Der Trainer
Wer den Trainer für diese beschämende Niederlage verantwortlich machen will, soll es tun. Jene, die schon die ganze Saison über den "Bäckersohn" herziehen, haben dafür persönliche Gründe - aber selten greifende Argumentationsketten. So einfach mache ich es mir nicht.
Die Klinsmann'sche Aufstellungsvariante von gestern Abend hätte ich so nie gewählt. Aber das ist taktisches Geplänkel, ich bin ja kein Fußballtrainer. Seien wir aber ehrlich, hätte er eine andere Aufstellung bevorzugt und das Ergebnis wäre das gleiche gewesen, hätte man auch dann lauthals seinen Kopf gefordert. Er kann eben nichts richtig machen - und das ist auch der Grund warum ich mittlerweile glaube, dass Jürgen Klinsmann und der FC Bayern ein Riesenmissverständnis sind.
Man kann Jürgen Klinsmann nun wirklich nicht vorwerfen, dass er nicht alles versucht - zumindest dahingehend hat er den meisten Protagonisten auf dem Platz die richtige Einstellung voraus. Manche Maßnahmen sind - sagen wir mal - "unkonventionell" und nicht immer ganz nachzuvollziehen - die letzte, ein Donnerschlag, die Torwartentscheidung vor dem Barca-Spiel. Die unglückselige Experimentiererei in Sachen Torhüterwahl hat es unter Klinsmann schon in der Nationalmannschaft gegeben - Nachfolger Löw macht es nicht viel besser. Ich bin kein Freund von diesem Gewurschtel - macht es unsere durchweg guten Schlussmänner nämlich nicht sicherer! Sei's drum - Butt hat seine Sache gestern den Umständen entsprechend gut gemacht. Wäre ich Michael Rensing, würde ich den Manager heute noch um meine Freigabe bitten.
Dazu kommen Entscheidungen wie das Hochloben eines Landon Donovans und die Verbannung des Kapitäns van Bommel auf die Bank - allesamt "unglücklich unkonventionell".
Der größte Fehler des Jürgen Klinsmanns offenbarte sich spätestens gestern Abend: Er hätte - einhergehend mit seiner Verpflichtung als Trainer - auf qualitativ hochwertige Neuverpflichtungen zu Anfang der Saison bestehen müssen. Tat er aber nicht, da er den bestehenden Kader überschätzte. Das rächt sich jetzt gnadenlos zum Ende der Saison.
Eine wirkliche Schuld an dieser holprigen Saison kann ich Jürgen Klinsmann allein allerdings nicht zuordnen. Aber da die Kluboberen selbst, und vor allem die Fans des FC Bayern nicht die nötige Geduld oder den notwendigen Gleichmut für einen Umbruch à la Klinsmann mitbringen, bleibt letztlich nur die Lösung Trainerwechsel. Wie heißt es so schön? "Der Druck wurde irgendwann zu hoch."
Die Mannschaft
Ein Verein, der sich in Reichweite der europäischen Top-Klubs sehen will, kann sich Spieler wie Christian Lell oder die Mailänder Leihgabe Massimo Oddo nicht leisten. Ein solcher Verein muss die Alternativen haben, um weitgehend unmotivierte Mitläufer wie Podolski, Schweinsteiger und Borowski kompensieren und auf die Bank setzen zu können. Ein solcher Klub muss mit mindestens vier Stürmern ausgestattet sein, um Verletzungsphasen oder länger andauernde Schwächeperioden überbrücken zu können. Dies alles kann der FC Bayern 2008/2009 nicht.
Mangels Alternativen müssen wir Woche für Woche einen extrem limitierten Lell neben den Angreifern des Gegners nebenher laufen oder Spieler wie Bastian Schweinsteiger regelrecht abtauchen sehen. Wir müssen einen beleidigt-lustlosen Podolski auflaufen lassen, weil es keine anderen Stürmer gibt. Wo bitte ist da der Druck um seine Spielberechtigung kämpfen zu müssen?
Die Mannschaft ist a) das Produkt einer zögerlichen Vereinsführung, die vor Saisonbeginn kein Geld zur Hand nehmen wollte - obwohl sich die Investitionen Ribéry, Toni und Klose längst gelohnt haben, und sie ist b) das Produkt einer Vereinsführung, die auf dem Schnäppchenmarkt aktiv wurde - der Qualität des Gesamtgebildes war dies abträglich (was nix kostet, is auch nix). Ein Fehler von dem Rummenigge und Hoeneß - und beide wissen, dass sie ihn auf dem Gewissen haben.
