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Sonntag, 5. Oktober 2008

Nur Geduld

Es liegt noch nicht lange zurück - in Zeiten bajuwarischer Fußball-Ökonomie - als Bayern München ein oder zwei Tore pro Spiel schoss, das Ergebnis daraufhin kühl verwaltete und sicher aber unspektakulär Woche für Woche drei Punkte einfuhr. Ja, das war über Jahre hinweg erfolgreich, aber tief in mir wünschte ich, meine Mannschaft würde endlich mal nachlegen. Ich erhoffte mir spektakulären Fußball mit Angriffsmentalität bis zur letzten Minute. Endlich mal wieder ein 4:0 oder 6:1 sehen, statt ewig 1:0 oder 2:0 zu gewinnen - Ergebnisse, die nicht im Ansatz die Überlegenheit ausdrückten, mit der Bayern zeitweise spielte. Diese äußerst effiziente Methode verbot allerdings jegliche Kritik, denn sie stellte eines sicher: Erfolg. Doch in München wollte man mehr. Man wollte Erfolg plus schönen Fußball, begeisterten Angriffsfußball statt taktischem Geschiebe. Diese Mentalität hat die Mannschaft nun verinnerlicht. Sie spielt weiter auf Tore, attackiert unermüdlich, und versucht auch bei einer zwei-Tore-Führung nachzulegen. Gegen Bochum wurde diese Mentalität nun zum Verhängnis.

Ich sehe dafür drei Gründe: die Mannschaft ist ob ihrer Ergebnisse in dieser Saison verunsichert. Drei Unentschieden, zwei Niederlagen, zwei Siege zeugen nicht von Konstanz und bringen daher keine Ruhe ins Team. Zweitens: Im Defensivverhalten vermisst man die Stabilität der letzten Saison - die vielen Gegentreffer sprechen eine deutliche Sprache: Hinten stimmt's einfach noch nicht. Drittens: Die Fülle an guten Möglichkeiten, die ungenutzt bleiben, kann man nicht nur den Stürmern anlasten. Kose und Toni sind bemüht und rackern unermüdlich, wirken aber ohne Bindung zum Mittelfeld. Tore kann man auch erzwingen. Aber das geht nur, wenn das Zusammenwirken zwischen offensivem Mittelfeld und Angriff funktioniert. Das tut es nicht.

Wenn man den Trainer dafür verantwortlich machen möchte, kann man ihm die häufigen Umstellungen anlasten. Allerdings ist genau das, das Konzept des Jürgen Klinsmann von Beginn an gewesen: verschiedene Systeme mit rotierenden Spielern - und so etwas muss man üben, und das geht eben nicht nur auf dem Trainingsplatz.
Wenn man den Trainer zum Schuldigen erklären will, kann man ihm vorwerfen ein Supertalent wie Toni Kroos nicht zu berücksichtigen, das im Mittelfeld genau das fehlende Bindeglied sein könnte, von dem ich eingangs sprach. Doch mal ehrlich: Hängt das Wohl und Weh des FC Bayern wirklich einzig und allein von einem 18-jährigen Nachwuchstalent ab?

Die schlechten Ergebnisse dieser Saison hatten bislang nur zwei Gemeinsamkeiten: Anfälligkeit in der Abwehr und mangelnde Torausbeute in der Offensive. Die Unentschieden gegen Dortmund und Hamburg waren der schwierigen Vorbereitungsphase geschuldet; die Niederlagen gegen Bremen und Hannover fielen in die Kategorien "fehlender Biss", gepaart mit "dumm gelaufen" (Bremen), und Überheblichkeit (Hannover). Nun kommt Verunsicherung dazu, denn trotz aller Überlegenheit war die erste Hälfte gegen den VFL Bochum alles andere als überzeugend. Und dennoch: Gestern hätten wir aufgrund der zweiten Halbzeit auch 6:1 gewinnen können, und jeder hätte gesagt, die Bayern sind wieder in der Spur. Die Einstellung hat gestern gestimmt. Es sind also Details im Zusammenwirken der Mannschaft, die momentan den Unterschied zwischen Erfolg und Blamage ausmachen.
Ehrlich gesagt, finde ich das eher beruhigend, macht es doch deutlich, dass sich weder ein Einstellungsproblem der Mannschaft, noch ein erkennbares Trainerproblem herauskristallisiert. An allem anderen kann man arbeiten. Üben wir uns in Geduld - die anderen sind ja auch noch nicht konstant, wie dieses Wochenende bislang gezeigt hat - wir stehen gerade mal vier Punkte hinter dem Tabellenersten.

1 Kommentare:

elmarinho hat gesagt…

Auch wenn ich einen Blick auf die Tabelle momentan vermeide (scheint mir irgendwie auch unnötig...), so ist es echt erstaunlich, dass es immer noch "nur" 7 Punkte sind. Das macht mir auch Hoffnung, dass es auf absehbare Zeit zumindest nicht mehr, sondern vielleicht sogar mal wieder weniger werden.