"Der FC Bayern hat gegen portugiesische Teams im Europapokal eine nahezu makellose Bilanz aufzuweisen. In 21 Spielen gab es erst eine Niederlage, diese war allerdings eine schmerzhafte. Vor 22 Jahren unterlagen die Münchner im Finale des Landesmeistercups dem FC Porto mit 1:2. In Portugal hat der FCB von elf Spielen fünf gewonnen und sechs unentschieden gespielt. In der letzten UEFA-Cup-Saison gab es einen 2:0-Erfolg bei OS Belenenses und ein 1:1 beim FC Braga. Noch nie ist der FC Bayern gegen eine Mannschaft aus Portugal ausgeschieden. "
... heißt es auf der Website des FC Bayern.
Ausgeschieden sind sie aber eben doch, am Abend des 27. Mai 1987 im Wiener Prater-Stadion gegen den FC Porto.
Landesmeister-Finale - Mit dem Zug ging es nach Wien - ohne Karte. Für damalige Verhältnisse waren die Kosten für diese Zugfahrt für mich nicht unerheblich, aber ich wollte unbedingt dabei sein - war ich doch für das Finale von Rotterdam 1982 noch zu jung, um gegen Aston Villa vor Ort zu sein.
In Wien angekommen marschierten wir zum Prater, tranken Bier und genossen die Sonnenstrahlen in der österreichischen Hauptstadt. Stunde um Stunde verging, und all unsere Mühen doch noch eines der begehrten Tickets zu bekommen, schienen aussichtslos. Wen wir auch trafen, die Schwarzmarktpreise waren horrend - der Spitzenwert lag bei über 1000 Mark. Ich erinnere mich noch gut daran, als ein Portugiese neben mir am Pissoir stand, mich breit anlächelte und in gebrochenen Englisch anbot, den Pokal doch zu teilen. Ich lehnte dankend ab - denn der Pott ist uns, da war ich mir sicher. Bayern war haushoher Favorit - niemand rechnete mit einem Sieg des FC Porto, einer bis dato - auf europäischer Ebene - nahezu unbekannten Mannschaft. Dann hörten wir, dass der Bus des Fanclubs "Niederrhein" jeden Augenblick einträfe, und dort noch jemand Karten hätte. Wir warteten auf den letzten Mann, der aus dem Bus ausstieg, und tatsächlich: Er hatte noch Karten und verkaufte uns welche - 40 Mark das Stück! Unfassbar! Wir hätten den Boden küssen können, so erleichtert waren wir.
Ich hatte selten zuvor so viele Bayern-Fans auf einen Haufen wahrgenommen und die Stimmung in der Fankurve war gigantisch! Vor dem Stadion das wohl größte Polizei-Aufgebot, das ich je gesehen hatte - Wien wollte nicht die Fehler machen, die man in Brüssel zwei Jahre zuvor begangen hatte.
Die erste Halbzeit lief dann auch nach Plan, wir gingen durch Ludwig Kögl 1:0 in Führung. Die Unruhe im zweiten Durchgang wuchs so langsam, Bayern wollte kein zweiter Treffer gelingen - aber dennoch hatte niemand wirklich das Gefühl, hier könne der Sieger anders als FC Bayern München heißen - bis zur 77. Minute, als ein uns damals unbekannter Spieler namens Rabah Madjer den Ausgleich schoss - per Hacke. Drei Minuten später dann das 2:1 für Porto. Wir waren fassungslos! So schön der Tag war - so glücklich der Umstand, doch noch eine Eintrittskarte erstanden zu haben, dies aber war der Albtraum! Es war eine Mischung aus Wut, Enttäuschung und Unglaube, mit der wir nach dem Spiel durch die Wiener Dunkelheit in Richtung Hauptbahnhof schlichen. Ich war so enttäuscht. Eine Woche lang sprach ich kein Wort - was einerseits an meiner Heiserkeit lag, und andererseits Ausdruck tiefer Enttäuschung und Frustration war. Das Trauma "Porto" sollte den FC Bayern noch eine ganze Weile verfolgen - und erst 14 Jahre später, durfte ich endlich den Pott in den Händen von Bayern-Spielern bejubeln.
Heute Abend nun das Achtelfinal-Rückspiel gegen Sporting Lissabon. Nach dem 5:0-Auswärtssieg eigentlich eine ganz klare Sache. Wir stehen mit mehr als nur einem Bein im Viertelfinale der Champions League. Von Personalsorgen (Ribéry, Toni, Altintop) geplagt, sind wir trotz des 5:1 in der Liga gegen Hannover noch nicht wieder die alten Bayern. Daher prognostiziere ich ein mäßiges 1:2, was nicht begeistert aber auch nichts mehr anrichtet. Im Gegensatz zur 1-2-Niederlage des 27. Mai 1987.

4 Kommentare:
Oh, wie wird das schön morgen Abend... Nein, ganz ehrlich, es ist schon komisch: CL-Spiele zu Hause haben immer eine besondere Stimmung, vor allem in der KO-Runde, aber ich weiß, dass diesmal davon nicht viel dabei sein wird. Selbst Lissabon streicht ja jetzt schon die Segel und lassen ihre besten Spieler zu Hause.
Aber andererseits will ich mich nicht beschweren, denn schließlich ist jedes Heimspiel (nach zwölf Jahren Dauerkarte in der Südkurve) für mich immer wieder stark.
Ich könnte morgen auch einfach zu Hause bleiben und mich vor den Fernsehern knallen, aber ich würde mir blöd vorkommen... Schließlich könnte ich ja im Stadion sein.
Ich bin optimistischer als du und tippe auf ein Unentschieden (1:1, Klose). Andererseits erinnere ich an das Achtefinale im UEFA Cup der Vorsaison, als wir nach einem 5:0 Sieg bei Anderlecht Bruxelles im Rückspiel 1:2 unterlagen.
Ich wär auch lieber mit Jahreskarte regelmäßig in der Allianz-Arena - leider wohne ich etwas weit weg.
Schön, dass ich falsch lag - ich sollte öfter auf Niederlagen setzen - nur bring ich das so selten übers Herz.
Kommentar veröffentlichen