Dass ein Lukas Podolski nicht zünden will, konnte niemand ahnen. Sanktionieren kann man das jetzt nicht mehr, es fehlt die Alternative (oder man will sie nicht einsetzen - Stichwort: Müller!). Dass Spieler wie Schweinsteiger, Borowski, Altintop weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, muss man kompensieren können. Dass junge Talente (Sosa, Breno, Müller) Spielpraxis brauchen um sich zu entwickeln, demonstrierte gestern Abend der große FC Barcelona eindrucksvoll. Es geht also. Dass man Marcell Jansen hat ziehen lassen, rächt sich jetzt bitter. Dass ein allein gelassener Ribéry keinen Sommer macht, sieht man Woche für Woche. Dass man einem Torhüter zu dem man eigentlich nicht ausreichend Vertrauen hat, fast eine Saison lang vorgaukelt er sei die unumstrittene Nummer Eins, ist fahrlässig. Die Mannschaft des FCB hat sich gestern in Camp Nou schonungslos offenbart: nackt und schwach!
Die Vereinsführung
Wie bereits erwähnt, hat sich die Zurückhaltung in der Einkaufspolitik spätestens jetzt bitter gerächt. Und - Wirtschaftskrise hin oder her - ist man auch nach dieser Saison ähnlich zurückhaltend, wird es auf Dauer nichts mit dem Aufschließen auf die Großen in Europa.
Dazu kommt, dass man keine Risiken eingehen will - was der Verpflichtung eines Trainers Klinsmann natürlich unvereinbar gegenübersteht. Umbruch heißt Geduld - auch beim FC Bayern. Chancen für die Jugend heißt auch den Mut zu haben, sie spielen zu lassen. Wenn sich der Präsident des Vereins allerdings gemein macht mit dem Boulevard, kann so etwas wie Ruhe nicht aufkommen.
Die Fans
Diese stillose Verunglimpfung des Trainers von Beginn an ist - bei aller persönlichen Antipathie des Einzelnen - auch mangelnde Unterstützung des Vereins. Hier macht man es der boulevardesken Berichterstattung (Bild, Az, Tz, DSF, Premiere, RTL etc. pp.) nicht nur leicht - man macht sich auch gemein mit ihr.
Wie viel bodenlosen und beschämenden Unsinn ich dieser Saison in Zügen, auf Tribünen gehört und in Foren und Blogs gelesen habe - so viel Scheißdreck aus Bayern-Kehlen habe ich in dreißig Jahren Dasein als Bayern-Fan nicht gehört. Und ich war heuer nicht mal viel unterwegs.
Gestern Abend
haben wir die derzeit beste Vereinsmannschaft der Welt Fußball zelebrieren sehen. Dagegen gibt es nicht allzu viele Mittel. Mit einer durch Ausfälle arg gebeutelten Truppe fällt dies umso schwerer. Ich fange nicht an von Einstellung, Herzblut und Leidenschaft zu philosophieren - das Fehlen dieser Grundtugenden wäre schlimm. Viel schlimmer ist aber, dass unsere Mannschaft keinerlei Mittel hatte. Spielerisch nackt und schwach. Die Aufgabe für Jürgen Klinsmann - oder wer auch immer noch kommen mag - ist viel größer als wir alle befürchtet hatten.
Wer den Trainer für diese beschämende Niederlage verantwortlich machen will, soll es tun. Jene, die schon die ganze Saison über den "Bäckersohn" herziehen, haben dafür persönliche Gründe - aber selten greifende Argumentationsketten. So einfach mache ich es mir nicht.
Die Klinsmann'sche Aufstellungsvariante von gestern Abend hätte ich so nie gewählt. Aber das ist taktisches Geplänkel, ich bin ja kein Fußballtrainer. Seien wir aber ehrlich, hätte er eine andere Aufstellung bevorzugt und das Ergebnis wäre das gleiche gewesen, hätte man auch dann lauthals seinen Kopf gefordert. Er kann eben nichts richtig machen - und das ist auch der Grund warum ich mittlerweile glaube, dass Jürgen Klinsmann und der FC Bayern ein Riesenmissverständnis sind.
Man kann Jürgen Klinsmann nun wirklich nicht vorwerfen, dass er nicht alles versucht - zumindest dahingehend hat er den meisten Protagonisten auf dem Platz die richtige Einstellung voraus. Manche Maßnahmen sind - sagen wir mal - "unkonventionell" und nicht immer ganz nachzuvollziehen - die letzte, ein Donnerschlag, die Torwartentscheidung vor dem Barca-Spiel. Die unglückselige Experimentiererei in Sachen Torhüterwahl hat es unter Klinsmann schon in der Nationalmannschaft gegeben - Nachfolger Löw macht es nicht viel besser. Ich bin kein Freund von diesem Gewurschtel - macht es unsere durchweg guten Schlussmänner nämlich nicht sicherer! Sei's drum - Butt hat seine Sache gestern den Umständen entsprechend gut gemacht. Wäre ich Michael Rensing, würde ich den Manager heute noch um meine Freigabe bitten.
