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Sonntag, 15. Februar 2009

Baustellen


Drei Spiele der Rückrunde sind gespielt - zwei davon haben wir verloren. War man beim Spiel in Hamburg noch geneigt von unglücklichen Konstellationen und fahrlässiger Chancenverwertung zu sprechen, wurde gegen Hertha allzu offensichtlich welch' gravierende Baustellen die Mannschaft des FCB immer noch hat.

Hertha hat - ohne acht Stammspieler - mit Mann und Maus verteidigt und höchst effizient zwei Tore erzielt. Voronin kam nicht mal ins Schwitzen, denn er hatte nur zwei Szenen - die zum 1:0 und die zum 2:1. Herausragend beim Gegner: Torhüter Drobny, der nicht erst seit gestern als Pate der guten Tabellenplatzierung Herthas gelten darf. Trotz aller Effizienz wird Hertha BSC so kein Meister werden können - obwohl die Tageszeitungen mit den Berlinern heute schon einen neuen Meisterschaftsaspiranten ausgemacht haben wollen. Viel interessanter dürfte da doch die Entwicklung von Bayer Leverkusen in den nächsten Wochen und Monaten werden - die haben auch die spielerische Klasse, und könnten - bei einem Lauf - die Bayern ernsthaft in Schwierigkeiten bringen. Der Abschwung in Hoffenheim ist eingeläutet - keine Überraschung für mich. Personelle Sorgen und die Tatsache, dass sie nun endlich ernst genommen werden von den Gegnern, sorgt für ordentlichen Gegenwind in der Rückrunde. So viel zur Konkurrenz.

Als Schlüsselspiel bezeichnete Jürgen Klinsmann die Partie in Berlin - und Uli Hoeneß sieht im FC Bayern München die größte Bedrohung des FC Bayern München. Beide Aussagen finde ich extrem beunruhigend.

Die Baustellen des FCB sind vielfältig - zu viele sind es ohnehin.

Da ist das Manko auf der rechten Seite, mit einem Christian Lell, der nicht ansatzweise an die gute Saison des letzten Jahres anknüpfen kann. Lell's Defizite sind für eine Top-Mannschaft wie sie der FC Bayern sein will, allzu offensichtlich: Er kann nicht Flanken, er kann nicht schießen, er greift zu spät an, steht falsch zum Gegner und zum Ball. Schlimmer kann es Oddo auch nicht machen - und dennoch: hier brauchen wir dringend Ersatz!

Die lethargische Funktion, die immer dann greift, wenn Ribéry effektiv abgeschirmt wird oder einen mal nicht so starken Tag hat, ist wohl eher psychologischer Natur als mathematischer. Wo greifen hier die Mechanismen, die der Trainer vorzugeben und mit der Mannschaft einzustudieren hat? Natürlich ist die Ribéry-Seite die beste Waffe des FC Bayern - aber wenn diese vom Gegner ausgeschaltet wird, muss eine taktische Alternative her.

Fehlende Form - dies gilt für Sebastian Schweinsteiger ebenso, wie für Miro Klose und Luca Toni. Schweinsteiger bemüht sich zwar, scheint aber auf seiner Position seiner eigentlichen Stärken beraubt. Und dennoch kann er sie spielen - und wie! Doch nach der Vertragsverlängerung ist nichts mehr zu sehen von dem Weltklasse-Spieler Schweinsteiger. Formkrise!
Die beiden Stürmer verdaddeln eindeutig zu viele Möglichkeiten. Ihre Klasse ist unbestritten - allein ihre Effizienz lässt sehr zu wünschen übrig. Donovan als Alternative ist wohl auch nur in des Trainers Wunschvorstellung eine funktionierende Gleichung. Uns fehlen noch zwei gute Stürmer.

Die Defensive - und damit ist die gesamte Defensivarbeit von vorn bis hinten gemeint - stottert - und das gewaltig. Zu viel Platz für den Gegner, zu spätes Stören des Ball führenden Gegenspielers - wie oft haben wir das nun schon mit anschauen müssen?!
Da wundert es nicht, dass Weltklasse-Abwehrspieler wie Lucio und Demichelis hier und da fahrig wirken. Und es kann auch keinen verwundern, dass ein junger Torhüter hier und da unsicher wirkt und mit übereilten Aktionen scheitert. Warum nicht die Stärken eines konstant gut spielenden van Buyten mit einbinden?

Standardsituationen - Eine Spitzenmannschaft, die schon seit Jahren die Möglichkeiten von Freistößen und Eckbällen nicht zu nutzen weiß, gibt es wohl in Europa nicht sehr häufig. Für mich einzig und allein eine Frage des Trainings - somit des Trainers. Herr Klinsmann! Üben, üben, üben!

Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass Jürgen Klinsmanns Handschrift bislang vorwiegend bei der Physis der Mannschaft deutlich erkennbar ist. Topfit sind sie, sonst könnten sie solche Stumlauf-Partien nicht Woche für Woche durchstehen. Taktisch fehlt's allerdings - und auch das ist Trainersache - oder haben wir nur einen Fitness-Trainer engagiert? Ansatzweise durften wir hin und wieder tolles, schnelles Kombinationsspiel bewundern - doch wir haben jetzt den 20. Spieltag hinter uns gebracht. 20 von 34! Trotz der individuellen Klasse einen Ribéry, Zé Roberto, Lahm, Schweinsteiger, Klose greift das Klinsmannsche Wunschkonzept immer noch nicht.

Jetzt ist eine Serie nötig. Und diese Serie ohne Niederlagen muss bis Mitte Mai - also bis zum Hoffenheim-Spiel dauern! Andernfalls wird die Meisterschaft ein schwieriges Unterfangen. Von Champions-League oder DFB-Pokal mag ich da gar nicht erst reden.