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Dienstag, 27. Januar 2009

Roter Kopf und rotes Herz

Er ist die „Abteilung Attacke“, der Visionär des deutschen Fußballs, erfolgreicher Geschäftsmann, der Top-Manager des deutschen Fußballs, und beim FC Bayern die fürsorgliche „Mutter der Kompanie“ - All das in einer Person, polarisiert er wie kein anderer das deutsche Fußballvolk. Die Schreibe ist von Ulrich Hoeneß.

Als Sohn eines Metzgers in Ulm geboren, galt Hoeneß früh als eines der größten Talente des deutschen Fußballs. Zum FC Bayern kam Uli Hoeneß 1970. Er wurde dort 3x Deutscher Meister, 1x Pokalsieger und gewann mit den Bayern 3x in Folge den Europapokal der Landesmeister. 1972 wurde er Europameister und 1974 dann Weltmeister - Hoeneß galt als "schnellster lebender Stürmer Europas".
1979 holte ihn Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker als Manager zurück zum FC Bayern München, und Uli Hoeneß drückte mit den Jahren - wie niemand sonst im bezahlten Fußball einem Verein - dem FC Bayern seinen Stempel auf. Mit Hoeneß als Manager entwickelte sich der Klub aus München zu einem modernen Fußballunternehmen, die sportliche wie wirtschaftliche Bilanz der „Hoeneß-Ära“ spricht für sich.

Seine Tätigkeit als Manager des, nicht zuletzt wegen ihm, erfolgreichsten deutschen Fußballclubs geht über das übliche Profil des Klubmanagers hinaus. Er hat die Rolle der Ziehmutter für junge Spieler inne, ist immer nah dran an der Mannschaft und jederzeit mit einem offenen Ohr für die Sorgen und Nöte der Spieler präsent. Der FC Bayern ist wie eine Familie für ihn, sagt er selbst, und so füllt er auch seine Rolle in diesem Verein vorbildlich aus.
Darüber hinaus ist Uli Hoeneß Inhaber des Nürnberger Unternehmens „HoWe Wurstwaren“, Produzent von Nürnberger Rostbratwürsten, das unter anderem Feinkost Käfer und ALDI beliefert.
Aufgrund eines Streits mit dem damaligen Bayern-Trainer Lorant wechselte Hoeneß zum 1. FC Nürnberg, kam dort jedoch nur 11x zum Einsatz. Mit 27 Jahren musste er wegen chronischer Kniebeschwerden seine Karriere als Fußballspieler beenden - Uli Hoeneß ging zurück zum FC Bayern, als jüngster Manager der Bundesliga - der Beginn einer einzigartigen Erfolgsstory.

Zu seiner Vitae gehört ein Flugzeugabsturz 1982, den Uli Hoeneß als einziger von vier Insassen überlebt. Ein Vorfall, an den er kein Erinnerungsvermögen besitzt. Einen Tag nach dem Absturz erwachte Hoeneß im Krankenhaus und fragte Paul Breitner als erstes, wie das Länderspiel ausgangen sei. Zehn Jahre später übersteht Hoeneß eine lebensbedrohliche Darmoperation. Mit beeindruckendem Gleichmut ertrug er über die Jahrzente Schmähgesänge und sogar Morddrohungen gegen ihn und seine Familie während der Daum-Affäre.

Uli Hoeneß sagt was er denkt und geht offensiv und ehrlich auf die Leute zu - er selbst nennt sich die "Abteilung Wahrheit". Dabei ist er nicht immer diplomatisch gewesen, und das hat ihm nicht nur Freunde, sondern auch jede Menge Feinde beschert - nicht zuletzt weil er sich gerne der psychologischen Kriegsführung und Provokation bediente. Kaum ein anderer hat die Zeichen der Zeit so früh und erkannt und die Weichen gestellt für modernen, wirtschaftlich soliden Fußball, der international konkurrenzfähig ist. Wer ihm Arroganz vorwirft, der weiß recht wenig über ihn. Als fairer Geschäftspartner, auf dessen Wort Verlass ist, verschweigt er zurückhaltend eine Vielzahl von sozialen Engagements. Auch das ist Uli Hoeneß.

Nun steht der Zeitpunkt bevor, von dem ich dachte ihn nie erleben zu müssen: Uli Hoeneß räumt seinen Posten als Manager des FC Bayern.
Doch seine Reputation und das Übermaß an Erfahrungen, sowie das Schwergewicht seiner Persönlichkeit bleibt dem Klub erhalten. Hoeneß wird neuer Präsident des FCB. Wir verlieren also den besten Manager, den man sich wünschen konnte, und gewinnen dafür den bestmöglichen Mann für das Präsidentenamt. Er wird dem Klub erhalten und selbstverständlich verbunden bleiben - denn der FC Bayern München ist Hoeneß' Baby, für das er all die Jahre - nicht selten mit gerötetem Kopf - kämpfte, wie eine Bärenmutter um ihr Junges. Eine Ära geht bald zu Ende - eine neue beginnt.


Teile des Textes sind abgewandelt oder auch vollständig aus dem Artikel "Abteilung Attacke" (veröffentlicht bei cox orange) übernommen.