Dazu kommen Entscheidungen wie das Hochloben eines Landon Donovans und die Verbannung des Kapitäns van Bommel auf die Bank - allesamt "unglücklich unkonventionell".
Der größte Fehler des Jürgen Klinsmanns offenbarte sich spätestens gestern Abend: Er hätte - einhergehend mit seiner Verpflichtung als Trainer - auf qualitativ hochwertige Neuverpflichtungen zu Anfang der Saison bestehen müssen. Tat er aber nicht, da er den bestehenden Kader überschätzte. Das rächt sich jetzt gnadenlos zum Ende der Saison.
Eine wirkliche Schuld an dieser holprigen Saison kann ich Jürgen Klinsmann allein allerdings nicht zuordnen. Aber da die Kluboberen selbst, und vor allem die Fans des FC Bayern nicht die nötige Geduld oder den notwendigen Gleichmut für einen Umbruch à la Klinsmann mitbringen, bleibt letztlich nur die Lösung Trainerwechsel. Wie heißt es so schön? "Der Druck wurde irgendwann zu hoch."
Die Mannschaft
Ein Verein, der sich in Reichweite der europäischen Top-Klubs sehen will, kann sich Spieler wie Christian Lell oder die Mailänder Leihgabe Massimo Oddo nicht leisten. Ein solcher Verein muss die Alternativen haben, um weitgehend unmotivierte Mitläufer wie Podolski, Schweinsteiger und Borowski kompensieren und auf die Bank setzen zu können. Ein solcher Klub muss mit mindestens vier Stürmern ausgestattet sein, um Verletzungsphasen oder länger andauernde Schwächeperioden überbrücken zu können. Dies alles kann der FC Bayern 2008/2009 nicht.
Mangels Alternativen müssen wir Woche für Woche einen extrem limitierten Lell neben den Angreifern des Gegners nebenher laufen oder Spieler wie Bastian Schweinsteiger regelrecht abtauchen sehen. Wir müssen einen beleidigt-lustlosen Podolski auflaufen lassen, weil es keine anderen Stürmer gibt. Wo bitte ist da der Druck um seine Spielberechtigung kämpfen zu müssen?
Die Mannschaft ist a) das Produkt einer zögerlichen Vereinsführung, die vor Saisonbeginn kein Geld zur Hand nehmen wollte - obwohl sich die Investitionen Ribéry, Toni und Klose längst gelohnt haben, und sie ist b) das Produkt einer Vereinsführung, die auf dem Schnäppchenmarkt aktiv wurde - der Qualität des Gesamtgebildes war dies abträglich (was nix kostet, is auch nix). Ein Fehler von dem Rummenigge und Hoeneß - und beide wissen, dass sie ihn auf dem Gewissen haben.
Dass ein Lukas Podolski nicht zünden will, konnte niemand ahnen. Sanktionieren kann man das jetzt nicht mehr, es fehlt die Alternative (oder man will sie nicht einsetzen - Stichwort: Müller!). Dass Spieler wie Schweinsteiger, Borowski, Altintop weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, muss man kompensieren können. Dass junge Talente (Sosa, Breno, Müller) Spielpraxis brauchen um sich zu entwickeln, demonstrierte gestern Abend der große FC Barcelona eindrucksvoll. Es geht also. Dass man Marcell Jansen hat ziehen lassen, rächt sich jetzt bitter. Dass ein allein gelassener Ribéry keinen Sommer macht, sieht man Woche für Woche. Dass man einem Torhüter zu dem man eigentlich nicht ausreichend Vertrauen hat, fast eine Saison lang vorgaukelt er sei die unumstrittene Nummer Eins, ist fahrlässig. Die Mannschaft des FCB hat sich gestern in Camp Nou schonungslos offenbart: nackt und schwach!
Die Vereinsführung
Wie bereits erwähnt, hat sich die Zurückhaltung in der Einkaufspolitik spätestens jetzt bitter gerächt. Und - Wirtschaftskrise hin oder her - ist man auch nach dieser Saison ähnlich zurückhaltend, wird es auf Dauer nichts mit dem Aufschließen auf die Großen in Europa.
