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Mittwoch, 18. März 2009

Ins Schwarze getroffen

Der Aufschrei, das spontane Veto, bis hin zur Verunglimpfung des Bayern-Managers Uli Hoeneß nach dessen "Traum" vom bezahlbaren Fußball im Fernsehen, wurde in plakative Überschriften wie "Fußball-GEZ", "Zwangsabgabe" oder schlicht "Hoeneß-Zuschlag" gekleidet. Ohne jegliche Reflektion, ja nicht einmal unter zur Kenntnisnahme was Uli Hoeneß wirklich gesagt und sich gewünscht - und keineswegs etwa gefordert - hatte.

Dies ist exemplarisch für unsere Gesellschaft: erst einmal Schreien und protestieren, anschließend kann man sich ja immer noch ernsthaft damit auseinandersetzen - wenn's denn Not tut. Wir sind eben keine Gesellschaft mehr, in der Argumente gehört, nachgedacht und dann reagiert wird. Bei uns empört man sich lieber auf "Nachmittags-Talk"-Niveau.

Was Hoeneß in der Wirtschaftswoche geäußert hatte, war keinesfalls missverständlich. Nur hatten es die wirklich wenigsten gelesen, geschweige denn durchdacht.
Erschreckend hierbei: Selbst hochrangige Politiker und Sportfunktionäre, und natürlich jede Menge Journalisten, bliesen unverzüglich ins Horn des Aufschrei's!

Sie haben es noch immer nicht begriffen: Uli Hoeneß sagt Dinge, die man zunächst sacken lassen muss. Danach sollte man sich über die Feinheiten solcher Aussagen Gedanken machen, die Argumentation auf den Prüfstand stellen - um letztlich zu dem Schluss zu kommen, dass Herr Hoeneß da vermutlich voll ins Schwarze getroffen hat - oder noch treffen könnte. Beispiele dafür liefert seine Vitae zugenüge.


Gesetzt dem Fall - und so unrealistisch scheint dies nicht zu sein - wird der Bezahlsender Premiere sein defizitäres Geschäftsmodell nicht mehr allzu lange aufrecht erhalten können. Dies liegt einerseits an dem völlig überschätzen Standbein "Hollywood-Movies", und zum anderen an der Verpreisung der Fußball-Pakete.
Die Hollywood-Industrie ist nicht resistent gegen Krisen, und Kinofilme kommen mittlerweile in einem viel schnelleren Turnus in unsere Videotheken bzw. in den DVD-Verkauf. Damit ist das Konzept, Kinofilme zügig im Bezahlprogramm zu zeigen, ausgehebelt. Das Argument für den Sender ist der Fußball, dessen Übertragungsrechte man sich von Saison zu Saison für viel Geld erkämpfen muss. Mühsam kämpft Premiere um jeden Abonnenten - mühsam, weil man den Kunden einerseits Mietkosten für die Dekoder abknüpft, und andererseits die einzelnen Programm-Pakete sehr teuer anbietet. Man kann oder muss neben dem Bundesliga-Paket auch noch das Champions-League-Paket inklusive der DFB-Pokal-Übertragungen abonnieren. Insgesamt beläuft sich dann die Rechnung auf mindestens 40 Euro. Neben eventueller Kabel-Gebühr und fälliger GEZ-Gebühr, belaufen sich somit die monatlichen Kosten auf gut und gerne bis über 70 Euro.

Wenn Uli Hoeneß jetzt zu den 17 Euro GEZ-Gebühr einen Aufschlag von 2 bis 3 Euro für die öffentlich-rechtlichen Sender ins Gespräch bringt, kann ich mit weniger als einem Drittel des derzeitigen Preisniveaus gut leben. Und lassen wir die Champions League außen vor, lägen die Kosten immerhin bei weniger als 50 Prozent unter den momentanen Kosten bei einem Kabelanschluss.
Gründe dafür, gibt es meines Erachtens einleuchtende.

Und selbst wenn die Ausschüttung für den deutschen Fußball nicht in der Höhe anfallen sollte, wie von Hoeneß ins Spiel gebracht, wären 5 oder auch 6 Euro pro Haushalt immer noch tragfähig.
Die Struktur für den Einzug der Gelder steht bereits - und auch der Fußball ist Kulturgut, dessen mediale Erreichbarkeit wir ohnehin schon via GEZ finanzieren.
Diese von Herrn Hoeneß laut gedachte Alternative ist eine! Eine Alternative, die a) das Interesse am Fußballsport belebt; b) den deutschen Fußball international konkurrenzfähiger macht und c) für die breite Masse finanziell tragbar ist.