskramen - das gehört eben zur Freude der Sieger.