Dazu kommt, dass man keine Risiken eingehen will - was der Verpflichtung eines Trainers Klinsmann natürlich unvereinbar gegenübersteht. Umbruch heißt Geduld - auch beim FC Bayern. Chancen für die Jugend heißt auch den Mut zu haben, sie spielen zu lassen. Wenn sich der Präsident des Vereins allerdings gemein macht mit dem Boulevard, kann so etwas wie Ruhe nicht aufkommen.
Die Fans
Diese stillose Verunglimpfung des Trainers von Beginn an ist - bei aller persönlichen Antipathie des Einzelnen - auch mangelnde Unterstützung des Vereins. Hier macht man es der boulevardesken Berichterstattung (Bild, Az, Tz, DSF, Premiere, RTL etc. pp.) nicht nur leicht - man macht sich auch gemein mit ihr.
Wie viel bodenlosen und beschämenden Unsinn ich dieser Saison in Zügen, auf Tribünen gehört und in Foren und Blogs gelesen habe - so viel Scheißdreck aus Bayern-Kehlen habe ich in dreißig Jahren Dasein als Bayern-Fan nicht gehört. Und ich war heuer nicht mal viel unterwegs.
Gestern Abend
haben wir die derzeit beste Vereinsmannschaft der Welt Fußball zelebrieren sehen. Dagegen gibt es nicht allzu viele Mittel. Mit einer durch Ausfälle arg gebeutelten Truppe fällt dies umso schwerer. Ich fange nicht an von Einstellung, Herzblut und Leidenschaft zu philosophieren - das Fehlen dieser Grundtugenden wäre schlimm. Viel schlimmer ist aber, dass unsere Mannschaft keinerlei Mittel hatte. Spielerisch nackt und schwach. Die Aufgabe für Jürgen Klinsmann - oder wer auch immer noch kommen mag - ist viel größer als wir alle befürchtet hatten.

10 Kommentare:
Schön geschrieben!
Ich gebe dir in vielen Sachen Recht, aber eines ist gewiss.. obwohl ich das Management sehr gut finde, werden sie es auch im Sommer wieder versäumen, die Mannschaft richtig zu verstärken. Schade eigentlich!
Zu den Neuverpflichtungen Progrebniak und Olic würde ich noch einen Topstar holen (a la Toni .. Ribery), denn mal ganz ehrlich, wer glaubt denn das P. und O. sofort in einem neuen Umfeld, ihre Leistung abrufen können.
Außerdem sollte man nun endlich mal die Jugend ins Boot holen.
Müller hat es doch vorgemacht.
Ich bin auf jeden Fall derzeit sehr enttäuscht, an die Meisterschaft glaube ich auch spätestens seit Samstag auch nicht mehr.
Danke.
wie vielschichtig ein problem sein kann, schade dass das nicht alle sehen!!
schöner text!
Schön gesagt, dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Niederlage eine ähnliche Signalwirkung hat wie jenes Spiel in Stuttgart, als Hoeneß der Mannschaft noch in der Kabine sagte, dass sich einiges ändern wird.
Herzlichen Dank dafür!
Auch von mir herzlichen Dank!
Es ist wirklich traurig anzusehen, dass die Transfers bzw. die Transferpolitik der letzten Jahre erstaunlich mutlos und - leider auch zunehmend planlos erscheinen...
Werden hier Spieler verpflichtet, weil Sie halt auf dem Markt sind? Oder sollten Spieler nicht eher passend zu den gespielten Systemen verpflichtet werden??
Kurz gesagt, mir fehlt seit einer gewissen Zeit eine Linie in der Entwicklung des Vereins...
P.s. Bin Fan und Mitglied des FCB!!!
Na ja "schöner Text" trifft es ja nun nicht wirklich.
Ich wünsch' Euch trotzdem ein angenehmes Osterfest! Gebloggt wird erst nach dem Samstagsspiel wieder - falls uns nicht aktuelle Geschehnisse wie eine Trainerentlassung einholen sollten.
sehr treffende Analyse!! Danke!
Chapeau. Hoffentlich liest deinen Beitrag auch jemand vom FCB und zieht die richtigen Lehren daraus. Glänzende Analyse zur aktuellen Situation.
Wie wahr, wie wahr... Trainer beim FCB ist und bleibt kein Zuckerschlecken und der Klinsmann ist wohl zu wenig harter Hund und so läuft es wohl auf eine Vertragsauflösung hinaus.
Wie kommt es, dass sich ein FCB-Blog gar nicht mit den Klinsmann-Karikaturen beschäftigt? Bleibt das nun allein bei mir Nordlicht hängen:
http://wieichreichwurde.blogspot.com/2009/04/klinsmann-und-die-taz-alles-fur-die.html
Beste Grüße aus der zukünftigen Meisterstadt Hamburg ;)
Cornelius H.
Kommentar veröffentlichen